Diablo IV: Lord of Hatred im Test (Playstation 5)

Diablo IV: Lord of Hatred im Test (Playstation 5)

Rückkehr nach Sanktuario

Mit Diablo IV: Lord of Hatred liefert Blizzard die bislang stärkste Erweiterung für Diablo IV ab und führt die düstere Saga um Mephisto konsequent zu Ende. Die Reise nach Skovos eröffnet nicht nur eine neue Region, sondern eine der atmosphärisch dichtesten Kulissen der gesamten Reihe. Vulkanische Küsten, verlassene Tempelanlagen und sogar das Amazonen-Volk erzeugen eine Stimmung, die permanent zwischen Mythologie, Verfall und drohendem Untergang schwankt. Gleichzeitig fühlt sich Skovos vertraut und neu zugleich an, weil Blizzard das klassische Diablo Look-and-Feel mit einer deutlich stärkeren erzählerischen Inszenierung verbindet.

Die ca. zehnstündige Kampagne (in die ihr direkt starten könnt) ist dabei eine von mehreren Stärken der Erweiterung, die euch für 40 Euro nicht nur Lord of Hatred bringt, sondern auch Vessel of Hatred, die erste Erweiterung von Diablo IV.

Die Geschichte um Mephistos Einfluss auf Sanktuario entwickelt sich mit hohem Tempo, überraschenden Wendungen und starken Charaktermomenten, sodass er mal in Menschenform als Akakarat auftritt und dann wieder als übergroße, dämonische Präsenz. Die hier dargebotenen Zwischensequenzen beeindrucken uneingeschränkt mit kinoreifen Szenen, hervorragender Vertonung und einer spürbaren Liebe für Timing und Atmosphäre. Viele Szenen wirken wie kleine Dark Fantasy Produktionen für sich und verleihen der Handlung ein Gewicht, das Diablo IV in Vessel of Hatred nicht erreicht hat.

Gereiftes Gameplaysystem

Spielerisch wirkt Lord of Hatred wie eine ziemlich abgerundete Form von Diablo IV. Blizzard hat zahlreiche Systeme überarbeitet und dabei vor allem den Komfort und die Build-Vielfalt sinnvoll erweitert. Die neuen Fertigkeitsbäume sind deutlich intuitiver aufgebaut, um passive Fähigkeiten reduziert und erlauben trotzdem komplexe Charakterentwicklungen und mehr Skill-Punkten je Hauptangriff. Der endlich zurückgekehrte Horadrimwürfel bringt deutlich mehr Experimentierfreude ins Crafting und das neue Talismansystem erweitert Build-Möglichkeiten spürbar, indem nun ein Set-System Einzug findet, das sich von eurer Ausrüstung losgelöst konfigurieren lässt. Der außerdem dazugekommene Loot-Filter entschlackt das Endgame erheblich und macht gezieltes Farming wesentlich angenehmer, den unnützen und niedrigwertigen Loot könnt ihr von nun an einfach ausblenden.

Besonders gelungen bleibt das eigentliche Kampfgefühl. Fähigkeiten reagieren präzise, Treffer besitzen Wucht und das Spieltempo lässt sich flüssig bis in höchste Qualstufen steigern, ohne an Kontrolle zu verlieren. Denn mit dem richtigen Gear und Skilling könnt ihr nach der Kampagne die Schwierigkeitsgrade nun um 8 weitere Stufen erhöhen bis auf Qual 12. Auch die Menüführung wirkt aufgeräumter und klarer strukturiert als zuvor.

Mächtige neue Klassen

Der bereits seit Ende 2025 spielbare, neue Paladin zählt zu den besten Klassen, die Diablo IV bislang erhalten hat. Schild, Hammer und heilige Magie greifen hervorragend ineinander und erzeugen genau jene Mischung aus Defensive, Kontrolle und aggressivem Vorstoß, die Fans der Reihe erwartet haben. Fähigkeiten wie Gesegneter Hammer oder Himmelsfuror transportieren das klassische Diablo Gefühl nahezu perfekt in die moderne Spielstruktur von Diablo IV.

Auch der nun taufrische Hexenmeister (Warlock) hinterlässt einen extrem starken Eindruck und gehört direkt zu den dominantesten Klassen im aktuellen Meta. Die Mischung aus Totenbeschwörer und Zauberer ist wortwörtlich dämonisch gut und bietet so viel Spielvarianz, dass auch Einsteiger schnell Freude daran finden werden, dämonische Minions loszulassen oder Feuerexplosionen zu beschwören.

