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Phoenix Wright: Ace Attorney - Dual Destinies

Phoenix Wright: Ace Attorney - Dual Destinies

Benjamin A.

Euch ist vermutlich aufgefallen, dass Phoenix Wright: Ace Attorney - Dual Destinies den Menü-Punkt "DLC und Extras" enthält. Bisher konnte man hier nur zusätzliche Kostüme herunterladen, dies wird sich aber bald ändern: Am 21. November wird nämlich der DLC-Fall "Turnabout Reclaimed" für 4,99€ erscheinen.

Im DLC betsreitet Phoenix seinen ersten Fall, nachdem er seine Anwaltslizenz zurück erworben hat, spielt somit also zwischen dem zweiten und dem dritten Fall im regulären Spielverlauf. Ihr müsst hier den Mordfall in einem Aquarium aufklären. Euer Klient? Staatsanwalt Simon Blackquill würde ihn wohl gerne als Killerwal bezeichnen, korrekterweise wäre aber die Bezeichnung Orla der Orca passender. Ganz recht, ein Meeressäuger sitzt auf der Anklagebank! Des weiteren wird auch die (mittlerweile) 17-jährige Pearl Fey wieder auf "Mr. Nick" treffen.

Was wir vom neuesten, eShop-exklusiven Auftritt des blauen Assanwalts hielten könnt ihr in unserem Phoenix Wright: Ace Attorney - Dual Destinies Review nachlesen.

Phoenix Wright: Ace Attorney - Dual Destinies

3ES

Entwickler
Capcom
Publisher
Capcom
Konsole
3ES
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 16

Lange ist’s her, dass wir zusammen mit Phoenix Wright vor Gericht stehen durften. Der Staranwalt – der in Japan ursprünglich auf dem GBA sein Debüt feierte - wurde am Nintendo DS nämlich von einem jüngeren Pendant namens Apollo Justice abgelöst, der unter der Führung des denunzierten Rechtsvertreters seine eigene Karriere startete. Auch spätere DS-Spinoffs besetzten lieber seinen Rivalen und Staatsanwalt Miles Edgeworth als Titelhelden. Das Erste wurde nur auf Englisch übersetzt, letzteres blieb dem Westen komplett vorenthalten. Ein weiteres Spinoff mit Professor Layton erschien bereits in Japan (bei uns im Frühjahr 2014), da es sich aber um ein Crossover handelt, gelten hier sowieso andere Regeln als im üblichen Kanon.

Ein Ace Attorney 5 mit dem beliebten, ursprünglichen Titelhelden schien nur schwer realisierbar: Revidiert man die Ereignisse aus Apollo Justice, und tut so, als wäre Phoenix nie aus der Rechtswelt ausgetreten? Oder lässt man beide Reihen bestehen, und man nimmt einen Zeitsprung in Kauf? Zudem wurde wie bereits erwähnt einem Spinoff der Europa-Release bereits evrwehrt...

Da bleibt nur eins zu sagen: Einspruch! Diese Bedenken können durch den eShop verworfen werden! Capcom bietet den 5. Teil der Hauptserie (und ursprünglichen Retail-Titel) nun auch im Westen an - exklusiv als Download. Hat sich der blaue Anwalt seine „Attorney Badge“ zu Recht zurück verdient? Oder sollte er sie lieber wieder in die Glasvitrine stellen?

Das Spielprinzip

Veteranen wissen bereits: Die Ace Attorney-Saga ist ein äußerst textlastiges Adventure, welches eher mit einer spannenden Dramaturgie als mit klassischem Gameplay punktet. Wie schon zuvor schlüpft ihr in die Rolle eines Rechtsanwalts (diesmal wechselt ihr sogar zwischen drei Protagonisten nahtlos umher) der tagsüber Beweise und Zeugenaussagen sammelt um diese dann beim nächsten Gerichtstermin gegen die Anklagepunkte des Staatsanwalts einsetzen zu können. Während der Untersuchungen steuert man aus der Egoperspektive via Pont&Click (allerdings kann man alternativ auch die Knöpfe verwenden), während man im Gerichtssaal das Gerichtsgeschehen verfolgt und im richtigen Moment seine Beweise zücken muss. In der Regel geht es dabei nicht um lächerliche Nachbarschaftsfehden, sondern um kaltblütigen Mord.

