
The Witcher 3: Wild Hunt - Complete Edition
Hexenkünstler oder Bibi Blocksberg?
Erfahrt in unserer neusten Review, ob Ihr mit The Witcher 3: Wild Hunt - Complete Editionmagische Abenteuer erlebt oder ob das Spiel doch eher einem Kinderzauberkasten gleicht.

The Witcher 3: Wild Hunt - Complete Edition
NSW
- Genre
- Action-Adventure
- Entwickler
- CD Projekt Red
- Publisher
- CD Projekt Red
- Konsole
- NSW
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 18
Wenn schlohweißes Haar von Silber und Stahl begleitet wird, dann werden Fans es sofort wissen, dass es sich hierbei nur um Geralt von Riva handeln muss. Ein fiktiver Charakter, der aus Feder des polnischen Schriftstellers Andrzej Sapkowski entsprungen ist und sich einer großen medialen Beliebtheit erfreut. Neben Romanen und Verfilmungen gibt es auch drei Computerspiele, wovon der letzte Teil der Serie nun auch den Weg auf die Nintendo Switch gefunden hat. Wir hatten das Vergnügen, den Hexer auf seinem Weg durch das Abenteuer begleiten zu dürfen und verraten Euch, ob Ihr euch diesen Weg anschließen solltet.
Die Geschichte des Hexers
Die Geschichte der Menschheit hat bereits bewiesen, dass vermeintliche Hexen und Hexer nicht sonderlich beliebt waren. Und dafür gibt es sogar realexistierende Beweise. Doch auch in der fiktiven Welt von Temerien erfreuen sich diese nicht einer großen Anhängerschaft. Bereits im Intro wird deutlich gemacht, dass es Personen gibt, die ganze Dörfer gegen Hexer aufstacheln. Geralt von Riva, der Protagonist des Spiels und der Witcher-Reihe, ist solch ein Hexer. Hochausgebildet in der Schwert- und Magiekunst stellt er für einige Personen wohl eine Bedrohung dar, die es zu vernichten gilt. Glücklicherweise ist Geralt ein besonnener Charakter, der den unterschwelligen Hass zwar zur Kenntnis nimmt, sich davon gleichzeitig jedoch nicht beeindrucken lässt.
Zu Beginn des Spiels wird gezeigt, wie Geralt von Riva und sein Mentor Vesemir durch die Lande ziehen. Gemeinsam suchen die beiden Geralts Geliebte Yennefer von Vengerberg, die ebenfalls vom gleichen Schlag wie Geralt ist. Was der Grund für das Verschwinden von Yennefer ist, soll an dieser Stelle nicht näher erörtert werden, da diese Review möglichst spoilerfrei verlaufen soll. Es darf allerdings verraten werden, das Ihr mitten ins Geschehen einsteigt und das bietet so einiges.
Das Gamedesign
Vorab wird empfohlen, die Tutorialfunktion nicht auszuschlagen. Denn hier erlernt Ihr die Grundzüge des Kämpfens und die der Magie. Ohne dieses Tutorials könnte die Controllerbelegung recht unüberschaubar wirken. Allerdings hat man sie sehr schnell verinnerlicht. The Witcher 3: Wild Hunt lässt sich überzeugend gut bedienen und bereitet zu keiner Zeit irgendeine Form von “Fingertrouble”. Somit wird die Wahl aus einem der beiden Schwerter, das Nutzen der Magie, den Einsatz von Tränken oder Bomben und die gleichzeitige Nahrungsaufnahme bei geringer Lebenskraft zu einer gut gelungenen Finger-Choreografie. Ein optionales Tutorial steckt auch in der Menüführung. Das Drücken des Plus-Buttons ruft eine Vielzahl von rollenspieltypischen Elementen wie unter anderem Inventar, Weltkarte oder die Alchemie hervor. Durch letzteres könnt Ihr Tränke brauen, Bomben basteln oder Öle herstellen. Die Mittel hierzu könnt Ihr in der Landschaft finden, durch das besiegen von Monstern erhalten oder nicht selten von Kaufleuten erwerben. Das Herstellen und Anwenden verbessert Eure Statuseffekte oder die der Waffen bzw. Rüstungen.
Wenn wir schon bei Waffen und Ausrüstungen sind: Auch können zu Hauf erhalten werden. Oftmals mit schlechteren Statuseffekten. Jedoch lassen die sich gegen bare Münze verkaufen oder bei einer fachkundigen Person wie ein Schmied in Einzelteile zerlegt werden. Diese Ressourcen können dann wiederum dafür genutzt werden, um bestehende Ausrüstung dauerhaft zu verbessern. Das Crafting-System ist bei The Witcher 3: Wild Hunt gut durchschaubar. Lobenswert ist hierbei ein Filtersystem, welches anzeigt, für welche Zusammenstellung alle Mittel vorhanden sind oder eben nicht. Auch hier kann man sich von einem recht leicht verständlichen Tutorial anleiten lassen. Habt Ihr einmal vergessen, wie etwas funktioniert, dann gibt das Optionsmenü auch ein Glossar dazu her. Im selbigen Untermenü gibt es auch andere Dinge zu lesen wie gefundene Texte und Bücher sowie das Biestarium, eine Art Monsterlexikon, in welchem Ihr wertvolle Tipps zum Bekämpfen von Monstern erhaltet.
