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Kritzelpost

Kritzelpost

Benjamin A.

Am 3. März (diese Woche!) erscheint die Nintendo Switch. Um das gebührend zu feiern gibt es nicht nur neue Zelda-DLC-Lektionen für die Kommunikationssoftware Kritzelpost, sondern auch eine kostenlose Switch-Lektion. Hierin lernt man nicht nur die Konsole und die Joycons zu zeichnen, sondern bekommt auch kostenlose die Farben "Lektions-Rot" und "Lektions-Blau".

Wir das eure Zeichenlaune steigern? Was wir von der Software (und der ersten, kostenpflichtigen Lektion) hielten, haben wir damals in unserem Kritzelpost Review für euch zusammengefasst.

Kritzelpost

3ES

Entwickler
Nintendo
Publisher
Nintendo
Konsole
3ES
Spieler
1 lokal

Doch leider kam bereits 2013 das Aus für den Service: Die Internetfunktion wurde eingestellt, da es immer wieder zu Fällen kam, in denen unangemessene Fotos an Minderjähige gesendet wurden. Dass die Sender hierbei vorher erst zu einer Freundesliste hinzugefügt werden mussten, war wohl nicht Schutzmaßnahme genug. Man kann den Titel heute immer noch für StreetPass und Direktnachrichten nutzen – nur wer tut das?

Jetzt meldete sich Nikki vor Kurzem überraschend zurück: Kritzelpost nennt sich nun die neue App, die ähnliche Funktionen so wie DLC-Inhalte anbietet. Was wurde verbessert, um Kinder vor Schweinereien zu schützen? Welche neuen Extras gibt es? Und können die DLC-Lektionen mit Art Academy und Co. mithalten?

Wir haben uns hierzu nicht nur das kostenlose Grundpaket, sondern auch das Kritzelpost: Nintendo Premium Paket angesehen.

Totgesagte leben länger

Wie schon im Nintendo Briefkasten begrüßt euch das Mii Nikki mit ersten Briefchen. Diese fungieren nicht nur als Ersatzkommunikation für 3DS-Spieler ohne Freunde, sondern erklären euch auch Stück für Stück das Programm. Quasi ein Tutorial als Brieffreundin.

Auch die grundlegenden Programmfunktionen haben sich nicht verändert: Wieder kann man bis zu 4 Seiten an Zeichnungen verschicken, welche von Freunden auch beantwortet werden können. Umso mehr Briefe man anfertigt (man muss sie nicht verschicken), umso mehr Tutorials und Features werden freigeschaltet, wie etwa die bereits bekannte 3D-Ebene, dass Briefe erst ab einem gewissen Datum geöffnet werden können oder geheime Seiten, die erst ab einer Antwort sichtbar werden – perfekt geeignet für‘s Tele-Quiz!

Keine Macht den Schweinen!

Die Internet-Ferkel führten zum Untergang vom Nintendo Briefkasten, was wurde also nun verbessert, um Eltern den besseren Jugendschutz zu ermöglichen? Also in erster Linie müssen wir auf ein Feature verzichten: Es ist nicht mehr möglich, normale Fotos zu verschicken. Es ist zwar noch möglich Spielscreenshots zu verschicken (und das auch in 3D, wie wir anhand von unserem Super Mario 3D Land-Album erkennen konnten), aber normale Bilder werden raus gefiltert.

Außerdem greift nun ein weiteres willkommenes Extra: Ab sofort muss man Freunde erst als „Lesefreunde“ hinzufügen, damit man Nachrichten von ihnen empfangen kann. Sollte man also gewisse Nachrichten als „Spam“ empfinden, kann man die Person aus der Kritzelpost-Liste entfernen, ohne sie aus der gesamten 3DS-Freundesliste auszutragen.

Sticker-Mania

Ein weiteres neues Feature ist die Möglichkeit, bis zu vier Sticker in eure Nachrichten einzubauen. Neben vorgefertigter Emotionen eures Miis könnt ihr jedes Stück Software aus eurem Activity-Log (auch DS-Spiele!) als Icon beifügen. Besonders spannend ist aber die Möglichkeit, Marken aus Nintendo Badge Arcade nutzen zu können. Leider zählen hierzu nur ausgewählte Aufkleber (zu denen bspw. Pokémon (noch) nicht zählt…), aber es ist dennoch eine tolle Möglichkeit, den Nutzen des Free2Play-Spiels zu erweitern.