Beweismittel werden dabei in eurer Mappe gesammelt und mit Informationen ausgestattet. Genaues Lesen ist unumgänglich: Jedes Detail kann ausschlaggebend sein, um den Fall zu euren Gunsten zu entscheiden. Stellt ihr im Gerichtssaal Widersprüche fest, liegt es an euch, die Aussage mit Beweismitteln und einem kräftigen „OBJECTION!“ (auf Wunsch auch via Mikrofon)zu widerlegen. So löst sich nach und nach auf, wer der wahre Mörder ist. Das ganze wird schlussendlich in eine spannende Rahmenhandlung und ausgefallene Charaktere eingeflochten, wodurch man den 3DS nicht mehr aus der Hand legen möchte, bis auch der Letzte Klient unschuldig gesprochen wurde…

Die Rückkehr des Phönix

Die 5. Episode des Staranwalts beginnt mit einem Knall – und das wortwörtlich: Gerichtssaal Nr. 4 wurde gesprengt und Apollo wurde schwer verletzt. Mittlerweile hat sich zwar die neue Anwältin Athena Cykes zur Wright-Agentur hinzugesellt, doch jene hat noch zu wenig Erfahrung, um den Fall allein zu lösen. Doch wie der Phönix aus der Asche schreitet Mr. Wright ein, um den Tag zu retten. Da sein Name nun reingewaschen ist, darf er auch wieder als Anwalt praktizieren.

Gemeinsam können sie den Bomber überführen, doch der Anschlag war nur der Anfang… Das „Dark Age of the Law“, welches mit der (untergejubelten) Beweisfälschung von Mr. Wright begann, zeigt überall seine Spuren: Ein zum Tode verurteilter Staatsanwalt darf weiter praktizieren, Anwaltsschulen bereiten ihre Schüler auf Beweisfälschung und Bestechlichkeit vor – und warum verlässt der verletzte Apollo die Wright-Agentur?

Hold it!

Keine Sorge, mehr soll nicht verraten werden. All dies zeichnet sich bereits im ersten Fall ab und fesselt einem bis zum Schluss an den Handheld, denn der Titel schafft es nicht nur, den ursprünglichen Titelhelden wieder ins rechte Licht zu rücken, sondern setzt auch noch die Saga um Apollo Justice würdig fort UND führt mit Athena Cykes auch noch eine komplett neue Anwältin mit ein, die ebenfalls Potenzial zur Serienträgerin hat. Erstmals wird die Serie auch von Anime-Sequenzen begleitet, die nicht nur voll synchronisiert sondern auch gestochen scharf sind und damit eindrucksvoll demonstrieren, dass auch der 3DS schöne Bilder zusammenbekommt. Leider mussten die ikonischen Sprecher der Hauptpersonen neuen Talenten weichen, die ihren Job aber äußerst gut machen.

Was bisher geschah…

Anlässlich der langen Abstinenz der Serie wollen wir nochmal die Handlung der Hauptserie kurz resümieren. Wer dies lieber selbst in Form eines erneuten Durchspielens machen will, sollte direkt zur Überschrift Grafik und Sound (Seite 4) springen, um sich teil 1-4 nicht spoilern zu lassen. Insbesondere Justice for All und Apollo Justice sollte man sich erneut ansehen, wenn man alle Hintergrundreferenzen verstehen möchte. Dieser Rückblick hat mit dem Eigentlichen Test nichts zu tun und dient nur als Auffrischung für Veteranen oder als Einstieg für jene, die Teil 1-4 nicht selbst spielen konnten, aber trotz der geringen Einstiegsbarriere der Handlung dennoch einen groben Überblick über vergangene Ereignisse haben wollen.

Ace Attorney!

Mehr als zehn Jahre (In-Game-Zeit) sind nun vergangen, seitdem Phoenix seinen ersten Gerichtsfall löste. Damals verteidigte er unter der Führung seiner Mentorin Mia Fey seinen etwas ungeschickten Freund Larry Butz. Doch kurz darauf wurde die Chefin des Anwalts ermordet, und er musste zuerst dessen Schwester, danach sich selbst vor Gericht verteidigen. Sein Gegner war der bis dato ungeschlagenen Staatsanwalt Miles Edgeworth. Doch durch Mayas Fähigkeit, ihren Körper Geistern als Medium zur Verfügung zu stellen, konnte Mia wieder mit Phoenix in Kontakt treten. Im Namen des Realismus wurde diese Fähigkeit zwar nie als Beweismittel missbraucht, allerdings konnte die Mentorin weiterhin als Souffleuse ihrem Protegé aushelfen.

