Spieletest: SaGa Frontier Remastered NSW

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Weitere Infos

Releasedate:
15. April 2021

USK 12 Pro Controller unterstützt MyNintendo nicht kein amiibosupport

Mögliche Spielmodi: Handheld-,TV-,Tischmodus

Anzahl der Spieler: 1

Leser-Meinungen: Noch keine

Specials: keine

Plus / Minus

Positiv:
Combosystem sehr motivierend

Musikalisch auf höchstem Niveau
Negativ:
Fragwürdige Design-Veränderungen

Sehr schwer, teilweise unfair

Nur auf Englisch oder Japanisch

Die SaGa-Reihe erlebt gerade dank diverser Neuauflagen, Collections und Remaster einen zweiten Frühling. In Anbetracht der Tatsache, dass es damals kaum ein Ableger nach Europa geschafft hat, ist es für den Retro-Gamer die langersehnte Möglichkeit kleinere und größere Perlen nachzuholen. Die SaGa-Reihe genießt ganz spezielle Vorzüge gegenüber anderen, massenkompatibleren Genrevertretern und ob diese auch heute noch zu begeistern wissen oder nur den Hardcore-Fan tangieren klärt der Test zu SaGa Frontier Remastered.

Zu Recht ein Klassiker

Es ist ein zweischneidiges Schwert mit der Betrachtung von Klassikern aus weiter Entfernung. Es gibt Spiele, die über jede Zeitspanne hinweg Klassiker bleiben und teilweise sogar noch an Charme und Tiefe dazugewinnen können. Das erste The Legend of Zelda kann beim wohlwollenden Betrachter immer noch staunen hervorrufen, wenn man sieht, wie weitgreifend der Einfluss dieser Gameplayideen heute noch ist. Und dann gibt es Spiele, die zehn Jahre später noch ganz gut funktionieren, aber dann spätestens zur Silberhochzeit anfangen ihren Reiz zu verlieren. In so einem Fall lässt man das Spiel lieber unberührt in seiner Sammlung liegen und erfreut sich an all den schönen, rosaroten Erinnerungen an diesen damaligen Hit. Wie sich das im Falle des vorliegenden SaGa Frontier verhält, wird am Ende jeder Spieler für sich selber klären müssen, aber die Entwickler haben sich zumindest Mühe gegeben den Kaufpreis von 24,99€ mit einigen Goodies zu rechtfertigen. Als erstes fallen grafische Anpassungen auf. Zu diesen dann später mehr. Viel interessanter ist der neue freispielbare Charakter, Fuse, der mit einer eigenen Storyline und neuen musikalischen Kompositionen aufwarten kann. Das ist vor allem deshalb spannend, weil das Spiel bereits vor 20 Jahren (!) damit begeistern konnte, keine eindimensionale, gradlinige Geschichte erzählen zu wollen, sondern die Möglichkeit bot, aus acht Charakteren zu wählen und deren Storys nacheinander zu spielen, wobei sich auch ein schöner roter Faden zwischen ihren Schicksalen entdecken ließ. Diese Idee wurde erst vor kurzem bei Octopath Traveller wieder aufgegriffen. Einige Quests wurden erweitert und der Originalkomponist von damals, Kenji Ito, wurde wieder ins Boot geholt. Es liest sich, zumindest vorab auf dem Papier, wie ein Must-Have. Und man muss auch sagen, dass SaGa Frontier zu seinerzeit über jeden Zweifel erhaben war und in jede würdige jRPG Sammlung gehört. Aber…

Master oder Desaster?

Bei einem Remaster geht der Käufer völlig blauäugig davon aus, die bestmögliche Variante des vorliegenden Spiels zu spielen. Man hofft auf eine aufgebesserte Grafik, die auch auf dem neuesten Fernsehgerät zu glänzen weiß, einen verbesserten (Surround-)Sound und vielleicht sogar die ein oder andere inhaltliche Anpassung. Das alles verspricht uns auch SaGa Frontier. Und während die Klänge gleich zu Beginn einem die Freudentränen in die Augen treiben und man es auch kaum erwarten kann Fuse freizuspielen, lassen die optischen Anpassungen ziemlich viele Fragen offen. Zum Beispiel warum sie überhaupt vorgenommen wurden und in zweiter Instanz warum diese so lieblos sind? Dazu stellt man sich direkt die Frage: Für wen ist dieses Spiel? Die Antwort liegt auf der Hand: für den Retrofan, der sich zum ersten oder aber vielleicht wiederholten Mal einem echten Klassiker widmen möchte, der zu seiner Zeit revolutionär war. Und dabei muss die Frage erlaubt sein, ob es nicht gerade die charmant-pixelige Playstation 1 Grafik war, die einen großen Teil des Feelings ausgemacht hat? Klar, auf die neblig verwaschenen Texturen der damaligen Zeit können alle gut verzichten. Die können, wie bei einem Turok2 Remaster, ausgebessert werden. Aber es war damals schon erstaunlich wieviel Herz und Wärme diese kleinen Pixelfiguren hatten und wie gut sie mit Hilfe der damals modernsten Technik in Szene gesetzt waren. Gerade im direkten Vergleich zu SNES Klassikern, die viele noch paar Monate oder wenige Jahre zuvor gespielt hatten, war SaGa Frontier ein echter Killer. Unter diesen Umständen muss man sich schon wirklich die allergrößte Mühe geben, wenn man sich dafür entscheidet die Optik der Figuren und Gegner zu aktualisieren. Das Gegenteil ist im vorliegenden Remaster aber leider geschehen. Die Figuren sind zwar, theoretisch, besser gezeichnet, sehen aber aus, wie in jedem beliebigen Mobilegame. Und gerade durch die „aufwendigere“ Zeichnung, die aber weiterhin streng zweidimensional ist, fallen die Figuren und Gegner in den völlig glattpolierten, aber dreidimensionalen Umgebungen besonders negativ auf. Ein wenig besser kommen dabei die teils riesigen Bossgegner weg, aber auch nur weil sie einen so großen Teil des Bildschirms einnehmen, dass sie kaum in Relation zu ihrer Umgebung stehen. Man hätte diesen Missstand leicht abwenden können, wenn es zur Wahl stünde, welche Optik man haben möchte. So stehen die Figuren und der Rest des Spiels in einem absoluten Widerspruch, da sie völlig anderen Stilen entsprechen. In einer komplett gezeichneten Umgebung wie bei Legend of Mana würde dies weniger auffallen. Wobei man sich genau bei diesem Mana Re-Release für die alten Pixelcharaktere entschieden hat – zum Glück.

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