Eine weitere Neuerung: Dieses Mal werden übrigens alle Briefe nach Sender sortiert, wobei auch die klassische Ansicht aller Briefe wieder möglich ist.

DLC-Inhalte und viele bunte Farben

Durch einen marketingstrategischen Schachzug werdet ihr während des Tutorials dazu angeleitet, ein kostenloses DLC-Paket herunterzuladen. Durch diesen Inhalt bekommt ihr eure erste neue Farbe (rot), zusätzliche Tinte (euer Schreibvorrat ist wie schon früher begrenzt), das Maximum der speicherbaren Briefe wird um 100 erhöht, ihr bekommt vier Basis-Lektionen und zusätzliches Briefpapier. Durch dieses „Quest“ wisst ihr zumindest schon mal, dass ihr eure Palette zur Not erweitern könnt. Bis zu vier Farben kann man übrigens gleichzeitig pro Brief verwenden.

Blickt man durch die (derzeitig) verfügbaren Inhalte, findet man diverse „Lektions-Packs“ zu Mario, Zelda, Animal Crossing, Splatoon und anderen, die neben 10-25 Lektionen noch thematisch passendes Briefpapier und eine exklusive Farbe anbieten. Des Weiteren gibt es auch zwei Glitzerstifte (mit Briefpapier) und zwei Premium-Pakete – hierzu später mehr.

Premium-Lektionen kosten 6,99€, Stifte 1,99€ und Lektions-Packs 2,99€. Insgesamt machen alle momentanen Inhalte dann mehr als 50€ aus. In Amerika ist der Silber-Glitzerstift (inkl. Briefpapier) übrigens kostenlos – warum das bei uns nicht der Fall ist, konnten wir aber noch nicht erörtern.

Lektionen – Art Academy Light

Wer „Lektionen“ hört, denkt hierbei natürlich sofort an Nintendos Art Academy, welche nicht nur in einer eigenen Reihe sondern auch in Form von Spin-Offs mit Pokémon und Disney schon einige Erfolge feiern konnte. Leider sind die DLC-Lektionen aber nur entfernt damit vergleichbar: Nikki gibt einem zwar Tipps, was man bei den Character-Designs beachten sollte – schlussendlich ist es aber nur eine Schritt für Schritt Malbuch-Anleitung zum Abpausen. Wer sich unsicher ist kann übrigens immer je eine Lektion pro Paket mit den neuen Farben Probe spielen, aber nicht speichern.

Ein wirklicher Kaufanreiz sind sie also nicht. Wer tatsächlich zeichnen lernen möchte, sollte also entweder versuchen frei nach der Vorlage zu zeichnen (man kann die Vorlage abstellen) oder gleich zu einem Titel der Art Academy-Reihe greifen, welche das eigene experimentieren und lernen viel mehr hervorhebt.

Wenn es nur ums abzeichnen geht, hier ein Geheimtipp: Kauft euch die Sets mit Farben, die den Lektionen ähneln (mit den Grundfarben sollte man schon recht weit kommen), sucht und fotografiert Lektionen online und ladet sie als Screenshot zum Abpausen in euren Brief.

Das Nintendo Premium-Paket – Wieso zahlen?

Der eigentliche „Mehrwert“ der DLC-Inhalte besteht hauptsächlich in den neuen Briefpapieren (die im Nintendo Briefkasten nur über Werbematerial oder Freundesbriefe erhältlich waren) und vor allem neuen Stiften. Mit jedem kostenpflichtigen Download, der zumindest eine Lektion enthält, bekommt man 4 weitere Farben (zusätzlich zu rot noch blau, gelb, grün und orange) und den dicken Stift. Wer also Kritzelpost viel nutzt, dürfte so zumindest eines dieser Pakete erwerben wollen.

Für unseren Test wurde uns hierzu das Nintendo-Premium-Paket zur Verfügung gestellt, welches als Premium-Paket gleich mehrere Farben beinhaltet: Glitzer-Gold, Glitzer-Platin, Tiefschwarz und Rein-Weiß enthält. Die Glitzerfarben wirken hier aufs erste ziemlich edel, alle vier verlieren aber äußerst schnell an Reiz, da sie nur begrenzt einsetzbar sind.

Auch quantitativ bietet es weniger als das gleich teure Glitzer-Premium Set: Dieses bietet zwei Farben mehr (zwei glitzernd, 4 brauchbare Mittelfarbtöne), zwei Briefpapiere mehr und ganze acht Lektionen mehr als das Nintendo Paket. Dafür bietet dieses Paket aber auch nur generelle Motive am Briefpapier und in den Lektionen.

