
Yoshi?s New Island
Die Wertungen des neuen Yoshi-Abenteuers für den 3DS gehen auf und ab und siedeln sich allenfalls im höheren Durchschnitt an. Auch wir durften den Titel bereits vorab testen und können letztendlich eine klare Kaufempfehlung aussprechen - warum das so ist, erfahrt ihr in unserem Review zu Yoshi´s New Island.
Im entsprechenden Foren-Thread werde ich der allgemein schlechteren Kritik wegen heute noch ein kleines, persönliches Statement abgeben und kann gerne auf Fragen eingehen.

Yoshi?s New Island
3DS
- Genre
- Jump ’n‘ Run
- Serie
- Yoshi
- Entwickler
- Nintendo
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- 3DS
Yoshi’s Island dürfte vielen Spielern bereits ein Begriff sein – anno 1995 als Nachfolger des SNES-Hits Super Mario World auf den Markt gebracht, gilt es bis heute als eines der besten Jump ‚n‘ Runs in der Geschichte der Videospiele. Der Game Boy Advance-Port des Spiels erschien zudem ebenfalls als einer von 20 digitalen Botschafter-Titeln, über die sich frühzeitige 3DS-Käufer freuen durften. Nach der durchaus soliden, aber nicht annähernd guten Fortsetzung für den Nintendo DS wurde es still um den grünen Dino – bis jetzt! Ob Yoshi’s New Island auf dem 3DS wieder den Charme des ersten Teils überbringen kann, erfahrt ihr in nachfolgendem Testbericht!
Falsche Lieferung
Die Geschichte setzt da an, wo der SNES-Teil endet – als der Storch die Baby-Brüder schließlich abgeliefert hat, muss er feststellen, dass er wohl das falsche Haus erwischt hat. Die Eltern geben ihm nämlich zu wissen, dass sie keine Kinder erwarten würden und schicken den gefiederten Boten mitsamt den Säcken, in denen sich Mario und Luigi befinden, wieder auf Reisen. Auf dem Weg zur richtigen Adresse wird er jedoch ein weiteres Mal von Kamek überrascht, der sich kurzerhand eines der Babys unter den Nagel reißt – ihr könnt euch ja denken, welches – und den anderen, rot bemützten Latzhosenmatz wieder unachtsam der Schwerkraft überlässt. Jene zieht ihn auf eine bisher unbekannte, von Yoshis bewohnten Insel, „Yoshi’s New Island“, eben, auf der sich Bowser Jr. bereits seine eigene geheime Festung errichtet und Kamek mitsamt der frischen Beute vermutlich bereits empfangen hat. Glücklicherweise besitzt der Mario-Säugling, der inmitten einer Yoshi-Horde auf sicherem Grund landet, einen sechsten Sinn, welcher ihn direkt zu seinem Bruder führt. Auf dem Rücken der verschiedenfarbigen Dinos macht er sich nun auf, die versteckte Festung seines Erzfeindes zu erobern und sein Bruderherz zu retten.
Back to the Roots
Spielerisch fühlt man sich bei Yoshi’s New Island sofort heimisch – die Umgebungen, die Steuerung und die Aktionen wurden fast 1:1 vom SNES-Original übernommen. Wieder gilt es, sein Können in vielen, verhältnismäßig umfangreichen Leveln unter Beweis zu stellen, welche ebenfalls auf sechs Welten verteilt wurden. Dabei sind präzise Sprünge, geschickter Eierwurf und oftmals auch schnelle Reaktionen gefragt, um sicher ans Ziel zu gelangen und dabei eventuell auch das ein oder andere Sammelobjekt – darunter fallen abermals Sternpunkte, rote Münzen und Gänseblümchen –mitgehen zu lassen.
Die Fähigkeit, Eier zu werfen, sorgt wie schon im SNES-Vorgänger für eine Menge Abwechslung und viele Möglichkeiten, die ein normales 2D-Mario nicht zu bieten hat. Selbstverständlich ist auch Yoshis Flatterflug, der ihn während eines Sprungs weiter tragen lässt, wieder mit von der Partie. Fragezeichen-Wolken sind, auch in der unsichtbaren Form, wieder in hoher Zahl vertreten und reagieren natürlich immer unterschiedlich auf den Beschuss von Eiern bzw. Gegnern – ob es Sternenpunkte entbehrt, eine Sonnenblume zum Vorschein bringt oder einen praktischen Steg zum Vorschein bringt. Ebenfalls beibehalten wurde das Feste-System, sodass der jeweils vierte und achte Level einer Welt ein Schloss mitsamt Endboss darstellt.
