
Pandora's Tower
Wer neben unserer schriftlichen Review zu Pandora`s Tower auf der Suche nach einem bewegtem Eindruck des Spiels ist, der sollte sich die aktuelle Episode der Vorzocker nicht entgehen lassen.

Pandora's Tower
WII
- Genre
- Action-Adventure
- Entwickler
- Ganbarion
- Publisher
- Nintendo
- Spieler
- 1 lokal
Nach der Ankündigung der Wii U und des immer seichter werdendes Programms für die Wii, hätte wohl kaum einer damit gerechnet, dass neben sowieso erwarteten Titel wie Zelda und Kirby, nochmals hochkarätige Spiele für das System erscheinen. Dementsprechend positiv war die Resonanz der Spieler auf die Ankündigung von gleich drei Top-Spielen für die Wii. Den Anfang machte das epische Xenoblade Chronicles welches durch seine gigantischen Landschaften und die schier unendliche Vielfalt und unzählige Elemente punkten konnte. Gefolgt von The Last Story, dass durch seine hervorragende Optik und fantastische Erzählweise die Gunst der Spieler errang. Den Abschluss dieser Trilogie macht nun Pandora`s Tower. Ob das Spiel, dessen Geschichte vom Schicksal eines jungen Paares erzählt, an die Erfolge der anderen beiden Titel anknüpfen kann, könnt ihr in der folgenden Review lesen.
Auf der Flucht
Der Einstieg in die Geschichte erfolgt ziemlich abrupt. So bekommt ihr Anfangs nur Bruchstücke erzählt und erst im weiteren Spielverlauf schließen sich nach und nach die Lücken. Dies ist zwar durchaus ein interessanter Erzählstil, welcher auch im fortgeschrittenen Stadium das Interesse an der Geschichte aufrecht erhalten kann, er birgt aber eben auch die Gefahr, dass Spieler sich zu Beginn gar nicht mit der zu dem Zeitpunkt konfus erscheinenden Handlung anfreunden können.
Da in der Review zu wenig als möglich vorweg genommen werden soll, werden wir hier auch recht wenig zur Geschichte und ihrem weiteren Verlauf preisgeben.
Die ersten Momente zeigen eine idyllische Szene in der Stadt Helikon bei einem Art Erntedankfest. Doch im nächsten Moment wird diese Stille dadurch zerstört, dass die junge elyrische Tempeldienerin Helena von einem Fluch befallen wird und die Stadt scheinbar attackiert wird. Danach herrscht pures Chaos auf der gut besuchten Veranstaltung.
Vom Fluch getroffen, bleibt Helena nichts weiter übrig als die Flucht zu ergreifen, da sind ansonsten von den Soldaten niedergemacht würde. Zu ihrem Glück hat der Held der Geschichte stets ein wachsames Auge auf sie geworfen und verhilft ihr zusammen mit einer alten Frau namens Mawda zur Flucht. Wie sich herausstellt, führt der Fluch dazu, dass sich das junge Mädchen langsam aber sicher in eine monströse Kreatur verwandelt.
Es gibt keinen offensichtlichen Grund warum Mawda den beiden hilft, aber sie scheint sich sehr gut mit dem Fluch auszukennen. So weiß sie zum Beispiel, dass das Fleisch von Monstern die Verwandlung verzögern, und das Fleisch der 13 Meister den Fluch komplett aufheben kann.
Auch in anderen Belangen scheint die rätselhafte alte Frau mehr zu wissen als zunächst offensichtlich ist. Auch ihre Fähigkeiten scheinen weit über die einer gewöhnlichen Händlerin hinauszugehen. So könnt ihr bei Mawda nicht nur Waren kaufen und verkaufen, sie kann auch Reparaturen durchführen, Gegenstände kombinieren und eure Waffe verbessern.
