
Wii Party U
Mit den Mario Party-Teilen ging es eine Zeit lang ja Schlag auf Schlag, mittlerweile werden neue Ableger aber nur noch spärlich veröffentlicht. Dafür aber hat Nintendo mit Wii Party eine neue Serie ins Leben gerufen, die kürzlich ihr Wii U-Debut feiern durfte.
Ob Wii Party U genau das richtige für einen unterhaltsamen Spieleabend ist oder doch schon nach kurzer Zeit ausgedient hat, erfahrt ihr im entprechenden Testbericht!

Wii Party U
WIIU
- Genre
- Spaß-Spiel
- Entwickler
- Nintendo
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- WIIU
- Spieler
- 1–4 lokal
Vom zweiten Drittel der N64-Ära bis zum ersten Sommer des Wii-Zeitalters konnte man sich, abgesehen von einer Kunstpause anno 2004, stets darauf verlassen, dass sich Mario und Konsorten pünktlich wie ein Uhrwerk alle Jahre wieder zusammen einfinden würden, um ordentlich Party zu machen – und trotz Ermangelung an nennenswerter Innovation in geselliger Runde immer eine Menge Spaß zu bringen! Doch gemeinsam mit dem Jahr 2007 schien sich auch die Serie zu verabschieden, und als nach zahlreichen partylosen Monaten auf der E3 2010 plötzlich Wii Party angekündigt wurde, sah es verdächtig danach aus, die neue, Mii-basierte Sausen-Serie würde den Nintendo 64-Veteranen ersetzen...
Nun, dass dem nicht so ist, wissen wir, seit wiederum ein Jahr später überraschend Mario Party 9 angekündigt wurde, welches vergangenes Jahr erschien und mit einigen radikalen und für Serienfans gewöhnungsbedürftigen, aber überaus mutigen Innovationen endlich wieder mal frischer wirkte und wirklich zu gefallen wusste! Entgegen aller Vorzeichen existieren die beiden von ein und demselben Team stammenden Serien heute also parallel – was auch bedeutet, dass sich das aktuelle Wii Party-Sequel, dessen Titel lediglich mit einem “U“ erweitert wurde nun sowohl mit seinem direkten Vorgänger als auch mit MP9 messen muss: Wer behält die Oberhand – Marios Party Animals oder die Mii-Sause?
Spielhalle für zu Hause
Nun, fairerweise sollte gleich dazugesagt werden, dass sich trotz all der Gemeinsamkeiten die beiden Serien nicht zu 100% miteinander vergleichen lassen, denn abseits der „TV-Party“-Spielbretter und der verschiedenen Minispiel-Meisterschaften der Marke „Wer als erstes x zufällig ausgewählte Minigames gewinnt, ist der Gesamtsieger!“, welche ausgesprochen stark an Mario Party erinnern, bietet Wii Party U auch einige Nettigkeiten an, welche in der „Schwesterserie“ überhaupt kein Äquivalent haben: Neben einigen auf klassischen, analogen Partyspielen basierenden „Zimmerspielen“ wie einer „Pictionary“-Abart oder fingerverrenkendem Wii-FB-Twister (schade eigentlich, dass das überraschend spaßige Wiimote-Verstecken aus dem Vorgänger kein Revival erlebt!) stechen hier vor allem die 2-Spieler-exklusiven Game Pad-only-Spielchen hervor, welche ein echtes kleines Highlight darstellen!
Denn jene Tabletop-Disziplinen wie Air Hockey oder Kugellabyrinth mit ihrer einfachen, aber reichlich kultigen Steuerung machen tatsächlich unwahrscheinlich viel Spaß: Ein kleiner Tisch, auf dem ihr das Pad platziert (optional mittels des beiliegenden Aufstellers stabilisiert) und ein Kumpel sind alle Zutaten, die ihr für hitzige Duelle benötigt – typischerweise steuert hier jeder Kontrahent mit jeweils einem der beiden Sticks, welcher ungewohnterweise mit Daumen und Zeigefinger bedient wird, manchmal in Kombination mit einer Schultertaste oder dem Touchscreen, was nach einer kurzen Eingewöhnungsphase wesentlich intuitiver von der Hand geht als es sich anhören mag und bald für ein Feeling sorgt, als stündet ihr wirklich gemeinsam vor einem schön altmodischen Air Hockey-Tisch im Wiener Prater oder hieltet ihr eines dieser netten, rein mechanischen Murmel-Labyrinthe von anno dazumal in den Händen!
Wo ist das Vögelchen?
