Spieletest: Hades II NSW2
Weitere Infos
Releasedate:25. September 2025
Mögliche Spielmodi: Handheld-,TV-,Tischmodus
Anzahl der Spieler: 1
Leser-Meinungen: Noch keine
Specials: keine
Plus / Minus
- Positiv:
- Fantastische, tiefgründige Story mit vielen Dialogen und Charakteren
- Atemberaubende Aquarell-Optik voller Details
- Riesige Vielfalt an Gaben, Upgrades und Kombinationsmöglichkeiten
- Herausragendes Gameplay, mit perfekter Technik & großartigem Sound
- Negativ:
- Hohe Lernkurve, Geduld ist Voraussetzung
- Handheld-Modus kann bei langen Sessions unbequem werden
Mit Hades II wagt Supergiant Games etwas, das sie bisher noch nie getan haben: eine direkte Fortsetzung. Nach dem grandiosen Erfolg von Hades sind die Erwartungen entsprechend hoch, und nach über einem Jahr im Early Access feiert das Spiel nun seinen Einstand auf der Nintendo Switch 2. Wir haben viele Stunden in Unter- und Oberwelt verbracht, unzählige Kämpfe geschlagen, zahllose Dialoge geführt, sind noch mehr Tode gestorben und können euch sagen: Dieses Spiel ist nicht nur eine würdige Fortsetzung, es ist in vielen Aspekten sogar besser als der erste Teil.
Von Göttern und Titanen
Die Handlung von Hades II beginnt dort, wo der erste Teil aufhörte, erweitert jedoch das Universum spürbar. Diesmal übernehmt ihr nicht die Rolle von Zagreus, sondern von Melinoe, der Prinzessin der Unterwelt und Schwester des bekannten Protagonisten. Sie ist die Tochter von Persephone und Hades und wurde nach ihrer Geburt von der Hexenmeisterin Hekate gerettet, als der Titan Chronos, Herr der Zeit, die Unterwelt überrannte und die Familie in seine Gewalt brachte. Melinoe wird von Hekate nicht nur großgezogen, sondern auch ausgebildet, um eines Tages den Titanen zu besiegen.
Die Story entfaltet sich auch diesmal auf eine Art und Weise, die typisch für Supergiant Games ist: dialoglastig, emotional und immer mit einer mythischen Wucht. Im zentralen Hub, der „Wegkreuzung“, trefft ihr auf Figuren wie Odysseus, Nemesis, Hekate oder auch zahlreiche unregelmäßige Besucher wie den Fährmann Charon oder die zierliche Spinnendame Arachne, die euch nicht nur mit Ratschlägen, sondern auch mit persönlichen Geschichten und Aufgaben versorgen. Schon nach wenigen Spielstunden wird klar, dass ihr es nicht mit einer linearen Erzählung zu tun habt, sondern mit einem Geflecht aus Verzweigungen, das sich mit jedem Run und jedem Gespräch neu formt.
Besonders beeindruckend ist die Art, wie die Götter des Olymps eingebunden sind. Bekannte Namen wie Zeus, Aphrodite, Apollon, Hestia oder Artemis tauchen erneut auf, liefern euch Gaben und interagieren mit euch. Dazu gesellen sich neue Figuren, die frischen Wind ins Götterpantheon bringen. Jede Begegnung wirkt einzigartig, und die Vielzahl an möglichen Dialogen sorgt dafür, dass ihr auch nach Dutzenden Runs immer noch neue Facetten der Charaktere entdeckt, die sich immer mit eurem Story-Fortschritt bewegen, auf ihn reagieren oder bei ausbleibendem Erfolg sogar zynisch werden.

Die große Stärke von Hades II liegt zweifellos in der Verknüpfung von Story und Gameplay. Jede Niederlage, jeder Tod ist nicht das Ende, sondern der Anfang eines neuen Kapitels. Anstatt Frust aufzubauen, füttert das Spiel euer Verlangen nach Antworten, neuen Gesprächen, Ressourcen und Fortschritt. Die Erzählung ist nicht nur Kulisse, sondern integraler Bestandteil des Spielflusses.
Gameplay und Spielsystem - eine Fügung
Im Kern bleibt Hades II natürlich ein Roguelike-Dungeon-Crawler, doch Supergiant Games hat das System spürbar erweitert und perfektioniert. Ihr bewegt euch durch eine Reihe von prozedural generierten Räumen, die voller Gegner, Fallen und Belohnungen stecken. Jeder Run beginnt zwar von Neuem, doch dank permanenter Upgrades und schrittweise freigeschalteter Systeme werdet ihr kontinuierlich stärker.

