
Jump Force - Deluxe Edition
Heute präsentieren wir euch den Test zum Kampfspiel Jump Force - Deluxe Edition, das so einige coole Animé-Helden vereint. Wie uns die Klopperei gefallen hat, lest ihr hier.

Jump Force - Deluxe Edition
NSW
- Entwickler
- Bandai Namco Europe Entertainment
- Publisher
- Bandai Namco Europe Entertainment
- Konsole
- NSW
- Spieler
- 1–6 lokal
- Freigabe
USK ab 12
Die Geschichte der Beat’em’Up’s
Wenn ein Spielegenre auf eine lange Geschichte zurückblicken kann, dann ist es unter anderem das des Beat’em’Up’s. Was bereits in Spielehallen in den 80er Jahren an Arcade-Automaten zur Hochkultur avancierte, ist auch 2020 beliebt. Natürlich ist die Auswahl heute um ein Vielfaches gewachsen. Neben Street Fighter, Tekken, Mortal Kombat, Super Smash Bros. und anderen Retro-Pixel-Prüglern ist die Beat’em’Up-Welt besonders durch die vielen Animé und Comic-Serien gewachsen. Viele Franchise-Spiele wie Dragon Ball oder One Piece gibt es bereits, doch lange mussten wir auf einen Titel warten, der viele Franchises vereint, die sich auf die Nase hauen. Nun ist nach einem Jahr Wartezeit Jump Force auf Nintendos Hybriden gelandet und präsentiert sich in der Deluxe Edition. Ob das Spiel als Sieger oder eher mit blutiger Nase davongekommen ist, lest ihr in diesem Test!
Was Jump Force anders macht
Jump Force erzählt eine fiktive Geschichte eines Spezialeinsatzteams, das sich dem Schutz und der Rettung der Erde verpflichtet hat. Dies ist das erste Mal, dass die Helden vieler sehr beliebter Animés und Mangas zu diesem Zweck zusammenkommen. Im Wesentlichen bedient sich das Spiel dabei bekannter Mechaniken, wie des klassischen Trainingsmodus, des 3er-Teamkampfs sowie des Einsatzes von Support-Charakteren und CPU-Kämpfern. Hier lassen sich die vorhandenen Moves trainieren und zusätzliche, in Nebenmissionen als Belohnung erhaltene Fähigkeiten, studieren. Zusätzlich verfügt jeder Charakter Signature-Moves, die bei Aufladen einer Energieleiste eingesetzt werden können und besonders viel Schaden austeilen.
Statt eines hübsch designten Home-Interfaces, aus dem wir Modi heraus starten, präsentiert uns Jump Force einen Hub- bzw. Lobby-Bereich. Dieser dient der Versammlung aller fiktiven Charaktere und zum Starten von Hauptstory-, Neben- und Event-Missionen. Tatsächlich versammeln sich im Hub auch reale Spieler, sofern man dem Spiel die Online-Freigabe erteilt. An verschiedenen Terminals lassen sich dann die Optionen für Offline- und Online-Kämpfe auswählen, wobei letztere unter anderem Ranglisten-Kämpfe umfassen. Es musste jedoch im Test festgestellt werden, dass sich nicht ohne weiteres Online-Verbindungen zu anderen Kämpfern herstellen lassen. Das bedeutet also, dass die Wartezeit bis zum nächsten Online-Match mitunter so lang dauern kann, bis der Timeout eintritt.
An weiteren Terminal-Stationen können wir die Nebenmissionen starten, in denen wir mit unterschiedlicher Team-Konstellation im Idealfall den S-Rang erreichen können. Um dies zu erreichen, gilt es verschiedene Missionsziele zu erfüllen, etwa mit mindestens 60% Lebensenergie das Match zu gewinnen oder in einem bestimmten Zeitfenster zu bleiben. Tatsächlich war aber festzustellen, dass die Missionen, auch die ersten, ungleichmäßig im Schwierigkeitsgrad gewichtet wurden. Die fehlende Balance sorgt also dazu, dass bereits frühe Missionen z.T. nur sehr schwer mit dem höchsten Rang abgeschlossen werden können.
Erweitertes Paket in der Deluxe Edition
Nachdem wir uns die ersten Story-Einheiten zu Gemüte geführt haben und im Hub die ersten Dialogsequenzen hinter uns gebracht haben, steht der volle Umfang von Jump Force Deluxe Edition zur Verfügung. Dies bedeutet konkret eine Auswahl in den Missionen bzw. im On-/Offline-Kampf aus über 50 Charakteren wie Son Goku, Riki, Bu u.a.. In der Erstversion des Spiels waren ohne den Season-Pass 40 Kämpfer spielbar.
Zusätzlich wurde für die Nintendo Switch Version des Spiels exklusiv ein lokaler 6 Spieler Modus hinzugefügt sowie die Option, lokal zwei Nintendo Switch Konsolen miteinander zu verbinden, um sich mit mächtigen Angriffen zu duellieren.
