
Phoenix Wright: Ace Attorney - Spirit of Justice
Seit mittlerweile 15 Jahren gibt es nun die Ace Attorney-Reihe – seit 10 Jahren auch bei uns. Das Spiel selbst hat sich dabei kaum verändert, doch bei der Serie ging es ohnehin nie so wirklich ums Gameplay, sondern um die fesselnde Erzählweise um Ermittlungen, Einsprüche und Ermordungen.

Phoenix Wright: Ace Attorney - Spirit of Justice
3ES
- Genre
- Adventure
- Serie
- Ace Attorney
- Entwickler
- Capcom
- Publisher
- Capcom
- Konsole
- 3ES
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Mit Spirit of Justice ist nun der sechste Teil der Hauptsaga exklusiv im Nintendo eShop erhältlich, und bringt mit dem Rechtssystem in Khura’in eine neue, exotische Note mit sich – und mit ihr auch die Rückkehr des klassischen Sidekicks Maya Fey!
Liebesgrüße aus Khura‘in
Obwohl Phoenix in Teil 5 seine heiß begehrte Anwaltsmarke zurückerhalten hat, blieb sein Sidekick Maya Fey bisher hinter den Vorhängen des Gerichtsschauspiels. Die zukünftige Dorfmeisterin des spiritistischen Dorfes Kurain verfolgt nämlich seit 2 Jahren (also kurz vor den Ereignissen in Apollo Justice) ein hartes Training in dem fernen Land Khura’in – dem Ursprungsland jener Technik, der es Maya erlaubt, Geister von Toten in ihren Körper zu beschwören.
Dieses Training steht nun kurz vor dem Abschluss, und Phoenix kommt auf einen Besuch vorbei. Doch auf Grund widriger Umstände stolpert der Anwalt wieder in einen Gerichtssaal… und durch die ausgeprägte Religion in Khura’in auch noch in andere Schwierigkeiten. Das ganze Rechtssystem basiert nämlich auf der „Divination Séance“ – einem Ritual, welches die letzten Augenblicke des Toten sichtbar macht.

Zurück in „Totally-not-Japan“
Wer sich vor zu viel Exotik fürchtet, kann beruhigt sein: Apollo Justice und Athena Cykes bearbeiten nämlich zwischen den Khura’in-Episoden ihre ganz eigenen Fälle zu Hause in den USA… welches wie immer eine ausgeprägte Tradition an japanischer Küche und Kultur aufweist. Praktischerweise reist der Staatsanwalt Nahyuta Samadhi mitsamt der Serienbekannten Forensikerin Ema Skye zwischen den Staaten hin und her, da die Staatsanwaltschaft – wie schon aus Dual Destinies bekannt – momentan Personalmangel hat.
Denn während Teil 5 noch korrupte Anwälte im sogenannten „Dark Age of the Law“ behandelte, werden nun weitere Säulen des Rechts thematisiert. So muss sich die „Wright Anything Agency“ zu Hause mit Medienmogulen auseinandersetzen, welche ihre Mittel einsetzen, um schon vor dem Gerichtsbeschluss die Schuld der Angeklagten in die Köpfe der Massen zu setzen und gegen sie aufzuhetzen. In Khura’in liegt hingegen der Geruch von Revolution in der Luft, weil korrupte Monarchen ein Rechtssystem ohne Gerechtigkeit formen. PhoenixWright ist hier erschreckend nahe am Zeitgeist und nicht zu selten glaubt man hier eine Metapher realpolitischer Weltereignisse wieder zu erkennen.
Was bisher geschah?
Auch der 6. Teil kann natürlich wieder ohne Vorkenntnis der älteren Episoden gespielt werden. Rückbezüge zu älteren Spielen werden entweder schnell erklärt oder finden ohnehin nur in Form kleiner „Cameos“ statt. Wer dennoch die Vorgeschichte erfahren möchte kann sich Teil 1-3 sowie Teil 5 im eShop (oder auch auf iOS) kaufen. Lediglich Apollo Justice ist noch DS-exklusiv - was sich im Winter 2016 aber ändern wird.
