
The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom
Es ist das meist erwartete Nintendo-Spiel des Jahres. Kaum ein Game hat ein derart schweres Kreuz aus Erwartungen und Vorschusslorbeeren zu tragen wie The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom. Es ist die erste direkte Fortsetzung eines Zelda-Titels auf der selben Konsolengeneration und das sieht man auch. Die Ähnlichkeit zu Breath of the Wild ist frappierend. Aber ist das ein Problem? Fliegt durch den Nintendofans.de Test und taucht wieder kopfüber in Hyrule ein.

The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom
NSW
- Genre
- Rollenspiel
- Serie
- The Legend of Zelda
- Entwickler
- Nintendo
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- NSW
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 12
Eine Sensation
Breath of the Wild erschien 2017 und krempelte das gesamte Zelda-Konzept komplett um. Eine Open World, die jegliche Linearität über Bord warf und auch die klassischen Dungeons mit ihren Enterhaken, Schwimmflossen und Schlüsseln durch Schreine mit physikalischen Logik- und Geschicklichkeitsrätseln ersetzte. Die unglaubliche Prämisse der offenen Spielwelt: Wenn du es sehen kannst, dann kannst du auch hin. Die Gamer-Welt eskalierte förmlich vor Lobeshymnen, auch wenn viele die etwas kargen Umgebungen und die extrem brüchigen Werkzeuge bemängelten. Alles in allem sprachen viele vom besten Zelda, manche sogar vom besten Spiel aller Zeiten. Man sollte meinen, dass man bei diesem Druck lieber die Finger von einer direkten Fortsetzung lassen würde – die Fallhöhe wäre ja nicht gerade niedrig. Aber Nintendo hat nichts anbrennen lassen und aus den vielen Ideen, die in Breath of the Wild keinen Platz mehr gefunden haben, ein Spielerlebnis kreiert, welches das Unmögliche meistert. Es ist besser geworden, als sein Vorgänger und das in so ziemlich allen Belangen. Wer befürchtet hatte, das Spiel würde sich wie ein größerer DLC anfühlen, irrt gewaltig und sollte Tears oft he Kingdom unbedingt in Angriff nehmen. Wer allerdings schon mit Breath of the Wild nie warm geworden ist, darf das Spiel getrost links liegen lassen. Die anderen 95% lesen forsch weiter.
Ganz eigenes Tempo
Das Spiel beginnt recht rasant. Zelda und Link untersuchen die Unterwelt des Schlosses Hyrule und erwecken dabei eine uralte Mumie. Links Arm wird vom Fluch befallen und nur dank einer mysteriösen, magischen Armprothese gerettet. Von nun an hat er interessante neue Fähigkeiten, auf die gleich noch gesondert eingegangen wird. Überall in der Welt erscheinen Himmelsinseln und auch das Schloss Hyrule selbst fliegt gen Himmel. Zelda ist allerdings verschwunden und so ergeben sich einige neue Aufgaben für unseren Helden Link. Dabei trifft er auf alte und neue Wegbegleiter und muss einige schlicht gigantische Strecken zurücklegen, was durch die vielen angenehmen Zerstreuungen nicht immer einfach ausfällt. Die Entwickler haben nämlich eines auf geniale Weise hinbekommen: man fühlt sich am Anfang furchtbar klein in diesem neuen alten Hyrule. Mit der anfänglichen Ausdauer schafft man es kaum einen Baum hoch und schon die einfachsten Gegner können Link mit nur einem Hieb niederstrecken. Es gilt sich immer wieder aus der Sicherheit der Dörfer herauszuwagen, Ausrüstung und lukrative Gegenstände zu besorgen und dabei die ein oder andere Mission zu erledigen. In kaum einem anderen Spiel trifft die alte Redewendung „der Weg ist das Ziel“ derart zu wie in Tears of the Kingdom, denn immer wieder lenkt man sich gerne mit den vielen Schreinen, Pferden, Gegnerhorden, den neu dazu gekommenen Höhlen, den Türmen und Himmelsinseln ab. Das Storytelling hängt dabei sehr davon ab, ob man sich eher den Hauptmissionen oder der Erkundungslust hingibt. Dies führt vor allem am Anfang dazu, dass einem viele NPCs die gleichen Fragen stellen oder immer wieder die gleichen Infos geben, denn die Entwickler wollen sicher gehen, dass Link das Nötigste zu hören bekommt. Auf der anderen Seite lässt einen das Spiel aber derart autark das Gameplay erkunden, dass man sich immer wieder fragt, ob das, was man da gerade macht, eigentlich so vorgesehen war oder ob es nicht doch eine viel richtigere Variante gäbe. So findet man sich immer wieder in einem Schrein wieder, wo man zu Beginn nicht den Hauch einer Ahnung hat, welchen physikalisch-magischen Trick es anzuwenden gilt. Beim Verlassen des Schreins fühlt man sich immer klüger und selbstwirksamer als vorher und das trotz der völligen Abwesenheit von Tutorials. Hut ab, das schaffen nur die wenigsten Spiele.
