
The Last Story
Besser spät als nie. Das trifft in zweierlei Hinsicht auf The Last Story zu. Zum einen ist das Spiel bereits vor über einem Jahr in Japan erschienen, zum anderen zeigt es gemeinsam mit Titeln wie Xenoblade Chronicles und Skyward Sword, dass der Spätherbst von Nintendos Wii noch einiges zu bieten hat, auch wenn man sich solche hochklassigen Titel natürlich schon früher gewünscht hätte. MitThe Last Story und dem kommenden Pandora`s Tower sorgt Nintendo zumindest dafür, dass die Wii nicht schon weit vor dem Release des Nachfolgers komplett untergeht. Mit Xenoblade Chronicles wurde durchaus eindrucksvoll bewiesen, dass man die Konsole noch nicht ganz abschreiben sollte. Ob Mistwalkers Last Story daran anknüpfen kann, wollen wir im Folgenden beleuchten.

The Last Story
WII
- Genre
- Rollenspiel
- Entwickler
- Mistwalker
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- WII
- Spieler
- 1–6 lokal
- Freigabe
USK ab 16
Die Protagonisten eures Abenteuers sind allesamt Söldner, die den Traum haben sich irgendwann so viel Aufmerksamkeit und Ehre zu verschaffen, dass sie in den Rang eines Ritters aufsteigen können.
Ihr übernehmt dabei die Rolle von Zael, einem Schwertkämpfer, der als Kind seine Eltern verloren hat und sich von da ab zusammen mit seinem Freund Dagran durchschlägt.
Doch was sind die Sorgen eines Einzelnen gegen das Leid eines gesamten Welt?
Diese liegt aus unerklärlichen Gründen im Sterben. Wälder werden dahin gerafft und nach und nach verödet alles. Lediglich die Insel Lazulis scheint immun gegen die mysteriöse Seuche zu sein und bietet dementsprechend Zuflucht und Schutz für die Bewohner des Kaiserreichs. Aber nicht nur die Erde scheint ihre Bewohner abzustoßen, auch das Volk der Gurak trachtet nach dem Leben der restlichen Menschen.
Nach einem erfolgreich durchgeführten Auftrag, bei dem der Held eine seltsame Begegnung mit einem unbekannten Wesen macht, feiert die Gruppe ihren Sieg in einer Taverne.
Zael, der eigentlich Biernachschub für seine trinkfeste Kumpanin Syrenne besorgen soll, trifft auf eine geheimnisvolle Fremde die mehr zu sein scheint als der erste Eindruck vermuten lässt.
Die ganze Stadt ist in hektischen Vorbereitungen für die Vermählung von Prinzessin Calista. Zu diesem Anlass wird ein Ball gegeben, zu dessen Bewachung die Gruppe zusätzlich eingeteilt wird.
Als die Gurak die Feste attackieren nimmt die Geschichte ihren Lauf.
Auf in den Kampf
Auch wenn sie für den Aufstieg des Charakters bis zu einem gewissen Grad unabdingbar sind, so können Zufallskämpfe auf Dauer doch sehr stören, da sie den Spielfluss ständig unterbrechen.
Dies dürfte auch einer der Gründe dafür sein, dass bei The Last Story bewusst darauf verzichtet wurde. Ihr sehr eure Feinde schon meist auf der Karte und könnt euch dementsprechend auf den Kampf einstellen. Ganz selten tauchen eure Widersacher unvermittelt vor euch auf.
Vor den meisten Kämpfen bekommt ihr eine Übersicht des Schauplatzes aus der Vogelperspektive.
Dies verschafft euch einen guten Eindruck davon, was auf euch zukommt.
In vielen Kämpfen ist dies auch von Nöten, da ihr so zum Beispiel direkt die Positionen der feindlichen Magier ausmachen könnt, um diese zeitnah auszuschalten. Dies erleichtert die meisten Auseinandersetzungen enorm. Der Wechsel ins Kampfgeschehen erfolgt in Echtzeit sobald ihr den Kampf freigegeben habt. Ob ihr dann direkt die offene Konfrontation sucht, oder euch aber zunächst versteckt um einzelne Gegner in Fallen zu locken, oder eben wie oben angesprochen die Magier mit eurer Armbrust aufs Korn nehmt, bleibt euch selbst überlassen.
Im Spielverlauf lernen eure Charaktere neue, effizientere Kampftechniken die es euch erlauben euch besser zu behaupten.
Neben den direkten Angriffen eurer Magier können diese auch Magiekreise entstehen lassen. Durch verschiedene Techniken kann Zael eben jene aufwirbeln und somit verschiedene Effekte erzielen. So kann damit je nach Art des Kreises geheilt, den Angriffen eine Statuseffekt wie Elemente oder Rüstungsbruch verliehen oder Attribute der Mitstreiter verbessert werden.