Wer jedoch nur kurz die Eckpunkte der früheren Episoden in Erfahrung bringen oder auffrischen möchte, kann eine Zusammenfassung in unseren anderen Phoenix Wright-Reviews finden: Eine größtenteils Spoilerfreie Nacherzählung der ersten drei Episoden gibt es in unserem Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy-Review, eine detailliertere Beschreibung inklusive Apollo Justice findet ihr im Phoenix Wright: Ace Attorney – Dual Destinies-Review
In selbigem Review werden auch kurz die neuen Protagonisten und Settings von Teil 5 spoilerfrei besprochen. Da aber abseits dieser Personen kaum Rückbezüge geschlossen werden, ist eine detaillierte Zusammenfassung inkl. Spoiler nicht nötig, um Teil 6 genießen zu können.
Alte Gameplay-Elemente…
Serien-Veteranen wissen bereits, dass es weniger das innovative Gameplay als vielmehr die grandios dramaturgische Inszenierung der Inhalte ist, welche die interaktiven Gerichtsverhandlungen so spannend machen. Nichts destotrotz haben sich über die Jahre einige Elemente angesammelt, welche dem Spiel ordentlich Abwechslung verschaffen.
Kern des Spiels sind natürlich die Gerichtsverhandlungen. Hierin muss die Argumentation der Staatsanwaltschaft insofern gebrochen werden, als dass euer Mandant nicht mehr als „Schuldig“ in Frage kommt – was in der Regel auch immer zur eigentlichen Wahrheit führt, da eure Gegner genug Gründe finden, um die Klage weiter aufrecht zu erhalten.
Um dies zu bewerkstelligen, gilt es mittels Beweisen aus eurem Inventar Logikfehler in den Aussagen des Gegners bzw. eines Zeugen im Kreuzverhör zu finden. Wird geblufft und ein falscher Beweis präsentiert, gibt es einen Strafpunkt, nach 5 ist man aus dem Rennen. Im Gegensatz zu Teil 2-5 werden hier tatsächlich wieder Punkte und keine Energiebalken verwendet.
…alte Ermittler…
Neue Beweise (und somit Grundlage für eure Argumentation) werden entweder durch den Verlauf der Verhandlung hinzugefügt oder am Vortag durch eigene Ermittlungen aufgespürt. In diesen Phasen bewegt man sich via Klicks von Ort zu Ort, holt vor-Informationen der Zeugen ein und untersucht Tatorte via Touchscreen. Eine willkomene Änderung: Im Gegensatz zu Dual Destinies ist es nun auch wieder möglich, irrelevante Orte zu untersuchen, um so auch wieder für den Fall irrelevante aber witzige Mono- und Dialoge zu lesen.
Auch Ema Skye ist wieder zurück, was den intensiveren Einsatz forensicher Methoden wie das Abnehmen von Fingerabdrücken, Blutspuren oder die 3D-Untersuchung von Gegenständen – wie man sie von ihren Auftritten in Phoenix Wright (DS) und Apollo Justice gewohnt ist. Auch die interaktive Analyse von Videobändern ist wieder möglich.
…bekannte Kräfte…
Ebenso kommen die „speziellen Kräfte“ der Anwälte wieder zum Einsatz: Phoenix kann durch einen Magatama die Geheimnisse der Menschen sehen, und sie mittels Beweismaterial freilegen, Apollo erkennt mittels Mikroexpressionen am Körper des Zeugen, wann sie lügen. Beide Techniken erlauben auch außerhalb des Gerichtssaals eine Argumentation mit Beweismitteln.

…und neue Methoden
Die eingangs erwähnte Divination Séance ist das neueste, zentrale Element des Titels. Hierin performt die royale Priesterin und Prinzessin Rayfa ein Ritual, welches die letzten Momente des Verstorbenen aus seiner Sicht darstellt. Doch nicht nur das Visuelle wird gezeigt: Auch die Sinne werden in Form von Worten dargestellt, deren Größe die Intensität der Empfindung im wahrsten Sinne des Wortes versinnbildlicht.