Der Anwalt konnte die vierjährige Siegessträhne des Staatsanwalts brechen und eröffnete anschließend mit Maya eine eigene Anwaltskanzlei. Doch dann wendete sich das Blatt: Nun war es Edgeworth selbst, dem ein Mord angehängt wurde. Der Staatsanwalt war Manfrend von Karma, Mentor des Rivalen, der sogar ganze 40 Jahre lang keinen einzigen Fall verloren hatte.

Phoenix entschied sich dazu, seinen alten Jugendfreund zu vertreten, der in eigentlich dazu inspirierte, Rechtsverteidiger zu werden. Da aber Edgeworths Vater erschossen wurde, und der „Schuldige“ trotz Zeugenaussage des Geists seines Vaters freigesprochen wurde, wurde er stattdessen dazu motiviert, als Staatsanwalt korrupten Verteidigern das Handwerk zu legen. Doch leider ließ er sich von Manfred täuschen: Der Mentor hat seine Prozesse nicht nur mit unfairen Mitteln gewonnen, sondern ist auch noch Schuld am Tod von Edgeworths Vater. Phoenix konnte die wahren Begebenheiten erneut aufdecken und befreite seinen Jugendfreund von einem Fluch, doch stellte zugleich sein gesamtes Rechtsverständnis in Frage…

Justice for All – Das Erbe der Feys

In Teil 2 hatte man das Tutorial durch eine Amnesie-Episode gelöst, in der Phoenix durch einen Schlag auf den Hinterkopf seine üblichen Methoden erneut lernen musste. In einem weiteren Fall lernt Phoenix hingegen mehr über die Hintergründe des Fey-Clans kennen: So wurde die Ehre von Mayas Mutter, die im Falle Edgeworth Sr. als Medium fungierte, ihrer Ehre beraubtangezweifelt. Seither konnte sie nicht mehr gefunden werden, während Mia, die eigentliche Erbin des Fey-Clans, das Dorf verließ, um Anwältin zu werden.

Das Erbe und somit der Titel als spirituelles Oberhaupt des Dorfes ging nun an Maya über, allerdings gefiel das ihrer Tante Morgan Fey gar nicht. Die hätte nämlich lieber, dass ihre wesentlich begabtere Tochter Pearl Fey das Erbe bekommt, doch auf das haben Morgans Nachkommen kein Anrecht, da Mayas Mutter die Erstgeborene war. Sie tat sich mit einer Kriminellen zusammen, um Maya einen Mord anzuhängen. Doch Phoenix verfolgte weiter seine Siegessträhne und konnte seine Freundin von sämtlichen Anschuldigungen freisprechen. Die junge Pearl Fey – die ebenfalls Mia Fey herbeirufen konnte – gehörte nun ebenfalls zum Team Wright. Zudem ist Phoenix ab nun im Besitz des Magatamas und dessen mystischen Kräften.

Justice for All – Das Erbe von Karma

Indes tauchte eine neue Staatsanwältin auf der Bildfläche auf: Franziska von Karma - die Tochter des Mentors und Mörders – zog mit Peitschenhieben und europäischen Auslandserfahrungen in den Gerichtssaal ein. Ihr Ziel: Rache an Phoenix Wright, der Miles Edgeworth dazu gebracht hatte, von der Bildfläche zu verschwinden. Doch der kehrte schlussendlich wieder in den Gerichtssaal zurück – Und das zur rechten Zeit: Maya wurde nämlich von einem Auftragskiller entführt und Phoenix wurde dazu gezwungen, einen Schauspieler vor Gericht zu vertreten. Wie sich später aber herausstellt, hatte jener den Killer angeheuert und wäre somit schuldig.

