Zum Inhalt springen
Paper Mario: The Origami King

Paper Mario: The Origami King

Daniel

Das Paper Mario Franchise verzeichnet mittlerweile schon so einige Einträge, der neueste unter Ihnen ist Paper Mario: The Origami King. Ob Nintendo hier an den richtigen Stellen gefaltet und das Spiel zu einem schönen Origami-Produkt gemacht hat, lest ihr ab sofort in unserem Test

Paper Mario: The Origami King

NSW

Entwickler
Nintendo
Publisher
Nintendo
Konsole
NSW
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 6

Paper Mario: The Origami King

Die Geschichte um das neueste Spiel der Franchise ist erstaunlich wenig erfrischend und hätte Bestandteil eines jeden anderen Mario-Spiels sein können. Offenbar galt hier die Devise: „Never touch a running system“. Und so passiert es, dass Mario und Luigi sich auf den Weg zu Peach befinden, welche mal wieder etwas zu feiern hat. Ihr bescheidenes Eigenheim steht in Mitten der Stadt der Toads. Bereits bei Ankunft in dieser Stadt stellen die beiden Klempner-Brüder fest, dass irgendwas anders ist, als sonst. Das Bauchgefühl gibt den beiden auch Recht. Im Schloss hat sich nämlich König Olly niedergelassen, der mit platten Pop-Ups nicht viel anfangen kann und aus diesem Grund alle Bewohner des Pilzkönigreichs nach und nach in schicke 3D-Origami-Figuren verwandelt. Der Nachteil bei der ganzen Sache: Die Origami-Figuren sind dann wie besessen und den flachen Bewohnern nicht mehr wohlgesonnen. Der Antagonist hat sich auf diese Art und Weise auch Peach bemächtigt und viel schlimmer noch: Er entführt gleich das ganze Schloss auf einen hohen Berg und lässt dies mit Geschenkband einwickeln.

Marios Aufgabe wird es nun fortan sein, durch die Welt zu streifen, den Boss eines jeden Levels zu besiegen, damit eines der bunten Geschenkbänder entfernt wird, das Schloss betreten und Peach befreien.

Dabei steht ihm Olivia zur Verfügung, welche die Schwester von Olly ist. Sie ist von dem schlechten Benehmen ihres Bruders wenig begeistert, weshalb sie sich bereit erklärt, Mario zu unterstützen. Neben einer beratenen Funktion kann sie auch später in diverse Origami-Figuren verwandeln und Mario an unüberwindbaren Stellen weiterhelfen. Aber auch Mario kann an diversen Stellen ein bisschen mehr aus sich machen. So kann er seine Arme dank Ziehharmonikaeffekt verlängern und diverse Wände förmlich aufreißen, um Geheimnisse oder Weg freizulegen. Apropos freigelegte Wege: Mario führt auch einen Beutel voller Papierschnipsel mit sich herum. Diese Schnipsel kann er wie Konfetti in die Luft werfen, um löchrige Weg und Wände zu stopfen. Dadurch werden ebenfalls Wege, Geheimnisse, Toads oder Items offengelegt. Insbesondere die Toads sind gar nicht so unwichtig. Einerseits füllen sie die leere Toad-Stadt wieder mit Leben (und einige sind auch tatsächlich hilfreich wie Händler), andererseits können alle gefundenen Toads euch im Kampf beistehen. Doch dazu mehr im nächsten Abschnitt.

Das Kampfsystem

Eine ganz wesentliche Änderung in diesem Spiel ist das rundenbasierte Kampfsystem. Und „rund“ trifft es recht gut. Denn trifft Mario auf einen Origami-Gegner, wechselt die Ansicht von der Oberwelt in eine Kampfarena. Hier befindet sich Mario in der Mitte des Geschehens, während er von Gegnern umzingelt wird. Dabei stehen die Gegner auf Ringen, welche man drehen oder verschieben kann. Um dies zu tun, hat Mario eine gewisse Anzahl von Zügen. Wählt man als einen Ring aus, dreht diesen, um den darauf befindlichen Gegner an eine bestimmte Position zu bringen, kostet das einen Zug. Wie viele Züge Ihr habt, wird euch angezeigt. Ziel des Manövers ist es, die Gegnermassen so zu ordnen, dass man mit einem Angriff möglichst viele Gegner erwischt. Habt Ihr alle Gegner geordnet aufgestellt, gibt es sogar einen Kampfkraftbonus. Ob geordnet oder nicht – nachdem die Züge verbraucht wurden, geht es zum eigentlichen Angriff über. Die Wahl des Angriffes sollte dann stets von der Ordnung der Gegner abhängig gemacht werden. Habt Ihr beispielweise vier Gumbas hintereinander angeordnet, so können diese auf klassische Art durch Sprung-auf-Sprung nacheinander ausgeknockt werden. Wichtig ist nur, dass Ihr hierzu die richtige „Bewaffnung“ wählt – was in diesem Fall ein Stiefel ist. Die andere Art von Angriff ist der Schlag mit dem Hammer. Dieser ist dann besonders effektiv, wenn die Gegner in einer 2x2-Formation angeordnet werden, da der Hammer faktisch einen Flächenschaden auf 2x2-Felder macht.

