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Haven

Haven

Maik

Wir haben uns das Weltraum-Abenteuer Haven für euch vorgenommen und im Test auf Herz und Nieren geprüft. Wie sich das Spiel um ein junges Paar, das sich auf einem neuen Planeten niederlassen und glücklich werden will schlägt, lest ihr im aktuellen Test.

Haven

NSW

Entwickler
The Game Bakers
Konsole
NSW
Spieler
1–2 lokal
Freigabe
USK ab 16

Die Entwickler von The Game Bakers haben sich nach ihrem ersten Indie Titel Furi nun an ein neues Abenteuer gewagt und entführen euch diesmal in ein Sci-Fi-Abenteuer im Weltraum. Es geht in Haven mit dem jungen Liebespaar auf zu neuen Planeten. Wie sich das Action-Abenteuer mit RPG-Elementen schlägt, lest ihr in diesem Test.

Aufbruch ins Ungewisse

Aufgrund einiger Vorfälle auf ihrem Heimatplaneten, den sie Korb nennen, machen sich die zwei Protagonisten Yu und Kay auf, sich einen neuen Planeten zu suchen, den sie beheimaten können, um so ihrer Vergangenheit zu entfliehen. Sie wünschen sich ein Leben abseits des Trubels mit viel Raum zum Wachsen mit und in ihrer Beziehung.

Durch sogenannte Flutbrücken sind die Planeten im Weltall miteinander verbunden. Passiert man eine jener Brücken, so kann man sich auf komplett neue Planeten-Konstellationen, Vegetationen und Lebewesen einstellen. Auf diesem Wege sind Yu und Kay zu ihrem Planeten, den sie Source nennen, gekommen. Dieser Planet besteht aus mehreren schwebenden Inseln, die die beiden im Verlauf des Spiels erkunden werden und auch müssen, da ihr Raumschiff, welches sie liebevoll Nest nennen und tatsächlich ein Großteil des Spiels und seiner Intimität spiegelt, bei der Landung beschädigt wurde.

Sammeln, Reparieren, Erleben

Um wieder an Flexibilität zu gewinnen, machen sich die Protagonisten auf, die Inselabschnitte, die ebenfalls mit Flutbrücken verbunden sind, nach Rohstoffen, Lebensmitteln und Ersatzteilen zu erforschen, um ihr Raumschiff zu reparieren. Auf diesen Erkundungstouren wird schnell klar, dass der Planet nicht nur von verschiedenen, außerirdischen Pflanzen bewohnt ist, sondern auch diverse Lebewesen beherbergt. Diese stehen in symbiotischer Beziehung zum Planeten. Bereits am Anfang des Spiels entsteht so eine Begegnung mit einem salamanderartigen Reptil, welches lila-rot gefärbt ist und neon-rote Pilze auf dem Rücken trägt. Für gewöhnlich sind die Lebewesen zahm und nahbar, jedoch kann es auch anders kommen, da der Planet von einer Substanz namens Rost befallen ist.

Eine unserer Hauptaufgaben wird es darum sein, die Inseln vom Rost zu befreien, indem wir eine unserer Kernmechaniken, den Gleitflug, einsetzen. Yu und Kay verfügen über Anti-Gravitationsstiefel, die in Kombination mit einer Reserve an Flut das rasante Gleiten über die Inseln ermöglichen. Gleichzeitig sammeln wir so den Rost ein, der auch Reparationsrohstoff für unser Raumschiff bedeutet. Wenn wir zu eifrig erkunden, lässt unser Reservoir an Flut nach. Dafür gibt es überall auf der Insel Flutlinien, deren Form nachgeflogen werden muss, sodass wir unsere Energiereserve auffüllen. Diese Mechanik funktioniert reibungslos, ist jedoch auch nicht sonderlich sensationell.

Erwähnenswert ist auch, dass ihr das gesamte Spiel theoretisch im Multiplayer-Modus spielen könnt. Große Barriere ist hier jedoch die Kamera. Mit einem Splitscreen hätte man vielleicht etwas mehr „Perspektivenfokus“ erreichen können. So verschenkt die eigentlich gute Idee leider einiges an Potenzial.

Von Monstern und Geschichten

Natürlich darf der Teil des Spiels nicht ausgelassen werden, der die Kampfmechanik reflektiert. Yu und Kay verfügen jeweils über vier verschiedene Möglichkeiten, Konfrontationen zu lösen. Denn wann immer die eigentlich liebenswerten Lebewesen mit Rost infiziert werden, entwickeln sie sich zu gefährlichen Kreaturen, die uns angreifen. Wir können im zeitbasierten Kampf zeitgleich das Angriffs- und Verteidigungsverhalten von Yu und Kay beeinflussen. Dadurch, dass das Spiel voll auf die Harmonie dieser zwei Charaktere setzt, können wir gleichzeitig mit beiden Control-Sticks entscheiden, ob wir „rempeln“, „schießen“, „beruhigen“ oder einen Schild nutzen. Sobald wir uns zur Wehr gesetzt haben, müssen wir die besiegten Gegner beruhigen, damit sie in ihren normalen Zustand zurückkehren und den Rost abschütteln können, den wir wiederum einsammeln.

Diese Mechanik ist nicht wirklich differenziert, für den hier verwendeten, seichten RPG-Ansatz aber ausreichend. Über die Zeit können wir mit zusätzlichen Ressourcen Items herstellen, die zusätzliche Duo-Kampfangriffe ermöglichen. Diese setzen dann besonders auf ein gutes Timing. Auch ist das „Sterben“ der Charaktere im Kampf nahezu unmöglich, denn wann immer einer der beiden zu Boden geht, kann der jeweils andere – gut getimed – den anderen heilen.

