
The Outer Worlds
Vor knapp zwei Wochen erschien The Outer Worlds endlich für die Nintendo Switch. Wir haben uns natürlich auch diesen Titel vorgenommen und verraten euch ab sofort, ob es sich lohnt, in das Abenteuer von Obsidian Entertainment einzutauchen und in andere Welten vorzudringen. Unsere Review findet ihr hier.

The Outer Worlds
NSW
- Genre
- Rollenspiel
- Entwickler
- Private Division
- Publisher
- Private Division
- Konsole
- NSW
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 16
Während Bethesda mit Fallout 76 die meisten Ihrer Fans vor den Kopf gestoßen hat, kam Auf PC, Playstation und Xbox jemand um die Ecke, der ihnen das geben wollte, auf das sie gewartet haben. The Outer Worlds versucht die alten Tugenden der Fallout-Reihe aufzugreifen und die Lücke zu schließen. Und warum auch nicht? Mit Obsidian steht ein Rollenspielerfahrener Entwickler dahinter, der auch schon Hand an das große Vorbild selbst gelegt hat. Und die Wurzeln sind klar spürbar. Abgedrehtes Retro-Future-Setting mit interessanten Charakteren, Shooter-Elementen, Loot und Entscheidungsmöglichkeiten. Nun kommt das hochgelobte Spiel auf die Nintendo Switch und wie so oft heißt ein Port eines so großen Spiels auch ein Downgrade.Ob das dem Spiel geschadet hat oder ob es trotzdem noch Spaß macht? Finden wir es heraus.
Von großen Fußstapfen und ob man sie ausfüllen muss
Ist The Outer World das neue oder vielleicht so gar bessere Fallout? Nein! Das zeigt schon der Unterschied in der Spielzeit. Während Ihr in Bethesdas Endzeit-Epos Ewigkeiten verbringen könnt, hat The Outer World eine überschaubare Spielzeit von 40 Stunden. Auch steht hier eine große Open-World gegen eine Spiel mit, zwar großflächigen, aber begrenzten einzelnen Arealen. Aber ist das nun schlecht? Nein! Die Überschaubarkeit des Spiels ist gerade für Spieler mit begrenzter Zeit zum Zocken eine tolle Möglichkeit sich in diese Rollenspielwelt zu vertiefen. Außerdem ist durch viele Optionen ein Wiederspielwelt absolut gegeben. So wird aus dieser Weltraum-Dystopie kein zweites Fallout, sondern eine schöne kleine Alternative dazu. Das spielt gerade der Switch-Version in die Hände, da es eben auch etwas für Unterwegs ist.
Keine neue, aber eine schöne Welt
Sehr oft kam nun der Vergleich zur Fallout. Das liegt aber auch in der Natur der Sache, da Obsidian hier gar keinen Hehl daraus machen könnte wer das große Vorbild ist. Veteranen werden sich überall an den großen Bruder von The Outer Worlds erinnert fühlen. Das stört allerdings gar nicht, da das Gamedesign dennoch seinen eigenen Charme entfalten kann. Eine skurrile Welt, voll von gut geschriebenen Charakteren und Dialogen und einem stimmigen und schönen Design. Ihr seid einer von vielen Kolonisten, die in einem Cryo-Schlaf gelegen haben und leider nicht wieder aufgeweckt worden sind. Charmant entscheidet Ihr im Charakter-Editor für wen sich ein, verrückt wirkender, Wissenschaftler (Klassiker) entscheidet, um ihn aus der Cryo-Kammer zu befreien. Und prompt werdet Ihr auf den nächstbesten Planeten geschickt um die Materialien zu besorgen, damit ihr eure Kolonisten-Kollegen aufwecken könnt. Das ist alles nicht unbedingt neu, aber mit einem treffsicheren Humor besetzt, der sich durch alle Dialoge des Spiels zieht. Der Humor und die gut geschrieben Geschichte entschädigen absolut für die fehlende Innovation. Von nun an seit Ihr unterwegs in einer Welt, die von Konzernen regiert wird und durch ihre Konsumsucht am Rande des Abgrundes steht.