Von Beginn an könnt Ihr dauerhaft über Stiefel und Hammer in der Basisausstattung verfügen. Doch selbstverständlich gibt hierzu auch Upgrades, die entweder gefunden oder gekauft werden können. Diese sind dann nicht nur stärker und führen somit mehr Hitpoints aus; sie können unter Umständen Gegner besiegen, die mit einer schwächeren Variante nicht zu besiegen sind. Nennt Ihr beispielsweise die Eisenstiefel euer Eigen, dann könnt Ihr jetzt auch Stachi-Panzer springen, die mit reinen Lederstiefeln nur Schmerzen verursachen. Ein Nachteil bringen die besseren Waffen dann aber doch mit: Sie gehen irgendwann kaputt. Das passiert glücklicherweise nicht ganz unerwartet. Ein kleines Kreuz auf dem Symbol der betroffenen Waffe weist auf den Verschleiß und dem nahen Ende hin. Das ist beim Stachi-Panzer-Beispiel dann unglücklich, wenn eurer Sprungangriff via Eisenstiefel nicht alle ausgeknipst hat, die Stiefel jedoch nach Ausführung des Angriffes unbrauchbar werden. Jetzt bleibt dann nur das erneute Anordnen, damit mit dem Hammer angegriffen werden kann.

Wie es für rundenbasierte Kämpfe nun mal typisch ist, enden diese Runden auch irgendwann mal und nun darf der Gegner die Muskeln spielen lassen. Und das kann richtig wehtun, wenn sich ganz vielen Gegnern ausgesetzt sieht. Da bleibt Mario nur das Abblocken des Angriffes, um diese in Gänze abzuwehren oder wenigstens den kommenden Schaden zu reduzieren. Hierfür muss in einem gut ge-time-ten Moment der A-Knopf gedrückt werden. Sollte das Wort „Geblockt“ über euch erscheinen, dann habt Ihr alles richtig gemacht. Apropos gutes Timing: Auch beim Angreifen via Sprungattacke wird durch Drücken des A-Knopfes im richtigen Moment der Angriff verstärkt. Beim Hammerangriff hingegen gibt es grafische Aufladung, die im richtigen Moment zu triggern ist, damit der Angriff mehr Schaden verursacht.

Betreffend der Kämpfe sind wir aber noch lange nicht am Ende angelangt. Denn die Bosskämpfe erfordern ein wenig mehr an Überlegung. Zunächst einmal ist es wichtig, zum Boss hinzugelangen. Dieser befindet sich nämlich in der Mitte der Arena und Mario ist dafür der Gegner auf den Ringen. Mittels auf den Ringen verteilten Pfeil-Feldern könnt Ihr den Boss erreichen, solange und soweit Ihr die Ringe in einer Art und Weise angeordnet habt, dass Mario den Pfeilen folgen kann und nicht ins Leere läuft. Am Ende müsst Ihr auf ein Angriffsfeld kommen und mit der richtigen Waffe angreifen. Hier kann auch durchaus eure Origami-Faltarme ein nützliches Mittel sein.

Habt Ihr einen gut gefüllten Münzbeutel, so könnt Ihr die altbekannten Taler auch im Kampf einsetzen. Denn die auf den Zuschauerrängen jubelnden Toads lassen sich gegen Taschengeld kaufen. Je mehr Ihr investiert, umso hilfreicher werden sie. Sie können dann Hinweise geben, wie eine Anordnung aussehen kann, die Gegner angreifen und ein paar Hitpoints abziehen oder eure Lebenspunkte wieder auffüllen. Die Intensität der Hilfe hängt hierbei ganz wesentlich von der Anzahl eurer gefunden Toads und von der Höhe der investierten Münzen ab. Je mehr Toads und je höher das Taschengeld, umso besser der Support für die anstehende Runde.

