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Shantae

Shantae

Benjamin A.

Erst gestern testeten wir Duck Tales: Remastered, die aktuellste Auftragsproduktion von WayForward. Doch nun wollen wir uns die erste große IP des erfolgreichen Kleinentwicklers untersuchen: Denn lange vor dem Erfolg von Mighty Switch Force! war es vor allem Shantae, die der Firma Ruhm einbrachte. Allerdings meinen wir nicht das Sequel – Shantae: Risky’s Revenge, welches vor zwei Jahren auf dem DSi sein Debüt feierte – sondern das Game Boy Color-Original aus dem Jahre 2002!

WayForward hat die Rechte am Titel behalten, wodurch sie das Spiel diesmal ohne die Unterstützung von Capcom für die 3DS-Virtual Console herausbringen konnten – in Europa sogar zum ersten Mal! Doch ob der Titel sich auch 11 Jahre nach seinem ursprünglichen Release noch halten kann? Dies und mehr erfährt ihr in unserem Shantae Review.

S

Shantae

GB

Entwickler
WayForward
Publisher
Capcom
Konsole
GB
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 6

2011 tanzte die bezaubernde Dschinni Shantae zum ersten Mal auf europäischen Handhelds und konnte im Downloadsektor jede Menge Preise einheimsen. Doch in Amerika machte sie sich schon 2002 einen Namen. Das Original - welches noch keinen Subtitel trug - wurde auf einer 32 MBit-Cartridge ausgeliefert, der größten Speichereinheit, die je für den Game Boy Color produziert wurde. WayForward nutzte damals nämlich Sprite-Layer-Techniken, um auch wirklich alles aus der Konsole herauszuholen, und produzierte Titel, die eine reichere Farbpalette aufweisen konnten, als man dies normalerweise gewohnt war.

Unter Kritikern konnte Shantae durch die extraordinäre Grafik, die dazu passende Musik und das fesselnde Gameplay punkten, aber der Umstand, dass zum Erscheinungstag der Game Boy Advance schon 6 Monate lang erhältlich war und ein 32MBit-Cartridge nicht gerade billig ist führten schlussendlich dazu, dass insgesamt nur 13.000 Stück in Amerika Absatz fanden. Ein Europa-Release wurde erst gar nicht in Erwägung gezogen. Doch nun ist es an der Zeit, den Zopf festzubinden und den Leuchtturm zu verlassen: Denn nun will der Klassiker auch die europäische Virtual Console erobern!

Der Steam-Punk

In Sequin Land hatten Dschinnis einst die Aufgabe, als Wächter ihre Dörfer zu hüten, doch eines Tages verschwanden die magischen Wesen aus dieser Welt. Das einzige Überbleibsel aus jener Zeit scheint die Mischlingstochter Shantae zu sein, eine Halb-Dschinni, die von ihrem Leuchtturm aus über Scuttle Town wacht. Ohne magische Wesen war dieser Job bisher recht einfach, doch schon bald ist es vorbei mit der Idylle: Im spielbaren Intro überfällt Risky Boots mit ihren Tinker Bat Piraten das Dorf und reißt sich dabei eine antike Dampfmaschine unter den Nagel, welche der Schatzjäger Mimic auf der Grundlage alter Baupläne konstruiert hat. Die Piratenbraut sucht nun nach vier magischen Steinen, damit sie unendlich viel Dampf produzieren kann, um mit der darauf basierenden Maschine die ganze Welt zu beherrschen. Shantae muss nun durch ganz Sequin Land reisen, um die dunklen Machenschaften zu vereiteln.

Die bezaubernde Dschinni ist zurück!

Im Kern handelt es sich bei Shantae um einen typischen Plattformer. Mittels Steuerkreuz bewegt man sich wie gewohnt nach links und rechts, während man mit A springt und mit B Shantae’s Ponyzopf-Peitsche zum Angriff nutzt. Weitere Attacken können während des Spielverlaufs optional hinzugekauft werden, wie etwa Zauber-Items oder ein Sprungkick, die im regulären Spielverlauf aber nicht zwingend notwendig sind.