Wichtig ist, dass ihr eure Magier beschützt. Eure Gegner werden diese fast immer als Hauptgefahr betrachten und dementsprechend zu erst angreifen. Mit Hilfe eurer Fähigkeit zu fokussieren, könnt ihr allerdings die komplette Aufmerksamkeit auf euch lenken. Solange der Fokus aktiv ist, werden alle Gegner nur euch attackieren. Dementsprechend gilt es auch Angriffen auszuweichen bzw. sie zu blocken. Jedes Mitglied der Gruppe verfügt über fünf Lebensbalken. Wird einer aufgebraucht geht der entsprechende Charakter zu Boden, kann aber wieder in den Kampf eingreifen sobald man ihm aufhilft. Verliert eure Gruppe alle Lebensbalken ist das Spiel vorbei und ihr müsst vom letzten Speicherpunkt neu starten.
Oftmals ist es auch wichtig, dass ihr euren Mitstreitern Kommandos erteilt um den Kampfverlauf zu euren Gunsten zu entscheiden.
So müsst ihr zum Beispiel entscheiden, ob ihr euch selbst mit eurer Armbrust um feindliche Scharfschützen kümmert, oder ob ihr eure Magier anweist, sie unschädlich zu machen.
Beides hat weitere Auswirkungen auf das Kampfgeschehen. Wenn ihr euch der Gefahr selber annehmt, fehlt ihr im Nahkampf und ein anderer Kämpfer muss die Feinde von euren Magiern fernhalten und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Lasst ihr die Magier auf die Schützen los, fehlt euch deren unterstützende Magie eine Weile im Kampf.
An machen Stellen findet ihr magische Kreise, mit deren Hilfe ihr absichtlich starke Gegner beschwören könnt um eure Kämpfer zu trainieren.
Das passende Handwerkszeug
Wie es sich für einen Vertreter des Genres gehört habt ihr mannigfaltige Möglichkeiten eure Truppe mit Waffen und Rüstungen auszustatten.
In der Stadt und stellenweise auch bei anderen Gelegenheiten findet ihre verschiedene Händler und Handwerker die euch neue Waffen, Rüstungen und Items verkaufen.
Auch den Pfeilmacher solltet ihr aufsuchen. Mit Attributen versehene Pfeile können einen Kampf sehr schnell für euch entscheiden. So sind zum Beispiel Hexentöter ideal um feindliche Magier schnell auzuschalten und Explosionspfeile erweisen sich gegen robustere Gegner als sehr effizient.
Bei Schmieden habt ihr die Option euer Kriegswerkzeug aufzurüsten und zu verbessern. Bis zu einem gewissen Grad geht dies durch einfache Bezahlung. Später sind bestimmte Items nötig um die Waffe/Rüstung weiter aufzuwerten. Diese werden entweder von besiegten Gegnern fallen gelassen oder aber in Truhe gefunden.
Manche Gegenstände die ihr findet, können nicht direkt zugeordnet werden. Diese können gegen ein Entgelt von speziellen Händlern identifiziert werden.
Solltet ihr mal den Überblick darüber verlieren, was nun sinnvoll auszurüsten ist, gibt es die Option eine optimierte Zuweisung vom Spiel vornehmen zu lassen.
Um eure Charaktere zu individualisieren, könnt ihr mit mit Hilfe eines Farbeditors das Aussehen eurer Ausrüstung verändern. Dabei stehen euch zu Beginn nur einige Farben zur Verfügung.
Im Laufe des Abenteuers könnt ihre neue Mischungen erstehen und eintauschen.
Die Optik
Das die Wii optisch keine Bäume ausreißen kann, dürfte mittlerweile auch dem letzten bekannt sein. Trotzdem ist es höchst beeindruckend, was die Entwickler noch aus der Konsole herauskitzeln konnten. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen, setzt das Spiel auf realitätsnahe Architektur und Strukturen. Dies führt aber leider gelegentlich dazu, dass die Framerate des Spiels einbricht. Gerade wenn viel Bewegung bzw. viele Objekte dargestellt werden. Trotzdem wurden alle möglichen Tricks verwendet um die Performance zu verbessern. So wurde zum Beispiel bei Charakteren die nicht ansprechbar sind auf viele Konturen und Texturen verzichtet. Da man diese für gewöhnlich aber erst gar nicht näher betrachtet, fällt dies nicht weiter ins Gewicht.
Die Handlungsorte wirken zu jeder Zeit sehr belebt und sorgen für zusätzliche Atmosphäre. So tanzen die Besucher einer Taverne, auf dem Schiffsdeck wird Karten gespielt, Katzen sonnen sich auf Obstkisten und Bewohner und Reisende bevölkern geschäftig die Stadt.
Hinzu kommen kleine Dinge, welche die Liebe zum Detail ersichtlich machen. So könnt ihr zum Beispiel Obstkörbe umwerfen, worauf die Bewohner auf den rundlichen Früchten ausrutschen und sichtlich irritiert versuchen wieder auf die Bein zu kommen. Wer gerade keinen Obstkorb findet, kann kurzerhand Scherzbananen mit der Armbrust verschießen um den gleichen Effekt zu erzielen.
Viele der handlungsspinnenden Videos sind in Spielgrafik gehalten und ermöglichen somit einen nahtlosen Übergang. Aber auch hochwertige FMV-Sequenzen tragen dazu bei, dass der Titel auch optisch ein Hochgenuss ist.
