
WWE 2K Battlegrounds
Take-Two Interactive und Saber Interactive rollen ihr Wrestling Franchise von ganz hinten auf und präsentieren Prügelspaß in völlig überzogener Optik mit einer extra dicken Portion WWE oben drauf. Ob die Rechnung aufgegangen ist und ob sich WWE 2K Battlegrounds wirklich lohnt, klärt der Test.

WWE 2K Battlegrounds
NSW
- Entwickler
- Take-Two Interactive
- Publisher
- Take-Two Interactive
- Konsole
- NSW
- Spieler
- 1–8 lokal
- Freigabe
USK ab 12
WWE 2K BATTLEGROUNDS
Wenn der Vorgänger bei Fans und Kritikern dermaßen durchfällt, wie WWE 2K20, dann muss eine Veränderung her. Das alte Konzept wird über Bord geworfen und man konzentriert sich voll und ganz auf das neue und tut am besten so, als wäre nichts gewesen. Genau das ist bei WWE 2K Battlegrounds passiert. Von einer Wrestling-Simulation zur launigen Arcade-Keilerei. Ob diese Idee einschlägt wie ein Suplex von John Cena oder der endgültige Finisher für die Serie ist, erfahrt ihr in diesem Test.
Karikatur mit Wums
Noch bevor man auch nur eine Sekunde gespielt hat, fällt einem das ungewöhnliche Charakterdesign auf. Ganz NBA-Jam mäßig präsentieren sich die WWE Superstars in seltsam gestauchter und großköpfiger Form, was die Muskeln nur noch aufgepumpter wirken lässt. Trotz des definitiv comichaften Looks erkennt man seine Lieblinge auf Anhieb, da sich vor allem mit den Gesichtern und besonderen Merkmalen der Kämpfer befasst wurde. Das ironisch bedrohliche Augenbrauen-Hochziehen von Dwayne „The Rock“ Johnson lässt einen sofort die gute alte Wrestling-Nostalgie spüren und sagt einem, dass man sich hier wie zu Hause fühlen wird. Und die wunderschöne Präsentation des Spiels macht einem das auch gar nicht schwer. Die Einlaufsequenzen strotzen nur so vor übersteigerter Egomanie, im Publikum wartet der ein oder andere Alligator darauf mitzumischen und der obligatorische Klappstuhl unterm Ring darf selbstverständlich auch nicht fehlen. Die verschiedenen Locations spielen da fein rein. Klassischer Ring, Redneck-Sümpfe in Florida oder heftige Cage-Fights – alles wird einem geboten. Handelt es sich hier also um einen klassischen Selbstläufer? Hierzu ein ganz klares: Jein.
Button Keilerei wie am Automaten
Startet man die Kampagne beginnt alles mit einem Nichts von einem Wrestler. Unserem Start-Charakter fehlt es an Charisma, aber die Großen glauben an ihn. Also beginnt ein etwas dürftiges Tutorial, das mehr Fragen aufwirft, als dass es welche klärt. Aber schnell stellt man fest: Die Steuerung ist einfach und intuitiv. Einige Schläge, Tritte, Würfe, Blocks und Spezialmoves später hat man sich ordentlich ins Spielgeschehen eingefunden und teilt ordentlich aus. Aber wie man es aus den guten alten Zeiten der Arcade-Spielhallen kennt, liegt hierin Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite ist man sofort mittendrin statt nur dabei, auf der anderen Seite fehlt es ein wenig an Spieltiefe. Denn auch wenn die verschiedenen Charaktere, die man im Laufe des Spiels freispielt, zwar verschiedene Stile haben, so unterscheiden sich die Tasteneingaben bei ihnen kaum bis gar nicht. Im Prinzip heißt das: Kann man mit einem kämpfen, kann man es mit allen. Das macht es natürlich einsteigerfreundlich. Denn direkt von der ersten Sekunde an führt man brutale Kombos aus, wirbelt seine Gegner meterweit und vor allem meterhoch durch die Luft und trotzt allen physikalischen Gesetzen. Hier punktet WWE 2K Battlegrounds auf ganzer Linie. NBA JAM scheint hier in vielen Hinsichten Pate gestanden zu haben. Die übertriebenen Spezialmoves, der ausflippende Kommentator und die perfekt inszenierten Superstars lassen einem immer wieder wohlige Seufzer entfahren. Vor allem bei den Mini-Quicktime Events gilt es, die Ruhe zu bewahren. Wird man von einem Gegner in die Mangel genommen, hat man für einen kurzen Moment die Möglichkeit, durch das Drücken der eingeblendeten Taste den Spieß umzudrehen und zu kontern. Das kann mitunter recht spektakulär aussehen und hat nicht nur einmal einen verloren geglaubten Kampf noch in letzter Sekunde gerettet.