Als Wächter-Dschinni von Scuttle Town macht ihr euch nun auf den Weg, um euch noch vor Risky die vier Zaubertafeln zu schnappen. Hierfür streift ihr von Stadt zu Stadt durch die unterschiedlich gestalteten Abschnitte von Sequin Land, die alle miteinander verbunden sind. Dabei wandert man aber nicht nur durch arabisch angehauchte Gebiete: Neben Wüsten gibt es auch noch Geisterwälder, Schattensümpfe, Eisberge und den Wasserfallsee, und jedes unterscheidet sich optisch stark vom vorherigen. Jedes Areal kann seine eigenen Gegnertypen vorweisen, und man sollte äußerst schnell lernen, wie man sie besiegt oder wie man sie meidet. Denn solltet ihr alle Herzen verlieren oder in eine Schlucht fallen, verliert ihr ein Leben und werdet zum Eintrittspunkt (also dem Startpunkt oder einem passierten Höhleneingang) zurückgesetzt. Habt ihr alle Versuche verloren, müsst ihr von eurem letzten Speicherpunkt aus starten, welche bis auf eine Hand voll Statuen ausschließlich in den Dörfern zu finden sind.

Diese klassische, fordernde Spielmechanik kann besonders zu Beginn aufs Gemüt drücken, wenn man noch nicht alle Gegner kennt und auch noch nicht so viele Extra-Herzen gesammelt hat, da man die Reise dadurch schnell wieder von vorne beginnen muss. Allerdings kann das manchmal auch nützlich sein: Denn es wird großzügiger weise nur eure Position zurückgesetzt, Items und „Gems“ (Die Währung des Spiels) bleiben erhalten. Dadurch kann ein Selbstmord oftmals auch einen schnelleren Austritt aus einem Dungeon gewähren.

The Legend of Ali Baba

Magische Steine findet man natürlich nicht einfach in den Wüsten und Wäldern des arabischen Fantasie-Kontinents. Um Risky ihr Zauberspielzeug abzuluchsen müsst ihr natürlich in die tiefsten Winkel der unterirdischen Labyrinthe vordringen. Die von der Oberwelt unabhängigen Dungeons erinnern hierbei stark an The Legend of Zelda, allerdings aus der Seitenansicht. Diese sind ebenfalls mit Puzzles, Schlüsseltüren und Rätseln gespickt, allerdings halten sie sich stets die Waage zwischen Rätseln, Puzzles und Plattform-Elementen. So nutzt die Golem Mine beispielsweise Magnetismus, um Shantae rot oder blau aufzuladen, wodurch sie andersfarbige Gegner und Barrieren anzieht und gleichfarbige abstößt.

Zudem kommt ein weiteres Spielelement zum Tragen, welches ebenfalls an The Legend of Zelda bzw. an Backtracking-Plattformer wie Metroid erinnert, denn Shantae muss in jedem der 4 Haupt-Dungeons einen Bauchtanz erlernen, mit welchem sie sich in eine neue Kreatur verwandeln kann. Anhand der neu erworbenen Fähigkeiten werden auch bis dato unüberwindbare Hindernisse in Sequin Land passierbar. So konnte man ohne die Äffchen-Form beispielsweise nicht auf Klippen klettern, während nur ein Elefant stark genug ist, um sperrige Steinsäulen aus dem Weg zu schaffen. Als Spinne kann man dann an speziellen Wänden entlang klettern, wie es bspw. Mario an Gittern in Super Mario World vormachte. Mit der letzen Form - der Harpie – kann man schlussendlich über alle Gegner Sequin Lands hinweg fliegen.

Im Vergleich zu Shantae: Risky’s Revenge wurden die Dungeons auch mit viel mehr Inhalt ausgestattet, da das Original noch als Vollpreistitel konzipiert wurde. Umso ärgerlicher ist es allerdings, dass es im Spiel selbst keine Oberwelt- oder Levelkarten gibt, wodurch man sich alleine zu Recht finden muss.

Am Ende jedes Labyrinths wartet auch ein Boss auf euch, welche im Vergleich zu den knackigen Dungeons und ihrer Gegner aber relativ leicht zu besiegen sind. Die größte Herausforderung liegt meist darin herauszufinden, wie man das Monstrum verletzt, doch in der Regel wird dafür die neue Tierform benötigt, um Angriffen auszuweichen oder um Schalter zu aktivieren.