Back to the Roots
Die Ähnlichkeiten zum SNES-Vertreter gehen klar über „Anspielungen“ hinaus – die Eier spendierenden Blumen und Blöcke, der regelmäßige Beschuss von brüchigem Gestein und Fragezeichen, zahlreiche Levelelemente sowie Umgebungen und auch die meisten Gegner kennt man einfach schon. Dezent, aber doch haben sich die Entwickler schließlich immerhin dazu überwunden, die eine oder andere Neuerung zu implementieren. Auf der einen Seite wären da die Riesen-Eier, die bei einem Wurf sämtliche Hindernisse gnadenlos wegfegen, wohl aber den auf Yoshi-Eiland physikalischen Gesetzen und Eigenschaften ihrer kleineren Form folgen. Im Gegensatz zu den ebenso großen Eiern aus Metall, die sich ebenfalls von Zeit zu Zeit zeigen – mit einem solchen im Gepäck ist es nicht verwunderlich, dass Yoshis Bewegungen auf einmal träge und langsam werden. Das kann er allerdings zu seinem Vorteil nutzen und erstmals die Umgebungen jenseits des Meeresspiegels erkunden, solange er das Ei auch bei sich trägt. Aufgrund der starken Gewichtsdifferenz zur Normalform lässt es sich nicht mehr werfen, sondern nur rollen; nach der dritten Kollision mit hartem Terrain zerfällt es aber ebenso zu Staub.
Die Yoshi-Verwandlungen – teils alt bekannte, teils neue – werden nun in einer etwas abgeänderten Form präsentiert. Einerseits ist ihnen jeweils ein eigener Raum zugeteilt, der nur mit der Verwandlung betreten und verlassen werden kann; scheitert man am Zeitlimit, darf man sich beliebig oft daran neu versuchen, wobei sich bei einem Neustart auch alle Levelelemente im Raum (bis auf eingesammelte Münzen bzw. Blumen) wieder an ihrem ursprünglichen Platz befinden. Die andere Neuerung stellt die Steuerung dar, die nun zwingend den Einsatz des Gyro-Sensors erfordert. Wer damit an sich kein Problem hat, darf sich aber durchaus über eine reibungslose Kontrolle der jeweiligen Inkarnation des Dinos freuen. So oder so sorgt es definitiv für frischen Wind im Gameplay, beispielsweise als Schlagbohrer durch brüchige Blöcke zu donnern oder als Heißluftballon gen Himmel zu steigen.
Bonus-Spielräume, Rubbel-Lose oder 1-Up-Memory tauchen im aktuellen 3DS-Abenteuer nicht mehr auf. Sehr wohl gibt es aber natürlich wieder verstecke Gebiete, die Sammelobjekte und teilweise auch die ein oder andere kleine Überraschung beherbergen. Das Blumenroulette am Ende eines Levels bleibt auch bestehen und versorgt euch bei Halt an einer Blume mit Medaillen. Wenn ihr genug in einer Welt gesammelt habt, wird auf der Karte ein Bonusspiel freigeschaltet, in dem ihr euch als Yoshi-Verwandlung durch einen Kurs schlagen müsst. Apropos Freischalten: Wer sämtliche optionale Objekte in einer Welt ergattert, wird wieder mit Spezial-Levels belohnt. Auch hier gibt es eine kleine, aber feine Neuerung: In einem Durchlauf müssen nicht mehr alle Sammelgegenstände auf einmal eingeheimst werden, sondern lediglich alle einer Art. Sprich: Wer mit allen 5 Gänseblümchen und dem Komplettsatz von 20 roten Münzen den Level verlässt, sich aber über einen verschenkten Sternepunkt ärgern muss und so nur 29 mit ins Ziel trägt, braucht beim nächsten Versuch nur noch auf die Sternpunkte zu achten. Highscores, wie es bei Super Mario World 2 gab, sind keine mehr vorhanden.
Never change a running system
Beim Leveldesign warten die Entwickler nur mit wenigen Überraschungen auf, kommen mit der Qualität selbst aber sehr nahe an die Original-Stages aus dem SNES-Hit heran – es macht richtig Bock, das Eiland zu durchkämmen und sollte dank der alt bekannten Sammelgegenstände auch wieder fleißige 100%-Jäger ansprechen. Trotz der zahlreichen übernommenen Spielelemente besitzen alle Stages wieder ihren eigenen Charme und übersättigen zu keinem Zeitpunkt. Auch die neuen Bosskämpfe sind abwechslungsreich, erfordern Taktik und konnten innovativ eingebracht werden. Erfahrene Spieler und Kenner werden sämtliche Welten problemlos bestehen können und den Game Over-Screen nie zu Gesicht bekommen – das liegt vor allem daran, dass man, sofern man die Level auch nur halbwegs erkundet, durch Münzen und versteckte 1-Ups unzählige Leben horten wird. Bis auf wenige Ausnahmen wird Yoshi’s New Island höchstens erst beim Sammeln aller Gegenstände in den freischaltbaren Spezial-Levels richtig knifflig. Blutige Anfänger dürfen sich zudem nach mehreren verloren Versuchen die von Röhren-Rudi bereitgestellten Flügel schnappen, um endlos lange fliegen zu können.
