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Live a Live

Live a Live

Mateusz

Wir haben uns mächtig ins Geschehen geworfen und das Remake zu LIVE A LIVE auf Lebensgeister geprüft. Was der Titel sogar mit einem Hit wie Octopath Traveler gemeinsam hat und weshalb Square Enix verdiente Lorbeeren von uns erhält, lest ihr ab sofort im Nintendo Switch Test zu LIVE A LIVE nur auf nintendofans.de!

Live a Live

NSW

Entwickler
Nintendo
Publisher
Nintendo
Konsole
NSW
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 12

Es gibt sie noch, die überraschenden Veröffentlichungen ohne konkreten Franchise Bezug. Wer hätte denn damit gerechnet, dass Square Enix das Super Nintendo hidden gem Live a Live wiederveröffentlicht und das auch noch in einer visuell und akustisch vollständig überarbeiteten Version? Die Nintendofans-Redaktion zumindest nicht. Umso erfreuter sind wir darüber, das Spiel nun in Händen halten zu dürfen und zu überprüfen, ob das damals bahnbrechende Spielkonzept auch heute noch vom Hocker reißen kann. Also, alle Termine abgesagt, Knabberzeug bereit gestellt, Live a Live für Nintendo Switch eingelegt und auf zum Test.

Warum ein Remake?

Für viele (ältere) Spieler ist das Super Nintendo das Maß aller Dinge in Sachen Spielesortiment. Publisher wie Konami, Capcom, Square, Enix und auch Nintendo selbst waren absolut on fire und hauten einen Megakracher nach dem nächsten raus. Diese Konsole legte den Grundstein für den Siegeszug des jRPG außerhalb Japans. Dabei waren vor allem die Square (bzw. Squaresoft) Titel in aller Munde. Allen voran Secret of Mana, Final Fantasy 4-6 und natürlich das sensationelle Chrono Trigger, welches viele Hitlisten zum allerbesten jRPG aller Zeiten kürten. Was für ein gewaltiger Schatten, der sich da über alle anderen Veröffentlichungen legte und selbst die Releases aus dem eigenen Hause der verdienten Aufmerksamkeit beraubte. Zunächst war der Plan, dass Live a Live noch vor Final Fantasy 6 erscheinen sollte, aber durch Verzögerungen in der Produktion wurde die Reihenfolge geswitcht. Wer weiß, ob nicht das am Ende einer der Gründe dafür war, warum man sich für einen Japan-exklusiven Release entschieden hatte. Damals war ein weltweiter Release mit der aufwendigen Lokalisierung und nötigen Werbung ein großes Risikogeschäft, das man nur bei absoluten Schwergewichten eingegangen ist. Selbst das kongeniale Final Fantasy 6 war im Westen kein Selbstläufer und so wollte man wahrscheinlich die eigenen Verkäufe nicht schmälern.

Aus heutiger Sicht ist es nicht mehr nachzuvollziehen, wie man Live a Live nicht für einen absoluten Hochkaräter halten konnte, aber damals war es seiner Zeit einfach noch voraus. Man war es gewöhnt, einem heroischen Ritter und seiner Geschichte zu folgen und diese dann auch stringent zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Live a Live präsentierte sich mit seinen sieben Haupthelden, ihren individuellen Designs und Storylines und den unterschiedlichen Gameplaymechaniken sehr gewagt. Nach der megaerfolgreichen Veröffentlichung von Octopath Traveller, welches ein ähnliches Konzept verfolgt, konnte man sich aber sicher sein, dass die heutige Spielegemeinde bereit ist für einen Klassiker. Einen Klassiker, den selbst eingefleischte Super Nintendo und jRPG Fans bislang vielleicht noch nie gespielt haben.