Ein Dschinn für 1001 Nacht…

Habt ihr den Kerker wieder verlassen, wird es Zeit, ins nächste Dorf zu schlendern. Stadtareale werden hierbei als 360° Panorama angezeigt, in welchem Schantae mittels B-Knopf mit Dorfbewohnern sprechen oder aber einem der unzähligen Läden einen Besuch abstatten kann. Wenn sie nicht nach neuen Zaubern sucht, kann sie entweder ihr Spiel speichern, im Badehaus ihre Energie regenerieren oder mit einem ihrer ortsansässigen Freunden sprechen, welche ihr dabei helfen die nahegelegenen Dungeons zu öffnen.

Shantae besucht Water Town

In manchen Dörfern hat man auch die Möglichkeit, um „Gems“ zu spielen. Hierbei sollte man allerdings auf die Tageszeit achten, denn das Spiel besitzt ein implementiertes Tag-Nacht-System, welches außerhalb von Dörfern stets voran schreitet. Nachts könnt ihr beispielsweise in Scuttle Town für Gems tanzen, wobei Shantae hierbei wie in Dance Dance Revolution die richtigen Bildschirmbefehle zum richtigen Zeitpunkt aktivieren muss. In Oasis Town habt ihr tagsüber hingegen die Chance, um euren Einsatz zu würfeln. Während man anfangs nur um 5 Gems spielt, so können sich die Beträge bis zum Schluss um das 100-fache steigern, je nachdem wie bald man aussteigt. Die Zombie-Karawane ist sowieso nur nachts auffindbar, und wechselt nach eurem ersten Besuch täglich den Standort. Das Wettrennen gegen Rottytops müsst ihr sogar gewinnen, um euch Zugang zum Dungeon im Zombie-Sumpf zu erlangen. Danach könnt ihr das Minigame erneut spielen, um noch mehr Gems zu gewinnen.

Die Schätze des Sultans

Doch auch während der Wanderungen durch die unterschiedlichen Areale Sequin Lands sollte man auf den Tag-Nacht-Wechsel achten: Denn nachts sind die Gegner doppelt so zäh, dafür findet man aber auch nur nachts eines von 12 Glühwürmchen in jedem Gebiet, mit welchen man in Water Town einen weiteren Tanz erlernen kann. Der Wechsel zwischen den Tageszeiten wird durch die Änderung des Hauptthemas und durch einen Farbverlauf von bunt zu dunkelblau symbolisiert, was für Game Boy Color-Zeiten sehr erstaunlich ist.

Aber auf eurer Reise könnt ihr nicht nur auf Käferjagd gehen: Wie in der Zelda-Reihe könnt ihr in Höhlen und in den Ländereien der Oberwelt Extra-Herzen finden, die eure Energieleiste erweitern. Des Weiteren könnt ihr noch weitere Schätze finden, die es den Tierformen ermöglicht, anzugreifen. Denn ohne diese Extras kann Shantae nur mit ihren Haaren oder mit dem Elefantenrempler Gegner oder Vasen vernichten.

In den Dungeons sind außerdem noch 5 Baby Warp Squids versteckt. Bringt ihr 4 davon zu irgendeiner der Mütter, bringt sie euch einen Warptanz bei, mit welchem ihr euch jederzeit in das jeweilige Dorf zurück teleportieren könnt. Der Ursprungsort der Babys ist dabei egal, denn die Kraken können ihre Kinder ohnehin nicht auseinanderhalten. Allerdings solltet ihr gut darauf achten, zu welcher Mutter ihr die Sprösslinge bringt: Denn habt ihr ein Kind erst mal zurückgebracht, bleibt dieses in der Warp Squid Hut. Komplettisten streben aber sowieso danach, alle Familien wieder zusammen zu führen…

Die schönste Prinzessin im Game Boy Color Land?

WayForward wurde damals hauptsächlich für Auftragsarbeiten eingesetzt, das Studio zeigte damals aber schon, dass es sich dabei nicht nur um Brotjobs handelt: Matt Bozon – mittlerweile Creative Director bei WayForward – nutzte Layertechniken um die limitierte Farbpalette in Lizenzspielen für den Game Boy Color - wie Sabrina the Animated Series – Zapped! und Wendy the Witch: Every Witch Way - drastisch zu erhöhen. Diese Erfahrung nutzte er natürlich auch in Shantae wodurch die bunten Landschaften äußerst beeindruckend wirken, wenn man bedenkt, dass der Titel ursprünglich für Game Boy Color erschienen ist. Die zahlreichen Charaktere wurden außerdem groß genug gestaltet, um das einzigartige Design von Matt einzufangen. Die zahlreichen Animationen, insbesondere die Bauchtänze, lassen die 8-Bit Grafiken außerdem äußerst lebendig erscheinen.