Phoenix steckte im Dilemma und wendet sich an seinen alten Freund. Der berichtete ihm von seiner Auslandsreise, und von seinen Überlegungen, die der Verteidiger im aufgeworfen hatte. Er hatte für sich entschieden, dass es nicht nur Verteidiger wie Phoenix brauche, die falsche Anklagen aufdecken, sondern auch fähige Staatsanwälte wie Edgeworth, die korrupte Verteidiger daran hindern, willkürlich andre Leute zu beschuldigen, nur um ein „Nicht schuldig“ zu erwirken. Die Zusammenarbeit beider Parteien wäre schlussendlich notwendig, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Durch die Hilfe von Edgeworth und seinem Polizeifreund Detektiv Dick Gumshoe können sie genug Zeit rausschinden, bis der Entführer Maya endlich freilässt, da der Angeklagte gegen den Willen des Auftragskillers Aufzeichnungen gemacht hatte. Es bleibt dem Spieler selbst überlassen, ob man nun für „Schuldig“ oder „Nicht schuldig“ plädiert, da in beiden Fällen der Schuldige bestraft werden würde – egal ob vom Rechtssystem oder vom Auftragsmörder.

Trials and Tribulations

Der letzte Teil der GBA-Reihe drehte sich schlussendlich wieder um den Fey-Clan und um den mysteriösen, kaffeesüchtigen Cyborg-Staatsanwalt Godot, der im Gegensatz zu den von Karmas eine eher diffuse aber dennoch präzise Taktik verfolgte. Durch spielbare Rückblicke in die Anwaltsjahre von Mia Fey stellte sich heraus, dass der Cyborg vor der Vergiftung seines Nervensystems als Diego Armando für die Firma arbeitete, bei der auch Mia beschäftigt war. Da Phoenix seine heimliche Liebe während seines Komas nicht vor dem Tod bewahren konnte, wechselte er die Seiten, um ihn zu testen.

Schlussendlich konnte der Kaffeeliebhaber einen Mordversuch an Maya - geplant von Morgan Fey – verhindern. Da er aber Phoenix zu wenig vertraute, um ihn ebenfalls in die Rettungspläne einzuweihen, kam es zur Tragödie: Er musste die von einem bösen Geist besessene Mutter von Maya töten, um die Schwester seiner großen Liebe zu retten. Phoenix verabschiedet sich von ihm mit einem Bohnengebräu-Salut, da nun alle rachsüchtigen Mitglieder des Fey-Clans tot oder im Gefängnis sind, in welches sich der Cyborg nun auch einfinden muss.

Für die Haupthandlung weniger wichtig aber dennoch amüsant sind zudem Features wie der Bruder des Richters, der in manchen Fällen statt dem ikonischen galtzkopf auftritt, ein Nachmacher, der sich für Phoenix Wright ausgibt und die darauf folgende Episode, in der man als Miles Edgeworth für den kranken Ass-Anwalt vor Gericht einspringt.

Apollo Justice – Phoenix, Apollo und Trucy

7 Jahre später (In-Game-Zeit): Man schlüpfte nun in die Rolle des Jungspunds Apollo Justice, der plötzlich statt seines Mentors - Kristopher Gavin - einen heruntergekommenen Phoenix Wright verteidigen musste. Dieser hegte nämlich den Verdacht, dass Kristopher selbst der eigentliche Mörder sein dürfte. Schlussendlich konnte er auch überführt werden… Allerdings stand Apollo nun ohne Job da. Phoenix bot ihm jedoch eine Stelle als Anwalt in seiner Kanzlei an, die nun aber eine Talentagentur war, die von seiner Adoptivtochter Trucy Wright geleitet wurde. Die neue Partnerin hatte eine Vorliebe für Zaubertricks, insbesondere die von der Sorte, bei der sie Gegenstände in ihrer magischen Unterhose verschwinden lassen kann…

Im Verlauf des Spiels trat Apollo gemeinsam mit Trucy gegen den Bruder seines ehemaligen Mentors an, den Popstar-Staatsanwalt Klavier Gavin. Nicht nur einmal kommt dem Burschen dabei sein Armband zur Hilfe, denn der Körper des Jungen reagiert auf dieses, wenn er jemanden Lügen hört. Diese Fähigkeit haben er und Trucy von deren Magier-Mutter geerbt, dessen Identität (und die Tatsache, dass die beiden verwandt sind) aber nur Phoenix Wright offenbart wird. Die Dame wird sich nämlich weiterhin nur im Hintergrund aufhalten…

Apollo Justice – Das neue Rechtssystem…

Des Weiteren nutzte das Spiel die Touch-Features des DS aus, um forensische Detektiv-Arbeit zu ermöglichen. So konnte man mit Hilfe von Ema Skye - einer Detektivin, die Wright im Remake des ersten Teils schon kennen lernte und welche Detektiv Dick Gumshoe ablöste – Blutspuren sichern oder Fingerabdrücke nehmen. Zudem war es oft wichtig, Beweismittel mit Hilfe der 3D-Ansicht genauer zu untersuchen.