Da die Wii über keine Festplatte verfügt läuft das Laufwerk eigentlich die ganze Zeit auf Hochtouren. Die Ladezeiten sind aber dennoch vertretbar.
Die Akustik
Neben der Optik und der Geschichte ist die Akustik die dritte tragende Säule eines gutes Rollenspiels. Schließlich muss sie gekonnt jede Szene und Aktion untermalen um die vorhandenen Stimmungen noch besser transportieren und Emotionen wecken zu können.
Für diese Aufgabe haben sich die Entwickler niemand geringeren als Nobuo Uematsu
an Bord geholt. Der Altmeister ist seines Zeichens verantwortlich für so ziemlichen jeden Final Fantasy Soundtrack. Auch die Musik von Super Smash Bros. Brawl und Chrono Trigger stammt aus seiner Feder. Und auch in diesem Titel beweist er eindrucksvoll, warum er ein Meister seines Faches ist. Die Musikstücke passen millimetergenau zu den Geschehnissen auf dem Bildschirm.
Ob sanft oder rau, ob traurige oder actiongeladene Szenen, es wird immer der richtige Ton getroffen.
Eine Geschmackssache ist allerdings die Sprachausgabe. Wie schon bei Xenoblade Chronicles, sind die Sprecher unüberhörbar Briten. Das macht die Aussprache zwar sehr deutlich und leicht verständlich, aber auf der anderen Seite gibt es durchaus Spieler denen der Akzent schlichtweg nicht zusagt. Alles in Allem ist dies aber kein Manko, da die Sprecher bzw. deren Stimmen wirklich exzellent gewählt wurden. Auch hier passt alles wie die Faust aufs Auge. Wer des Englischen nicht mächtig ist, für den gibt es die Option tadellos übersetzte Untertitel einzublenden.
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Die Steuerung
Ob ihr den Titel mit dem Classic Controller oder der Remote und dem Nunchuk steuert liegt ganz in eurem Ermessen. Beides geht gut von der Hand und es ist in dem Fall einfach nur eine Geschmackssache. Das Zielen mit der Armbrust dürfte mit der Remote allerdings um einiges einfacher ausfallen.
Mehr Spieler, mehr Spaß!
Neben der Story habt ihr zusätzlich die Möglichkeit online mit anderen Recken mit und gegeneinander anzutreten.
In der Schlacht können bis zu sechs Spieler in Teams oder jeder gegen jeden antreten. Dabei wird von eurem ausgewählten Savegame das Level und die Statuswerte des Charakters übernommen. Von den Waffen und Rüstungen allerdings nur das Aussehen. Das ganze wird im Stil eines sportlichen Wettkampfs live kommentiert.
Wer lieber auf Aktion ala Monster Hunter steht, der kann zusammen mit anderen Kämpfern im Bosskampf gegen ausgewählte Bestien antreten. Hierbei werden die Werte der Waffen und Rüstungen übernommen, der Level und andere Statuswerte nicht.
Die limited Edition
Auch Nintendo scheint langsam aufgegangen zu sein, dass Spieler Sammlereditionen lieben.
Nach Xenoblade Chronicles und Skyward Sword, bekommt auch The Last Story eine solche spendiert. Diese beinhaltet anders als bei den beiden zuvor genannten allerdings keinen Controller, sondern ein hübsch gestaltetes Steelbook, welches Platz für das Spiel und den ebenfalls beiliegende Soundtrack bietet. Dieser ist mit nur sieben Musikstücken leider etwas kurz ausgefallen. Dafür gibt es noch ein nettes Artbook, welches nicht nur unzählige Konzeptzeichnungen, sondern auch Entwicklerkommentare enthält.
Ebenfalls lobend sei die wirklich schön und aufwändig gestaltete Anleitung erwähnt. Diese sticht gerade in der heutige Zeit, in der es fast schon normal ist fünfseitige, mit nutzlosen Informationen gepackten Booklets beizulegen, hervor.
Bilder hierzu findet ihr in unserer Galerie.
Fazit
Wer hätte gedacht, dass die Wii gegen Ende ihres Lebenszyklus noch einmal ein solches Spiel hervorbringt. Der Titel ist unter Anbetracht der Plattform eine technische Meisterleistung.
Die Atmosphäre ist durch die perfekt gekoppelte Optik und Akustik extrem dicht und mitreißend.
Jeder Charakter ist eine eigenständige Persönlichkeit und nicht wie in vielen anderen Spielen bloß eine blasse Marionette.
Das Schicksal der Söldnertruppe zieht einen schnell in den Bann, auch wenn man ziemlich linear durch das Spiel geführt wird.
Mit ca. 25 Stunden Spielzeit bietet der Titel zusammen mit einem netten Onlinemodus auch noch wirklich viel Inhalt. Das Kampfsystem ist erfrischend anders und lockert die oft festgefahrenen Strukturen der Genres etwas auf.
Wer also auch nur im Ansatz etwas mit Rollenspielen anfangen kann, für den ist der Titel ein absoluter Pflichtkauf.
- wundervolle Akustik
- packende Geschichte
- gute Optik
- innovatives Kampfsystem
- etwas zu linear
- Einbrüche der Framerate
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


