
New Super Luigi U
Von wegen Sommerloch! Herrschte die letzten Jahre während des Hochsommers gerne mal nicht nur meteorologisch, sondern auch spielemäßig Dürre, dürfen wir uns heuer über Perlen wie Mario & Luigi: Dream Team Bros oder Pikmin 3 freuen. Seit Ferienanfang als DLC erhältlich und erst unlängst als Disk-Version erschienen, versüßt uns auch Luigis zweiter diesjähriger Solo-Auftritt nach Luigi´s Mansion 2 die heißen Tage: Lest in unserem Testbericht zu New Super Luigi U, wie sich knallgrüne Klempner auf seiner gefährlichen Reise durch eine besonders gefährliche Inkarnation des Pilz-Königreichs denn so schlägt!

New Super Luigi U
WIIU
- Genre
- Jump ’n‘ Run
- Entwickler
- Nintendo
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- WIIU
- Spieler
- 1–4 lokal
Nintendo und DLCs – ein kontroverses Thema: Ist es nun lobenswert oder problematisch, dass der Mario-Konzern nach langer diesbezüglicher Abstinenz in letzter Zeit vermehrt auf kostenpflichtige Zusatzinhalte setzt? Man denke etwa an die Bonus-Levelpakete des letztjährigen 3DS-Sommerhits New Super Mario Bros. 2: Spieler und Presse lobten das Leveldesign, aber ärgerten sich über die vergleichsweise hohen Anschaffungskoten pro Download und das isolierte Dasein jener Stages im vom Hauptspiel abgetrennten Münzrausch-Modus, womit auch ein heftiges Zeitlimit einherging, welches den vielen Geheimgängen besagter Abschnitte ziemlich zuwiederlief.
Wie sieht es nun aber mit der schlicht als New Super Luigi U bekannten New Super Mario Bros. U-Erweiterung aus? Nun, günstig ist sie ebenfalls nicht gerade – der (das Hauptspiel voraussetztende) Download schlägt mit 20 Euronen zu Buche, die jüngst erschienene limitierte Retail-Version kostet gar knapp doppelt so viel – und auch hier müsst ihr mit einem harschen Zeitlimit leben: Für keinen Level habt ihr von Haus aus mehr als knappe 100 Sekunden Zeit. Allerdings bekommt ihr auch richtig viel Spiel für euer hart erspartes Geld!
Zu spät, zu spät, bin viel zu spät!
Marios Abenteuer anlässlich des Wii U-Launches, auf welchem Luigis aktueller Auftritt mehr als deutlich basiert, wurde ja bereits ausführlich vom Kollegen David in seinem letztjährigen Review besprochen, weshalb das hier wie dort grundlegende Spielprinzip an dieser Stelle nicht ein weiteres Mal durchgekaut werden soll. Viel interessanter ist freilich die Fragestellung „Was macht Luigi anders als Mario und wie gut funktioniert das?“
Nun, immer schön der Reihe nach: Die auffälligste Änderung ist wie erwähnt das wesentlich knappere Zeitlimit; in jedem Abschnitt startet ihr ungewöhnlicherweise gleich mit der „Time Up“-Musik und gerade mal 100 Sekunden. Dieser Kunstgriff mag auf dem Papier nicht grundlos Skepsis erregen, ist aber tatsächlich einer: Auch wenn ein Level-Durchlauf zumeist nicht zu einem Speedrun verkommt, so bleibt dennoch spürbar weniger Zeit, die bisweilen durchaus fiesen Hindernisse und Gegner zu überwinden und insbesondere dabei, auch noch nach den (immer noch vorhandenen und immer noch teils richtig gut versteckten) Starcoins und Geheim-Ausgängen zu suchen – „Death by Time-Up“ ist nun nach Ewigkeiten wieder eine durchaus realistische und nicht mehr nur theoretisch existierende Todesart! Der Anspruch wird hier klar erhöht – wenn sich geübte Spieler im (durchaus schon nicht immer zahmen) New Super Mario Bros. U darüber freuten, im Gegensatz zu den Vorgängern nicht ständig mit Münzen und 1-Ups überschüttet zu werden und dann und wann gar dem Game Over-Screen nahe zu kommen, ist es keineswegs unwahrscheinlich, dass sie diesen in Luigi U auch das eine oder andere Mal tatsächlich zu Gesicht bekommen!