Alle Sequenzen, die während der Erkundungen oder im Nest ablaufen, werden im Graphic-Novel-Stil vollführt. Hier gibt es verschiedene Situationen, in denen alltägliche Gespräche zwischen Paaren stattfinden. Diese können auch einmal die Ordnung des gemeinsamen Nests betreffen, das Äußere des anderen, aber vor allem Gedanken, Wünsche und Gefühle.

Entscheidungen stärken die Beziehung

An dieser Stelle fahren die Entwickler ein sehr klares Konzept. Wenn auch nicht tiefgreifend oder schwerwiegend, aber Entscheidungen müssen getroffen werden! Je klarer sich ein Charakter innerhalb einer Situation positioniert, desto mehr gewinnt er an Entschlossenheit dazu. Dies wiederum wirkt sich auf die Dynamik des Paares aus. Wird die Beziehungsanzeige, die für gewisse Aktionen mit Punkten belohnt wird, über einen Meilenstein bewegt, können die beiden feiern und zusätzliche Entwicklungspunkte in ihrem reduzierten Fähigkeitenbaum freischalten. Das kann beispielsweise der verbesserte Einsatz der Anti-Gravitationsschuhe sein.

Ebenfalls charmant ist die Nutzung des Logbuchs. Hier werden nicht nur die geführten Dialoge innerhalb und außerhalb des Nests dokumentiert, sondern auch die Erkundungstouren und -ergebnisse der Inselabschnitte. Kleinere, liebenswerte Kommentare natürlich inklusive. Dennoch verzichtet das Spiel darauf, prominent auf die nächsten Aufgaben hinzuweisen. Wer also nicht genau an den Gesprächen teilnimmt oder ins Logbuch schaut, der kann schon einmal in den Leerlauf kommen. Natürlich ist es passend zum Wunsch der Protagonisten nach Entschleunigung, dass das Spiel nicht permanent zu einer Aktion antreibt. Insofern werden hier solche Spieler belohnt, die sich ganz der Geschichte und Entwicklung der Beziehung und seichter RPG-Mechaniken mit Japano-Einschlag hingeben können und wollen.

Stabilitätsprobleme und elektrischer Wohlklang

Im Test auf der Nintendo Switch hat sich gezeigt, dass der Entwickler sich für eine dynamische Framerate entschieden hat. Das bedeutet, dass hier durchaus zwischen 30 und 60 fps variiert wird, was jedoch in der Spielrealität dazu führt, dass regelmäßige Frameratedrops vorkommen, die bei geringerer, dafür stabilerer Framerate vermeidbar gewesen wären. Auf diese Weise leidet die Performance und somit der Spielgenuss etwas.

Zudem hat der Entwickler kurz vor dem eigentlichen Release des Spiels noch einmal Synchronisations- und Audioprobleme gepatched. Diese sind uns im Review-Zeitraum jedoch nur geringfügig aufgefallen, gefreut hat uns dennoch, dass man bis zuletzt aktiv an der Verbesserung des Spiels gearbeitet und die Fachpresse darüber informiert hat.

Zum Sound von Haven kann nichts anderes als ein großes Kompliment ausgesprochen werden. Wie schon im vorherigen Abenteuer Furi von The Game Bakers hat man sich hier auf den französischen Elektro-Musiker Franck Rivoire verlassen. Er zaubert vielseitige und mitreißende Elektrotracks ins Spiel und liefert so einen tollen und runden Soundtrack. Dieser ist, neben den tiefen narrativen Momenten des Spiels, ein toller Ausgleich und begleitet die Erkundungstouren der beiden Akteure auf tolle Weise. Lediglich die Variation in Krisensituationen, etwa im Kampf, hätte etwas verfeinert werden können.

Auch überzeugt die Synchronisation auf ganzer Linie. Die Dialoge sind nicht nur inhaltlich und storybezogen hervorragend ausgearbeitet, sondern auch wunderbar vertont. Die Persönlichkeiten und Eigenarten von Yu und Kay sollen fein nachgezeichnet werden und die Synchro verfehlt ihr Ziel dabei nicht.

Performance der PS4/PS5-Version

Wir haben natürlich auch einmal die Konsolen-Version unter die Lupe genommen, um euch den direkten Vergleich zum Hybriden zu ermöglichen. In unserem Test hat sich herausgestellt, dass spielerisch Haven auf der Switch keinerlei Abstriche verzeichnen muss. Lediglich der Landschafts-Detailgrad, die Konstanz der Performance und Framerate kommen etwas besser weg. Durch den Graphic-Novel-Stil und das leichtgängige Gameplay ist Haven in jedem Falle aber ein idealer Anwärter, viel Spaß auf dem Handheld machen zu können, wenn man nicht auch die Docked-Option wählt.

7.5Wertung

Fazit

Haven entwickelt sich für die innige und wachsende Beziehung von Yu und Kay zu einem aufregenden und sicheren Hafen. Die Mischung aus wunderbarem Graphic-Novel und seichter RPG-Mechanik mit Japano-Vorbildern ist erfrischend und leichtgängig. Besonders das Design ist schön. Für Fortschrittsgetriebene kann es in Haven aber durchaus an Pace, klarer Missionsorientierung und Loot mangeln.

Design
7.0
Sound
8.5
Online Multiplayer
6.5
  • Schöne Erzählung & Beziehungsentwicklung
  • Liebevoller Japano-Art-Style
  • tolle Flow-Mechanik
  • Variable Framerate mit Drops
  • Kamera im Multiplayer nicht ideal
  • z.T. Strecken in der Erzählung
  • keine klaren Missionsziele per HUD

Vielen Dank an die Firma The Game Bakers für die Bereitstellung des Testmusters

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