
Doom Eternal
Doom hat schon 2016 für ordentlich Aufruhr gesorgt, als die Serie mit einem genialen Reboot neu definiert wurde. Id Software und Bethesda Softworks haben mit DOOM Eternal
an allen Stellen noch einen draufsetzen wollen. Horizontales Gameplay, dynamische Treffereffekte, mehr Waffen und ein Flammenwerfer, unzählige Verbesserungsoptionen, Cheats und Sammelgegenstände machen den zweiten Ableger zu einer Kampfansage. Die Spezialisten von Panic Button haben dabei die Switch Portierung mit all ihrer Expertise übernommen und knapp ein dreiviertel Jahr nach dem Konsolen-Launch des Titels im März 2020 nun auch die Nintendo Switch Fassung veröffentlicht. Ob Doom Eternal auf der Switch genauso brachial Begeisterung verursacht und wie es die Hybrid-Konsole vertritt, lest ihr im aktuellen Spieletest.

DOOM Eternal
NSW
- Genre
- Shoot ‘em Up
- Entwickler
- Bethesda
- Publisher
- Bethesda
- Konsole
- NSW
- Spieler
- 1–3 lokal
- Freigabe
USK ab 18
Die Hölle ruft euch zur Switch!
Id Software hat schon im März 2020 die Hölle für uns geöffnet und Doom Eternal auf PS4, Xbox One und den PC geschickt. Auch wenn die Switch Version des 2016er Reboots Doom zeitnah folgen sollte, hat sich der Entwickler dafür entschieden, etwas mehr Zeit aufzuwenden, um die Switch-Version des Spiels nicht nur gut spielbar zu realisieren, sondern ein nicht minder spaßig-herausforderndes Abenteuer zu kreieren. Wie sich die Portierungspezialisten von Panic Button dabei geschlagen haben, lest ihr in diesem Test.
Wenn die Erde den Doom-Slayer braucht
Die menschliche Population auf der Erde wurde durch dämonische Horden um 60 Prozent dezimiert, weshalb es sich der Doom Slayer nun zur Aufgabe macht, gegen die drei Höllenpriester vorzugehen, welche die Strippen bei der Übernahme der Galaxie ziehen. Einer nach dem anderen muss so ausfindig gemacht und letztlich ausgeschaltet werden. Auf dem Weg zu diesem Ziel begegnen wir unterschiedlichsten Planeten, beeindruckenden Monumenten und den verschiedensten Kreaturen.
Doom Eternal wäre kein würdiger Nachfolger des allumfassend gefeierten Dooms von vor vier Jahren, würde es nicht an allen Ecken nicht mindestens 3 Schippen drauflegen. Was bereits damals hervorragend auf allen Konsolen funktionierte war das Gameplay. Doom zeichnet sich durch ein extrem schnelles und taktisches Run&Gun-Prinzip aus. Verschiedene Gegnertypen verlangen mit der Zeit immer mehr vom wachsenden Waffen-Arsenal ab. Wo am Anfang die Schrotflinte oder das Sturmgewehr reichen, werden bald schon die erwerbbaren Modifikationen nötig um Raketen abzuschießen, Schwachstellen der Gegner auszunutzen und sich voranzukämpfen.
Allgemein setzt dieser Doom Titel viel mehr auf horizontales Gameplay. Wo wir in Doom noch recht linear unterwegs waren, sind nun in allen Levels Passagen integriert, die uns Sprung- und Timingfähigkeiten abverlangen, wie es erfolgreiche Platformer vormachen. In den regelmäßig auftretenden und hervorragend präsentierten Arenen, in denen wir mehr Dämonen vernichten müssen, als uns so manches mal lieb ist, werden ebenfalls verschiedene Elemente eingebaut, die uns spielerische Freiheit in horizontaler Ebene geben sollen. Bitternötig wird genau das, wenn wir uns in bedrohlichen Gefechten bewegen, in denen spinnenfüßige Gehirne mit Geschütz auf uns lauern, axtschwingende Berserker hinter uns her sind oder fliegende Cacodämonen uns mit Gift- oder Feuerbällen bespucken.
Entdecken, Looten, überall!
Doom Eternal ist zudem vollgepackt von allerlei Spielereien. Auf den Missionen, von denen es ingesamt dreizehn gibt – ein Zufall? – können wir uns nicht nur permanent die Monster um die Ohren ballern, sondern in entlegenen Winkeln der Maps auch Informations-Schnipsel, sogenannte Kodex-Seitenfinden. Diese liefern uns wesentlich mehr Informationen zur Hintergrundgeschichte der aktuellen Geschehnisse und erlauben uns tiefere Einblicke in das Zusammenspiel der Kreaturen und den Herrschaftsanspruch der Alien Makyr.
Für weiteren Sammelspaß sorgen die Fragezeichen, die uns Gegner in Miniaturausgabe als Spielzeug für die Sammlung in unserem Raumschiff darbieten, Schallplatten der Doom-Soundtracks sind oder Cheat-Module, die uns besondere Fähigkeiten oder Missions-Veränderungen wie unendliche Munition oder unendliche Extra-Leben ermöglichen.