Eine Besonderheit, die Geralt von Riva mit sich bringt, ist der Hexersinn. Durch das Gedrückthalten der ZL-Taste fixiert sich die Kamera hinter Geralt und der Spieler erhält eine Art Tunnelblick. Nun können sammelbare Objekte gesehen und ferne Feinde gesehen werden. Zu dem kann - abhängig von der Quest – der Hexersinn auch andere Details wie beispielsweise Fußspuren freilegen, welche man verfolgt. Diese Spuren können auch “gelesen” werden, sodass Geralt ein Hexer mit detektivischen Zügen ist. Am Ende jeder Spur steht dann die Lösung der Quest.
Quo vadis, Geralt?
Obwohl die oben beschriebene Komplexität für ein Rollenspiel schon recht hoch ist, weiß The Witcher 3: Wild Hunt, wie man noch eine Schippe drauflegt. Maßgeblich ist hierbei die optionale Gesprächsführung, die mal mehr, mal weniger eine Auswirkung auf das Spielgeschehen hat. Beispielsweise erhaltet Ihr den Auftrag, einen Brandstifter zu suchen. Sobald Ihr diesen habt und seine Beweggründe zur Tat wisst, müsst Ihr entscheiden, ob Ihr diesen laufen lasst oder doch lieber ausliefert. Ob Ihr ein guter und gerechter Hexer seid, ist nicht immer klar. Denn eine vermeintlich richtige Entscheidung kann auch tödliche Konsequenzen für den NPC nach sich ziehen. Welcher Weg der richtige ist, kann nur dadurch erfahren werden, dass man das Spiel ein zweites Mal in Angriff nimmt. Das ist natürlich ein großer Bonus in Sachen Wiederspielwert.
Auch der weitere Spielverlauf ist sehr großzügig gestaltet. Denn neben dem roten Storyfaden gibt es sehr viel Abseits des Weges zu entdecken. Unbekannte Orte auf der Karte oder kleinere Aufträge von NPC laden dazu ein, das Spiel genauer zu erkunden. Diese Aufträge können von einem Schwarzen Brett abgeholt werden. Nehmt Ihr solch einen Auftrag an, so weist die Minikarte Euch den Weg zum Bestimmungsort. Diese Sidequests zu absolvieren ist in jedem Fall ratsam, da diese zu besonderen Ausrüstungsgegenständen, Geld und / oder Erfahrungspunkten führen. Ein Stufenaufstieg führt in Rollenspielen gewöhnlich zur Verbesserung von Attributen oder Fertigkeiten. Da ist The Witcher 3: Wild Hunt keine Ausnahme. In der Summe bietet das Spiel in der Story und in der Charakterentwicklung sehr viel Tiefgang, sodass man vom Spiel auch nur schwer wegkommt.
Die technische Website
Grundsätzlich ist The Witcher 3: Wild Hunt ein wunderschönes Spiel, dass voller Details steckt. Die Landschaft steckt voller Abwechslung und selbst die entlegensten Ecken verursachen zu keiner Zeit ein Kenn-Ich-Schon-Gefühl. Gleichzeitig offenbart das Spiel die größte Stärke und die größte Schwäche der Nintendo Switch. Auf der Haben-Seite ist ganz klar die Mobilität zu verbuchen. Selbstverständlich ist die Auflösung des Handheld-Modus geringer und somit das Spiel ansich geringfügig „unschöner“ als auf dem TV. Allein die Tatsache, dass solch ein komplexes Spiel auf außerhalb der eigenen vier Wände immer und jederzeit gespielt werden kann, ist nun einmal ein Pluspunkt. Doch das Spiel macht durch die technische Limitierung nicht immer eine gute Figur.
Während des Tests konnten hier und da Framedrops wahrgenommen werden. In Zwischensequenzen sogar mehr und öfters, als im eigentlichen Spiel. An dieser Stelle muss jedoch auch ehrlicherweise gesagt werden, dass die Weichzeichneroption bewusst abgeschaltet wurde, um klare grafische Konturen zu gewährleisten. Das ist je nach persönlichem Geschmack unter Umständen hübscher anzusehen. Hier sind gelegentlich Artefakte in Kauf zu nehmen, die beim Weichzeichner eher unterbunden werden.
