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Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy

Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy

Benjamin A.

Erst vor kurzem erschien Phoenix Wright: Ace Attorney - Spirit of Justice, welcher als sechster Teil der Serie Neueinsteiger und Fans der Reihe dazu bewegen könnte, Teil 1-5 spielen zu wollen. Doch während Teil 1-3 für mehrere Nintendo-Geräte und gemeinsam mit Teil 5 auch für 3DS und iOS erschienen, blieb Teil 4 Apollo Justice: Ace Attorney bisher DS-exklusiv.

Da es sich eher um einen Nischentitel handelte, konnte es dadurch schwer sein, im Nachhinein noch ein Exemplar zu einem vernünftigen Preis aufzutreiben. Dieses Problem dürfte aber bald der Vergangenheit angehören: Genau wie Teil 1-3 bekommt Apollo Justice: Ace Attorney ein "HD-Remake" für Smartgeräte spendiert. Der Titel soll bereits Winter 2016 erscheinen. 

Da auch die Phoenix Wright Trilogy zuerst für Smartphones erschien, bevor sie für 3DS portiert wurde, könnte dies auch zu einer Nintendo-Fassung des Remakes führen. Vielleicht schafft es Capcom ja doch noch, Teil 1-6 auf dem 3DS zu vereinen...

Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy

3ES

Entwickler
Capcom
Publisher
Capcom
Konsole
3ES
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 12

Mit Dual Destinies und einem Layton-Crossover feierte der Anime-Anwalt Phoenix Wright letztes Jahr sein grandioses Comeback auf dem 3DS. Auf dem DS wurde jener nämlich von seinem Schüler Apollo Justice bzw. seinem Rivalen Miles Edgeworth abgelöst. Man wollte wohl mit dem neuen System auch einen Neuanfang wagen, doch der Star der Saga war wohl doch zu beliebt für den Ruhestand. So wurde die GBA-Trilogie ab 2006 auch im Westen Stück für Stück als DS-Port verkauft und seither auch für Wii und Smartphones portiert.

Nun kommt für den 3DS die Sammlung auch als Gesamtpaket - mit nochmals aufgehübschten Grafiken und 3D-Effekt. Immerhin möchte man als Spieler von Dual Destinies auch die subtilen Anspielungen auf frühere Episoden verstehen. Doch reicht es nicht langsam mit den Re-Releases?

Objection!

Veteranen wissen bereits: Die Ace Attorney-Saga ist ein äußerst textlastiges Adventure, welches eher mit einer spannenden Dramaturgie als mit innovativen Spielmechaniken punktet. Untertags geht es darum im Point&Click-Adventure-Stil Beweise und Zeugenaussagen zu sammeln, um diese dann beim nächsten Gerichtstermin gegen die Anklagepunkte des Staatsanwalts einsetzen zu können. In der Regel geht es hier nicht um alltägliche Vergehen wie Diebstahl, sondern um kaltblütigen Mord. Ab Justice For All kann der Anwalt auch seinen neuen Magatama dazu benutzen, um auch außerhalb des Gerichtssaals wichtige Geheimnisse aus den Zeugen zu locken, indem er ihnen die richtigen Beweismittel unter die Nase hält.

Die Indizien werden dabei in eurer Mappe gesammelt und mit Informationen ausgestattet. Genaues Lesen ist unumgänglich: Jedes Detail kann ausschlaggebend sein, um den Fall zu euren Gunsten zu entscheiden. Stellt ihr im Gerichtssaal Widersprüche mit den Zeugenaussagen fest, liegt es an euch, die Aussage mit Beweismitteln und einem kräftigen „EINSPRUCH!“ (welches als Gimmick auch via Mikrofon gebrüllt werden kann) zu widerlegen. So löst sich durch Pro- und Kontra-Argumentation mit bzw. gegen die Theorien des Staatsanwalts langsam auf, wer der tatsächliche Mörder ist. Das ganze wird schlussendlich in eine spannende Rahmenhandlung und ausgefallene Charaktere eingeflochten, wodurch man den 3DS nicht mehr aus der Hand legen möchte, bis auch der Letzte Klient unschuldig gesprochen wurde…

Hold it!

