
Nintendo Labo VR-Set
Mit dem vierten Labo Set, geht Nintendos Mischung aus Bastelstunde und Videospiel in die vierte Runde. Diesmal mit dem gewagten Schritt in die virtuelle Realität.
Ob die Umsetzung gelungen ist, und wie das Ganze technisch umgesetzt wurden, erfahrt ihr in unserer Review zum Nintendo Labo VR-Set.

Nintendo Labo VR-Set
NSW
- Genre
- Spaß-Spiel
- Entwickler
- Nintendo
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- NSW
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Mit dem Nintendo Labo: Toy-Con 04: VR-Set veröffentlicht Nintendo das mittlerweile vierte Set der Kombination aus Bastelspaß und Videospiel. Während der kreative Teil in allen Sets wenig Grund zur Beanstandung gab, war der spielerische Mehrwert vor allen in den ersten beiden Sets mehr als dürftig. So dürften die meisten gebastelten Teil schon kurz nach ihrer Fertigstellung in irgendeiner Ecke zum Verstauben gelandet sein. Das ist wirklich schade, da das grundlegende Konzept, gerade für eine junge Zielgruppe so viel Potential hat.
Mit dem neusten Set hat Nintendo nun etwas umgesetzt, dass so eigentlich für die Switch, laut eigenen Aussagen, nie geplant war – die Virtuelle Realität. Hierbei sollte man sich allerdings direkt bewusst machen, dass wir hier von einer Cardboard-VR mit den technischen Limitationen der Nintendo Switch sprechen. Wer also ein ähnliches Erlebnis wie bei PSVR oder Konsorten sucht, wird direkt maßlos enttäuscht werden. Bedingt durch die niedrige Auflösung und die Bildwiederholungsrate, eignet sich der Bildschirm der Switch eigentlich nicht wirklich für solche Darstellungen. Hinzu kommt, dass man die Nintendo Switch für gewöhnlich via Touch bedient und man somit das Display vor dem VR Einsatz penible reinigen muss. Ansonsten bekommt man dies im wahrsten Sinne des Wortes direkt vor Augen gehalten.
Apropos halten, Labo-VR verfügt über keinen Standfuß wie noch der Virtual Boy, oder ein Kopfband. Dementsprechend muss man das komplette Gerät und das gebastelte Modell die ganze Zeit vor den Kopf halten. Das ist schon für Erwachsene auf Dauer ermüdend und für jüngere Spieler noch anstrengender. Das Spiel hat sozusagen ungewollt eine eingebaute Begrenzung der Spieldauer.
Das klingt nun rein technisch alles andere als prickelnd, aber unterm Strich zählt allerdings das Komplettpaket. Hierzu gehören neben der Technik noch die Bastelsets und die Spiele. Hierbei habt ihr die Auswahl aus verschiedenen Sets. So gibt es das Starter-Set, welches neben dem Bastelbogen für die VR-Brille noch den Blaster, eine Karton-Bazooka, enthält. Zudem gibt es zwei Erweiterungssets mit den Modellen Kamera & Elefant, sowie Windpedal & und Vogel. Oder aber man kauft direkt das Komplettpaket, welches alle zuvor genannten Komponenten enthält. Achtung, die Erweiterungssets können nicht alleine genutzt werden, da sie keinerlei Software und die notwendigen Linsen nicht enthalten!
Die Modelle
Zählt man die Brille dazu, gibt es insgesamt sechs verschiedene Modelle im Nintendo Labo: Toy-Con 04: VR-Set.: der Blaster, den Elefant, die Kamera, das Windpedal und den Vogel. Der Aufbau der Sets erfolgt nach dem altbewährten Konzept. Auch in diesem Sets konnten wir keine groben Schwachstellen feststellen. Obwohl gerade Modelle wie der Blaster wirklich stark beansprucht werden, hilet die Pappe erstaunlich gut.
Jedes der Modelle kommt, wie von Labo gewohnt, mit seinen eignen Minispielen daher. So könnt ihr mit dem Blaster auf Alien-Jagd gehen, mit der Camera Unterwasserwelten erforschen, euch mit dem Vogel in die Lüfte schwingen oder mit dem Elefanten kreativ werden.
