
Animal Crossing: New Horizons
Es passiert selten, dass wir einem Spiel eine perfekte Wertung geben. Warum dies bei Animal Crossing: New Horizons nahezu unvermeidbar war, könnt ihr im aktuellen Test lesen.
Lasst uns unbedingt wissen, welche Erfahrungen ihr schon mit dem Spiel machen konntet und ob es euer absoluter Corona-Retter ist?

Animal Crossing: New Horizons
NSW
- Genre
- Simulation
- Serie
- Animal Crossing
- Entwickler
- Nintendo
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- NSW
- Spieler
- 1–4 lokal
Die Geschichte von Animal Crossing
Wenn wir ein Spiel spielen, dass in die Kategorie „soziale Simulation“ fällt, dann denken wir wohl schnell an den Klassiker „die Sims“ oder an das derzeit wesentlich populärere Animal Crossing. Letzteres macht einen jugendlichen Menschen zum Protagonisten eines Simulationsabenteuers. Seit 2001 können wir in Animal Crossing Spielenn mittlerweile im fünften Abenteuer der Serie eine ländliche Gegend zu unserem Zuhause machen. Dabei ist die größte Grenze des Spiels unsere eigene Fantasie auszugestalten. Wer hier aus dem Unermesslichen schöpfen kann, mag eine endlose Simulationsidylle für sich erfahren.
Ein Spielprinzip mit Vorbildcharakter
In Animal Crossing: New Horizons erschließen wir im wahrsten Sinne des Wortes neue Horizonte. Wo wir in früheren Abenteuern ländliche Gegenden oder sogar Dörfer besiedelten und Stück für Stück nach unseren Vorlieben entwickelten, gilt es nun eine ganze Insel bewohnbar zu machen. Wir starten ins Spiel mit der Konfiguration unseres ganz persönlichen Charakters, den wir im Spielverlauf mit verschiedenen Designs und Kleidungsstücken ausgestalten dürfen. Daneben wird uns die Frage gestellt, die an Bedeutung kaum zu übertreffen ist: Was würden wir auf eine (noch) einsame Insel mitnehmen. Die Auswahl ist hier begrenzt und natürlich wählen wir ein Zelt, das uns die ersten Stunden und Tage auf der Insel deutlich komfortabler gestalten werden. Die besagte Insel, auf die wir ziehen, müssen wir zuvor auswählen. Es gilt sich zwischen der Nord- und Südhalbkugel zu entscheiden. Sicherlich macht es Sinn, sich danach zu orientieren, auf welchem Teil der Erde man tatsächlich beheimatet ist, wer seinem Abenteuerdrang jedoch vollends nachgeben möchte, kann sich auch für etwas „Exotischeres“ entscheiden.
Von nun an ist es unsere Aufgabe, die fremde und naturbelassene Insel zu der unseren zu machen. Wir treffen alsbald auf den Inselchef, der als eine Art Guide und kapitalistischer Finanzberater zugleich auftritt. Tom Nook ermöglicht es uns, einen zinsfreien Kredit aufzunehmen und sukzessive unsere Idylle aufzubauen, weiterzuentwickeln und zu vervielfältigen. Um unsere Schulden ordnungsgemäß zurückzuzahlen, haben wir zahlreiche Aufgaben zu erledigen. Diese beginnen klassischerweise mit zahlreichen Sammelaufgaben. Wir müssen allerlei Tierchen fangen: Insekten, Käfer oder auch das ein oder andere kostbare Spinnentier. Daneben können wir von Bäumen Früchte ernten, Blumen pflücken oder unser Anglerglück an Flüssen bzw. dem inselbegrenzenden Meer auf die Probe stellen. All diese Sammeleien lassen sich am Ende in barer Münze auszahlen. Diese Währung heißt in Animal Crossing „Sternis“. Auf diese Weise können wir sukzessive unser Vermögen mehren und unser Habitat ausbreiten. Dies geschieht in permanentem Austausch mit Herrn Nook und anderen Wesen, die sich Stück für Stück auf unserer Inselreise dazugesellen.
Dass es auch in Animal Crossing: New Horizons verschiedenste herzallerliebste, bizarre oder ulkige Charaktere gibt, erfahren wir schnell. Das gesamte Spielkonzept lebt vom sozialen Austausch mit den antropomorphen Tieren, die uns begegnen. Es ist nämlich so, dass die kunterbunten Gesellen im Animal Crossing Abenteuer diverse menschliche Eigenschaften, Persönlichkeiten und Verhaltensweisen zeigen, die unsere Reise nicht nur bereichern können, sondern unsere Geduld auch so manches Mal auf die Probe zu stellen vermögen. Dies liegt schlicht daran, dass über unsere Inselzeit hinweg verschiedene Tiere zu Besuch kommen und bis zu zehn davon auch übergangsweise oder dauerhaft, solang sie sich wohl fühlen und wir in regem Austausch zu ihnen stehen, sich auf unserer Insel häuslich einrichten.