Das Herzstück des (übrigens wieder reichlich preiswert im Bundle mit einer Wii Remote Plus ausgelieferten) Spiels stellt dann aber doch der TV-Party-Modus dar, welcher ob seiner Ähnlichkeit wieder einen gewissen Vergleich herausfordert: Ja, der Hauptteil Wii Party U spielt sich schon wie der Vorgänger überwiegend wie ein „Mario Party Light“! Nicht in Bezug auf die Minispiele – davon gibt es wieder 80 Stück, und auch wenn ihr beim hektischen Entkommen aus einer Raumstation, einem olympischen Stabhochsprung oder der Foto-Safari inklusive einer ornithologischen „Wo ist Walter?“-Version (Finde das grimmige Vögelchen mit den buschigen Augenbrauen unter zahlreichen ähnlichen Artgenossen!) sicherlich so manches Déjá Vu erleben werdet, so machen sie doch viel Spaß in geselliger Runde! Und während hier zumeist mit Wii Remotes gesteuert wird, darf man sich stets freuen, wenn einmal ein 1-vs-3-Spielchen bestanden werden muss – denn hier weht durch die Game Pad-Einbindung des Einzelspielers durchaus ein angenehmer, frischer Wind: Wenn die Dreierbande etwa einen gefährlichen Tempel erkundet und nur vage Hinweise darüber erhält, in welchen Bodenplatten der böse Touchscreen-Nutzer seine fiesen Archäologen-Fallen versteckt hat, kommt Freude auf!
Auch die separat anwählbaren Minispiel-Meisterschaften fallen teilweise durchaus originell aus und müssen sich keinesfalls hinter den verwandten Turnieren aus der Mario Party-Serie verstecken: Während etwa „Schnappt den Schummler!“ aus dem Vorgänger übernommen wurde, aber immer noch äußerst lustig ist (Einer der Teilnehmer erhält jeweils Cheat-ähnliche Zusatzkräfte, die ihm die Bewältigung seiner Aufgaben stark erleichtern – kommt ihm aber jemand seiner Kollegen auf die Schliche und überführt ihn, geht es ihm schlecht!), gefällt besonders jene (neue) Variante, in der ihr in Verbindung mit den zwischenzeitlich eingestreuten Minigames eine fünfköpfige Fußballmannschaft zusammenstellt und mit ihren Trikot-Nummern quasi Poker spielt: Echt mal was Anderes!
Brücken-Marathons und Insel-Expeditionen
Nein, die „Mario Party Light“-Klassifikation bezog sich auf das Drumherum in Form der Spielbretter: Nicht nur, dass es lediglich drei davon in Wii Party U gibt, sie fallen auch noch wesentlich simpler als in der Schwesterserie aus! Man betrachte etwa das erste Brett „Brückensprinter“: Reihum würfeln, ziehen, auf normalen oder Sonderfeldern landen, jede Runde ein Minigame zocken – ja, das dürft ihr hier natürlich alles tun. Aber Abzweigungen? Hilfreiche Items? Interaktion mit NPCs? Fehlanzeige – ihr rennt gemäß des Namens über eine riesige, aber streng lineare Brücke, haltet ab und zu an, um mit der richtigen Augenzahl ein Hindernis zu „zerwürfeln“ und gewinnt, wenn ihr das Ziel als erster erreicht habt: Unspektakulär. Ja, im Multiplayer macht es trotz allem Spaß – das müssen auch von der Einfachheit Enttäuschte zugeben. Aber dennoch: Hier wäre viel mehr möglich gewesen!
Das zweite Brett, die „Game Pad-Insel“, erinnert mit seinen Dschungelruinen dagegen an die „Insel der Abenteuer“ aus dem Prequel und sorgt mit bröckeligen Brücken, die Unglückliche zu gefährlichen Alternativrouten schicken und Krokodilen, welche ihr mit entsprechendem Würfelglück als lebendige Abkürzungen durch den Sumpf zweckentfremden dürft, für ein nettes Abenteuer-Feeling und wenn ihr zur Überwindung eines Hindernisses die Touchscreen-Seite des Game Pads von euch weg halten, aber gleichzeitig darauf per Stylus einer Linie folgend malen müsst, kommt das schon einmal einfallsreicher rüber als das bloße Würfeln beim Brückensprinter.
NIMM DAS GAME PAD!
Apropos Würfeln: In besagtem Modus treten „normale“ Minispiele nur sporadisch auf und der spielerische Fokus liegt stattdessen auf Mikro-Spielchen, welche das klassische Würfeln ersetzen: So müsst ihr etwa einen einarmigen Banditen anhalten, eine Kanonenkugel auf ein Feld mit einer möglichst hohen Zahl schießen oder ins Mikrofon pustend einen Tischtennisball in der Luft halten oder einen für euch nicht sichtbaren Luftballon aufblasen, ohne ihn platzen zu lassen, um euch eure Würfelzahlen zu verdienen: Nette Idee! Schade allerdings, dass diese Kulisse insgesamt deutlich reizvoller ausfällt als die zuvor besprochene Brücke, allerdings nicht mit dem klassischen Prinzip mit einem „normalen“ Minispiel pro Runde gezockt werden kann – jene fallen natürlich spielerisch gehaltvoller als die Würfel-Spielchen aus und treten in diesem Modus stark in den Hintergrund. Eine Auswahlmöglichkeit wäre hier schön gewesen! Und ob es wohl gewollt war, dass das hier äußerst oft zu hörende Voice Sample „Nimm das Game Pad!“ sich irgendwie ziemlich passiv-aggressiv anhört...?