Das Gameplay
Freunde dieser Art von Spielen werden sich sofort heimisch fühlen. Das Spiel bietet eine Hauptquest mit vielen Optionen und überall NPCs mit Nebenquests, die auch gar nicht mal so einfallslos sind, wie man es oft in solchen Spielen erlebt. Auch ermöglichen euch die Skill-Möglichkeiten eures Charakters so zu Spielen wie Ihr wollt. Ob Ihr euch mit einem Haudrauf-Charakter zum Ziel kämpfen, euch zum erfolg Reden wollt oder schleichend durch die Hintertür einbrecht und alles klauen was nicht niet- und nagelfest ist? Alles kein Problem. Viele Wege führen zum Ziel.
Es gibt Unmengen von Lootmöglichkeiten in Form von Waffen, Rüstungen und Verbrauchsgütern. Es gibt eine Art Crafting-System und neben den klassischen Skillpunkten gibt es auch noch die Vorteile die Ihr euch alle 2 Level zulegen könnt. Zwischendurch findet man auch immer wieder Briefe und andere Aufzeichnungen, die diese Welt und ihre Bewohner wunderbar lebendig wirken lassen. Das Klingt nun alles ja wunderbar, oder? Naja, auf den ersten Blick scheint es so, aber es gibt auch die Kehrseite der Medaille.
Die wunderbar lebendige Welt und ihre Bewohner hat man auch schon besser gesehen und erlebt. NPCs folgen keinem Tagesablauf, sondern warten immer schön dort, wo Ihr sie zurückgelassen habt. Hier wurde definitiv Potenzial verschenkt.
Auch fühlen sich die Entscheidungen die Ihr trefft, oft so an, als ob sie wenig Effekt auf die Spielwelt und vor allem nicht auf euch haben. Auch hier wäre mehr drin gewesen.
Individuelle Charaktere? Ja die sind absolut möglich nur sollte man vorher einiges wissen. Wollt Ihr zum Beispiel einen Kämpfer spielen und darin eine Herausforderung suchen, solltet Ihr definitiv einem der höheren Schwierigkeitsgrade auswählen. Auf der Standarteinstellung packt Ihr besser alle Skillpunkte in Dialoge-, Technik- oder Heimlichkeitsfähigkeiten. Im Kampf werdet Ihr sie hier nicht brauchen.
Das Crafting-System hat diesen Namen fast gar nicht verdient. Beschränkt es sich doch darauf ein paar unterschiedliche Upgrades an die verschiedenen Nah- und Fernkampfwaffen, so wie Rüstungen zu bauen. Kreativ ist anders.
Bleiben noch die Vorteile, diese sind solide, aber absolut kein Game-Changer. - höhere Laufgeschwindigkeiten, mehr Items im Gepäck etc., man kenn solche Systeme. Das hier nicht mehr rausgeholt wurde ist besonders schade, da eine andere, eigentlich sehr interessante, Mechanik dadurch komplett an Relevanz verliert.
Die Nachteile! Diese bietet das Spiel euch nämlich, je nach Verlauf, an, um sie für einen zusätzlichen Vorteils-Punkt in Kauf zu nehmen. An dieser Stelle hätte sich das Spiel nun wirklich aus der Masse abheben können. Ein Beispiel: Verhaltet ihr euch ungeschickt und fallt oft irgendwo herunter oder seid ungeduldig und nehmt Fallschaden in Kauf, um keine Leiter runterklettern zu müssen (wie unser Tester es tat), dann bietet euch das Spiel diesen Handel an. Ihr könnt nun den Nachteil, mehr Fallschaden, auswählen und dafür einen Vorteilspunkt bekommen. Für einen Rollenspieler ein tolles System. Das Spiel reagiert auf das Verhalten meines Charakters und gibt mir die Option, es in den Charakter zu integrieren. Allerdings nur theoretisch. In der Praxis sind die Vorteile einfach so irrelevant, dass ich keinen Grund habe die Nachteile zu nutzen. Am Ende soll aber gesagt sein, dass alle Systeme unter dem Strich gut funktionieren und Spaß machen. Es ist nur so, dass man einiges einfach schon besser gesehen hat und dort mehr Potential drin gewesen wäre. Muss das Gameplay immer groß/komplex/fordernd sein? Das muss am Ende jeder für sich entscheiden. Wenn man die Schwächen des Spiels positiv auslegen will, dann bleibt am Ende ein Game, welche einen einen nicht überfordert und mit einer gut erzählten Geschichte unterhält. Für all jene eine Empfehlung, die eventuell nicht die Zeit für ein The Witcher 3 oder Skyrim haben.
