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Game & Watch Gallery 3

Game & Watch Gallery 3

Benjamin A.

"Die Gebrüder Mario tauschen ihren freiberuflichen Klempnerjob gegen eine Fixanstellung in der Kuchenfabrik. Leider ist ihr Boss äußerst knickrig und hat lediglich das dynamische Duo für die schweißtreibende Fließbandarbeit angestellt. Seid ihr zu langsam und bringt das Paket nicht rechtzeitig von einem Band auf das andere, kostet euch dies einen Versuch und euren Lohn. Kein Wunder, dass die beiden baldmöglichst wieder gekündigt haben!"

Na? Wisst ihr zu welchem Nintendo-Klassiker diese (etwas frei interpretierte) Hintergrundgeschichte gehören könnte? Wenn nicht, dann solltet ihr definitv unser Game & Watch Gallery 3 Review lesen, um diese Bildungslücke zu stopfen!

Game & Watch Gallery 3

GB

Entwickler
Nintendo
Publisher
Nintendo
Konsole
GB
Spieler
1 lokal

Darf ich vorstellen? Mr. Game & Watch

Game & Watch mag für jüngere Spieler wohl lediglich an das piepende Strichmännchen aus Super Smash Bros. erinnern, doch die älteren Semester (bzw. Retrofans) unter uns dürfte es an eines der 50 LCD-Spiele erinnern, mit welchem Nintendo in den 80igern zum ersten Mal Videospiele in heimische Wohnzimmer brachte.

Da Nintendo ihre Wurzeln gerne pflegt, gab es zu Game Boy-Zeiten ganze 4 Game & Watch Gallery-Titel, in welchen ausgewählte Spiele ein Remake mit Mario-Charakteren spendiert bekamen. Als Bonus gab es auch noch die möglichst originalgetreuen Ports als „Classic-Version“.

Game & Watch Gallery 3 machte hiermit in Europa den letzten Teil der nummerierten Trilogie aus (da der vierte Teil in Europa Game & Watch Gallery Advance getauft wurde). Erleben wir hiermit einen würdigen Abschluss der Color-Saga?

Einfach zu lernen - Schwer zu meistern

Zunächst sollte man sich bewusst sein, dass die LCD-Spiele auf Grund des geringen Speichers meist nur sehr einfache Spielkonzepte hatten, denn die Figuren können sich nur in einem vorgegebenen Raster bewegen (welche man am Original, in DS-Ports und in Game & Watch Gallery Advance sogar als leicht schattierte Figuren sehen konnte).

Der Reiz des Game Designs bestand schlussendlich weniger in abwechslungsreichem Leveldesign als vielmehr darin eine sich wiederholende Aufgabe durch Varianzen in Timing und Gegnerfrequenz dennoch spannend zu gestalten. Oder in bürgerlichem Deutsch ausgedrückt: Die Spiele starten langsam, werden aber mit der Zeit immer schneller bzw. werden gewisse Zufallshindernisse häufiger aktiviert. Die Herausforderung für den Spieler liegt darin möglichst viele Punkte zu machen, bevor sein letztes Leben verbraucht ist.

Sammle Punkte, sammle Sterne!

In der Game & Watch Gallery-Reihe wird man alle 200 Punkte mit einem Stern belohnt, vorausgesetzt man erreicht die Punktzahl zum ersten Mal. Diese werden wiederum benötigt, um Extras freizuschalten, unter welchen die Bonus-Spiele wohl die interessantesten Goodies sein dürften (in diesem Titel sind dies sogar ganze fünf weitere Klassiker).

Für jeden Spielmodus kann man maximal 5 Sterne sammeln. Dies gilt für klassische wie moderne Versionen, als auch für „Game A“ und „Game B“. Ersteres ist in den meisten Fällen eine Einsteigervariante mit langsamerem Gameplay und weniger Fallen, während manche Hindernisse sogar nur in der Typ B auftauchen. Dieser ist zwar gleich etwas schneller, dafür wächst euer Punktekonto aber auch in kürzester Zeit auf respektable Größe. Auch in den Bonusspielen kann man Sterne sammeln, allerdings bieten diese nur den klassischen Modus an.

Gemeinsamkeiten im Punktesystem

In den meisten Spielen werden alle 100 Punkte die Geschwindigkeit wieder etwas verlangsamt, in den modernen Versionen bekommt ihr bei 200, 500 und 700 Punkten ein Herz, mit dem ihr ein Leben wiederherstellen könnt. In den Classic-Varianten variiert es, allerdings werden in der Regel bei 300, 500 und 700 Punkten alle Fehltritte gelöscht. Hat man sowieso noch keine Fehler gemacht, bekommt man Bonuspunkte solange man diese Serie halten kann. Erreicht ihr in einer der modernen Varianten 1000 Punkte könnt ihr auch einen „Super Hard“-Modus freischalten. Dieser generiert zwar keine Sterne, bietet aber eine zusätzliche Herausforderung.