Kommen wir zurück auf das oben zitierte Motto „Never change a running system“ – Yoshi’s Island für SNES ist ohne Frage ein grandioses Spiel, was der Übernahme einiger Spielelemente im neuen 3DS-Abenteuer natürlich nicht schadet. Durch das dezente Maß an Neuerungen kann man auch kaum von einem reinen Level-Update sprechen, für ein vollwertiges Sequel reicht es schlussendlich aber auch nicht. Inwiefern der Spieler diese Tatsache akzeptiert, hängt letztendlich vom subjektiven Eindruck ab – dass Yoshi’s New Island in spielerischer Hinsicht seinem fast 20 Jahre altem Vorbild nur wenig nachsteht, spricht aber definitiv für sich.
Teamplay
Eine erfrischende, kleine Neuerung bietet Yoshi’s New Island mit seinem kooperativen 2-Spieler-Modus. Während der Abenteuermodus nur alleine bestritten werden kann, sorgen sechs freischaltbare Minispiele für kurze, lustige Partien zu zweit. So gilt es etwa im „Flatterfinale“, mithilfe Yoshis Flatterflug so weit wie möglich zu kommen. In anderen Disziplinen gilt es, Eier zu legen, Sternpunkte zu ergattern oder Ballons zu zerstampfen. Am Schluss bzw. nach Ablauf der Zeit werden die Punkte ausgewertet und in die Highscore-Liste der Spieler bzw. des Spielers (je nachdem, ob beide Teilnehmer ein Modul besitzen – es kann sowohl per Multicard-Option als auch per Download-Play gespielt werden) eingetragen. Die Minispiele verschaffen dem Spiel nicht unbedingt eine höhere Gesamtwertung, sind aber eine nette Ergänzung für kurzweilige, schnelle Coop-Partien.
Technisch im grünen Bereich
Die technische Aufmachung wurde im Prinzip vom SNES-Vorgänger bzw. dem GBA-Port übernommen. Der Spieler kann zwischen zwei Steuerungstypen auswählen, die hauptsächlich den Tausch von Sprung- und Schnapp-Taste vorsehen. Dem Ei-Ziel-System wurde den bekannten Modi „Hastig“ (R auslassen = werfen) und „Ruhig“ (R nochmal drücken, um zu werfen) noch die Möglichkeit, per Gyro-Sensor zu zielen, hinzugefügt. Selbstverständlich funktioniert die Steuerung absolut problemfrei und kann sogar mit der Gyro-Sensor-Steuerung der Yoshi-Verwandlungen punkten.
Obwohl einige Umgebungen und Spielelemente aus dem Original übernommen wurden, präsentiert sich Yoshi’s New Island grafisch eher in einem Stil, der in Yoshi’s Story gepflegt wurde. Die liebevoll gestalteten Gebiete kommen aber natürlich auch hier voll zur Geltung, was die optische Aufmachung letztendlich als Frage des persönlichen Geschmacks im Raum stehen lässt. Der 3D-Effekt ist dabei vollkommen in Ordnung, erbringt in der 2D-Spielwelt aber erwartungsgemäß keine überdurchschnittlich guten Leistungen.
Musikalisch bietet das Spiel wieder komplett neue Melodien, die in ihren Klängen klar an den SNES-Erstling erinnern, aber doch vollkommen eigenständige Lieder darstellen. Wie schon damals ist der Soundtrack nicht sonderlich umfangreich, weshalb man zahlreiche Musikstücke in mehreren Levels zu hören bekommt. Im Großen und Ganzen hat die musikalische Untermalung ihre Höhen und Tiefen, ist im Gesamtbild aber durchaus gelungen – an die genialen Ohrwürmer aus Super Mario World 2 kommt sie jedoch nicht heran.
Fazit
Yoshi’s New Island ist ein großartiger Titel, der den spielerischen Qualitäten seines SNES-Vorbilds wenig nachsteht. Neuzugänge und Gelegenheitsspieler sollten definitiv einen Blick darauf werfen, Genre-Fans und alteingesessene Zocker können bedenkenlos zugreifen, dürfen aber nicht allzu viel Neues erwarten.
- Tolles Leveldesign
- Gelungene Steuerung
- Altbewährte Formel...
- ...ohne großartige Neuerungen
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