Das war noch längst nicht alles

Das Kampfsystem ist in Paper Mario: The Origami King schon ein wenig komplex. Es ist einerseits schon interessant aufgebaut und mal was anderes als die üblichen rundenbasierten Prügeleien. Doch nach bereits nach sehr wenigen Spielstunden stellt sich das Gefühl der Langeweile ein. Im Grunde möchte man gern die Story erleben. Dass diese von Kämpfen unterbrochen wird, ist an dieser Stelle noch okay und im Grunde ein Stilmittel in so vielen anderen Spielen. Doch diese Prozedur der Anordnung ist ab einen gewissen Zeitpunkt nur noch störend. Zumal man das nicht einmal pro Kampf, sondern zu jeder Runde neu machen muss. Das ist irgendwann nur noch belastend und man ist dann nur noch bestrebt, den Gegnern auf der Oberwelt auszuweichen, weil man keine Lust an den Kämpfen hat.

Obendrein gesellt sich dann die Frage hinzu, wozu man das überhaupt macht. Denn das einzige Feedback nach einem Kampf, sind Münzen. Es gibt Münzen für den Sieg, einen Münzbonus für die Anordnung und einen weiteren Bonus, wenn man den Kampf unbeschadet überstanden hat. Zusätzlich kann es noch Münzen oder Items geben, wenn Ihr vom Kampfgeschehen in die Oberwelt wechselt. Da „explodiert“ der frisch besiegte Gegner dann und hinterlässt noch ein paar Schnipsel, Trinkgeld und mit viel Glück einen großen Münzbeutel bzw. ein Item. Was es nicht gibt sind beispielsweise Erfahrungspunkte oder irgendwie ein Level-Up. Letzteres gibt es in einer abgewandelten Art und Weise nach dem ersten Boss bei einem Toad zu kaufen. Die bei ihm erhältlichen Power-Ups geben Euch mehr Schadenspunkte, Angriffspunkte und Zeit für euren Anordnungszug. Diese Power-Ups sind nicht gerade kostengünstig und erklären die vorherige Flut an Münzen. Und schnell wird einem als Spieler klar, dass es in diesem Spiel weitere Upgrades zu diesen Power-Ups gibt, die vermutlich noch teurer sind. Man muss also noch mehr Kämpfe bestreiten, um Münzen zu erhalten. Ab einen gewissen Zeitpunkt könnt Ihr schwächere Gegner ganz klassisch an der Oberwelt durch einen Kopfsprung bzw. durch einen Hammerschlag k.o. machen. Das gibt jedoch bei weitem keine Massen an Münzen, sondern eher ein spärliches Trinkgeld. Ist man also auf Münzen angewiesen, so muss man sich den Kämpfen stellen.

Genau hier ist vielleicht die größte Schwäche des Spiels auszumachen. Man braucht die Münzen einerseits, doch das Kampsystem wird sehr schnell sehr langweilig, so dass man nach einer gewissen Zeit dazu neigt, Gegner auf „dem kurzen Dienstweg“ platt zu machen oder denen aus den Weg zu gehen. Zudem sind plattgemachte Gegner nicht auf ewig weg. Sie spawnen wieder, wenn ein Gebiet erneut betreten wird. Da darf man tatsächlich froh sein, dass es ab einen gewissen Zeitpunkt im Spiel zusätzliche Kampfgefährten im Spiel gibt. Jeder Hitpoint, der zusätzlich ausgeteilt wird, kann den Kampf schneller beenden.

Witzige und nervige Dialoge

Neben dem Kampsystem gibt es noch eine weitere Komponente, die in diesem Spiel für zwiespältige Gefühle sorgt - die Dialoge. Diese sind bisweilen sehr amüsant gestaltet und nicht selten mit Flachwitzen bestückt. Doch wenn jeder gefundene bzw. befreite Toad etwas zum Besten gibt, dann wird es irgendwie langweilig auf Dauer. Erschwert wird die Angelegenheit, dass man die Dialoge nicht skippen; alternativ vorspulen kann. Sprecht Ihr also aus Versehen einen NPC an, dann müsst Ihr euch den Dialogen auch aussetzen.

Doch die eigentliche Krone wird durch einen ganz bestimmten NPC aufgesetzt. Eure ständige Begleiterin Olivia quasselt gern mal in einer Tour. Selbstverständlich ist vieles nur gut gemeint, mit wertvollen Tipps und dem ganzen Drum und Dran. Eigentlich ist sie wie Navi aus Ocarina of Time. Jedoch nur redefreudiger. Dass es anfangs im Spiel aufgrund Tutorial zu einem erhöhten Redebedarf kommt, das ist verzeihlich. Wenn jedoch der Spielfluss ständig durch aufgezwungene Gespräche unterbrochen wird (und an dieser Stelle sei erinnert: kein Skip, kein Vorspulen), dann verliert das Spiel rasch an Fahrt. Das Kampfsystem tut dabei sein Übriges.