Aber selbst, wenn man sich nicht ablenken lässt, sind die Wege unglaublich weit und steinig. Der Spieler erlebt den Aufstieg zum Dorf der Orni beispielsweise als das, was er wirklich ist. Ein zehrendes Abenteuer, bei dem man sich nie sicher sein kann, ob man noch auf dem richtig Pfad wandert. Durch die klirrende Kälte droht Link schnell der Bildschirmtot, also müssen entsprechende Arzneien vorgekocht werden. Wer das nötige Kleingeld hat versorgt sich mit wetterfester Kleidung, aber das ist bei weitem nicht so einfach, wie in anderen Zelda-Spielen. Wenn man schlussendlich den gigantischen Boss besiegt hat, fühlt man sich wahrlich und zurecht als Held von Hyrule.
Die neuen Fähigkeiten
Die wichtigste Fähigkeit der Armprothese ist die sogenannte Ultra-Hand. Sie kann viele Gegenstände hochheben, drehen und bewegen. Außerdem, und hier wird es besonders spannend, kann man verschiedene Gegenstände in allen möglichen Positionen aneinander kleben. So können Brücken gebaut und Abgründe überwunden werden, aber auch Fahrzeuge, Fahrstühle und Heißluftballons können damit gebaut und dank der neuen Sonau-Energie sogar batteriebetrieben werden. Die Möglichkeiten sind gefühlt unendlich und übersteigen wahrscheinlich das, was die Entwickler sich selbst dabei gedacht haben. Wie bereits erwähnt, löst man die Rätsel mit ihren Hindernissen derart kreativ, dass man immer wieder das Gefühl hat, die einzige Person weltweit zu sein, die etwas so oder auch anders erledigt hat. Dieses Gefühl hatten wir bislang in keinem anderen Spiel. Herrlich.
Außerdem kann Link jetzt synthetisieren. Dabei kann er Steine, Flammenwerfer und andere Gegenstände seiner Umwelt mit einer seiner vielen Schlagwaffen verbinden. Das macht sie zum Einen stärker, aber auch robuster. Dadurch zerbrechen die Waffen nicht mehr ganz so schnell wie in BotW und können sogar brüchige Wände einreißen. Aber ganz ehrlich: Die Waffen sehen dadurch sehr seltsam und klobig aus. Wer auch im Kampf auf Style achten möchte, wird über das neue Feature seine Nase rümpfen.
Eine weitere Fähigkeit, die einem etwas bekannter vorkommt, ist die Zeitumkehrung. So können beispielsweise Zahnräder plötzlich rückwärtslaufen und damit Tore offen halten oder anderweitig Durchgänge ermöglichen.
Ein Skill, der für kontroverse Meinungen sorgen wird, ist der Sprung durch die Decke. Link kann jetzt an vielen Stellen auf das Klettern verzichten und schwimmt quasi durch die feste Masse nach oben, bis er auf der anderen Seite herauskommt. Auch wenn das wahnsinnig gut animiert und umgesetzt ist, wirkt es, gerade in Anbetracht der sonst so mühsamen Kletterpartien, wie cheaten. Aber wer will sich schon beschweren…
Toll ist, dass Link sich gelungene Kochrezepte merkt und das Kochen damit wesentlich schneller von der Hand geht, als noch im Vorgänger.
Die Kämpfe sind, wie schon geschrieben, nicht ganz ohne und durch die nicht ganz simple Menüführung manchmal etwas chaotisch. Die Kamera ist nicht immer so hervorragend eingestellt wie Link das gerne hätte und wenn man währenddessen sein Schild verliert und ein neues anlegen muss, kommt immer wieder unangenehmer Stress auf. Dank absolut fairer, automatischer Savepoints ist das aber fast nie ein wirkliches Problem. Vor allem die Bosskämpfe sind noch imposanter, als in BotW und eine wahre Augenweide.
Aufgaben noch und nöcher
Wie im Vorgänger gibt es einiges zu erledigen in der großen Welt von The Legend of Zelda. Die Höhlen zu erkunden ist zum Beispiel ein sehr interessantes Unterfangen und lässt den inneren Indiana Jones frohlocken. Vor allem, weil man ein ums andere mal dastehen und denken wird, dass es jetzt nicht mehr weitergeht, nur um dann doch noch den Geheimgang zu finden. Auch die vielen Krogsamen möchten gefunden werden, wobei die dafür nötigen Spielerein ein wenig aufwendiger und auch kreativer ausgefallen sind.