Leider zeigt sich auch bis diesen Modellen wieder die gewohnte Schwäche der Labo-Sets. Während die anfängliche Freude über die Nutzung der selbst gebauten Modelle groß ist, weicht diese schnell der Langeweile. Die Minispiele sind allesamt zu rudimentäre und zu einfach gestrickt, als dass sie auf Dauer Spaß machen. Auch gibt es pro Spiel nur eine lokale Highscore, was den zusätzlichen Reiz sich mit anderen zu messen ebenfalls stark einschränkt. Manche der Modelle sind schon wirklich seltsam und man muss wirklich hinterfragen was sich die Designer dabei gedacht haben. Hier wäre es sinnvoller gewesen weniger Modelle anzubieten und diese mit wirklich guten Spielen aus zustatten. So haben der Blaster und die Camera durchaus Potential. Auch wenn einer dauerhafte Nutzung durch die sehr einfache optische Darstellung und die eingangs erwähnten technische Limitation sehr anstrengend ist.
Mario und Link in der VR
Sowohl für Super Mario Odyssey als auch The Legend of Zelda Breath of the Wild haben ein kleines Update spendiert bekommen, welches den Einsatz der 3D Brille des Labo-Sets ermöglicht. Während man für Mario eigene Abschnitte komplett neu erstellt hat, kann man Breath of the Wild im Prinzip komplett mit dem Headset spielen. Allerdings macht sich in beiden Fällen recht schnell bemerkbar, dass es zum ausprobieren ganz nett ist, aber zum wirklich spielen solcher Titel nicht geeignet ist. Während die sehr klein gehaltenen Level bei Mario ziemlich uninspiriert wirken, merkt man bei Zelda recht schnell, dass die Technik hierfür einfach bei weitem nicht ausreicht. Zumal sich wohl niemand für die komplette Spieldauer eines solchen Titels die Brille vor die Augen halten möchte.
Labo - was ist das eigentlich?
Im Wesentlichen besteht Nintendo Labo aus zwei Komponenten. Zum einen hätten wir da die vorperforierten Pappbögen und weitere kleine Zubehörteile wie Ösen und Schnüren. Zum anderen noch die eigentliche Software. Letztere dient sowohl als interaktive Bedienungs- und Bastelanleitung und beinhaltet ebenfalls die passende Spielesoftware. Anders als bei herkömmlicher Software, kann man also nicht gleich los spielen, sondern muss erst mal Hand anlegen. So veranschlagt Nintendo für die VR-Brille 30-60 Minuten, für die Kamera 30-60 Minuten, für den Elefanten 60-120 Minuten, für den Vogel 90-150 Minuten, für das Windpedal 90-150 Minuten und für den Blaster 120-180 Minuten.
So kommen schnell einige Stunden Aufwand zusammen. Vor allem wenn man mit Kindern bastelt sollte man nicht vergessen, dass deren Geduld meist nicht die Größte ist. Vor allem da man wirklich erst damit spielen kann wenn eines der Modelle fertig ist. Allerdings bietet das Konzept von Labo hier einen Vorteil im Gegensatz zu herkömmlichen Bastelorgien: Man kommt ganz ohne Schere, Kleber oder sonstige Utensilien aus. Nur die zuvor erwähnte Geduld muss man mitbringen bis die Sets dann fertig gestellt sind. Zum Glück werden die einzelnen Modelle nochmals in einzelne Schritte unterteilt, so dass man schön in Etappen bauen kann und auch immer ein kleines Erfolgserlebnis hat. Auch hier merkt man wieder, dass Nintendo durchaus weiß, was für Eltern/Kinder wichtig ist.