Geheimnisse wollen entdeckt werden
Wem das nicht reicht, der kann auf den Maps jeder Mission einen Slayer-Tor-Schlüssel finden, der ein Slayer-Tor öffnet. Hinter diesem befinden sich besonders herausfordernde Arenen mit Aufgaben. Wer hier siegreich hervorgeht, erhält einen Himmelsschlüssel. Sammelt ihr alle davon, lässt sich die mächtigste Waffe im Spiel: der Unmakyr freischalten.
Nebenbei können wir in den einzelnen Spielabschnitten natürlich auch Extraleben, Panzerung und Waffen-Mods sammeln, die jeder Waffe bis zu zwei Upgrades verpassen. Sobald geschehen, lassen sich diese jeweils um weitere Effekte verbessern, sobald wir beispielsweise 70 Gegner mit Kopftreffern ausgeschaltet haben. Ist einmal die Meisterschaft der Waffe erreicht, was entweder durch Freispielen per Fortschrittsleiste geht oder durch die später im Spielverlauf sammelbaren Meisterschaftsmarken, sind die Waffen mit einem weiteren, teilweise sehr starken Effekt ausgestattet.
Auch der Anzug des Doom Slayers lässt sich aufrüsten. Der Prätorenanzug verfügt über verschiedene Eigenschaften, die gestärkt werden können. Sammeln wir Anzugmarken, lassen sich so verschiedene Bereiche verbessern, die zum Beispiel die Immunität vor Gift oder eine höhere Sprungleistung erzeugen. Auch die Erkennung von Sammelgegenständen in der Umgebung kann ein sehr hilfreicher Anzugeffekt sein.
Zwei Verbesserungen sind besser als eine
Setzen wir mittels gefundener Runen konkrete Gameplay-Effekte in Kraft, so kann unser Protagonist beispielsweise in Zeitlupe während des Sprungs die Waffe ausrichten und abfeuern oder aber den Raketenwerfer gezielter einsetzen. Diese Runeneffekte lassen sich, sobald sie freigeschaltet sind, jederzeit wechseln, sind jedoch auf drei von ihnen gleichzeitig beschränkt. Spannend ist auch hier, dass einzelne Runeneffekte mehrfach verbessert werden können. Die taktische Raffinesse des Spiels zeigt sich also auch in der Ausrüstung und Konfiguration von Runen.
Wem das immer noch nicht reicht, kann auf ein umfangreiches Bestinarium zurückgreifen, wo auch die Schwächen bereits bekannter Feinde beschrieben werden. Je mehr Passagen des Spiels gemeistert werden, desto mehr Waffenmarken erhalten wir. Diese sind erforderlich, sobald die Waffen-Mods für die ein bis zwei Konfigurationen jeder Waffe des Arsenals angewendet sind. Hier können einzelne Waffen-Mods zusätzlich verstärkt werden. Beispielsweise kann so die Kampf-Shotgun mit dem Mod der Haftbomben ausgestattet werden, der sich wiederum durch drei Waffenmarken mit schnellerem Nachladen und durch weitere sechs Waffenmarken mit 45% erhöhter Explosionsgröße verbessern lässt. Entsprechend klug sollten die Marken von vornherein verwendet werden, um gut und häufig einsetzbare Waffen frühzeitig zu optimieren – eure Extraleben-Anzeige wird es euch danken.
Höllisch gute Technik
Panic Button hat es nicht nur gemeistert, das Spiel wirkungsvoll auf die Nintendo Switch zu portieren, sondern auch das Beste des Hybriden zu Tage zu fördern. Bei einem Engine-hungrigen Monster wie Doom Eternal, das eher für 4K und höchste PC-Specs entwickelt wurde, leidet zwangsläufig die Optik. Einzelne Bereiche sind etwas verwaschen in der Texturdarstellung und Objektschärfe, die Detaildichte wurde etwas heruntergeschraubt, aber sonst steht das Abenteuer den Konsolenversionen in nichts nach. Das bedeutet also, dass der Spielspaß auch auf der Switch riesig ist, nur hier könnt ihr euch entscheiden ob ihr mobil unterwegs oder zuhause oder mit dem Pro Controller am großen TV zocken wollt. Es macht höllisch Spaß das Arsenal einzusetzen und nun auch auf den am Rücken befestigten Flammenwerfer zurückzugreifen oder von Zeit zu Zeit die Kettensäge einzusetzen. Natürlich sind geschwächte Gegner per Glory-Kill eine Augenweide. Dass sich auch hier einiges getan hat, etwa das Trefferfeedback durch abplatzende Rüstungs- und Körperteile der Gegner, hat Panic Button so wie von id Software gewünscht umsetzen und darstellen können.
Beim Audio sind keinerlei Abstriche zu verzeichnen. Der brachiale und pulsierende Sound kommt sowohl an der heimischen Anlage, per Stereo im Handheld-Modus oder über Kopfhörer via Klinke oder USB-C-Anschluss perfekt rüber. Je nach Situation treibt der Soundtrack den Puls hoch und schmettert eine Elektro-Metall-Einheit nach der anderen auf die Ohren. Wer hier nicht, neben der extrem rauscherzeugenden Spielgeschwindigkeit in einen Flow kommt, dem ist nicht zu helfen!
