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Thimbleweed Park

Thimbleweed Park

David

Unter Adventure-Fans ist Ron Gilbert eine Art lebende Legende. Unter anderem zeichnet er sich verantwortlich für Klassiker wie Maniac Mansion, Zak McKracken,The Secret of Monkey Island und Monkey Island 2: LeChucks Revenge.
Wie sich seine neuste Kreation schlägt erfahrt ihr in unserer Review zu Thimbleweed Park.

Thimbleweed Park

NSW

Entwickler
Terrible Toybox
Konsole
NSW
Spieler
1 lokal

Unter Adventure-Fans ist Ron Gilbert eine Art lebende Legende. Unter anderem zeichnet er sich verantwortlich für Klassiker wie Maniac Mansion, Zak McKracken,The Secret of Monkey Island und Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge. Die Spiele entstanden alle während seiner Zeit bei Lucasfilm Games. Speziell für Maniac Mansion erstellte er eine eigene Engine: die Script Creation Utility for Maniac Mansion. Spielern besser bekannt als SCUMM. Dieses Interface kam auch bei späteren Spielen häufig wieder zum Einsatz.
In den folgenden Jahren wurde es eher still um den geistigen Vater dieser Art von Adventures. Auch wenn er der Branche nie den Rücken zuwendete, machte er selten von sich reden. Als er sich allerdings Tim Schafers Double Fine Productions anschloss waren die Augen der Spielergemeinschaft auf die beiden gerichtet. Schließlich hatten die beiden schon zusammen an den ersten beiden Teilen von Monkey Island gearbeitet. Mit Spielen wie Day of the Tentacle und Vollgas, hat Tim Schafer sich ebenfalls einen Namen in diesem Genre gemacht. Mit The Cave brachten die beiden eine Mischung aus Jump-’n’-Run-und Adventure auf den Markt.
Sein aktuelle Projekt Thimbleweed Park erschuf er allerdings zusammen mit Gary Winnick, mit dem er schon an Spielen wie Maniac Mansion gearbeitet hatte. Finanziert wurde der Titel via Crowdfunding auf Kickstarter. Bei dem Spiel handelt es sich wieder um ein echtes Point and Click Adventure welches sich im Retrostil präsentiert wird. Ob sich Thimbleweed Park würdig in seine Ahnenreihe einfügen kann, erfahrt ihr in unserer Review.

Back in Time

Nicht nur die rein optische Präsentation des Spiels ist im Stil vergangener Tage gehalten. Wer eine umschweifende Story, womöglich noch in CGI, erwartet, der wird ziemlich ernüchtert werden. Vielmehr werdet ihr einfach direkt ins Geschehen geworfen. Das stellt aber an sich kein Problem dar, da die Spielmechanik nicht sonderlich komplex ist und es zum Reiz des Spiels gehört, dass sich die Geschichte erst nach und nach offenbart und entwirrt.
Thimbleweed Park startet mit einem Mord in einer fiktiven Kleinstadt in den USA. Am Tatort treffen sich die zwei Bundesagenten Ray und Reyes, welche nichts vom Auftrag des anderen wissen aber beschließen zusammenzuarbeiten um möglichst schnell aus dem Kaff herauszukommen. Schon hier merkt man an den Dialogen schnell, dass es schräg wird. Während der eine Agent also darauf beharrt, dass er von der Außenstelle in Albuquerque stammt, behauptet der andere, dass es dort gar keine Agentur gäbe.
Und so setzt sich die Geschichte fort. Auch wenn das Spiel und eure Charaktere eigentlich versucht ernsthaft an das Geschehen heranzugehen, ist das Ganze viel zu abgedreht um real zu sein. So funktioniert alles in der Stadt mit Hilfe von Maschinen und Robotern die noch mit Röhren betrieben werden. Initiiert wurde diese Technik von einem gewissen Chuck, der von vielen als Held der Stadt angesehen wird und zudem der Besitzer einer Kopfkissenfirma war.
Sieht man sich jedoch in der Siedlung um stellt man recht schnell fest, dass fast alles verlassen ist und viele Geschäfte geschlossen sind. Die örtliche Polizei, bei der man sich nie sicher sein kann ob der Sheriff nicht auch gleichzeitig der Pathologe ist, zeigt sich auch nicht sonderlich kooperativ und möchte die Agenten eigentlich so schnell als möglich aus ihrem Revier haben.
Wie es der Dorffunk so will, erfahrt ihr alsbald von verschiedenen Personen wer für den Mord verantwortlich ist. Während manche die junge Game-Designerin und Nichte von Chuck für die Mörderin halten, sind sich andere sicher, dass ein verfluchter Clown der Täter ist.

Rollenverteilung

Während ihr große Teile des Spiels in der Rolle der Agent verbringt, übernehmt ihr Stellenweise auch Kontrolle über andere Charaktere. So spielt ihr zum Beispiel die Hintergründe einiger Personen als Rückblick.
Hier kommen wir nun auch zu einen kleinen Schwachpunkt im Gameplay. Jeder Charakter hat ein eigenes Inventar und um Gegenstände auszutauschen, müssen die Figuren nebeneinander stehen. Das ist zwar realistisch, aber auch stellenweise recht nervig. So möchte man zum Beispiel ein Rätsel lösen und stellt vor Ort fest, dass der benötigte Gegenstand sich im Besitz von einem anderen Charakter ist. Diesen muss man dann erst aufsuchen, oder aber zu diesem wechseln und sich zum Ort des Geschehens begeben.
Bis auf eine Ausnahmen, und einige Begebenheiten ist es eigentlich egal mit welchem Helden ihr die Rätsel löst. Hier ist es eher schon Geschmackssache mit welchem Protagonisten ihr das Abenteuer bestreitet. Schließlich hat jeder von ihnen einen, teilweise sehr eigenwilligen, Charakter.