Des Weiteren wird Wright’s Denunzierung zu einem der Auslöser des „Dark Age of the Law“. Kristopher verschaffte seinem Bruder nämlich einen Vorteil, indem er Phoenix gefälschtes Beweismaterial unterjubelte. Wright verlor sein Recht, als Anwalt zu praktizieren, doch er sammelte über die Jahre Film- und Beweismaterial, um eines Tages seinen Namen reinwaschen zu können.

Nachdem der Fälscher eine schwer vergiftete Briefmarke von Kristopher ableckt, können Apollo und Klavier Phoenix Namen wieder reinwaschen und den wahren Schuldigen erneut dingfest machen. Dieser hatte zwar alles nötige unternommen, um keine entscheidenden Beweismittel zu hinterlassen, aber Phoenix hatte zuvor noch ein neues Jury-System erwirkt, in welchem wieder der Spieler die Möglichkeit hatte, das schlussendliche Urteil im Namen eines Jury-Mitglieds zu fällen.

Grafik und Sound

Zurück zu Dual Destinies! Die grafische Präsentation ist äußerst gut gelingen. Abseits der Anime-Sequenzen musste man jedoch von den ikonischen Sprites auf Polygon-Modelle zurückgreifen, um dem 3D-Effekt des Handhelds gerecht zu werden. CG-Elemente haben generell die Tendenz, alles perfekt zu machen, wodurch ausgeflippte Anime-Mimiken, wie sie in der Wright-Serie der Fall sind, schnell mal „seltsam“ wirken können oder zumindest etwas an Charme verlieren. Im Falle von Dual Destinies kann man aber aufatmen: Die Animatoren haben ihr Bestes gegeben, um den Charme der 2D-Animationen auf die dritte Dimension zu übertragen. Man ertappt sich immer wieder dabei, dass man die eigentlich dreidimensionalen Modelle sich als 2D-Sprites in Erinnerung ruft. Der 3D-Effekt wurde bei Charakteren auch äußerst flach gehalten, wodurch weiterhin die Illusion eines Pop-Up Mangas bestehen bleibt

Tatorte und Hintergründe sind nun ebenfalls komplett in 3D gehalten, wobei allerdings nur ausgewählte Orte auch wirklich von allen Seiten einsehbar sind. An anderen Stellen hat man nämlich „geschummelt“: hier wurden gewölbte 2D-Sprites eingesetzt, um den nötigen Effekt zu erreichen. Dies trägt aber in statischen Szenen nur noch mehr zur Immersion bei. In den 3D-Umgebungen werden zudem oft Kamerafahrten genutzt, die die Spannung noch weiter steigern. Bei diesem Spiel sollte man also definitiv den 3D-Regler aufdrehen!

Auch in Sachen Sound kann Dual Destinies überzeugen. Neuinterpretation von Klassikern – egal ob orchestral angehauchte Neufassungen oder Experimente mit der Klangästhetik der GBA-Sounds - halten sich die Waage mit prägnanten Neuschöpfungen. Leider sind die vielen Texte des Spiels weiterhin nur Text, wodurch man weiterhin seine Augen zur Exegese nutzen muss. Aber bei der schieren Menge an Dialogen wäre es durchaus zur Mammutaufgabe geworden, diese auch alle zu übersetzen.

Alte…

Wie schon in früheren Teilen der Serie wird die Suche nach Beweismitteln durch spezielle Events aufgelockert. Phoenix kann bei der Interaktion mit Zeugen durch seinen Magatama sogenannte „Psyche-Locks“ sehen. Diese zeigen Geheimnisse eines Menschen an, je mehr sichtbar sind, umso mehr Beweise müssen eingebracht werden, um den Zeugen aus der Reserve zu locken.