Wie auch in den Ablegern zuvor, wird in Animal Crossing: New Horizons das reale Zeitsystem genutzt. Das heißt also, dass sich das Spiel dem Tag-Nacht-Rhythmus der Region des Nintendo Switch Spielers bzw. besser gesagt seiner Konsole anpasst. Dies gilt ebenfalls für Jahreszeiten. Auf diese Weise soll dem Spieler ein möglichst realistischer Simulationseindruck entstehen. Dies wird auch dadurch untermalt, dass Nintendo uns Spielerschaft zu verschiedenen Zeiten mit saisonalen Events zu beglücken beabsichtigt. Beispielsweise läuft gerade ein Event, indem wir Ostereier sammeln bzw. angeln können und so Baupläne und Materialien für eine osterliche Gestaltung unserer Einrichtung erhalten können.
Animal Crossing & die Fanliebe
Grundsätzlich tut das Spiel alles dafür, dass wir zu keinem Zeitpunkt das Gefühl erhalten, nicht auch das kleinste Detail unserer Insel nach genau unserem Geschmack gestalten zu können. Das geht soweit, dass wir in unserem wachsenden Haus eine Küche gestalten können, die keine Wünsche offenlässt. Egal ob schwarzes Mobiliar, die hängenden Kochutensilien, der Holztisch in Bambusoptik oder die superschicke Mikrowelle, in Animal Crossing: New Horizons kommen alle kleinen und großen Innenarchitekten voll auf ihren Geschmack. Dabei bedienen wir uns nicht nur dem kontinuierlichen Fortschrittsystem eines klassischen Simulationstitels, sondern greifen ebenfalls auf ein umfangreiches Handels- und Warenwirtschaftssystem zu. Wir interagieren mit verschiedenen NPCs und Bewohnern unserer Insel und haben darüber hinaus die Möglichkeit, Besucher zu empfangen, die beispielsweise zum angekündigten Sternenschauer in der Nacht vorbeikommen oder selbst Besucher anderer Insel Paradise zu sein. Auf diese Weise sieht man nicht nur enorm viele Stile und Qualitäten anderer realer oder virtueller Inseleigentümer, sondern macht sich einen guten Eindruck vom Facetten Reichtum dieses Spiels.
Das Besuchen und Empfangen anderer Inselbewohner hat natürlich noch einen weiteren, nicht unwesentlichen Nebeneffekt: das Sozialisieren. Nicht umsonst ist die Animal Crossing Serie für seinen sozialen Charakter seit Jahren so beliebt. Sich gegenseitig im Fortgang des eigenen Spiels zu unterstützen, während wechselseitig vom jeweiligen Fortschritt profitiert werden kann, macht das Kennenlernen immer neuer Bekanntschaften zu einem schier endlosen Vergnügen. Egal ob ich meinen Mitspieler persönlich kenne, dieser meine Sprache spricht, die selbe Hautfarbe oder Orientierung jedweder Art besitzt, in Animal Crossing kommen Menschen zusammen die eines verbindet: das Hobby nach einer so entzückenden Urlaubssimulation, die sowohl Realitätsflucht und Ergänzung zum zeitweilig eintönigen Leben darstellen kann. Selten war es so spannend, sich dem eigenen Sammeltrieb hinzugeben und alles Erdenkliche zu katalogisieren, was einem unter die Augen kommt. Natürlich haben wir unseren eigenen Kescher, die Angel und Schaufel immer am Mann, denn man kann ja nie wissen, ob man nicht zufällig auf die sagenumwobene Spinneninsel gerät und durch das einfache Buddeln eines Loches einen sicheren Spot für das fangen der lukrativ-kostbaren, ständig spawnenden Achtbeiner kreieren kann.
Generell hat sich Nintendo bei der Entwicklung des neuesten Ablegers der Serie nicht nur reichlich Zeit gelassen – geschlagene sieben Jahre sind vergangen, seitdem wir uns in Animal Crossing: New Leaf auf dem Nintendo 3DS verlieren durften – sondern auch eine beachtliche Energie in die fantreue Umsetzung von Features gesteckt. Interfaces wurden verändert, die tägliche Aufgabenstruktur überarbeitet, die motivationalen Elemente stärker hinterfragt und das Spielprinzip weiter verfeinert. Dass die Serie mittlerweile 19 Jahre lang, seit dem ersten Abenteuer auf dem Nintendo 64, reifen durfte, merkt man dem Spiel zu jedem Zeitpunkt und seiner erstreckenden Detailliebe an. Es dauert nicht lang, da hat man das ganze reale Wochenende auf der Couch verbracht und fühlt sich so ausgeruht und mit Vitamin D vollgetankt, wie nach einem berauschenden Kurzurlaub in der Karibik. Animal Crossing macht es einem leicht, das Gefühl für die Zeit zu verlieren, obwohl Zeit eine so wichtige Komponente der Spielerfahrung ist.