Auch die Musik muss sich nicht verstecken, die meisten Melodien haben Ohrwurm-Charakter und wurden daher auch im Sequel wieder verwertet, allerdings merkt man ein paar von ihnen an, dass man hier an die Grenzen des Game Boy Color Soundchips gestoßen ist. Dafür unterstreichen sie aber gekonnt die jeweilige Atmosphäre: Dungeons und die Nachtthemen erzeugen eine gewisse Spannung, während die Ländereien tagsüber eine entspanntere, spaßigere Stimmung erzeugen. Der Soundtrack stammt übrigens von Jake „DJ virt“ Kaufman, welcher fast ein Jahrzehnt nach Shantae zum „Lead Audio Guy“ von WayForward werden sollte.

Extras und Unterschiede der 3DS Virtual Console-Version

Wie jeder Virtual Console-Titel verfügt auch Shantae über die Quit&Save-Funktion und die optional aktivierbare Speicherpunkt-Funktion. Letztere ermöglicht es, die spärlich verteilten Speicherpunkte des Spiels auszugleichen, um ungünstige Rücksetzpunkte zu vermeiden. Man sollte sich hier allerdings bewusst sein, dass im Gegensatz zum Spiel selbst hier auch die Items zurückgesetzt werden. Für Retro-Fans ist diese Funktion ohnehin ein Sakrileg.

Des Weiteren sollte noch eine Besonderheit der Virtual Console-Version hervorgehoben werden: Denn im Original gab es ähnlich wie in The Legend of Zelda: Oracle of Ages bzw. Oracle of Seasons Extra-Features, wenn man es auf einem Game Boy Advance spielte. Der „GBA Enhanced Mode“ aktivierte neben einer Farbkorrektur für den Game Boy Advance vor allem die Möglichkeit im Shop „Advanced Genies!“ im letzten Dorf des Spiels einen geheimen Tinkerbat-Tanz zu kaufen, mit welchem man sich in einen von Risky’s Schergen verwandeln kann. Diese Kreatur beherrscht einen Säbel-Angriff und kann wie ein Affe an Wänden hochklettern und wie eine Spinne an Netzen und Bäumen entlang krabbeln. Mit B nach unten kann er sogar die Rempel-Attacke des Elefanten ersetzen, wodurch man sich nur noch für die Harpienform und für enge Schächte zurückverwandeln hätte müssen.

Dieser geheime Tanz bleibt für 3DS-Besitzer leider unerreichbar, denn es gibt laut elektronischer Bedienungsanleitung leider keine Möglichkeit, den GBA Enhaced-Mode zu aktivieren. Man fragt sich, wieso die Entwickler es geschafft haben, das Capcom-Logo aus dem Intro zu entfernen, es dann aber nicht für möglich hielten jene RAM-Adresse des Spiels anzusprechen, die dem Game mitteilt, dass die GBA-Features abgespielt werden sollen...

9.0Wertung
Highlight

Fazit

Wo die meisten Jump’n’Runs levelbasierte Action bieten, zaubert Shantae ein Action-Adventure mit einer zusammenhängenden Oberwelt und Zeldaesquen Dungeons, versprüht dabei aber genug einzigartigen Charme, um als eigenständige Serie Fuß zu fassen. Insbesondere die grafische Umsetzung übersteigt hierbei das typische Game Boy Color-Niveau bei weitem. Kenner des DSiWare-Sequels dürfte es außerdem freuen, dass das Original weitaus mehr Inhalt bietet und zudem den Oldschool-Zocker fordert.

Design
9.5
Sound
8.5
  • fesselndes Action-Adventure
  • grafisches Glanzstück des GBC
  • teils geniale Musik
  • schön animiert
  • Rücksetzpunkte spärlich vorhanden
  • keine Levelkarten
  • GBA-Features am 3DS nicht enthalten

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Downloads.

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