Im folgenden Abenteuer übernimmt der Spieler die Rolle von Aeron, Sohn eines Soldaten aus Athos.. Nachdem ihr Helena geholfen habt vor den Soldaten zu fliehen, liegt es nun an euch sie von dem den Fluch zu erlösen.
Dazu müssen die 13 Meister der Türme bezwungen und deren Fleisch von Helena verspeist werden.
Eure Flucht führt euch nach Okanos, dem Ödland am Rande der Welt, in ein verlassenes Observatorium. Dieses diente früher zur Beobachtung der 13 Türme. Einer ineinander verschachtelten Festung gleichend, thronen diese auf einer Plattform, welche von zwölf mächtigen Ketten gehalten über einem Abgrund schwebt. Die Ketten und die drauf befindlichen Türme dienen dem Zweck, dass sich dieser Krater, von den Bewohner nur die Narbe genannt, nicht weiter vergrößert.
Eure Aufgabe ist nun mit Aeron die 13 Türme und deren Meister zu bezwingen um den Fluch von eurer Auserkorenen zu nehmen.
Monster, Meister und Meilensteine
Da im Kontext von The Last Story und Xenoblade Chronicles oft davon ausgegangen wird, eines direkt vorweg. Bei Pandora`s Tower handelt sich um ein Action-Adventure mit einigen Rollenspielelementen. So stürzt sich Aeron alleine ins Abenteuer und die Kämpfe laufen in Echtzeit in nicht festgelegten Arealen ab.
Dennoch verfügt der Titel über einige typische Elemente aus dem Rollenspielbereich.
Euer Charakter steigt automatisch im Laufe der Geschichte in Stufen auf. Dadurch verbessern sich seine Attribute wie Angriff, Verteidigung und Lebensenergie. Ebenso gibt es die Möglichkeit Waffen zu verbessern und Gegenstände mit Hilfe von Sammelobjekten herzustellen.
Nach und nach kämpft sich Aeron also durch die 13 Türme über der Narbe und versucht Helena vor dem Schicksal für immer ein Monster zu werden zu retten.
Dabei gilt es, sich bis zum Meister des Turms durchzuschlagen und diesen zu besiegen. Um diesen herausfordern zu können müsst ihr zunächst die Tore dorthin öffnen. Diese werden, wie könnte es anders sein, durch Ketten verschlossen. Aeron muss die Ankerpunkte dieser Ketten finden und sprengen um zum Meister vordringen zu können.
Auf dem Weg dorthin stellen sich euch nicht nur die verschiedensten Gegner in den Weg, auch der Anspruch der Rätsel steigt im Spielverlauf stetig an. So gilt es nach altbekannten Spielprinzipien Mechanismen wieder in Gang zu setzen um den weiteren Weg freizuräumen. Auch Kletterpassagen, die mit Hilfe eurer Kette absolviert werden, stehen auf der Tagesordnung. Um den Überblick nicht zu verlieren, könnt ihr stets einen Blick auf die Karte des jeweiligen Turms werfen.
Neben eurer Lebensenergie, stehen euch im Kampf noch zwei weitere wichtige Anzeigen zur Verfügung. Die Bestienanzeige ist eine Art Countdown der euch Auskunft darüber gibt, wie viel Zeit noch bleibt, bis Helena sich endgültig in ein Monster verwandelt. Um diesen Zähler zurückzusetzen, muss sie mit Monsterfleisch versorgt werden. So kann es schon vorkommen, dass ihr eure Erkundungen vorerst unterbrechen und zum Observatorium zurückkehren müsst um dem Fluch Einhalt zu gebieten. Die Kettenanzeige hingegen zeigt die momentane Stärke eurer Kette an. Befindet ihr euch im Observatorium erscheint noch eine Zuneigungsanzeige. Diese zeigt an wie verbunden Aeron und Helena sind. Dies hat Auswirkungen auf den Verlauf der Geschichte. Durch kleine Geschenke und Aufmerksamkeiten kann diese Anzeige gefüllt werden.