Auch Apollo hat seine eigene Fähigkeit: Erkennt sein Armband eine Lüge, kann er den Charakter fokussieren und nach nervösen Reaktionen suchen. Die ertappten Zeugen beichten dann in der Regel und rücken mit der Wahrheit raus. Leider hindert jedoch der Falke von Staatsanwalt Blackquill unseren Apollo daran, seine Fähigkeit im Gerichtssaal einzusetzen, wodurch die Herausforderungen am Gebrauch der Fähigkeit verloren geht: Früher musste man noch durch die Zeugenaussagen blättern und während des Gesprächs im Fokus nach der Zuckung suchen. Während der Untersuchung gibt es aber leider immer nur einen Satz, der für die Lüge in Frage kommt…

…und neue Gameplayelemente

Doch auch der Frischling hat sein eigenes Talent: Athena Cykes kann nämlich die Stimme des Herzens hören. Demnach kann sie mit ihrem technischen Accessoire Widget die vier Grundstimmungen (Freude, Wut, Angst/Trauer und Überraschung) zu Aussagen zuordnen und anhand der Erzählung Bilder generieren. Mangelt es den Anwälten also an Beweisen können u.U. widersprüchliche Gefühle beim Äußern einer Aussage den gewünschten Erfolg bringen.

Genau wie Apollos Armreif in Apollo Justice aktiviert Athena ihre Therapie-Fähigkeit automatisch, wenn sie gebraucht wird. Am Ende jedes „Turnabouts“ gibt es außerdem noch mal einen Blick ins Hirn des Anwalts. Hier fasst ihr nochmal alle Fakten zusammen und formt meist eine der berühmten „Out-of-the-Box“-Theorien, die schlussendlich den ganzen Fall umdrehen.

Ein weiteres neues Feature sind DLC-Fälle. Alternative Outfits (klassischer Phoenix, Schulmädchen Athena und Zivilkleidung Apollo) sind bereits herunterladbar, demnächst soll Phoenix erster Fall nach 8 Jahren Pause ebenfalls erstehbar sein (allerdings schien das Spiel bisher keine Bezüge auf diese Episode zu machen).

Schlussplädoyer

Abschließend soll noch angemerkt werden, dass das Gameplay etwas linearer als früher verläuft: Während man in Teil 1-3 noch oft hin und herrennen musste, um durch neue Beweise neue Infos aus den Zeugen zu quetschen, so verlaufen die Untersuchungen in Dual Destinies meist äußerst berechenbar ab. Nur noch ausgewählte Orte sind untersuchbar, nur ausgewählte Gegenstände können auch dreidimensional angezeigt werden und es ist auch nicht mehr wie in Apollo Justice möglich bspw. Aufzeichnungen vor- und zurückzuspulen: Statt eines Videos sieht man hier meist nur einen Screenshot.

Dadurch läuft die Prozedur meist nach dem Schema ab, alle Zeugen auszufragen, ihnen die vorgeschlagenen Gegenstände zu präsentieren und gegeben falls Events zu absolvieren und Tatorte von A bis Z abzugrasen. Die spannendsten Momente passieren aber ohnehin im Gerichtssaal und hier trifft man weiterhin auf knifflige Fallen der Staatsanwälte, die in den härtesten Fällen nur unter schwerster Anstrengung eurer Logik gelöst werden können.

Des weiteren soll noch vermerkt werden, dass in Fall 2 massive Satzbaufehler vorhanden sind ("...to serve as well and protect.", "I´ve have heard..."). Dieser Fehler wurde aber nicht in die Minuspunkte mit aufgenommen, da der Sinn noch gut lesbar ist und während des restlichen Spiels keine weiteren Patzer mehr aufgetreten sind.

9.0Wertung
Highlight

Fazit

Phoenix hätte kein besseres Comeback feiern können! Die optische Präsentation versprüht jede Menge frischen Charme, ohne dabei mit den Idealen des Originals zu brechen. Begleitet wird das Ganze von Anime-Sequenzen und einer wendungsreichen Handlung, die jedem Wright-Fan eine dicke Gänsehaut bescheren dürften. Wer mit der Serie noch nicht vertraut ist, sollte sich im Klaren sein, dass man durch die schiere Menge an Text die Ace Attorney-Reihe eher als interaktiven Kriminalroman bezeichnen könnte. Wer sich aber davon abschrecken lässt, verpasst eine Perle der Videospielerzählkunst.

Design
9.0
Sound
8.5
  • Anime-Sequenzen
  • tolle Animationen
  • fesselnde Story
  • 3D-Effekt gut genutzt
  • linearer als üblich
  • textlastig
  • nur auf Englisch verfügbar

Vielen Dank an die Firma Capcom für die Bereitstellung des Codes.

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