Gleiches gilt für den Multiplayer: Konnte man früher noch in aller Ruhe warten, bis der in die Lava geplumste Kollege wieder frisch und munter in einer Blase angeschwebt kam, ist hier die Zeit wesentlich kostbarer und der Freund sollte möglichst rasch befreit werden, um zu vermeiden, dass letztendlich alle Mitspieler an Zeitmangel zugrunde gehen, weil sie sich zuviel selbige ließen. Wobei an dieser Stelle aber auch nicht verschwiegen werden darf, dass durch das knappe Time Limit die Abschnitte auch spürbar kürzer daherkommen als in New Super Mario Bros. U, welches mehr Wert auf Erkundung legte: So gibt es z.B. zwar freilich nach wie vor Geisterhäuser, doch sind diese bei weitem nicht mehr so umfangreich und verzweigt wie früher, als einem wesentlich mehr als hundert Sekunden zur Verfügung standen.
Air Luigi
Die zweite offensichtliche Änderung betrifft das „Feeling“ der Spielfiguren in Bezug auf ihre Bewegungen: So zählen seine „rutschigen“ Kontrollen (schnelle Richtungswechsel lassen ihn noch ein wenig weiter schlittern) und seine höhere Sprungkraft (samt den üblichen hektischen Beinbewegungen in der Luft) im Vergleich zu Mario ja schon seit NES-Zeiten zu seinen On-/Off-Markenzeichen, und während er sich in Mario U noch haargenau wie sein Bruder steuerte, verfügt er im DLC nun über genau diese besagten Fähigkeiten und Eigenheiten, welche dereinst in Super Mario Bros. 2: Mario Madness eingeführt wurden. Und nicht nur Luigi selbst – auch die drei weiteren spielbaren Charaktere, die üblichen zwei Toads sowie das diebische Hasenwesen Mopsie, spielen sich plötzlich ebenso sprunggewaltig und „rutschig“ wie der Titelheld.
Auf große Macht folgt große...Ernüchterung...?
Mopsie? Ach ja: Dieser fiese Nebencharakter aus dem Hauptspiel schließt sich nun (warum auch immer – seine Motivationen sind sicherlich hochkomplex...) nach dem Wegfall von Mario als Spielfigur dem verbleibenden Heldentrio an! Grundsätzlich eine coole Idee, welche aber unverständlicherweise von den Entwicklern gleich wieder torpediert wird: Mopsie ist grundsätzlich unverwundbar – bodenlose Gruben und dergleichen lassen ihn freilich schon ein Leben verlieren und Power-Up-Gegenstände bringen ihm lediglich Punkte ein, aber es ist kein Problem, ihn einfach völlig unbehelligt durch Gegnerhorden durchrennen zu lassen. Liebe Nintendo-Verantwortlichen: Warum? Soll dies sowas wie eine Hilfe für absolute Neulinge darstellen? Wenn ja – reicht dafür nicht einerseits schon vollkommen der (unverändert aus dem Hauptspiel übernommene) Boost-Modus und sollten Einsteiger nicht sowieso zuerst New Super Mario Bros. U spielen?