Ein bombastisches Remake

Square Enix hat sich nicht lumpen lassen und das komplette Spieldesign überarbeitet. Dem Spiel wurde der aus Octopath Traveller bekannte HD-2D Look verpasst und man muss sagen, dass Live a Live sogar noch ein bisschen besser aussieht, als das Vorbild. Die Farben sind kräftiger und die Details noch beeindruckender. Während einige Kulissen, wie vom Super Nintendo bekannt, etwas mager bestückt sind, rauben einem andere manchmal den Atem. Dies liegt aber auch daran, dass jede Storyline von einem anderen Lead-Designer entwickelt wurde. Akiras Geschichte in der nahen Zukunft erinnert an Roboter-Animes oder auch an Mystical Ninja 3 und präsentiert sich irgendwo zwischen knalligem Steampunk und Sci-Fi mit sehr irdischen Einflüssen. Die Story von Oboromaru im Japan der Shinobi kommt dagegen eher einem klassischen Western nahe und ermöglicht das Durchspielen ebenso im Stealth-, wie auch im Offensivmodus. Im wilden Westen dominieren Wüstenfarben und der Ton erinnert an Spielfilme des gleichen Genres. In der Steinzeit gibt es logischerweise noch keine verständliche Sprache und so verständigen sich die Protagonisten meist nonverbal oder durch Laute. Fans von Mittelalterrollenspielen werden ebenso bedient, wie Fans von echter Zukunfts-Science-Fiction. Es ist schlichtweg ein geniales Konzept, jeder möglichen Zeitepoche eine Storyline zu widmen und diese am Ende auch noch geschickt zusammen zu führen. Das hat schon damals gut funktioniert und ergibt im neuen Gewand absolut Sinn. Es kann schon an dieser Stelle verraten werden, dass die Super Nintendo Version in Anbetracht dieses Remakes vollständig obsolet wird. Das Original hat ab heute nur noch geschichtliche Relevanz. Diese sollte aber weiterhin hoch gehalten werden, denn auch in Sachen Gameplay war das Spiel damals vollständiges Neuland.

Das Kampfsystem

Es gibt keine klassischen Zufallskämpfe mehr, denn Gegner kann man auf der Map sehen und (je nach Storyline) auch umgehen. Die Kämpfe selbst sind über alle Charaktere hinweg gleich designt und bilden somit einen roten Faden. Während es 1994 in RPGs üblich war, klassisch rundenbasiert, einen nach dem anderen anzugreifen, verfolgt Live a Live ein anderes, interessanteres Konzept. Es gibt Felder auf der Kampfmap, die man frei ablaufen kann. Allerding gilt es auf den Aktionsbalken zu achten, denn wenn der sich auffüllt muss man eine Aktion ausführen. Dies gilt für alle am Kampfgeschehen Teilnehmenden und führt somit zu einer interessanten taktischen Komponente. Manche Figuren kämpfen eher aus der Ferne, während andere den Nahkampf suchen müssen. Manchmal reicht es nur den Anführer einer Band zu erledigen, um sich so aller Gegner zu entledigen und manchmal muss man alle niederstrecken. Ob die Kämpfe als leicht oder schwer empfunden werden hängt zum einen natürlich von der taktischen Finesse des jeweiligen Spielers ab. Zum Anderen ist das Erkunden der Welten aber auch immens wichtig, denn sinnvolle Ausrüstung fällt in einigen Storylines nicht gerade vom Himmel. Beispielsweise werden die besten Waffen und Rüstungen nur durch Zufallscraften hergestellt werden können oder aber man muss eine bestimmte Person befreien, damit diese einem dann interessante und natürlich gut versteckte Kisten hinterlässt. Dabei lässt einen das Spiel auf sehr angenehme Weise allein. Es handelt sich definitiv um ein jRPG für erwachsene Spieler, die nicht zwingend an die Hand genommen werden wollen. Alle anderen dürfen getrost zur Komplettlösung greifen, denn ehrlicherweise muss man sagen, dass sich das Spielerverhalten über die Jahre verändert hat. Hinweisfreies Suchen auf gut Glück kann heutzutage Spieler abschrecken. Allerdings ist die Belohnung meist ein angenehm hoher Level, wie auch eine vernünftige Ausrüstung.

Im letzten Drittel des Spiels, welches sich eröffnet, wenn man alle anderen 7 Kapitel abgeschlossen hat, kommen dann doch Zufallskämpfe dazu und die Schwierigkeitskurve steigt deutlich an. Es kann also, im Gegensatz zu den vorherigen Abschnitten, nötig werden zu Grinden.