Apropos: In der Originalfassung konnte man die fehlenden Museumseinträge via Link-Kabel aus Game & Watch Gallery 2 importieren- Dieses Feature wurde hier leider deaktiviert, wodurch man alle Games in allen Varianten bestehen muss, um dieses Extra alternativ freizuspielen…

Die Minispiele: Egg

Die freischaltbaren Spiele sollen hier nicht verraten werden, allerdings beinhalten die bereits vorhandenen Titel Egg, Greenhouse, Turtle Bridge, Mario Bros. und Donkey Kong Jr.

Ersteres handelt von einem Wolf, der den Hühnern seine Eier stehlen möchte. Oder handelt es sich gar um einen missverstandenen Vertreter der Rudelgattung, der lediglich die herunterpurzelnden, oval förmigen Frühstücksdelikatessen vor dem Tod durch den freien Fall beschützen möchte? Wir urteilen nicht, immerhin wollen wir nur unsere Sterne. Seid einfach immer bei einer der vier Rollbahnen - welche man auch diagonal wechseln kann - um die Eier in den Sack zu verfrachten.

In der modernen Version übernehmt ihr hier die Rolle von Yoshi, welcher interessanterweise nicht Eier sondern Kekse vor dem herunterpurzeln bewahrt. Diese könnt ihr nun jederzeit auffangen, wobei ein späteres Auffangen auch einen brauneren Teint für die Kekskruste und somit auch mehr Punkte für die Spieler bedeutet. Neben dem verkokeln des Backwerks droht nun aber auch ein versehentliches Verschlucken von Bob-ombs, welche euch ebenfalls einen versuch kosten können… Hmmm, kosten…

Green House

In Green House gilt es Blumen vor Ungeziefer zu bewahren, welche sich im Multiscreen-Original über zwei Bildschirme verteilten. Man muss hierzu lediglich zu der Blume gehen und mittels A-Knopf den Käfer mit Insektenvernichtungsspray den Garaus machen. Ob es sich bei dem Protagonisten des Originals übrigens um Stanley - dem helden aus Donkey Kong 3 handelt ist unbekannt. Auch wenn sie dieselbe Berufing zu haben scheinen: Ihre Uniformen unterscheiden sich zumindest deutlich.

Da der Game Boy Color nur einen Bildschirm groß darstellen kann, wird dieser mit B gewechselt. Der andere wird in der Classic-Variante zwar in klein gezeigt, dies ist aber dennoch etwas gewöhnungsbedürftig – insbesondere da im Gegensatz zu bspw. Donkey Kong das Geschehen simultan auf beiden Bildschirmen stattfindet. Wer eine bessere Portierung haben möchte, kann versuchen die Game & Watch Collection aufzutreiben – diese Minisammlung für Nintendo DS war nur im Sternekatalog bzw. anderswo via Club Nintendo verfügbar.

In der modernen Version macht sicher wieder Yoshi auf die Jagd, dieses Mal muss er Melonen sammeln, um die Samen dieser Kostbarkeit auf bekannte Mario-Gegner zu spucken.

Turtle Bridge

In Turtle Bridge ist das Ziel wieder etwas einfacher: Ihr müsst lediglich einen Wasserbehälter von der einen Insel zur anderen bringen. Weniger einfach ist hierbei die Reise: Als Brücke dienen euch nämlich – oh Überraschung – einzelne Schildkröten, auf welche ihr springen müsst. Dass diese nicht immer brav über Wasser bleiben versteht sich hier von selbst.

In der modernen Version wird die Paketreise in den Himmel versetzt. Hier fungiert Toad als Bote zwischen Mario und Peach (tauschen die zwei etwa Liebesbriefe aus?). Der riskante Recke nutzt hierbei Möwen statt Parakoopas sowie getimte Plattformen. Die verspielten Vögel tauchen hier ab und zu ab, um Ballone zum Platzen zu bringen.

Mario Bros.

Die Gebrüder Mario tauschen ihren freiberuflichen Klempnerjob gegen eine Fixanstellung in der Kuchenfabrik. Leider ist ihr Boss äußerst knickrig und hat lediglich das dynamische Duo für die schweißtreibende Fließbandarbeit angestellt. Seid ihr zu langsam und bringt das Paket nicht rechtzeitig von einem Band auf das andere, kostet euch dies einen Versuch und euren Lohn. Kein Wunder, dass die beiden baldmöglichst wieder gekündigt haben!

Dieser Multiscreen-Klassiker wurde ursprünglich auf zwei horizontalen Screens gespielt: Einer für Luigis und einer für Marios Hälfte. Am Game Boy Color sparte man sich dieses Mal das hin und her klicken und hat beide Bildschirme leicht verzerrt auf einem quadratischen (in Game & Watch Gallery Advance auf einem rechteckigen) Bildschirm untergebracht. Durch Auf und Ab bzw. A und B wird der jeweilige Bruder gesteuert. Die Pakete werden solange weitergeleitet, bis Luigi sie auf den Laster werfen kann. Ist dieser voll wird ausgeliefert und es gibt eine Bonuszahlung an Punkten. Naja, niemand kann zu hundert Prozent ein… Mistkerl sein.