Ein Video läuft nun während der „Insights“, der Interpretation der Hohepriesterin ab. Hat man einen Widerspruch gefunden, kann man ihn im Video mittels „Kapitelwahl“ anwählen und dann auf den entsprechenden Sinn deuten.
Während die Staatsanwaltschaft diese belastenden Rituale bisher zum Anlass nahm, um Angeklagte ohne großen Prozess zu verurteilen, zeigt Phoenix Wright jedoch, dass die Interpretationen der Hohepriesterin nicht unfehlbar sind und genauso wie jede Zeugenaussage einem Kreuzverhör standhalten muss. Die Toten lügen zwar nicht, doch die Ego-perspektive vermittelt oft einen falschen Eindruck. Oder Sinne können bspw. andeuten, dass eine Person sich in einem anderen Raum als vermutet aufhielt.
Apropos: Da Khura’in strenggläubig ist, hat man zwar öfter Probleme mit konservativen Mobs oder alternativen Weltansichten, kann dafür nun aber auch endlich „Spirit Channeling“ als Offizielle Technik für Kreuzverhöre verwenden… mehr soll aber hier noch nicht verraten werden.
Grafik und Sound
Beides hat sich im Vergleich zu Dual Destinies kaum verändert, was nicht unbedingt schlecht sein muss. Die Animationen passen immer noch zum Anime-Stil und sind trotz der Polygon-Modelle (welche man für den 3D-Effekt braucht) äußerst flexibel animiert. Genauso sind die Charaktere schräg und ausgeflippt wie immer, ohne dabei aber aus der Handlung zu fallen. Zwischendurch gibt es auch Anime-Sequenzen zu bestaunen.
Die Episoden in Khura’in bekommen außerdem noch ein neues Design im Gerichtssaal, um nicht nur im Außeneinsatz sondern auch in den Innenräumen eine orientalisch-asiatische Note zu vermitteln. Dementsprechend vermittelt die Musik einen Mix aus klassischen Phoenix Wright-Melodien und neuen Musikstücken, die zur ausländischen Thematik des Titels passen.

Nicht alle Wortspiele sind so offensichtlich, aber die meisten Namen Khura'ins haben eine versteckte, englische Bedeutung...
DLC-Episoden
Genau wie Dual Destinies (und die iOS-Ports) verfügt Spirit of Justice über zahlungspflichtigen Download-Content, dieses Mal allerdings in Form von „Was wäre wenn…“-Episoden (die nichts mehr mit Mord zu tun haben) und einem Fall, der erst nach den Ereignissen des Hauptspiels stattfindet.
Dies nimmt etwas „Kaufdruck“ von den Konsumenten, da hier keine Episode „rausgeschnitten“ wird, allerdings zahlt man pro Episode für 3 Blöcke… Dies liegt die Vermutung nahe, dass man hier nur einen „Freischaltcode“ kauft, um die bereits heruntergeladenen Episoden spielen zu können. Dies liegt vermutlich daran, dass der Titel in Japan auch als Kartenspiel angeboten wird. Nichtsdestotrotz bietet das Hauptspiel wie immer 5 Fälle von ordentlicher Länge, wodurch der DLC für jene, die das Spiel einfach nicht weglegen wollen, eine schöne Verlängerung bietet.
Fazit
Spirit of Justice bietet wie gewohnt spannende Gerichtssaal-Dramaturgie mit dazu perfekt pointierten Gameplay-Elementen, schrägen Charakteren und einer neuen, asiatisch-orientalischen Note. Die Neuerungen verändern das Spielprinzip nicht grundlegend, aber die Abwechslung kommt bei Phoenix Wright ohnehin durch die Handlung und nicht durch das Gameplay. Allerdings sollte man sich wie immer darauf einstellen, viel englischen Text lesen zu müssen, denn eine Sprachausgabe bleibt leider aus.
- Anime-Sequenzen
- tolle Animationen der Charaktere
- fesselnde Story
- weider alle Locations untersuchbar
- textlastig
- nur auf Englisch verfügbar
Vielen Dank an die Firma Capcom für die Bereitstellung des Downl