Das dritte Spielbrett dagegen bringt durchaus eine Prise Taktik ins Spiel: Hier bewandert ihr ein Festival-Gelände und versucht, in den verschiedenen Shops möglichst zueinander passende Kostüm-Elemente zu ergattern, um dann bei den regelmäßig stattfindenden Mode-Events möglichst viele Punkte abzuräumen! Ein Steinzeit-Outfit besteht aus nicht viel mehr als einem Lendenschurz und ist von daher einfach zusammenzustellen – wer dagegen etwa ein Mario-Kostüm zusammenstückeln will, muss dafür schon jeweils einen Hut-, Hemd-, Hosen- und Schuh-Laden besuchen, was ungleich aufwändiger ist, erhält dafür im Erfolgsfall aber auch einen deutlich höheren Score!
Mii-Cosplay
Hier werden die Minispiele zwar nicht automatisch jede Runde ausgetragen, aber dennoch wesentlich häufiger als auf der Game Pad-Insel und es wurde zwar wieder auf Abzweigungen verzichtet, dafür feiern hier endlich Items in Form von Mario Party 9-mäßigen Spezialwürfeln (z.B. solche, die nur die Augenzahlen 4, 5 und 6 besitzen) ihren Einstand: Wer taktieren will, ist hier definitiv am besten aufgehoben und wird dabei auch seinen Spaß haben! Dennoch schade, dass auch dieses Brett in puncto Komplexität bei weitem nicht an die „Weltreise“ aus dem Vorgänger herankommt, wo ihr die gute alte Erde völlig nonlinear bereisen durftet....
Kurz, Wii Party U macht manches besser und anderes schlechter als das Wii-Prequel – anderswo stagniert es dagegen ziemlich: So sieht die Grafik auf den ersten Blick schlicht wie eine höher aufgelöste Version der Optik des Vorgängers aus – und das ehrlich gesagt auch auf den zweiten und dritten. Ja, mit der Zeit entdeckt man doch ein paar durchaus schicke Effekte wie einen mit grünem Filz überzogenen Casino-Tisch, die schicken Wasser-Effekte im Ninja-Spielchen und die liebevoll gestalteten, idyllischen Hintergrund-Landschaften beim Stabhochsprung, aber insgesamt wirkt die Erscheinung des Spiels dann doch wie von Teil 1 gewohnt unspektakulär und ziemlich steril: Ein Mario Party mit seinen ausgeprägten Charakteren versprüht da um Welten mehr Charme – hier dagegen taucht ab und zu mal ein niedliches Tierchen auf, aber sonst erwarten euch neben all den generischen Miis nur die beiden Moderatoren Party-Paule und Party-Paula (ob man die zwei lustig oder nervig findet, mag Geschmackssache sein – ihre Namensgebung passt dagegen unzweifelhaft perfekt!); etwas schwach gegen all die den Spielverlauf beeinflussenden und mehr Persönlichkeit besitzenden Bowsers, Buu Huus, Gumbas oder Donkey Kongs aus der Schwesterserie.
Nicht perfekt, aber gut!
Und um Mario einmal außer Acht zu lassen: Auch und gerade im Vergleich zu Nintendo Land, welches vor einem Jahr schön aufzeigte, dass auch ein Mii-basiertes Spiel richtig schick und individuell aussehen kann, enttäuscht Wii Party U optisch; dass die Musik OK, aber nicht ohrwurmträchtig ausfällt, wundert da nicht. Aber genug gemeckert: Trotz der Versäumnisse bezüglich sich aufdrängender Verbesserungen dem Vorgänger gegenüber handelt es sich bei dem Titel um ein tolles Partyspiel, der euch und euren Freunden so manchen Abend versüßen wird! Die Betonung liegt allerdings auf „Partyspiel“ – aufgrund des Fehlens einer Single-Player-Kampagne und nur sehr wenig Unlockables haben Solisten erwartungsgemäß wesentlich weniger von Wii Party U.
Fazit
Nichts für reine Einzelspieler und kein technisches oder Ideen-Feuerwerk, aber dennoch ein großer Spaß: Zahlreiche Minispiele, raffinierte, kleine Highlights wie die Tabletop-Spielchen auf dem Game Pad und lustige Partien trotz übermäßig simpler Spielbretter machen viel Freude, also nicht vom eher ernüchternden ersten Eindruck abschrecken lassen! Wer ein Party-Spiel für die Wii U sucht und Nintendo Land bereits besitzt, ist mit Wii Party gut beraten; und das Preis-Leistungs-Verhältnis – das Bundle mit Wii-FB Plus kostet schließlich kaum mehr als der Controller alleine – ist ohnehin, wie schon beim Vorgänger, unschlagbar!
- variantenreiche Modi
- spaßige Minigames
- coole Tabletop-Spiele
- super Preis-Leistungs-Verhältnis
- nichts für reine Solo-Spieler
- technisch unspektakulär
- allzu simple Spielbretter
- eher sterile Atmosphäre
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