Rätsel für jedermann

Schon zu Beginn könnt ihr festlegen, ob ihr ein Rätselveteran seid oder doch lieber auf die seichte Schiene steht. Wählt ihr letztere Variante sind viele der Rätsel schon vorgelöst, oder sind einfacher zugänglich. Während ihr im schweren Modus also zum Beispiel Tinte herstellen müsst um einen Drucker nutzen zu können, liegt in der simplen Fassung ein Farbband auf einem Tisch. Dies zieht sich durch das ganze Spiel. Der Kopierer im örtlichen Zeitungsverlag zum Beispiel darf von Nutzern der einfachen Varianten umsonst genutzt werden. Solltet ihr allerdings den schweren Weg wählen müsst ihr erst auf dem Highway eine Pfandflasche einsammeln, diese im Supermarkt abgeben um Pfand zu klassieren und mit diesen 50 Cent dann den Kopieren zu nutzen.
Dabei sind die Rätsel wie schon aus vorangegangenen Abenteuer von Ron Gilbert stellenweise sehr skurril und abwegig. Wer hängend bleibt. Dem steht eine integrierte Hilfe zur Verfügung. Hierzu könnt ihr eine Telefonnummer an einem Fernsprecher oder Mobiltelefon wählen um Hinweise zu erhalten.
Von jedem für jeden An dieser Stelle sei noch kurz erwähnt, dass das Spiel an vielen Stellen seine Unterstützer eingebunden hat. So finden sich im Telefonbuch sämtliche Backer mit Nummer, welche auch angewählt werden kann. Auch in den Bibliotheken finden sich Niederschriften der Unterstützer. Hierbei wird allerdings ausdrücklich gewarnt, dass diese nichts mit dem Spiel zu tun haben und von den Entwicklern nicht auf irgendwelchen Sinn untersucht wurden.
Dennoch ist es schön zu sehen wie die Supporter ihren Weg ins Abenteuer geschafft haben. Außerdem passen die Einträge teilweise schon irgendwie zur gesamtem Szenerie in der euch Klempner in Taubenkostümen etwas über seltsame Signale erzählen.
Nicht selten spielt Thimbleweed Park auch auf andere Personen, Spiele oder Firmen an. So konnte man sich auch den einen oder anderen Seitenhieb Richtung Lucas nicht verkneifen.

Alt trifft neu

Thimbleweed Park an heutigen optischen Maßstäben zu messen, wäre nicht nur unfair, sondern auch die falsche Herangehensweise. Man sollte es vielmehr unter dem Aspekt des Klassikers und der Hommage sehen. Und dort kann das Spiel voll und ganz punkten. Man merkt einfach, dass der Titel der Feder ganz alter Hasen und Pionier auf diesem Gebiet entsprungen ist. Dennoch merkt man natürlich anhand der Animationen, der Farbvielfalt und der Anzahl der Objekte AUCH, dass der Titel nun nicht unbedingt auf einem DOS-PC programmiert wurde.
Die englische Sprachausgabe ist durchweg gelungen und fängt die Wesenszüge der einzelnen Charaktere sehr gut ein. Deutschen Spielern stehen die Untertitel von Boris Schneider-Johne zur Verfügung welcher schon damals Spiele wie Monkey Island übersetzt hat. Auch wenn sich hier und da der eine oder andere Fehler eingeschlichen hat, ist die Übersetzung gut geworden.
Auch die Steuerung profitiert von den Errungenschaften der Neuzeit. Auch wenn ihr wie von SCUMM Titeln gewohnt mit rudimentären Befehlen wie Gehe, Öffne, Benutze arbeiten müsst, unterstützt euch das Spiel, da es bei offensichtlichen Dingen selbst den richtigen Befehl anwendet. Kickt ihr also doppelt auf eine Tür, wird diese geöffnet. Im Handheldmodus könnt ihr das ganze übrigens bequem via Touchscreen steuern.
Bis auf wenige marginale Ruckler bei einigen Sequenzen sind uns keine Probleme bei der Switch-Fassung aufgefallen.

8.0Wertung

Fazit

Eine neutrale Wertung abzugeben fällt bei Thimbleweed Park wirklich schwer. Es ist ein tolles, abgedreht liebevolles Abenteuer, welches euch auf eine, wenn auch kurze, skurrile Reise mitnimmt - wenn ihr es zulasst. Auf der anderen Seite kann es unseres Erachtens nach nicht mit seinen klassischen Urvätern wie Monkey Island und Maniac Manson mithalten. Dies liegt vor allem daran, dass der Charme der Protagonisten nicht so wirklich überspringen möchte. Dies mag allerdings auch am Auge des Betrachters liegen. So oder so hat Ron Gilbert gezeigt, dass er das Genre immer noch versteht und nichts von seiner kruden Art verloren hat. Wer ein wenig Sinn für das nicht ganz alltägliche Adventure hat, kann hier bedenkenlos zugreifen.

Design
7.0
Sound
8.0
  • gelungene Hommage
  • interessante Rätsel
  • zwei Spiemodi
  • Itemverwaltung
  • Charaktere etwas flach
  • nicht jedermanns Geschmack

Vielen Dank an die Firma Terrible Toybox für die Bereitstellung des Testmusters.

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