Neben der Möglichkeit im Observatorium abzuspeichern, setzt das Spiel automatisch Meilensteine, wenn gewisse Abschnitte innerhalb eines Turm absolviert wurden. Sterbt ihr, oder wird Helena zum Monster, kann der letzte Speicherpunkt oder der letzte Meilenstein geladen werden.
Auf in den Kampf!
Da weder die Meister noch die Monster der Türme ihr Fleisch kampflos hergeben, ist es unvermeidlich, sich durch deren Reihen zu schlagen.
Mit eurer Hauptwaffe attackiert Aeron seine Gegner direkt und blockt deren Attacken. Dabei hat die Art der Waffe Einfluss auf die Stärke und die Geschwindigkeit des Angriff. So teilen wuchtige Klingen viel Schaden aus, verlangsamen euch aber, während kleinere Klingen weniger Durchschlagskraft besitzen ihr aber agiler bleibt.
Neben der normalen Attacke kann durch Aufladung eurer Waffe ein verstärkter Angriff ausgeführt werden.
Bevor Aeron zum ersten Turm aufbricht, erhält er von Mawda eine Orakloskette. Eine Waffe die von früheren Generationen genutzt wurde und deren wahre Macht schon lange in Vergessenheit geraten ist. Vielleicht findet ihr einen Weg die wahren Kräfte der Kette wieder zu reaktivieren?
Neben einfachen Attacken die über eine größere Distanz ausführbar sind, bietet euch die Kette eine Vielzahl an Interaktionsmöglichkeiten. So könnt ihr eure Feinde fesseln um ihre Bewegung einzuschränken oder zum Beispiel fliegende Gegner auf den Boden zwingen. Ist ein Widersacher an der Kette kann ihm durch einen Ruck mit der Fernbedienung Schaden zufügt, oder falls er bereits getötet wurde Monsterfleisch oder Gegenstände entrissen werden. Alternativ könnt ihr ihn an ein Objekt oder einen anderen Gegner anketten. Dies ist gerade beim Kampf gegen viele Monster von entscheidendem Vorteil. Gefesselte Kreaturen können allerdings auch an der Kette herumgewirbelt und entweder gegen ein Ziel geschleudert werden um ihnen Schaden zuzufügen, oder schlichtweg als Keule gegen weitere Feinde eingesetzt werden. Je fester ihr die Kette durch Zug um euren Gegner schnürt um so stärker ist die danach ausgeführte Aktion.
Aber nicht nur im Bereich der Ausdünnung von Gegnern erweist sich das gute Stück als äußerst hilfreich.
Aeron kann damit auch weiter entfernte Gegenstände zu sich heranziehen, Schalter und Mechanismen aktivieren oder sich mit ihrer Hilfe an Haltepunkte entlangschwingen.
Solltet Aeron verletzt werden befinden sich an manchen Stellen in den Türmen heilende Brunnen.
Diese sind allerdings nicht zu jeder Zeit gefüllt, genauso wie viele andere Aspekte sich zu verschiedenen Tageszeiten anders verhalten.
Dementsprechend ist es immer gut Heiltränke mit sich zu führen. Im weiteren Spielverlauf kann Aeron auch zusätzliche Tränke von Mawda herstellen lassen. Vorausgesetzt ihr habt die nötigen Zutaten gesammelt. Diese können zum Beispiel kurzzeitig Eigenschaften wir eure Kraft, Flinkheit und Abwehr steigern oder euch gar unsichtbar für Feinde machen. Gerade bei Endgegnern erweist sich der eine oder andere Trunk oftmals als sehr hilfreich.
Technik
Es ist heutzutage schon wirklich schwer eine faire Grafikwertung für ein solches Spiel abzugeben.
Wer den Titel auf seinem extragroßen Flachbildfernseher genießen will, der sollte sich stets bewusst sein auf welcher Konsole er spielt und dementsprechend mit der Grafik leben können.