Das ist die Kampagne
Tatsächlich sind die Offline- und Online-Spiele, sofern sie denn zustande kommen, der wesentliche Anziehungspunkt des Spiels. Die Hauptgeschichte ist seicht und unbedeutend gehalten. Glücklicherweise lassen sich hier die Zwischen- und Dialogsequenzen überspringen, wenn man rasch zum nächsten Kampf schreiten möchte, weil man den Hauptgesprächsinhalt verstanden hat. Leider lässt sich jedoch nicht die Dialoggeschwindigkeit selbst höhen, für all diejenigen, die etwas weniger Geduld haben, jedoch nicht komplett skippen wollen.
Leider ist es ebenfalls so, dass sich Zwischensequenzen zwar schöner präsentieren, als das tatsächliche Gameplay, was z.T. mit verwaschenen Texturen, abgehackten Kampfanimationen und Lags daherkommt, jedoch die Performance leiden lassen und regelmäßig Framerate-Einbrüche verursachen.
Wenn die Performance KO geht
Die Performance ist eines der Hauptprobleme von Jump Force Deluxe Edition. Leider ist es den Entwicklern nicht gelungen, das Spiel auf die Nintendo Switch so zu portieren, dass es, vielleicht mit einigen visuellen Abstrichen verbunden, zumindest flüssig läuft. Dies wäre insofern notwendig gewesen, als dass Kampfspiele wie dieses von flüssigen Kampfanimationen leben und daraus ihren eigentlichen Spielspaß erzeugen. Die Performancemängel zeigen sich durch das gesamte Spiel hinweg und steigen bei Online-Anbindung. Egal ob im Kampf, im Hub oder in den Sequenzen, das Spiel lagged, läuft instabil und unsauber. Das ist auch deshalb schwer nachzuvollziehen, da den Kämpfern im Wesentlichen ein begrenzter Fundus an Moves zur Verfügung steht, sodass sich ein möglicher Input-Overload begrenzen lässt.
Basis statt modernes Home-Interface
Schade ist zudem die Umsetzung des Hub-Bereiches. Die grundsätzlich nette Idee einer Basis für Lobby-Eingaben ist zu rudimentär implementiert worden. Wir haben zwar verschiedene Terminals und ein schwarzes Brett zur Verfügung, die Platzierung ist jedoch unattraktiv, da der Hub nicht sehenswert gestaltet und kaum funktional orientiert ist. Wer sich hier an einen Hub von Destiny erinnert, wird schnell ernüchtert feststellen, dass es hier abseits langer Wege keine großartige Interaktion mit NPCs oder Objekten gibt. All dies führt schnell zu einem Gefühl der Redundanz, das durch nicht-moderne Designentscheidungen von Anzeigen und der Menüs begleitet wird.
Hier hätte Jump Force die grundsätzlich hervorragende Idee des Animé-Kämpfer-Ensembles wesentlich ansprechender verpacken können. Vergleiche zum Interface von Tekken, Injustice oder Mortal Kombat können hier durchaus gezogen werden. Zudem hätten beim Verzicht auf einen Hub Bereich mehr Ressourcen in die Feinabstimmung und Differenzierung der Kämpfer, die generelle Performance und die Portierungsqualität gelegt werden können.
Musikalische Untermalung, Kampfgeräusche
Hinsichtlich der Sound-Umgebung kann Jump Force kaum begeistern. Zwar gibt es eine Diversität an Kampf- und Effektgeräuschen, jedoch ist diese für das europäische Ohr doch recht einseitig, verzichtet das Spiel schließlich komplett auf deutsche Vertonung. Musik ist im Kern nicht inkludiert, sodass akustische Verzückung oder zumindest Abwechslung kaum gegeben ist.
Außer Konkurrenz?
Im Gesamtbild muss zu Jump Force Deluxe Edition leider gesagt werden, dass es, obwohl es in der Idee per se außer Konkurrenz läuft, auch im direkten Vergleich zur AAA-Beat’em’Up-Konkurrenz außer Konkurrenz läuft, jedoch im negativen Sinne. Viele etablierte Mechaniken des Genres werden nicht oder nur unzureichend genutzt und die Performance, auch auf Nintendo Switch, ist zu schwach, um nachhaltigen Spielspaß zu erzeugen, der sich über einige Multiplayer-Partien hinaus erstreckt.
Fazit
Jump Force Deluxe Edition kommt mit einem gewaltigen Kader an Animé-Kämpfern und hübschen Cut-Scenes daher, präsentiert sich im Gesamtbild jedoch nicht performant. Ein begrenzt-funktionales Hub-System, viele Ladezeiten, unsaubere Texturen und eine geringe Charakter-Move-Differenzierung führen neben einer flachen Story und mäßig ausgewogenen Missionen zu verkürzter Spielfreude.
- hübsche Cutscenes
- große Animé-Heldenauswahl
- mangelhafte Performance
- miserable Avatar Darstellung
- instabile Framerate
- altmodisches Hub/Lobby-System
Vielen Dank an die Firma Bandai Namco Entertainment für die Bereitstellung des Testmusters.