In der neuen Variante sind die Brüder statt in LCD-schwarzweiß in ihren heute charakteristischen Farben zu sehen. Kuchenliebhaber dürften sich außerdem über die detaillierte Darstellung des Pixelgebäcks freuen. Weniger erfreulich ist aber Bowser, der drohend an der Spitze des Fließbands steht. Sobald er seinen fetten Hintern zu einer Stampfattacke in Bewegung setzt werden die Fließbänder umgekehrt. Um dies zu revidieren müssen Mario oder Luigi den Schalter an der obersten bzw. niedrigsten Stufe aktivieren. Dafür gibt es aber noch mehr Bonuspunkte, wenn Lieferheld Wario die fünfte Lieferung in Folge durchbringt, vorausgesetzt keiner der Brüder hat bis dahin Mist gebaut…

Donkey Kong Jr.

Gut oder Böse werden durch die Perspektive bestimmt: In diesem Spiel merkt dies Donkey Kong Jr. am eigenen Leib, denn für ihn ist der allseits beliebte Klempner ein übler Schurke, der seinen Vater entführt hat. Dass er es damals durch die stete Entführung der damaligen Freundin des Bartträgers selbst zu verschulden hat, tut hier nichts zur Sache!

In der klassischen Variante läuft und springt ihr als Primatenjunges vom Anfang des Levels bis zum direkt darüber schwingenden Schlüssel. Anfangs versuchen nur mechanische Bärenfallen (oder in diesem Fall Gorillafallen… aka Snapjaws) euch das Leben schwer zu machen, später (bzw. in Game B) kommen aber auch noch Vögel hinzu, die euch im Sprung bzw. an Lianen schaden können. Pro Durchgang kann man via Kokusnuss bonuspunkte machen in dem man bis zu drei darunter liegende Gegner platt macht. Umso schneller man beim Käfig ankommt, umso mehr Bonuspunkte gibt es, hat man alle Viertel des Käfigs aufgesperrt winken nochmal extra Punkte sowie ein lächelnder Affenvater. Auf zu neuen Frauenentführungen!

Hier hat sich in der modernen Version am meisten getan: Ganze drei Level sind nun verfügbar. Zudem muss der Schlüssel immer erst durch einen kleinen Umweg eingesammelt werden, um dadurch erst eine temporär begrenzte Brücke zu aktivieren. Braucht ihr zu lange, verschwindet diese wieder und ihr müsst den Schlüssel erneut holen. Von der Farbpracht bzw. vom Sound kommt diese Fassung übrigens schon sehr nahe an die GBA-Fassung in Game & Watch Gallery Advance ran, was entweder ein Riesenplus für die Color-Variante oder ein Minus für das Advance-Remake bedeutet.

Im ersten Areal werdet ihr vorn Gumbas heimgesucht, die aber auch per Kopfsprung getötet werden können. In Level 2 hangelt ihr euch an Lianen entlang, die aber regelmäßig von gemeinen Schnapppflanzen besucht werden. Diese können mit einer der zufällig erscheinenden Kokosnüsse erledigt werden. Im letzten Level müsst ihr euch zuerst an Lianen entlang hangeln um anschließend an Land sowohl von Gumbas als auch von den Pflanzen belästigt zu werden. Mit fortschreitender Punktzahl können übrigens in allen Levels Kugel-Willis als Vogelersatz und Stachis statt Gumbas auftauchen, welche sich nur via Kokosnüsse besiegen lassen. Wie üblich treten diese Bedrohungen in Game B bereits früher auf.

8.5Wertung

Fazit

Abgesehen von Greenhouse wurden alle Titel äußerst stimmig und originalgetreu portiert und bekamen durch moderne Varianten sogar so manchen neuen Twist spendiert. Die Neufassungen beeindrucken durch ein äußerst breites Farbspektrum, stimmige Klangkompositionen und das Sternesystem bringt dazu noch den nötigen Anreiz, um die sich schnell wiederholenden Titel immer wieder auszupacken – vielleicht knackt man ja dieses Mal eine neue 200er-Marke und bekommt endlich eine weitere Belohnung? Außerdem lernt man schnell: Auch sich wiederholendes Gameplay kann schnell überfordern, wenn man mit fortschreitendem Spielablauf blitzschnell reagieren muss.

Design
8.5
Sound
8.0
  • einfaches Gameplay mit Suchtfaktor
  • Bonusspiele freischaltbar
  • hohes Farbspektrum
  • originalgetreue Ports
  • Wiederholung kann in ruhigen Phasen eintönig wirken
  • Kein Modern-Modus für freischaltbare Titel
  • Link-Feature bei 3DS VC entfernt

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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