Schließlich wurde Luigi U von Ankündigung an stets als Erweiterung für Profis beworben, die Mario U bereits gemeistert haben und sich nach neuen Herausforderungen sehnen – eben ganz im Stile des guten alten The Lost Levels. Aber dann einen Charakter einbauen, der einen sehr, sehr großen Teil an Herausforderung aus dem Spiel nimmt ist, höflich ausgedrückt, doch ein wenig kontraproduktiv...kurz und gut: Wer den DLC alleine, zu zweit oder zu dritt zockt, wird sich allenfalls daran stoßen, dass der abgedrehte Hase kaum Sinn macht und sich an Luigi und die beiden Toads halten. Im Vierspielermodus muss dagegen einer aus der fröhnlichen Runde die Rolle des unbesiegbaren Fellknäuels übernehmen und wird so automatisch mit einer Art „God Mode“ zwangsbeglückt – Einspruch sinnlos. Vierköpfige Zocker-Cliquen, die schon Mario U gemeinsam durchgespielt haben und sich schon auf ähnliche, aber schwierigere Sessions mit Luigi freuen, werden enttäuscht den Kopf schütteln – und das absolut gerechtfertigterweise! Letztendlich ist diese Einschränkung auch der Grund, warum der wieder hochgradig unterhaltsame Multiplayer den Singleplayer wertungstechnisch nicht überflügelt.
Neues im alten Kleid
Nun aber zur dritten großen Änderung, welche freilich den Kern des Spiels bildet: Die Weltkarte wurde zwar 1:1 aus dem Wii U-Launchtitel übernommen (was schon für einen faden Beigeschmack sorgt – eine neu designte Map hätte ein massives Plus an Feeling mit sich gebracht!), aber sämtliche Levels, welche auf ihr zu finden sind, wurden völlig neu gestaltet und wissen mit all ihren fiesen Einfällen definitiv zu gefallen! Neue Grafik-Elemente und Kulissen müsst ihr zwar mit der Lupe suchen – so sind die Wüsten-Stages nach wie vor sandig und Burgen auch innen solche – aber das Leveldesign kommt völlig eigenständig daher; eine weitere Gemeinsamkeit mit Lost Levels. Auch wenn die Levellänge im Vergleich zum Hauptspiel wie gesagt geringer ausfällt, sorgen die Anzahl der Stages (hier wie dort gleich viele) und der gestiegene Anspruch (womit mehr gescheiterte Versuche einhergehen) dennoch (solange ihr nicht auf die Geheimnisse pfeift und die schnellste mögliche Route zu Bowsers Versteck nehmt) für eine wirklich respektable Spielzeit – und zwar nicht nur für DLC-, sondern auch für Retail-Verhältnisse!
Maaaaario, where aaaare you?
Zu Grafik und Sound gibt es ansonsten wenig zu sagen, da sie de facto 1:1 aus dem New Super Mario Bros. U übernommen wurden – kann sich beides nach wie vor sehen und hören lassen, aber das völlige Ausbleiben einer Evolution seit einem Dreivierteljahr kostet beiden Kategorien im Vergleich zum Testbericht des Hauptspiels dann doch jeweils einen halben Punkt. Was jedoch noch wesentlich schwerer wiegt, ist das geradezu provokante Verweigern von auch nur minimalen Veränderungen in der Präsentation: Die 1:1 übernommene Weltkarte wurde ja schon erwähnt, aber wäre den Entwicklern wirklich ein Stein aus der Krone gefallen, wenn sie die (ohnehin sehr selten auftretenden) Filmsequenzen geringfügig angepasst hätten? So wird Marios Absenz während des ganzen Spiels überhaupt nicht angesprochen; wenn die Hauptfiguren ganz zu Beginn mit Peach bei Tisch sitzen und auf Marios Platz einfach nur dessen Mütze liegt, keimt schon die Frage auf, ob die Verantwortlichen die Spieler eigentlich auf den Arm nehmen wollen. Aus dem Stehgreif fiele mir schon eine Veränderung mit minimalem Aufwand ein: Mario ist anwesend, stürzt zur Prinzessin, um sie zu beschützen und wird von Bowsers Roboterarm dadurch „versehentlich“ mit verschleppt – Tadaa! Davon, dass eine spielbare Peach sehr cool gewesen wäre (Szenario: Mario stößt sie im letzten Moment zur Seite und wird daher statt ihr geschnappt; die anderen machen sich auf, um ihn zu retten), fange ich gar nicht erst an...immerhin wird sie im kommenden Super Mario 3D World endlich mal wieder einen großen Auftritt haben!