Animal Crossing & das Abenteurerleben
Als wäre das beschriebene Abenteuerleben als Inselbewohner nicht schon aufregend genug, verzückt uns die Nintendo Switch mit zahlreichen Möglichkeiten, die Animal Crossing: New Horizons dankend ausnutzt. So können wir online unser Erlebnis zu acht gestalten und weit mehr als nur Verstecken auf unseren Inseln spielen. So versammeln sich Freunde schon einmal zum gemeinsamen Abendessen in Animal Crossing, neben einem plätschernden Brunnen, unter einem Kirschbaum sitzend, während sie in der Realität den Weg zum anderen nicht unternehmen könnten.
Auch die ganze Familie oder WG darf in einer Wohnung lokal den ganzen Spielspaß erfahren. Bis zu 4 Spieler können gleichzeitig eine Insel unsicher machen, sofern man entsprechend viele Nutzeraccounts erstellt hat. So können 3 weitere Kameraden dabei helfen, unser Idyll zu einem Paradies weiterzuentwickeln. Dass hierfür vielfältige Möglichkeiten bestehen, zeigt das Spiel auch durch seine Neuerungen. Wir können beispielsweise wesentlich flexibler Objekte oder ganze Gebäude auf der Karte platzieren und sogar die Umgebung bzw. Natur verändern. Dies lässt sich mit sogenannten Terraforming Werkzeugen bewältigen. So ist kurzerhand ein Flussarm mit einer überquerenden Brücke gesetzt oder ein Wasserfall sprudelt durch die Natur, wo zuvor nur bloße Einöde herrschte. Diese Mechaniken geben dem Spieler eine große Freiheit, die viel Freude bereiten kann. Wem das nicht reicht, kann sich an den Schalter der Dodo-Airlines begeben und von unserem persönlichen Piloten Wilbur auf bestimmte oder ganz zufällige Inseln geflogen werden. Dies kostet je nach Ausflugsziel unterschiedlich viele Nook-Meilen.
Animal Crossing & die Technik
All dies macht so viel Spaß, dass es kaum störend auffällt, dass uns das Spiel lediglich mit 30 Bildern pro Sekunde präsentiert wird. Das Qualitätsniveau und die Performance der Präsentation sind jedoch permanent auf einem sehr hohen Stand, dass es dem Spielspaß keinen Abbruch tut. Dies ändert sich weder im mobilen Betrieb noch im heimischen Betrieb in der Docking Station. Wichtig ist dabei zu erwähnen, dass wir uns noch vor Spielbeginn genau überlegen sollten, auf welcher Konsole wir unser Inselabenteuer starten möchten. Denn Animal Crossing lässt sich nicht in der Cloud speichern und bei Bedarf auf einer Zweitkonsole, etwa der Nintendo Switch Lite, fortsetzen. Tatsächlich wird der Spielstand zu Beginn auf der Konsole abgelegt und lässt sich nur im Verlustfall einmalig auf einem Wunschsystem wiederherstellen. Wer außerdem beabsichtigt, im Haushalt mit einer Nintendo Switch Konsole und mehreren Spieler-Accounts, jedem Profil seine eigene Insel zu überlassen, muss sich schnell der Ernüchterung stellen, dass auch das nicht möglich ist. Um das ausgeklügelte Wirtschaftssystem von Animal Crossing: New Horizons nicht zu unterwandern, entschieden sich die Entwickler gegen eine Cloud-Speichermöglichkeit und das Erstellen weiterer Inseln auf einer Konsole. Natürlich habt ihr die Möglichkeit weitere Inseln zu erstellen und zu gestalten, dafür benötigt ihr dann aber in jedem Fall eine weitere Nintendo Switch Konsole und ein zusätzliches Exemplar des Spiels. Das mag ein kleiner Wehrmutstropfen sein, für die Gaming-Freunde mit mehr als einem Gamer im Haushalt sollte das aber wohl realisierbar sein, möchte man doch sonst auch nicht immer warten, bis man mal an der Reihe ist, in sein Spiel der Wahl versinken zu dürfen.
Animal Crossing & die Musik
Musikalisch verzaubert uns Animal Crossing: New Horizons konsequent mit entspannten, schön-melodischen Klängen, stets umgebungs- und kontextbezogen und durchaus bereit, die Stimmungen der einzelnen Situationen abzubilden und aufzufangen. Wo das Spiel die Vielseitigkeit der Simulation in seiner Entscheidungsfreiheit zeigt, so trägt die Musik zur Wahrnehmung dessen munter bei.
Fazit
Animal Crossing: New Horizons macht es einem wahrlich leicht, sich auf eine träumerische Inselreise zu begeben und seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Eine schier unermessliche Gestaltungsfreiheit, bezaubernde Umgebungen und ein kluges wie forderndes Wirtschaftssystem machen das Spiel neben seiner herausragenden und herzerwärmenden sozialen Komponente zu einem beeindruckenden Simulationsspiel, das im Jahre 2020 an kaum einem Switch Spieler vorbei schippern darf, der nicht auch einmal erfahren möchte, wie behaglich und entspannend das Inselleben sein kann.
- Herzerwärmendes Insel- und Charakterdesign
- Umfangreiches 8-Personen-Onlineerlebnis
- Terraforming als ultimatives Insel-Customizing
- Kluges und langzeitmotivierendes Wirtschaftssystem
- Inselbegrenzung pro Konsole
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