An dieser Stelle soll gesagt sein, dass dies schon ein „Jammern auf hohem Niveau“ ist. Dass dieses Spiel auf Nintendos Hybriden so umgesetzt wurde, ohne das ganz erhebliche Abstriche gemacht werden mussten, zeugt schon von einem hohen Können. Und neben der Grafik gehört nun einmal auch der Sound. Die akustische Präsentation passt wunderbar in das Setting hinein. Besonders lobenswert sind an dieser Stelle die deutschen Dialoge, die recht überzeugend gesprochen werden. Etwas störend wirkten nur die Umgehungsgeräusche beim Einsetzen des Hexersinns. Gerade wenn es im Spiel etwas windig war und der Sinn im Wald eingesetzt wurde, dann hörte man das Knacken von Ästen sehr deutlich. Selbstverständlich es die Bestimmung des Hexersinns, dass die Wahrnehmung der Umgebung geschärft wird. Aber ständig das Gefühl zu haben, man würde am Lagerfeuer das Knistern und Knacken vom brennenden Holz hören, führte irgendwann doch dazu, dass in den Optionen die Lautstärke für Soundeffekte heruntergeschraubt wurde. Doch auch das ist nur ein punktuelles Klagen. In seiner Gesamtheit ist das Spiel aus technischer Sicht außerordentlich gut gelungen, trotzt der Schranken, welche die Nintendo Switch so mit sich bringt.
Ein Manko ist die Interaktion mit In-Game-Random-NPCs. Zwar kann man mit diesen reden, aber gehaltvolle Informationen oder interessante Gespräche kommen bei diesen nicht herum. Meistens bleibt es nur bei einer Begrüßung. Das war es dann auch schon. Weshalb der “Rede”-Befehl über deren Köpfen auftaucht, sofern man sich diesen nähert, bleibt ein Rätsel. Somit wird impliziert, man könne ein Gespräch mit diesen führen, aber dem ist dann leider nicht so. So redefreudig werden Sie erst dann, wenn Sie für eine Quest relevant sind. Aber dann wechselt das Spiel ohnehin in eine Zwischensequenz. Es wäre besser gewesen, den Rede-Befehl wegzulassen. Damit hätte man auch keine Erwartungshaltung an diese.
Daniel´s Meinung
Mit The Witcher 3: Wild Hunt ist es dem Entwickler CD Projekt RED gelungen, ein Rollenspiel mit hoher Komplexität auf dem Markt zu bringen, welches dennoch sehr einsteigerfreundlich ist. Die grafische Gestaltung, das Setting und die Story haben mich sofort in den Bann gezogen und erinnern mich persönlich an Serien wie Game of Thrones. Es macht Spaß, der Haupt- und Nebenstory zu folgen und die Landschaft zu erkunden. Die Kämpfe gehen sehr gut von der Hand, sodass ich auf elegante Weise die Klinge kreisen lassen und beim Ausweichen noch eine Feuerwalze den Gegnern entgegenschicke. Dass es technische Abstriche gibt, das war schon lange vor dem Release bekannt. Ist es mir aufgefallen? Ja. Hat es mich gestört? Auf keinen Fall. Wem der Spielspaß und die Mobilität wichtiger als eine High-End-Grafik ist, der kann bedenkenlos zuschlagen. The Witcher 3: Wild Hunt weiß auf jeden Fall zu begeistern. Dieses Spiel gehört in jede gute Nintendo Switch-Spielesammlung.
Fazit
Die Geschichte um Geralt von Riva darf nun endlich auf der Nintendo Switch erlebt werden und CD Projekt RED hat bewiesen, was auf Nintendos Hybriden alles möglich ist. Der technischen Limitierung, die sich in Sachen Grafik hier und da leicht bemerkbar macht, steht eine Story entgegen, die einfach nur fantastisch ist. Die düstere Stimmung in Geralts Welt kommt überzeugend herüber und wird durch optionale Gesprächsführung noch vertieft. Denn Entscheidungen, die getroffen werden, ziehen in jedem Fall Konsequenzen nach sich. Der anfänglichen hohen Komplexität durch Charakterentwicklung und des Craftings wird durch ein sehr gutes Tutorial abgeholfen, sodass man sehr schnell den Einstieg in das Spiel erhält. Die Steuerung ist für dieses Genre beispiellos einfach und leicht zu beherrschen. The Witcher 3: Wild Hunt erhält bedenkenlos eine Kaufempfehlung.
- wundervolle Story mit viel Tiefgang
- leichter Einstieg ins Spiel
- vorbildliche Steuerung
- wunderschöne Grafik...
- … die stellenweise schwächelt
- gelegentlich störende Soundeffekte
Vielen Dank an die Firma CD Projekt RED für die Bereitstellung des Testmusters.