Beide Pakete sind übrigens nicht nur wegen ihrer Inhalte so teuer: Sie enthalten nämlich auch noch einen weiteren Vorrat an Tinte so wie jeweils 3000 zusätzliche Speicherplätze für Briefe. Ob man diese auch tatsächlich braucht muss jeder selbst entscheiden…

Das Nintendo Premium-Paket – Der Nintendo-Faktor

Wer sich unter den einzelnen Lektionspaketen nicht entscheiden kann, findet im Nintendo-Paket zumindest eine breit gefächerte – wenn auch bescheidene – Auswahl: Mario, Toon-Link, das Inkling-Mädchen und Melinda (Animal Crossing) können hier gezeichnet werden. Metroid ist mit Samus und Pikmin mit dem roten Pikmin sogar nur hier vertreten.

Wo das Nintendo-Paket am Meisten punktet ist beim Breifpapier: Zu jeder der Lektionen gibt es auch ein schickes, eigenes Design welches man als Untergrund für seine Zeichnungen nehmen kann. Fast alle weißen dabei auch einen zusätzlichen 3D-Layer im Design auf.

Hier könnte ihre Werbung stehen!

Wie schon damals fragt Nintendo auch hier, ob ihr Werbung empfangen wollt. Bisher ist noch nichts eingetrudelt, damals konnte man aber Nachrichten von Aonuma, Miyamoto und Co empfangen, die nicht nur neue Spiele bewarben, sondern auch exklusive Briefpapiere mit sich brachten. Ob Nintendo nun noch immer so großzügig ist, wird sich zeigen…

Präsentation und Zeitgeist Nintendos

Grafisch und Soundtechnisch zeigt sich Nintendo wieder von ihrer Schokoladenseite. Kaum jemand schafft es so etwas Einfachem wie einem Messenger so viel Charme und Charakter zu verleihen.

Doch leider können auch Musikohrwürmer und fröhliche Nikki-Zeichnungen nicht darüber hinweg täuschen, dass die Neuerungen einfach drei Jahre zu spät kommen. Damals war der Briefkasten schon mehr Ausweichmöglichkeit als zeitgemäßes Kommunikationsmittel: Immerhin sind Private Nachrichten und Voice-Chats schon seit 2006 bei der Konkurrenz Standard.

Nintendo hat mittlerweile zwar mit Miiverse und anderen Wii U Funktionen ein paar Dinge dazugelernt, doch auf dem 3DS – insbesondere den alten Modellen – ist die Online-Kommunikation immer noch umständlich. Jetzt erst 2016 die Kritzelpost einzuführen ist zwar gut gemeint – wer aber Online kommunizieren will ist entweder auf andere Möglichkeiten wie Smartphones ausgewichen oder wird auch mit Kritzelpost nicht mehr kommunizieren als vorher. Und Nintendo setzt auch keine Maßnahmen, um die Nutzerbasis zu erhöhen – wie etwa tägliche oder wöchentliche Platinpunkte fürs Nintendokonto, wenn man täglich eine Nachricht verschickt.

5.5Wertung

Fazit

Kritzelpost bringt mit viel Charme viele Neuerungen, die man sich damals schon vom Nintendo Briefkasten gewünscht hat. Leider kommen diese aber gefühlte fünf Jahre zu spät: Auch wenn es der einzige direkte Kom-munikationsweg am 3DS ist, hat Nintendo mit Miiverse und der Smartphone-Erweiterung nun einfach Kanäle geschaffen, die wesentlich stärker frequentiert werden. Die DLC-Farben und Briefpapiere sind zwar nett, aber allesamt viel zu hoch im Preis angesetzt und die Abpaus-„Lektionen“ verdienen diesen Titel kaum. Was übrig bleibt ist eine nette und kostenlose Spielerei alá Pictochat, die mit weiteren, zeichenfreudigen Freunden Spaß machen kann, aber auf Grund der Online-Politik von Nintendo auf dem (westlichen) 3DS wohl nicht mehr die Nutzerbasis finden wird, die sie 2011 bekommen hätte.

Design
7.5
Sound
8.5
Online Multiplayer
6.0
  • Kostenloses Kommunikationswerkzeug
  • 3D-Effekt
  • bis zu vier Farben
  • Marken aus <i>Nintendo Badge Arcade</i> nutzbar
  • DLCs zu teuer
  • Nutzerbasis schätzungsweise gering
  • kein Anreiz, mehr Briefe zu schreiben

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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