Was man erwarten kann
Insgesamt, unter Berücksichtigung vieler Sammelausflüge und einiger Neustarts nach schmerzhaften Toden ist das Spiel in circa 20-25 Stunden schaffbar. Wer alles sammeln und freischalten will, kann nach erfolgreich gemeisterten Missionen in selbige zurückkehren und diese, auch unter Zuhilfenahme von gesammelten Cheat-Codes erneut spielen, um Übriges zu finden. Das nimmt natürlich noch einiges mehr an Zeit in Anspruch, sorgt aber nicht für weniger Spielfreude. Zusätzlich warten Master-Level auf euch, die besonders harte Arenen darstellen und es gibt, über Single- und Multiplayer hinweg Herausforderungen, die per Fortschrittsleiste getrackt werden und letztlich weitere kosmetische Items freischalten.
Zur Spielbarkeit ist außerdem zu sagen, dass die Schwierigkeitsgrade definitiv unterschiedliche Herausforderungen bieten, jedoch auch der leichteste Schwierigkeitsgrad so anspruchsvoll ist, dass der Casual Gamer von Zeit zu Zeit mächtig ins Fluchen kommt. Wer zu oft stirbt, erhält stattdessen einen einmaligen Rüstungseffekt, der das Überleben deutlich erleichtert, bis die knifflige Passage gemeistert ist. In den meisten Fällen scheitert es aber eher an der fehlenden Taktik, einer zu geringen Bewegung in den Arenen und der Überforderung durch das gezielte Bekämpfen verschiedener Gegnertypen. Insofern ist Doom Eternal für Doom-Verhältnisse sehr gut ausbalanciert, für ungeübte jedoch trotzdem ein sofortiger Hieb in die Magengrube.
Technisch läuft Doom Eternal auf der Switch sehr stabil mit 30 frames pro Sekunde und das ist merkt man positiv. Es wäre äußerst bedauerlich, wenn man neben den anspruchsvollen Kampf-Passagen auch noch mit Lags und schlechten Anzeigen zu kämpfen. Stattdessen erhalten wir verschiedene Grafik und Gameplay-Einstellungen, die z.B. die Sensitivität der Eingaben verändern oder die gyroskopische Bewegungssteuerung, die bei Doom Eternal hervorragend und zumeist sehr genau funktioniert.
Traut euch in den Battle-Modus
Für all jene, denen viel immer noch nicht genug ist, hat Panic Button auch den Multiplayer-Modus von Doom Eternal für die Nintendo Switch realisiert. Hier treten immer zwei Monster gegen einen Doom Slayer an. Es sind also Matches von insgesamt drei Spielern. Je nach ausgerüsteten Monstern und Fähigkeiten können diese Runden sehr packend sein. Die Dämonen sind meist stärker, jedoch deutlich weniger wendig als der Doom Slayer. Wer aus drei Runden erfolgreicher hervorgeht, gewinnt das Match und levelt damit seinen Rang auf. Dieser Rang steigt durch Erfahrungspunkte auch beim Singleplayer-Modus. Verknüpft ihr euer Bethesda-Konto mit der Nintendo Switch und habt eine Online-Verbindung, könnt ihr von zusätzlichen permanenten und wöchentlich wechselnden Herausforderungen profitieren, die extra Erfahrungspunkte verleihen oder sogar Wächterkristalle, mit denen ihr im Singleplayer in eurem Raumschiff, dem Fortress of Doom (Doom Festung), zusätzliche Räume öffnen könnt, die wiederrum Runen, Anzugmarken oder Mods freischalten. In Summe läuft der Multiplayer-Modus trotz vereinzelt etwas längerer Ladezeiten und seltener Spielabbrüche gut und flüssig. Auch hier zeigt sich, dass die Implementierung eines guten Multiplayer-Modus nicht zwangsläufig einen riesigen Umfang dieser Komponente bedeuten muss.
Fazit
Doom Eternal traut sich neue Wege zu gehen und das äußerst erfolgreiche Prinzip von Doom 2016 auf die nächste Stufe zu bringen. Mehr Gegner und Waffen, ein erhöhter Taktikgrad und eine stundenlange, hervorragende Story - samt Waffen- und Charaktermodifikationen - sorgen dafür, dass sich der Doom-Rausch intensiver anfühlt als je zuvor. Die Switch-Umsetzung von Panic Button ist umso mehr beeindruckend und zeigt Doom Eternal darum im bestmöglichen Nintendo-Switch-Licht.
- Geniales & vielseitiges Gameplay
- Tiefe in Perk- und Waffenkonfiguration
- Variabilität im taktischen Spielstil
- Grandioser Umfang
- nur Übung kompensiert hohe Schwierigkeit
- kleinere Abstriche in Texturschärfe- und dichte
Vielen Dank an die Firma Bethesda für die Bereitstellung des Testmusters.


