
Teenage Mutant Ninja Turtles: Shredders Revenge
Die Ninja Turtles sind wieder los! Wir durften für euch das neueste Abenteuer, das gar nicht so "neu" aussieht, in Form von Teenage Mutant Ninja Turtles: Shredders Revenge testen. Wie rasch wir im 6-Spieler Story-Modus großartigen Spaß hatten und warum der Titel mehr als einen Blick wert ist, erfahrt ihr in unserem Artikel zu Teenage Mutant Ninja Turtles: Shredder's Revenge (Nintendo Switch).
s ist eine aktuell beliebte Mode Franchise wiederzubeleben, in dem man so tut, als wären alle schlechten oder halbgaren Episoden nie passiert. Während das bei Filmreihen wie Scream, Halloween oder Ghostbusters schon sehr gut geklappt hat, ist es bei Videospielen kein selbstverständlicher Selbstläufer. DotEmu hat aber seit dem ersten Trailer zu Teenage Mutant Ninja Turtles – Shredder`s Revenge den vollen Hypetrain der gesammelten Retro-Generation auf seiner Seite – zu schön ist die Pixel-Optik und zu herzerweichend die Rückkehr zum schlichten, aber fetzigen Gameplay von früher. Kann das Spiel aber auch Gamer von heute noch zu „Cowabunga!“-Schreien motivieren oder fiebert man doch lieber mit Shredder mit?
Die rosarote Retrobrille
Wir drehen die Zeit ein wenig zurück. In den Spielezimmern der Kinder tobt ein erbitterter Krieg der Konsolen. Das Super Nintendo Entertainment System gegen das Sega Mega Drive. Obwohl letztere sicherlich auch mit Hochkarätern glänzen konnte, gewann diesen Krieg letztendlich Nintendo und das obwohl viele Spielereihen auf beiden Konsolen existierten. Technisch gesehen hatte das Sega Mega Drive das bessere Probotector, das bessere Aladdin und sogar ein mindestens genauso gutes Turtles Game. In die ewigen Analen der Retro-Gamesgeschichte gehen aber dennoch immer wieder die SNES Titel ein. So geschehen mit Turtles IV – Turtles in Time. Dieses Game war ein Instanthit. Der Arcadeautomat mit seinem Vierspielermode bleibt zwar für immer das Nonplusultra, die Konsolenfassung aber brachte das Spiel in fast jeden Haushalt mit einem Super Nintendo Entertainment System. Das Spiel war (zu recht) ein Mega-Seller und bestach mit simplen Gameplay, fantastischen Sprites, großartigen Levels und einer Grafik, die direkt der ebenso beliebten Zeichentrickserie entstammen zu schien. Der Autor dieser Zeilen selbst erinnert sich mit feuchten Augen an stundenlange Coop-Sessions und spielt das Original immer mal wieder, heute sogar mit der nächsten Gamergeneration.
Nun kann man sich problemlos vorstellen, wie das aktuell erschienene Shredder’s Revenge auf die Spieler von damals wirkt. Die wunderschöne Pixelgrafik, das dezent erweiterte, aber immernoch simple Gameplay, ein Sound, der vom Hocker reißt und die volle Ladung Turtles-Retro-Power. Für Träger der rosaroten Retrolbrille bekommt das Game eine 10 von 10 und kann gekauft werden, ohne die folgenden Zeilen zu lesen. Der nachstehende Test ist für diejenigen Leser*innen, die sich vielleicht noch unsicher sein sollten und wird mit der höchstmöglichen Objektivität verfasst. Cowabunga!
Eine Zeitreise!