Du bist nicht allein
Über das Spiel habt Ihr die Gelegenheit Leute in eure Crew aufzunehmen. Davon könnt Ihr je 2 auf eure Expeditionen mitnehmen. Begleiter sind ja immer so eine Sache, stehen sie im Weg rum, sind wenig hilfreich, ziehen sie ungewollt die Aufmerksamkeit von Gegnern auf sich oder reden einfach zu viel nerviges Zeug. All das kann man euren Helfern in The Outer Worlds nicht vorwerfen. Eher im Gegenteil, sie punkten mit Spezialattacken die Ihr auslösen könnt und wenn sie etwas sagen, dann tragen sie wirklich etwas zur Stimmung und der Geschichte bei. Das sieht man in dieser Art sehr selten. Sie wachsen einem richtig ans Herz. Dumm nur, wenn man ihnen dann Ausrüstung gibt und man einen Helm nicht mehr entfernen kann, sondern nur durch einen anderen ersetzen. Da möchte man, in einer der interessanten Begleiter-Quests, das passende Outfit zu Situation wählen und der Begleiter rennt mit einem dicken Helm herum. Wieso? Besonders schmerzhaft kann es für die werden, die den höchsten Schwierigkeitsgrad wählen. Stehen besiegte Begleiter normalerweise nach dem Kampf wieder auf, müsst ihr euch hier dauerhaft von ihnen verabschieden.
Technik und Umsetzung für die Switch
Das Spiel ist auf anderen Plattformen ja schon eine Weile auf dem Markt und von daher weiß man ja bereits das hier eine wunderschöne stimmungsvolle Welt designt wurde, diese aber technisch eher solide ist. Besonders Gesichtsanimationen sind oftmals sehr hölzern. Auf der Switch hat das ganze nochmal ein Downgrade erfahren. So sieht das Spiel deutlich schwammiger aus und Spiegeleffekte wurde auch stark heruntergefahren. Trotzdem wirkt die Welt alles andere als hässlich. Leider muss man mit recht langen Ladezeiten leben und dem ein- oder anderen Frameraten-Einbruch. Im Menü scheinen manche Tasteneingaben ab und zu nur verzögert zu reagieren. Da das Menü überdies übersichtlicher sein könnte, kann das schon ein wenig störend sein. Auch kommt es hier und da mal zu einem Bug. So stand während des Tests beispielsweise plötzlich eine Gruppe Kühe in unserem Raumschiff, die wohl zu einer Transportquest gehörten. Nur hatten wir diese Quest nie angenommen. Sonst erlaubt sich das Spiel aber keine großen Schnitzer. Die Steuerung geht gut von der Hand und auch die Welt selbst legt euch keine Steine in den Weg.
Das klingt gut
So einfach kann man das sagen. Das Sounddesign, als auch die Musik und die (leider nur englische) Sprachausgabe ist großartig gelungen und tragen unheimlich viel zu Stimmung bei. So gut findet man das selten. Das es keine deutsche Sprachausgabe gibt ist zwar schade, aber die sehr gut übersetzten Untertitel, welche den Humor des Spiels uneingeschränkt transportieren, trösten gut darüber hinweg. Vor allem, da ihr in Gesprächen die Möglichkeit habt, euch den Gesprächsverlauf anzeigen zu lassen.
Fazit
The Outer Worlds ist nicht das neue Fallout, aber Bethesda sollte sich nicht zu sicher auf dem Thron fühlen. Obsidian hat hier ein gutes Spiel erschaffen, bei dem aber noch Luft nach oben ist. Positiv anzumerken sind die tollen Charaktere, die tolle Spielwelt und die toll geschriebene und erzählte Geschichte. Da verzeiht man die ein oder andere Schwäche gerne. In der Switch-Version wird hier sicher nicht die hübscheste Version geliefert, aber die Portabilität wiegt das für viele sicher auf.
- tolle Welt
- interessante Geschichte
- viele Optionen
- technische Schwächen
- verschenktes Potenzial
Vielen Dank an die Firma Private Division für die Bereitstellung des Testmusters.