Harmlose Haudegen
Dies mag nur eine Kleinigkeit sein, aber steht beispielhaft für die mangelnde Konsequenz im ganzen Spiel: Warum kommt man in den Stages selbst durchaus oft in nette Zeitnot, erhält in Türmen und Schlössern aber zum Schluss dann doch noch massig Extrazeit, um gegen die (Mini-)Bosse zu kämpfen, welche sich seit Mario U dezidiert kein bisschen weiterentwickelt haben? Man hätte entweder das knappe Zeitlimit unangetastet lassen können, sodass die Oberschurken im Rekordtempo besiegt werden müssten, oder aber die Endgegner zumindest ein wenig gefährlicher machen und ihnen die eine oder andere neue Attacke spendieren können. So aber sorgt es einfach für einen seltsamen Beigeschmack, wenn die Bosse so noch mehr zur Formsache verkommen als es in den letzten Mario-Episoden ohnehin schon der Fall war – der Kontrast zwischen „schwieriger Level mit knappem Zeitlimit“ und „leichter Boss mit mehr als genug Zeit“ fällt einfach unangenehm auf. Und die nur allzu bekannten Kulissen (Neue Grafik-Assets für nur eine einzige neue Levelart wären schon wirklich schön gewesen!), die unveränderte Weltkarte und der unbesiegbare Mopsie wurden ja schon zur Genüge besprochen.
Das soll aber keineswegs bedeuten, dass es sich bei New Super Luigi U nicht um eine hervorragende Erweiterung handeln würde – nicht umsonst erhält es eine formidable Wertung! Das Leveldesign ist toll, die Fallen fies, der Umfang wirklich zufriedenstellend und die nun notwendige Hektik sorgt trotz des völlig gleichen Grundprinzips für eine merklich anderes Spielgefühl gegenüber Mario U. Es ist nur einfach schade um das verschenkte Potential – ein bisschen Polishment und Detailverliebtheit in den genannten völlig vernachlässigten Bereichen, und Luigi U wäre wirklich ein modernes Lost Levels geworden: Eine schön knackige Herausforderung, welches zwar seinem Vorgänger erschreckend ähnlich sieht, aber dennoch als eigenständiges Spiel in Erinnerung bleiben wird. So ist es eben „nur“ ein ausgezeichneter DLC geworden, der sich in vielen Aspekten wie Umfang, Spielbarkeit und Anspruch stark an Vollpreis-Titel annähert, dies in anderen Bereichen dagegen gar nicht erst versucht und sich konzeptuell ab und an selbst im Weg steht. Aber da soll uns nichts Schlimmeres passieren – immerhin macht New Super Luigi U trotz allem Riesenspaß!
Fazit
Zwischen den Download-Levels von New Super Mario Bros. 2 und dem hier vorgestellten Riesen-DLC liegen Welten – anstatt isolierter Münzsammel-Stages könnt ihr euch hier in einem kompletten, zusammenhängenden Spiel mit massig Geheimnissen und Herausforderungen austoben! Manche Entscheidungen bezüglich Präsentation (sehr viel Recycling) und Gameplay (unbesiegbarer Mopsie) sorgen zwar für Stirnrunzeln, was aber nichts daran ändert, dass New Super Luigi U genau das Richtige für ausgedehnte, sommerliche Jump&Run-Ausflüge ist!
- wie das Hauptspiel super spielbar
- großer Umfang, viele Geheimnisse
- toller Nachschlag für Genre-Veteranen
- frisches Spielgefühl und mehr Herausforderung durch knappes Zeitlimit...
- ...aber dadurch auch kürzere Levels und weniger Erkundung
- völlig unveränderte (leichte) Bosskämpfe
- Unbesiegbarkeits-Zwang für Spieler 4
- Grafik und Sound allzu bekannt
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