WWE steht drauf – WWE bekommt man
Die Atmosphäre des realen Vorbilds ist durchgängig zu spüren, denn es wurde sehr darauf geachtet, das authentische Wrestling-Gefühl zu erzeugen. Die Story zum Beispiel: Die wird uns in Form von Comics erzählt, die vom Zeichenstil auch von Marvel hätten sein können. Ein extrem nettes Gimmick, das zwar nichts zum Spiel, aber jede Menge zum Spielgefühl beiträgt. Und das alles mit einem herrlich selbstironischen Augenzwinkern, denn immer wieder kommt es erst zu massiv testosteronüberladenem Vorgeplänkel, das dann schon fast wieder Telenovela-artig aufgelöst wird. Kurz: Es ist alles da, was man am Wrestling entweder liebt oder hasst. Alles ist wunderschön überzogen dargestellt durch Closeups, verhöhnende Gesten und die Finisher. Nicht selten könnt ihr in alter Wrestling Manier einen Kampf noch drehen, der bis vor kurzem nach Untergang wirkte. Kein Wrestling Klischee wird ausgelassen und dennoch merkt man in jeder Pore des Games den Respekt für den Wrestlingsport. Da dieses Game eh kaum Zufallskäufer anlocken wird, ist das eine Designpolitik, die voll ins Schwarze treffen wird. Auch akustisch erhält man das WWE-Brett. Die Punshes knallen und der Kommentator gibt sein bestes. Wer es ohne Ohrwurm vom herrlich treibenden Titelsong („Glory“ von The Score) durch den Tag schafft, spielt ohne Ton! Alles in allem ist auf technischer Seite alles sehr rund.
Alle sind sie da
Die Solo-Kampagne führt den Spieler gut ins Spielgeschehen ein, verliert aber schnell an Fahrt, was an dem repetitiven Kampfsystem liegt. Dennoch sollte man sie nicht links liegen lassen, wenn man alle seine Helden und Heldinnen freispielen möchte. Und von denen gibt es noch und nöcher. Über 70 sind es aktuell und mehr sollen folgen. Alle haben sie sich die Ehre gegeben, Hulk Hogan, The Undertaker, The Rock, Becky Lynch oder Stephanie MacMahon und wer sie auch spielbar machen will, wird hier einiges an Zeit investieren. Diejenigen, die man nicht durch Kampfevents freischaltet, kann man sich zu gegebenem Zeitpunkt im Shop kaufen. Ebenso wie alternative Skins und Locations. Das geht mit der spieleigenen Währung, die man für gelungene Events erhält oder auch wie aktuell üblich mit Realgeld. Letzteres geht natürlich wesentlich schneller, aber es wurde darauf geachtet, dass sich alle Inhalte auch ohne Zusatzkosten, aber mit viel Zeit freischalten lassen. Negativ fällt an dieser Stelle der Onlinezwang auf. Wie auch viele der anwählbaren Events ist auch der Shop nur betretbar, wenn man im Internet ist. Das macht es den mobilen Gamern aber schwierig den vollen WWE Genuss zu entfalten. Auf einer fünfstündigen Bahnfahrt beispielsweise guckt man aus bekannten Gründen in die Röhre. Hier hätte eine Hybridlösung sicherlich mehr Spaß für alle Seiten gebracht. Die Entwickler von 2k Games und Saber Interactive scheinen aber sowieso die Online-Gamer als Zielgruppe auserkoren zu haben, denn hier – im Multiplayerbereich - sammelt sich das Destillat der monströsen Arcade-Wrestling-Keilerei. In vielen verschiedenen Spielmodi kann man sich in Online-Herausforderungen mit Gegnern aus aller Welt messen. Und das Tolle: Nicht nur aus aller Welt, sondern auch auf verschiedenen Plattformen. Spieler mit PC, Xbox One oder einer Switch treten gegeneinander an – nur die Playstationbesitzer dürfen nicht. In den Multiplayerkloppereien ist der Controller besonders in Gefahr, denn wenn man wieder mal das Quicktime-Kommando verpasst hat und somit wiederholt auf der Matte landet, dem Angreifer hilflos ausgeliefert, ist es nicht unwahrscheinlich, dass man sein Gamepad mit Bissspuren oder Dellen verziert. Gerade wenn der Ring im Royal Rumble ein wenig voller wird, rappelt es ordentlich in der Kiste und der Spaßfaktor ist konstant hoch. Das liegt an den wirklich kurzweiligen Matches, die selten länger als drei Minuten gehen.
Fazit
Nach einem katastrophalen Vorgänger haben 2k und Saber Interactive hier doch wieder einiges richtig gemacht. Aber an entscheidenden Stellen hapert es. Das Kampfsystem ist zwar kurzweilig und launig, bietet aber kaum Tiefe für erfahrene Spieler und ermöglicht kein akribisches Training mit bestimmten Charakteren. Die Solokampagne punktet zwar mit einer interessanten Story-Präsentation, bietet spielerisch aber zu oft dasselbe. Auf der anderen Seite kann man hier viele Charaktere und Gadgets freispielen. Die wahre Macht des Spiels entfaltet sich im Multiplayer Modus. Ob auf der Couch oder Online mit anderen Möchtegern-Wrestling-Giganten. Hier geht die Post so richtig ab und man verzeiht dem Spiel all seine Schwächen. Wollt ihr das Spiel allein genießen, zieht ihr einen Punkt ab, ansonsten rate ich allen Wrestling-Veteranen, wie auch Neulingen einen Blick zu riskieren. Mit 40€ wird zwar keine Unsumme verlangt, aber High End ist es auch nicht.
- Mehr WWE geht nicht
- Intuitives Kampfsystem
- Nette Aufmachung
- Viele Inhalte nur mit Internet
- Kaum Abwechslung
- Fast alle Kämpfer spielen sich gleich
Vielen Dank an die Firma Take-Two Interactive für die Bereitstellung des Testmusters.