Beide Klassen wirken hervorragend durchdacht und spielerisch eigenständig. Vor allem in höheren Schwierigkeitsgraden zeigen sich die erweiterten Build Möglichkeiten als große Stärke der Erweiterung. Die Kombination mit Talisman, Build-Optimierung per Horadrim-Würfel (Affix-Management, Item Transmogs, Item-Verschmelzung, -Schöpfung, -Aufwertung) hält nicht nur für Build-Tüftler stundenlangen Spielspaß bereit.

Präsentation und Atmosphäre

Audiovisuell erreicht Lord of Hatred ein beeindruckendes Niveau. Animationen, Effekte und Charaktermodelle gehören zum Besten, was das Genre aktuell bietet. Gerade die Lichtstimmung und die Designs der neuen Regionen in Skovos strotzen vor Mystik. Feuer, Schatten und magische Effekte verschmelzen zu einer konstant dichten Gesamtatmosphäre.

Der orchestrale Soundtrack verstärkt diesen Eindruck konsequent. Besonders die Synchronisation von Mephisto sorgt regelmäßig für Gänsehaut und verleiht vielen Szenen zusätzliche Wucht. Technisch läuft die Erweiterung insgesamt stabil, auch wenn es gelegentlich zu kleineren Leistungseinbrüchen und Lags kommen kann, besonders im Effekt-überladenen Endgame.

Endgame mit Langzeitmotivation

Das aufpolierte Endgame profitiert sichtbar von den überarbeiteten Systemen. Die selbst konfigurierbaren Kriegspläne (ihr entscheidet über den Pfad, z.B. wie viele Albtraumdungeons, Höllenfluten, Gruben ihr lauft) geben mehr Kontrolle über Aktivitäten und Fortschritt, während das Echo des Hasses als fordernde Endlosprüfung vor allem im Koop enormes Motivationspotenzial entfaltet. In Summe sind die bereits bekannten, aber gut abgestimmten Endgame-Aktivitäten wie Unterstadt, Dunkle Zitadelle, Weltbosse, Uber Bosse, Flüsternder Baum und die erwähnten Grube, Höllenflut und Nightmare Dungeons mehr als genug Beschäftigung fürs Up-Gearen.

Selbst kleinere Ergänzungen wie das Angeln wirken überraschend passend, weil sie der dämonenbewanderten Welt Sanktuarios kurze Ruhephasen verleihen und Witz in das massive Kampfgeschehen bringen.

Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass Blizzard Diablo IV zunehmend komfortabler gestaltet, was sich durch die Kombination der Filter, des hervorragenden Würfels, des Talismans und aller bislang etablierter Mechaniken ergibt. Nach drei Jahren des kontinuierlichen Verbesserns – so auch mit der endlich verfügbaren Overlay-Map – gelingt Diablo IV mit Lord of Hatred der schwierige Spagat zwischen Zugänglichkeit, Tiefgang und Langzeitmotivation besser denn je.

Fazit: Ein grandioses Erlebnis

Lord of Hatred verbessert nahezu jeden Kernbereich von Diablo IV und liefert genau jene Mischung aus Atmosphäre, Spieltiefe und Inszenierung, die man sich von einer großen Diablo Erweiterung erhofft. Die Kampagne überzeugt mit starken Wendungen und großartiger Präsentation, das Kampfsystem wirkt reifer denn je und die neuen Klassen fügen sich hervorragend in das bestehende Spiel ein. Kleinere Balanceprobleme und vereinzelte technische Schwächen verhindern zwar die absolute Perfektion, dennoch markiert Lord of Hatred den bisherigen Höhepunkt von Diablo IV und zeigt eindrucksvoll, wie stark sich das Spiel seit seinem Start weiterentwickelt hat.

STORY 9
GAMEPLAY 9.5
GRAFIK UND TECHNIK 9
SOUND 9.5
ENDGAME UND MOTIVATION 9
UMFANG 8.5

GESAMT: 9.1/10

PRO

- hervorragend inszenierte Kampagne mit starken Wendungen
- atmosphärische neue Region Skovos
- exzellente Zwischensequenzen und Vertonung
- spürbar verbessertes Build- und Progressionssystem
- sehr starkes Kampfgefühl
- Paladin und Hexenmeister überzeugen spielerisch
- motivierendes Endgame mit mehr Flexibilität und Customizing

CONTRA

- gelegentliche Framerate Schwankungen im Endgame
- für Neueinsteiger trotz diverser QoL-Features sehr komplex
- neue Klassen bekommen wieder etwas Vorzüge

Danke an Blizzard Entertainment für die Bereitstellung des Testmusters.

verfasst von „ Maik“

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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026, 21:07 Uhr