Ob es eine wunderbare Fügung ist oder von den Entwicklern so vorgesehen, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Aber, dass sich das neue Turtles Game wie eine Zeitreise anfühlt und der letzte vernünftige Teil von einer schildkrötigen Zeitreise handelte passt einfach ganz fantastisch zusammen. Wüsste man nicht wie viele Jahre zwischen dem einen und dem andern Game liegen, man könnte meinen, sie trenne nur eine Konsolengeneration. Shredder`s Revenge hat bei genauerem Hinsehen selbstverständlich wesentlich mehr auf dem Kasten als der gute, alte SNES-Ableger und begeistert mit comichaften Bewegungsabläufen und Effekten. Auch am Coop-Modus wurde ordentlich geschraubt, nach dem alten Motto „Höher, Weiter, MEHR!“. Statt zwei gleichzeitigen Spielern auf der Konsole und vier Mitstreitern am Automaten bietet Shredder`s Revenge einen satten Sechs-Spieler-Modus. Die vier Turtles, April O´Neal, Meister Splinter und später auch Casey Jones sind spielbare Charaktere. Teilweise sind auf dem Screen mehr Helden als Feinde und wie das auf die Chancengleichheit wirkt, kann man sich leicht ausmalen. Es ist das reinste Chaos, tut dem Spielspaß aber keinerlei Abbruch. Insgesamt ist das Gameplay einfach gehalten. Eine Taste zum schlagen und eine für Spezialattacken, die man zunächst aufladen muss. Eine weitere Taste für die neu hinzugefügte Ausweichrolle und Springen kann man selbstverständlich immer noch. Die Schultertasten nutzt man zum Abklatschen mit den Kolleg*innen oder zum Verhöhnen der Gegner. Fertig ist die Laube. Natürlich gibt es die ein oder andere Tastenkombination für speziellere Attacken, aber überfordert wird hier keiner, unabhängig von Alter, Können und/oder Pegel.
New Yorck, New Yorck!
Es gilt, mal wieder, Shredders üblen Plan zu vereiteln. Er möchte den üblen Crang wieder zusammensetzen und hat es zusätzlich, mal wieder, auf die Freiheitsstatue abgesehen. Das alles wird in wunderbar gezeichneten Bildern gezeigt, denen eigentlich nur eine turtlestypisch freche Synchronisation gut zu Gesicht gestanden hätte. Aber der Ehrlichkeit halber soll gesagt sein, dass noch niemals jemand ein Turtles Spiel wegen der Story gespielt hat. Für wen der Story-Modus mit seiner Speicherfunktion und dem dadurch niedrigen Schwierigkeitsgrad nichts ist, der vertraut auf den Arcademodus. Kaum Continues, kein Speicher, wer verliert, muss von vorn beginnen. Ein Erlebnis für wahre Retrofans. Spielt man auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad kann man die ganze Zeit auf die Y-Taste hämmern und beendet das Spiel, ohne ein Continue zu brauchen. Erst bei höheren Stufen kommt Spaß auf, denn man muss lernen in der Simplizität der Steuerung ein System zu erlernen, dass einen vor fiesen Machtschlägen der (End-)Gegner bewahrt. Schlagen, schlagen, ausweichen, wiederholen, Spezialattacke, ausweichen!
Während eigentlich jeder Aspekt des geistigen Vorgängers verbessert wurde, kann die Variation der Level nicht ganz mit dem Klassiker mithalten. Dabei muss man aber auch sagen, dass Zeitreisen einfach die perfekte Grundlage für ein launiges Beat’m’Up bilden, weil man völlig sinnfrei unterschiedlichste Epochen und Gegenden mischen kann. In Shredder`s Revenge müssen sich die Level auf die Stadt New Yorck begrenzen, machen dabei einen mehr als soliden Job. Man kämpft sich durch allerlei verschiedene Szenarien, ob zu Fuß, auf schwebenden oder fliegenden Skateboards – es erwarten einen überall Horden von Gegnern. Neu ist, dass man zwischen den Levels auf einer Übersichtskarte á la Mario World bewegt und dabei auch einige, extrem simple, Sidequest annehmen kann. Eine nette Spielerei.
Multiplayer, yeah!