Technik aus allen Jahrzenten

Was Sqaure Enix hier technisch gezaubert hat ist ein wahres Wunderwerk. Ewignörgelnde Technikfetischisten werden vielleicht was zu meckern finden, wenn es um das Detailreichtum oder die Pixelgrafik geht, aber wer auch nur einen Hauch von Retro-Neigung besitzt, wird mit glänzend-riesigen Anime-Augen vor dem Fernseher sitzen. Das gesamte Spiel sieht aus, als wäre das Super Nintendo erst heute erfunden worden und mit einigen interessanten Chips versehen worden, die es anno 1994 noch nicht gab. Die Pixelanimationen sind butterweich und vor allem das Spiel zwischen 3 und 2D ist immer wieder genial, wenn beispielsweise die Bäume im Vordergrund für eine kleine Unschärfe sorgen und damit das Spielgeschehen in der Mitte des Bildes noch realer erscheinen lassen. Trotz der Pixeloptik entsteht dadurch ein teils plastisches, beziehungsweise räumliches Gefühl. Es könnte eine neue Geschäftsidee werden, die alten Square Enix Klassiker auf diese Weise neu herauszubringen. Für Final Fantasy 6, Chrono Trigger oder Dragon Quest 5 gäbe es da bestimmt einen Markt. Bei der Musik bleibt ein zwiespältiges Gefühl, denn während die Kompositionen genial und die neue Vertonung auf höchstem Niveau sind, fehlt einem manchmal die Abwechslung. In einigen Passagen wiederholt sich die Musik so oft und lange, dass man sich anfängt darüber unnötig Gedanken zu machen, was den Spielfluss dann wieder stört. Insgesamt fällt dieser Umstand aber nicht besonders schwer ins Gewicht, denn jede Story ist in 3 bis 5 Stunden durchzuspielen, sodass sich spätestens dann Abwechslung automatisch einstellt. Das Spiel kommt heute wahrscheinlich noch besser als damals. Durch die portable Spielmöglichkeit der Nintendo Switch macht die episodenhafte Erzählweise noch mehr Spaß, denn man kann immer mal wieder einsteigen, ohne groß nach einem 40 Stunden alten Erzählfaden zu suchen. Das allergrößte Kunststück, das den Entwicklern (damals, wie heute) gelungen ist, ist dass die Geschichten in der doch recht knapp bemessenen Zeit dennoch einige emotionale Punchs bereithalten und dass einem die Charaktere sehr ans Herz wachsen. Verglichen mit einem Dragon Quest kommt man bei Live a Live super schnell zur Sache und kümmert sich stets nur um das Wesentliche, selbst wenn man grad Sideplots bearbeitet. Das fühlt sich angenehm frisch und spielerfreundlich an.

9.5Wertung
Meisterwerk

Fazit

Live a Live ist auf der Switch unglaublich gut! Das Remake macht das SNES-Original zu einem historischen Sammlerstück, welches ansonsten keine spielerische Relevanz mehr hat. Die sieben Protagonisten bringen interessante, individuelle Geschichten in verschiedenen Zeitepochen, sowie beinahe völlig unterschiedliche Gamedesigns mit sich. Das taktisch angehauchte Kampfgameplay bringt frischen Wind in das jRPG Genre der 90er und weiß mit tollen HD-2D Animationen zu überzeugen. Die Grafik ist das allerbeste, was eine Retro-Pixel-Optik aktuell zu bieten hat. Genau so muss ein Retro-Remake aussehen und es wird SNES Fans die Freudentränen in die Augen treiben. Einen halben Punkt Abzug gibt es für teils detailarme Dungeondesigns und wenig Abwechslung bei den zugegebener Maßen großartigen Musikstücken.

Design
9.5
Sound
9.0
  • Unglaublich gute Grafik-Überarbeitung
  • Genial erzählt
  • Die beste Version des Spiels
  • Teils etwas detailarme Dungeons
  • Mehr Musikstücke pro Story wären gut
  • Nix für Neutechnikfetischisten

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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