Bastelst du noch oder spielst du schon
Nintendo hat schon immer sehr großen Wert darauf gelegt, dass ihre Produkte jedem zugänglich sind. Labo macht hierbei natürlich keine Ausnahme. Vielmehr ist es auf die Spitze getrieben. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie viele Anpassungen vorgenommen wurden bis die Software einem breiterem Publikum vorgestellt wurde. Schließlich sind Japaner nicht umsonst als sehr akribisch bekannt. Wirklich jeder einzelne Schritt – und sei er noch so klein – wird von der interaktiven Bauanleitung bis ins Detail aufgezeigt. Um auch wirklich alles zeigen zu können kann nach belieben gedreht, gezoomt und geschwenkt werden. Auch das Vor und Zurückspulen in verschiedenen Geschwindigkeiten trägt dazu bei, dass jeder in seinem Tempo basteln kann. Sollte es mal etwas anspruchsvollere Passagen geben, werden diese mit Detailbeschreibungen und Markierung erklärt. Einen Nachteil hat das ganze allerdings. Es können keine Schritte übersprungen werden. Bei Bauanleitungen bekannter Spielzeughersteller und Möbelhäuser steht für gewöhnlich einfach ein Faktor neben einem Teil welches mehrfach benötigt wird. Bei Labo wird der Aufbau jedes einzelnen Teils nacheinander beschrieben. Und wenn es 10 mal ist. Hier wäre es wirklich mehr als sinnvoll gewesen wenn man Schritte auf eigenen Wunsch überspringen kann
Wie funktioniert Labo eigentlich
Es ist schon wirklich faszinierend ein fertiges Set in Aktion zu sehen. Schließlich sieht man bis auf die JoyCon keine wirklich moderne Technik. Und trotzdem kann man damit erstaunliche Dinge vollbringen. Im Menüpunkt Entdecken des Toy-Con-Sets erfahrt ihr hierzu mehr. Neben tieferen Einblicke in die Funktionsweise von Labo, findet man hier außerdem Anleitungen zur Dekoration und Reparatur eures Sets. Was genau machen die JoyCon? Wie werden die verwendeten Reflektoren erkannt? Was passiert wenn ihr einen Knopf betätigt oder einen Hebel umlegt? All das und vieles mehr erfahrt ihr in diesem Bereich.
Wer mit den vorgefertigten Sets nichts (mehr) anfangen kann und sich weiter mit Labo beschäftigen möchte, der ist in der Toy-Con-Werkstatt bestens aufgehoben. Dort kann man sich nämlich selbst austoben und verwirklichen. Durch den um einen vereinfachten Zugang auf die Programmierung der JoyCon und der Switch könnt ihr eigene Kreationen erschaffen. So werden durch die Festlegung von Eingabe, Mittel und Ausgabe einfache Programme selbst erstellt werden. Sprich ihr definiert welches Eingangssignal mit welcher Verknüpfung welche Reaktion hervorruft. Drückt ihr also zum Beispiel A vibriert der linke JoyCon für 5 Sekunden. Oder aber wenn der Bewegungssensor eine gewisse Position erreicht hat und der Infrarotsensor dort ein Signal erhält, dann spiele den Sound eines Lasers ab. Um einen besseren Zugang zu erhalten liefert Nintendo direkt Beispiele, zum Beispiel eine Gitarre, mit. Kleine und große Tüftler werden in diesem Bereich von Labo sicherlich auf ihre Kosten kommen.
Fazit
Das Nintendo Labo: Toy-Con 04: VR-Set zu bewerten ist nicht einfach. Die Modelle, ob nun sinnvoll oder nicht, funktionieren hervorragend. Es ist wirklich erstaunlich, was man aus etwas Pappe alles bauen kann. Die Software hinkt leider, wie auch bei den vorherigen Sets, hinterher. Der Spielspaß ist hier einfach zu kurz und zu rudimentär. Gepaart mit der schlichten Optik bietet es einfach sehr wenig Anreiz sich längerfristig damit zu beschäftigen. Schade eigentlich, da vor allem der Blaster zeigt, dass das Konzept ansich funktionieren kann. Hinzu kommt, dass die Konsole technisch nicht wirklich für solche Experimente ausgelegt ist. Für ein besseres Erlebnis müsste die Switch hier eine bessere Auflösung und Leistung bieten können. In Folge dessen ist die optische Erfahrung eher suboptimal. Alles in Allem ist es eine nette Einsteigererfahrung für jüngere Spieler, gepaart mit Bastelspaß.
- stabile Modelle
- gutes Tracking
- VR Einstieg
- Spiele zu simpel
- schlechte Optik
- keine Halterung für die Brille
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