Nicht das Pandora`s Tower schlecht aussieht, aber es ist halt einfach nicht mehr wirklich zeitgemäß.
Davon abgesehen bietet das Spiel eine Art der Detailverliebtheit und Spieltiefe die den meisten optisch hochfrisierten Next-Gen-Spielen absolut fehlt.
Vernachlässigt oder akzeptiert man also diesen Punkt, ist es es wie bei Xenoblade Chronicles und The Last Story wirklich imposant, was noch alles aus der Konsole herauszuholen war. Das düstere und leicht morbide Ambiente wird perfekt transportiert. Die bis auf von Monstern verlassenen Türme wirken extrem trostlos. Und das nicht im negativem Sinne, schließlich sollen sie genau dies vermitteln. Aeron ist wirklich alleine auf weiter Flur. Ganz im Gegensatz eben zu den viel belebten Arealen der beiden zuvor genannten Titel.
Die Kamera ist dabei stets fixiert und in den meisten Fällen führt dies auch nicht zu Problemen.
Die Videosequenzen sind ebenso hübsch in Szene gesetzt wie die schon leicht grausamen Szenen in denen das junge Mädchen gezwungenermaßen das Fleisch der Monster herunterschlingen muss.
Lediglich der Held wirkt etwas steif, was aber bis zu einem gewissen Grad auch gut zu seiner Rolle passt.
Akustisch wartet der Titel ebenso mit orchestralen Abschnitten auf, wie mit fast lautlosen Passagen die lediglich von Umgebungsgeräuschen getragen werden und somit in die Atmosphäre der Leere und des Verlassenen passen. Die Sprachausgaben, welche auch bei diesem Titel nicht lokalisiert wurde ist gut gelungen, aber eben auch wieder leicht britisch angehaucht.
Eine der großen Herausforderungen von Pandora`s Tower ist die Steuerung. So bedarf es schon einiger Übung, dass man im Kampf die richtige Kombination aus Schwertangriff, Abwehr, Ausweichmanöver und dem Einsatz der Kette findet und beherrscht. Wer diese Hürde allerdings genommen hat dem steht ein zwar komplexes aber dennoch gutes Echtzeitkampfsystem zur Verfügung. Es gibt allerdings auch Stellen die etwas ärgerlich sind. Kämpft man zum Beispiel zu nahe an einer Tür, kann es schon mal vorkommen, dass man aus Versehen den Raum verlässt anstatt auf den Gegner einzuschlagen.
Fazit
Pandora`s Tower ist ein Spiel dem man Zeit geben muss, bis es seine volle Qualität entfalten kann. Der Einstieg in die Geschichte gestaltet sich recht verworren und auch der Anspruch scheint zu Beginn recht niedrig. Nach einiger Spielzeit zieht aber nicht nur der Schwierigkeitsgrad beträchtlich an, auch die Geschichte hinter dem Paar Aeron und Helena beginnt sich zu entfalten und zu fesseln.
Von technischer Seite her weiß der Titel zu überzeugen, auch wenn die Steuerung definitiv nicht anfängergeeignet ist.
Der Titel mag nicht ganz so pompös sein wie Xenoblade Chronicles oder The Last Story, dafür hat er Qualitäten in anderen Bereichen die seine Zugehörigkeit zu dieser Wii-Endzeit-Kombo rechfertigen. So besticht der Titel durch kleine Details und Liebeserklärungen, die zeigen, dass die Entwickler mit Herzblut zur Sache gegangen sind.
Wer also auf der Suche nach einer knackigen Herausforderung ist und nicht vor einem zähen Einstieg zurückschreckt, der sollte den Titel auf jeden Fall in Betracht ziehen.
- stimmige Atmosphäre
- interessanter Erzählstil
- herausfordernd
- schleppender Einstieg
- komplexe Steuerung
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.
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