Die Lernkurve funktioniert hierbei – von Spiel zu Spiel – äußerst gut. Während man anfangs noch schnell auf die Lösung kommt, wird eure Kombinationsgabe von Fall zu Fall immer härter auf die Probe gestellt. Leider hat man aber sonst nicht viele Interaktionsmöglichkeiten: Im Gerichtssaal kann man lediglich Zeugen tiefgehender befragen, um entweder Tipps zur Lösung oder eine detailliertere Aussage zu bekommen, oder eines der vielen Beweisstücke in den Ring werfen. Schlussendlich sind es dann aber doch nur Events, die mit dem richtigen Schlüssel eine neue Story-Tür öffnen (was nicht heißt, dass es keinen Spaß macht, nach dem Schlüssel zu suchen).

Während den Untersuchungen hat man ein paar Optionen mehr, schlussendlich geht es aber auch nur darum, alle Events durchzuklicken, bis man alle Beweise parat hat. Wie gesagt: Phoenix Wright definiert sich eben nicht durch eine innovative Spielmechanik, sondern durch eine interessante narrative mit interessanten und/oder witzigen Charakteren und einem fesselnden dramaturgischen Spannungsbogen.

Ace Attorney – “If something smells, it’s usually the Butz!“

Hier soll noch mal eine kurze Einleitung zu jeder der drei Episoden gegeben werden. Spoiler werden vermieden, wer die Geschichte aber gänzlich selbst erleben möchte, kann direkt zur Überschrift mit der Headline "Grafik und Extras" springen.

In Phoenix Wright: Ace Attorney löste der Star-Verteidiger seinen ersten Gerichtsfall. Damals vertrat er unter der Führung seiner Mentorin Mia Fey seinen etwas ungeschickten Freund Larry Butz. In dieser Episode habt ihr statt Energie übrigens nur 5 „Rufzeichen“ – ergo 5 Falschantworten – zur Verfügung.

Durch eine unglückliche Fügung des Schicksals wird kurz auf den ersten Sieg des Anwalts eine weitere Person mit derselben Tatwaffe ermordet. Phoenix verteidigt dieses Mal die Schwester seiner Chefin - Maya Fey - welche fortan als Assistentin und Gesitermedium an Phoenix Seite steht.

Doch bei seinem Gegner erzitterns elbst die Toten in Ehrfurcht: Den eshandelt sich dabei um den bis dato ungeschlagenen Staatsanwalt Miles Edgeworth. Doch das Spiel wäre nur halb so spannend, wenn es nicht möglich wäre, die vierjährige Siegessträhne des Staatsanwalts zu brechen. Doch ist es in Sachen des Rechts wirklich richtig, in Kategorien wie „gewinnen“ und „verlieren“ zu denken?

Ace Attorney – Bonus-Episode

Apropos: Auch die DS-Bonus-Episode ist wieder mit von der Partie, in welcher Spielelemente von Apollo Justice - wie etwa forensische Detektiv-Arbeit oder die Möglichkeit zur dreidimensionalen Untersuchung sämtlicher Beweismittel – elementarer Bestandteil der Beweisführung sind.

Eine weitere Besonderheit des Erstlings ist die Regel, die besagt, dass eine Verhandlung nach drei Sitzungen entschieden sein muss. Dadurch ergeben sich zwar keine Limits für den Spieler, sehr wohl aber für die Dramaturgie, denn es können somit maximal drei Wechsel zwischen Untersuchung und Gerichtssaal stattfinden. Danach muss ein endgültiges Urteil erfolgen. Dieses Limit nutzte der Erstling auch voll aus, in den späteren Teilen ging es aber eigentlich nie länger als bis Tag 2, da die Beweismittel kompakter auf zwei Untersuchungseinheiten verteilt wurden. Lediglich die DS-Bonus-Episode ist so komplex, dass sie das Drei-Tage-System zur Gänze ausnutzt.

Justice for All – Das Erbe der Feys

In Teil 2 wird man das Tutorial durch eine Amnesie-Episode gelöst, in der Phoenix durch einen Schlag auf den Hinterkopf seine üblichen Methoden erneut lernen muss. In einem weiteren Fall lernt Phoenix hingegen mehr über die Hintergründe des Fey-Clans kennen: So wurde Mayas Mutter, die im Falle Edgeworth-senior als Medium assistierte, als selbiges denunziert und lebt seither im Schatten. Mia, die eigentliche Erbin des Fey-Clans, verließ das Dorf ebenfalls, um Anwältin zu werden, somit ist Maya nun das neue Oberhaupt. In einem weiteren Mordfall geht es um jenes Dorf, die Schwester von Mayas Mutter und deren wesentlich begabtere Tochter Pearl Fey, welche sich schnell mit dem Anwaltsgespann anfreundet.