Die techische Seite

Hier kann man alles kurz halten. Mit Paper Mario: The Origami King zeigt die Nintendo Switch sich erneut von der besten Seite. Das Design eines Pop-Up-Kinderbuches kommt absolut überzeugend herüber. Sowohl die erkundbare Welt als auch die rundenbasierten Kämpfe laufen in einer flüssigen Bildrate. Nintendo bleibt sich mit diesem Grafik-Stil der Franchise treu, sodass gerade Kenner der Reihe sich sofort heimisch fühlen. Der Sound gliedert sich wunderbar in den Grafikstil ein. Bleibende Ohrwürmer bleiben jedoch aus. Die Steuerung an der Oberwelt wie auch in den Kämpfen hat man schnell in Fleisch und Blut übernommen.

Daniels Meinung

Ich mag diese Franchise. Ehrlich jetzt. Paper Mario war immer ein Garant für Klamauk. Und dass sich dieses Spiel nicht wirklich ernst nimmt, dass bekommt man früh im Spiel mit. Nett sind dabei vor allem die Flachwitze, die stets auf den flachen Stil des Spiels anspielen. Dass RPG-typische Elemente wegfallen und das Spiel damit eher zu einem rundenbasierenden Action-Adventure wird, ist mal etwas anderes und wenig tragisch. Tragisch ist meiner Meinung nach das Kampfsystem. Ich kann verstehen, dass man sich Gedanken gemacht hat; dass man Innovation reinbringen wollte. Und das Anordnen an sich ist eigentlich nicht so schlimm. Schlimm wird es nur, dass dies nach jeder Runde neu stattfinden muss. Und wenn man viele Gegner hat, dann kann sich der Kampf ziehen wie ein Kaugummi. Der anfängliche Spaß wird damit schnell ermüdend. Und Kämpfen kann man nur selten ausweichen. Wer jetzt das Argument anbringt, dass in anderen RPGs auch repetitive und teils komplexe Kämpfe beinhaltet, dem sei gesagt, dass es bei diesen Spielen auch ein gewisses Feedback in Form von Aufleveln gibt. Das ist bei Paper Mario: The Origami King nicht der Fall. Es gibt hier keine Entwicklung des Charakters nach Kämpfen. Es gibt nur Münzen, die man zum Shoppen nutzen kann.

Es ist wirklich schade, dass das Kampfsystem und Olivia immer wieder das Spiel ausbremsen. Denn an sich ist das Spiel ein solides Werk. Technisch in gewohnter Nintendo-Qualität macht es wirklich Spaß, sich die Welten anzuschauen. Und es macht auch Spaß, der Story zu folgen. Doch wenn gefühlt alle fünf Meter ein Gegner lauert (ja, mache lauern auch gern und springen plötzlich hervor) und alle zehn Meter Olivia etwas mitzuteilen hat (auch wenn es noch so offensichtlich) ist, dann bleibt für mich persönlich festzuhalten, dass dieses Spiel nicht so ganz meinen Erwartungen entspricht. Hier muss man schon ein Hardcore-Paper-Mario-Fan sein oder vielleicht ein kompletter Neueinsteiger. Alle anderen sollten vielleicht erstmal ein Probespiel riskieren oder auf einen günstigeren Preis für das Spiel warten.

7.5Wertung

Fazit

Nintendo bringt mit Paper Mario: The Origami King einen weiteren Ableger der Serie nun auch auf die Nintendo Switch. Und die Switch zeigt ganz deutlich, dass diese Reihe sich technisch als ebenbürtig zu den Vorgängern erweist. Die Geschichte in Paper Mario: The Origami King wird heiter erzählt und sorgt an einige Stellen für ein paar Schmunzler. Das Kampfsystem ist innovativ und interessant; gleichzeitig auch das Manko an dem Spiel. Die Mischung aus Kombinationsrätseln und klassischer Kämpfe nehmen dem Spiel sehr viel Wind aus den Segeln und werden unter Umständen nicht jeden begeistern. Für ein First-Party-Vollpreis-Spiel liegt dieses Spiel leicht unter den Erwartungen.

Design
9.0
Sound
8.0
  • Liebevoller, flüssiger Grafikstil
  • Bisweilen heitere Dialoge
  • Stark gewöhnungsbedürftiges Kampfsystem
  • Olivias Gamebreaks

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmuster

Reactions

👍
❤️
😂
😮
🔥
👀
🤔
🎮
🎉

0 Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!