Das Herz dieses Spiels ist der Multiplayer. Ob Lokal oder Online, der Spielspaß erhöht sich um ein vielfaches, wenn man mit anderen zusammen spielt. Dafür haben sich die Macher auch einige Features einfallen lassen. Wer seine gesamte Energie verliert ist nämlich noch nicht definitiv dahin. Die Kumpan*innen haben 10 Sekunden Zeit ihn zu retten und wieder ins Spiel zu holen. Eine riskante Aktion, da man während dessen ordentlich einstecken kann. Einziges Manko ist, dass mit steigender Spielerzahl leider nicht die Item-Zahl wächst. Das wird vor allem dann problematisch, wenn drei Spieler am Ende zu sein scheinen, die energieauffüllende Pizza aber derjenige isst, dem es ohnehin super geht. Hier wäre eine faire Verteilung auf alle Spieler sinnvoller. In Anbetracht der erschwerten Kommunikationsmöglichkeiten seitens Nintendo werden diesbezügliche Absprachen unmöglich. Aber ehrlich, so richtig schadet das dem Spielspaß nicht.
Das Online-Matchmaking ist schnell und solide und so steht einer zünftigen Onlinepartie zwischendurch nichts im Wege. A propos Zwischendurch…
Schildkröte zum Mitnehmen!
Vorneweg: Die Switch-Version hat allen anderen Versionen gegenüber den klassischen Vorteil der Portabilität. Bei Shredder`s Revenge gibt es aber tatsächlich keine nennenswerten Nachteile im portablen Gaming. Durch die comichafte Pixel-Optik kann unsere Wunderkonsole zu wahrer Größe auffahren und verschafft einem auch in der Bahn das vollumfängliche Prügelspaßerlebnis – vor allem dank der würzig-kurzen Levels, für die man niemals mehr als 10 Minuten braucht.
Bei der Grafik muss natürlich jeder für sich selber entscheiden, ob die Pixel-Optik fetzt oder nicht. Aber SNES-orientierte Retro-Grafik kann man nicht besser animieren. Selbst die Slowdowns bei der Verwendung von Spezialattacken sind dermaßen bewusst und genial eingesetzt, dass einem die Freudentränen kommen können. Es wurde also, im Rahmen des Ziels, das perfekte Retro-Erlebnis zu schaffen, alles richtig gemacht. Auch beim Sound wurde volle Arbeit geleistet. Der klassische Turtles Ohrwurm wurde wunderbar rockig neu aufgelegt und generell wartet das Game mit ein oder anderen Rockbrettern auf, die man so gar nicht erwartet hätte. Das schweißtreibende Gameplay wird dadurch unheimlich aufgeheizt und es lohnt sich wahrlich den Sound beim Spielen an zu lassen.
Schlusswort
Es dürfte deutlich geworden sein, auf was für eine Wertung sich dieser Test zubewegt. Das Spiel ist aber natürlich dennoch nichts für Jedermann oder Jederfrau. Man mag keine Beat’m’Ups? Man kann mit Pixeln nichts anfangen? Man sucht eine Gameplay-Herausforderung? Turtles findet man einfach nur oll? Wenn das so sein sollte, wird einen Teenage Mutant Ninja Turtles – Shredder`s Revenge keine Freude bereiten. Dennoch bedient es seine Zielgruppe derart punktgenau, dass diese Einschränkungen nur einen Punkt Abzug bedeuten können und es deshalb zu folgendem Fazit kommt.
Fazit
Teenage Mutant Ninja Turtles – Shredder`s Revenge ist ein fantastisches Retro-Beat’m’Up. Es wird alte, wie neue Spieler begeistern können, wenn diese sich auf die Pixel-Art, das simple Gameplay und etwas fehlende Abwechslung einlassen können. Für den Preis von rund 25€ bekommt man ein extrem charmantes Turtles-Erlebnis serviert, dass mit seinem 6-Spieler-Coop-System, fantastischen Animationen, einem wuchtigen Sound und einer massigen Portion Retroliebe überzeugt. Die Switch-Version unterstützt zudem den Charakter des Spiels, denn es ist eher was für Zwischendurch, als für wochenlange Exploration.
- Exzellente Pixel-Art
- 6-Spieler-Coop
- Sinnvolle Neuerung zum Klassiker
- Etwas zu wenig Abwechslung
- Kampfsystem sehr simpel
Vielen Dank an die Firma Dotemu für die Bereitstellung des Testmusters.