Die wohl größte Neuerung ist der verstärkte Fokus auf Hexerei und Ressourcensammlung. Mit Werkzeugen wie Hacke, Schaufel oder Angel könnt ihr während der Runs Materialien gewinnen, die wiederum in Rezepten und Ritualen genutzt werden. Samen lassen sich pflanzen, um später wertvolle Zutaten zu ernten. Sogar Tiere dürfen euch mit der Zeit durch die Dungeons begleiten, um Ressourcen schneller oder effektiver zu sammeln. So liefern diese Mechaniken konstant eine spannende Ebene der Progression, die über den reinen Kampf hinausgeht.
Ein weiteres wichtiges System sind die Arkana-Karten, die euch aktive und passive Boni gewähren. Sie funktionieren ähnlich wie ein Kartenset, das ihr nach und nach erweitert, indem ihr Punkte in Form von „Psyche“ investiert und sie später sogar mehrstufig aufwertet, bis ihre Perks episch sind. Die Auswahl an Karten bzw. zu vergebender Ressourcenpunkte zwingt euch dazu, Prioritäten zu setzen und euren Spielstil langfristig zu entwickeln. Dadurch entsteht eine Meta-Ebene, die euch auch außerhalb der Kämpfe beschäftigt. Es gibt fortwährend den Trade-Off zwischen "mehr Leben, mehr Schaden, bessere Gaben", sodass ihr immer auch mit einem Risiko im Gepäck in den nächsten Run geht, was für zusätzlichen Reiz, aber auch Unsicherheit sorgt.

Das Kampfsystem selbst ist ein Genuss. Melinoe verfügt über sechs verschiedene Waffen, die sich vollkommen unterschiedlich spielen. Vom magischen Hexenstab über schnelle Schwesternklingen bis zur mächtigen Axt deckt das Arsenal Nah- und Fernkampf sowie physische und magische Spielweisen ab. Jede Waffe lässt sich aufwerten, wodurch ihr mit der Zeit nicht nur an Power, sondern auch an Flexibilität gewinnt. Neben einem Angriff hat jede Waffe zudem einen Spezialangriff und einen Omega-Angriff, der Magie-Punkte verbraucht.
Hinzu kommen die Gaben der Götter, die das Spielgefühl jedes Runs verändern. Zeus verleiht euch elektrische Angriffe, Aphrodite verstärkt eure Attacken mit Liebeszaubern, Hermes schenkt euch Geschwindigkeit. Besonders spannend sind die neu eingeführten Duo-Gaben, bei denen zwei Götter ihre Kräfte vereinen und so mächtige Effekte freischalten. Dadurch entstehen nahezu endlose Kombinationsmöglichkeiten, die euch experimentieren lassen. In unseren Runs haben sich besonders die Gaben als nützlich erwiesen, die den Angriffsradius erweitern, für schadensintensive Angriffsmuster sorgen, passiv den Gegner schwächen und die eigene Angriffsgeschwindigkeit erhöhen. Wer dann also plötzlich schneller, entferntere Gegner bekämpfen kann, sie zudem in einer Angriffskombo mit Extra-Schaden überzieht und dann noch passiv durch Verbrennen oder anderen Schaden beeinflusst, der kann sich auf einen mächtig spaßigen Run einstellen.

Was uns besonders begeistert hat: Der Tod ist Teil des Fortschritts. Ihr verliert zwar euren aktuellen Run, gewinnt jedoch Ressourcen, neue Dialoge oder schaltet zusätzliche Systeme frei. Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass kein Run vergeblich wirkt, sondern immer einen Schritt nach vorne darstellt. Auf der Wegkreuzung werden euch immer wieder neue Gespräche per Ausrufezeichen angeboten, ihr erhaltet gelegentlich Belohnungen von NPCs und ihr könnt zudem alle Charaktere mit Nektar beschenken, sodass diese euch mit besonderen Items bedenken, die wiederum eure Runs verbessern, z.B. mit einer zusätzlichen Widerbelebung.