Indes taucht auch eine neue Staatsanwältin im Gerichtssaal auf: Franziska von Karma - Tochter von Edgeworths Mentors – zog mit Peitschenhieben und europäischer Auslandserfahrung in den Gerichtssaal ein. Ihr Ziel: Rache an Phoenix Wright, der Miles Edgeworth dazu gebracht hatte, von der Bildfläche zu verschwinden, da er nach den Geschehnissen in Teil 1 seine ganze Karriere in Frage stellte. Wo könnte Miles nur stecken?

Trials and Tribulations

Der letzte Teil der GBA-Reihe bringt die Story des Fey-Clans schlussendlich zu einem würdigen Abschluss. Außerdem erscheint auch der mysteriöse, kaffeesüchtige Cyborg-Staatsanwalt Godot, der im Gegensatz zu den von Karma-Schülern eine eher diffuse aber dennoch zielführende Taktik verfolgt. Ein besonderes „Abschiedsgeschenk“ der Spielreihe: In Form von Rückblicken und juristischer Täuschungsmanöver dürft ihr sogar kurz in die Rolle der jungen Mia Fey so wie Miles Edgeworth schlüpfen – mehr wollen wir hier aber nicht verraten!

Grafik und Extras

Um den 3D-Effekt in Dual Destinies zu nutzen wurden die meisten der Umgebungen so wie alle Charaktere als 3D-Modelle erstellt. Die Animatoren haben dabei ihr Bestes gegeben, um den Charme der 2D-Animationen auf die dritte Dimension zu übertragen. In den Remakes hat man aber die ursprünglichen Illustrationen beibehalten und ihnen lediglich einen „HD-Feinschliff“ verpasst (wobei der 3DS keine richtige HD-Auflösung bietet), und sie auf verschiedene Tiefenebenen gelegt. Dadurch bauen die Ports eher auf die Illusion eines Pop-Up Mangas auf, welche man hier aber eher als gelungene, stilistische Entscheidung bzw. als adäquate, nostalgischen Re-interpretation und nicht als einen technischen Rückschritt empfindet.

Ein kleines Manko: Während man im Smartphone-Port zumindest noch einen Soundtest und Achievements spendiert bekam, so gibt es in der 3DS-Trilogy leider keine Zusatz-Extras. Es wurden lediglich ein paar bekannte Bugs behoben und die Grafiken (sehr gut!) aufgehübscht. Wer also bereits eine Version der GBA-Abenteuer besitzt bekommt keine neuen Inhalte oder Features geboten.

Sound

Auch der Sound lehnt sich stark an das Original an und hält an dem 16-Bit Charme der GBA-Originale fest. Eine orchestrale Neuvertonung wäre ja auch eher was für ein Neuwerk. Als Nostalgiker kommt man auf seine Kosten, als Neuling kann es aber sein, dass man sich an die Klangästhetik erst gewöhnen muss. Die Kompositionen selbst funktionieren aber sehr gut und haben zweifelsohne Ohrwurmcharakter.

Wie auch bei Dual Destinies sind – bis auf die Ausrufe der Anwälte – alle Textpassagen ohne Sprachausgabe hinterlegt. Was man aber insbesondere als Minus anrechnen kann ist die Tatsache, dass die bereits vorhandenen deutschen Übersetzungen (inklusive des deutschen „Einspruch“-Rufes) nicht miteingeflochten wurden: Zur Auswahl stehen lediglich Japanisch und Englisch.

8.0Wertung

Fazit

Mit gerade mal 10€ pro DS-Titel ist Phoenix Wright – Ace Attorney: Trilogy ein richtiges Schnäppchen. Wer – trotz der vielen Lesearbeit - auf gute Videospiel-Erzählungen steht und seinen detektivischen Spürsinn auf die Probe stellen will bekommt in dieser Adventure-Sammlung die dreifache Dosis aus Charme, Witz und spannender Dramaturgie geboten, wobei Besitzern der Originalserie lediglich ein (gelungenes!) Grafik-Update geboten wird. Bleibt nur zu hoffen, dass es irgendwann auch noch eine zweite Trilogie mit Apollo Justice, Miles Edgeworth: Ace Attorney Investigations und dem bisher nur in Japan veröffentlichten Ace Attorney Investigations 2 gibt.

Design
8.0
Sound
7.0
  • fesselnde Story
  • fordert euren Spürsinn
  • 3D-Effekt
  • neue, höher auflösende Illustrationen
  • textlastig
  • eingeschränkte Interaktivität
  • nicht mehr auf Deutsch verfügbar
  • sonst keine Extras

Vielen Dank an die Firma Capcom für die Bereitstellung des Downloads.

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