Eine Kleinigkeit hat beim Testen eine gar ungeahnte Freude ausgelöst: die Ställe. Erreicht man nämlich seinen ersten Stall wird man feststellen, dass die Pferde aus BotW in das Spiel transferiert wurden. Diese scheinbare Nichtigkeit sorgt für ein wohliges Gefühl und eine Kontinuität zwischen den beiden Games, die ganz unaufgeregt und nebenbei daherkommt. Genauso willkommen sind die neuen Stallpunkte, welche man durch die Entdeckung neuer Ställe erlangt. Diese bringen Link und seinem Reittier neue Gadgets ein. Hinzu kommen massig Nebenquests, die zwar in ihrer Ausführung banal sind, durch die sympathischen Figuren aber dennoch punkten. Der größte Kritikpunkt der Openworld-Zelda-Nörgler ist uns beim Test eher als Stärke aufgefallen. Ja, es ist nicht so viel los auf den Wegen von Hyrule, aber die Ruhe und Authentizität dieser Welt zieht einen dermaßen in seinen Bann, dass es fast eine Art Trance ist, in die man verfällt. Ständig folgt man einem neuen roten Faden, ohne genau zu wissen warum oder wohin er führt, nur um dann im nächsten Moment mit einem Item, einem Ausblick, einer neuen Quest oder einer Gameplayraffinesse belohnt zu werden. Als Spieler muss man sich darauf gefasst machen, dass zwischen der Entscheidung jetzt mal endlich auszumachen und dem tatsächlichen Abschalten der Konsole, mehrere Stunden liegen können.
Die Technik
Ja, wenn sich Tears of the Kingdom eines vorwerfen zu lassen hat, dann ist es die Überlastung der veralteten Switch Hardware. Die gigantische Welt und die grenzenlose spielerische Kreativität erkauft sich das Spiel mit teils groben Einbußen an Stellen, wo keiner so genau gucken soll. Einige, wenige Areale sehen aus wie aus einem RPG-Maker und hier und da rutschen die Texturen ins Matschige ab. Die Framerate bleibt am TV, wie auch im Handheldmodus meist stabil bei 30fps, aber wenn zu viel los ist, bricht sie ein. Schatten flirren, Gras ploppt vor einem auf und hier und da mal ein Grafikfehler. Verschlechtert dies das Spielerlebnis? Keineswegs, aber als Gamer aus Leidenschaft wird man die Frage nicht los, wie das alles auf einer stärkeren Konsole aussehen könnte. Der Celshading-Look mit dem einzigartigen neuen Zelda-Look ist grandios, eine Augenweide, unverwechselbar, aber der letzte Schliff, bleibt durch die an ihre Grenzen gebrachte Switch verwehrt.
Musikalisch hat man sich aber überhaupt nicht lumpen lassen. Die seltsamen Klänge mit ihren ungewohnten Harmonien passen wie die Faust aufs Auge zu dieser verwirrenden Welt mit ihrer Mischung aus Altertum und High-Technology. Jeder Ton, jeder Klang ist da wo er hingehört und untermalt die aufreibenden Auf- und Abstiege, Tempel- und Höhlenbesichtigungen, Dorf- und Landbesuche. Auch die Synchronisation ist, wo es sie gibt, tadellos. Die Gespräche ohne Sprachvertonung dagegen stechen durch nervtötende, sich immer wieder wiederholende Ausrufe der Figuren heraus. Man will nur schnell einkaufen und wird dabei von hunderten „Yeah!“ oder „Uuuäh“ Rufen genervt. Selbiges in den NPC Gesprächen, die manchmal nicht gerade kurz sind. Hier wäre zur Abwechslung weniger mal mehr gewesen.
Fazit
The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom ist besser als sein Vorgänger! Einfach alles ist noch eine Schippe ausgefeilter und runder, wobei der große Schlag der Innovation, wie damals 2017, fehlt. Fans von Breath of the Wild werden sich sofort heimisch fühlen und auch Neueinsteiger sind sofort dabei. Technisch gesehen überreizt das Spiel die veraltete Switch ein wenig und auch die schnell zu Bruch gehenden Waffen nerven weiterhin, dafür erhält man aber eine gigantische Spielwelt und ein innovatives Kreativgameplay, die ihresgleichen suchen. Es ist ein, wenn nicht sogar DER Must-Have-Titel des Jahres!
- Gigantische Spielwelt
- Unendlich kreatives Gameplay
- Dauerspaß garantiert
- Story mal wieder Nebensache
- Technik kommt nicht immer hinterher
- Zerbrechende Waffen
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


