
Deus Ex: Human Revolution - Director?s Cut
Es gibt Spiele, die es den Nachfolgern schwer machen, in ihre Fußstapfen zu treten. Dazu gehört auch Deus Ex, welches ursprünglich ein Shooter war und aus der Feder des prominenten Entwicklers Warren Spector stammt.
Nach einem doch sehr erfolgreichen zweiten und dritten Teil erschien nun eine überarbeitete Version des letzten Ablegers für die Wii U.
Wie sich das Spiel schlägt und ob die zusätzlichen Features einen Kauf rechtfertigen, könnt ihr in unserem Spieletest zu Deus Ex: Human Revolution - Director´s Cut nachlesen.

Deus Ex: Human Revolution - Director?s Cut
WIIU
- Genre
- Action-Adventure
- Entwickler
- Square Enix
- Publisher
- Square Enix
- Konsole
- WIIU
Es gibt Spiele, die es den Nachfolgern schwer machen, in ihre Fußstapfen zu treten.
Dazu gehört auch Deus Ex, welches ursprünglich ein Shooter war und aus der Feder des prominenten Entwicklers Warren Spector stammt.
Schon der Nachfolger Invisible War wagte sich einige Schritte weg vom reinen Actiontitel hin zum Rollenspiel. Dieser Aspekt wurde im dritten Teil Human Revolution noch mehr hervorgehoben. So gilt es, den Protagonisten mit Hilfe von neuer Ausrüstung, Waffen und Verbesserungen auf das, was ihn erwartet, vorzubereiten.
Der dritte Teil von Deus Ex ist im Jahre 2027 angesiedelt – also vor dem zweiten Teil und für uns in nicht allzu ferner Zukunft. Zu dieser Zeit ist die Kybernetik weit vorangeschritten; fast jedes Körperteil kann durch ein künstliches Pendant ausgetauscht werden. Das Ganze ist zwar noch als solches erkennbar, aber in seiner Funktion und Leistung dem biologischen weit überlegen.
Dass diese technologische Errungenschaft natürlich auch für militärische Zwecke genutzt werden kann, ruft Widersacher ebenso auf den Plan wie die Tatsache, dass viele auch einen Verlust der Menschlichkeit befürchten.
Radikale Demonstrationen, Ausschreitungen und Anschläge sind die Folge. Einem solchen fällt unser Held Adam Jensen beinahe zum Opfer. Als Sicherheitschef bei Sarif Industries, einem der führenden Hersteller solcher Implantate, gerät er zwischen die Fronten und wird fast getötet.
Nur mit Hilfe zahlreicher Eingriffe kann sein Leben gerettet werden. Da wenig von seinem eigentlichen Körper gerettet werden kann, besteht Adam fortan aus einer Ansammlung von High-Tech-Prothesen und Implantaten.
Seine Freundin, eine hochrangige Wissenschaftlerin bei Sarif, hatte, ebenso wie zahllose Kollegen, nicht so viel Glück.
Nach nicht mal einem halben Jahr nimmt Adam die Arbeit für seinen Boss David Sarif wieder auf.
Euer erster Einsatz ist die Rückeroberung eines Labors, welches von sogenannten Puristen, die strikt gegen den Einsatz von Biomechanik sind, übernommen wurde. Im Laufe eurer Ermittlungen kommen immer mehr Fragen an den Motiven und Hintergründen einzelner Personen auf – vieles ist nicht, wie es zu sein scheint.
Director’s Cut
Es ist schon etwas ungewöhnlich, über zwei Jahre nach einem Release nochmals eine überarbeitete Version eines Spiels auf den Markt zu bringen. Grund hierfür dürfte unter anderem sein, dass sich der Titel zwar gut verkaufte, es aber dennoch einige Punkte gab in denen das Spiel übereinstimmend kritisiert wurde.
So wurden für den DC die verbesserte KI und Grafik aus der Erweiterung The Missing Link übernommen – diese ist im Übrigen, ebenso wie die Zusatzmission Tongs Rettung, enthalten. Die Bosskämpfe, welche ebenfalls in der Kritik standen, wurden auch überarbeitet.
Habt ihr das Spiel beendet, so steht euch der New Game+ Modus zur Verfügung, in dem ihr direkt zu Beginn eure Augmentierungen freigeschaltet habt; dadurch ergeben sich andere Lösungsmöglichkeiten und Strategien.
Außerdem besteht die Möglichkeit, Bilder aufzunehmen , diese mit Kommentaren zu versehen und via Miiverse zu teilen. Das GamePad dient hierbei als Kamera und Notizblock. Man kann auch eine kurze Audioaufnahme zu einem Bild zuordnen. Diese ist aber leider nur lokal verfügbar.
Obendrein beinhaltet der Director`s Cut noch einige Stunden an Entwicklerkommentaren. Diese können im Menü eingeschaltet werden. Sobald ihr einen Punkt erreicht an dem ein Entwickler einen Kommentar hinterlassen hat, kann dieser dann optional abgespielt werden.
Das verschlingt zwar zusätzlich Zeit und unterbricht den eigentlichen Spielfluss; es ist dennoch wirklich sehr interessant zu hören was den Entwicklern durch den Kopf gegangen ist, als sie die jeweilige Szene umgesetzt haben.
Die Entscheidung liegt bei dir
Das vom ursprünglichen Erfinder der Serie immer wieder angepriesene System der freien Entscheidung wird in Human Revolution gut durchgesetzt. So gibt es immer mehr als einen Weg, die Probleme anzugehen. Ob ihr nun den verbalen Konflikt, die direktere, gewalttätige und meist tödliche Auseinandersetzung sucht oder euch schlichtweg möglichst für alle unsichtbar zu eurem Ziel schleicht, bleibt euch überlassen.
Das Spiel stellt euch fortlaufend vor Entscheidungen, die auch ihre Konsequenzen haben.
Helfe ich jemanden oder lehne ich ab? Kann ich es mir leisten, die Anfrage abzulehnen, auch wenn sie nicht 100% moralisch ist? Schließlich brauche ich auch etwas von meinen Gegenüber!
Schmeichle ich mich ein? Oder drohe ich? Aber nicht nur in der Konversation werden Weichen gestellt, auch euer Kampfverhalten spielt eine wichtige Rolle. Wer plump alles und jeden niedermetzelt, muss mit Konsequenzen rechnen.
Oftmals ist es einfacher, unbemerkt einzubrechen, den Auftrag zu erledigen und unbemerkt wieder zu verschwinden. Manchmal ist es sogar von Vorteil, den Gegner erst auf sich aufmerksam zu machen und sich dann, zum Beispiel durch einen Lüftungsschacht, um ihn herum zu bewegen.
Es ist nicht immer von Nöten, dass ihre eure Gegner direkt tötet. Ihr könnt euch auch anschleichen und den Widersacher “sanft“ ins Reich der Träume befördern.
Gleichgültig, von welcher Natur euer Verhalten geprägt ist, werdet ihr bei guter Ausführung entsprechend besser belohnt. Allerdings wird der gewaltfreie und unauffällige Part etwas mehr honoriert.
Dennoch stehen euch nicht immer alle Lösungswege offen – vielmehr hängt es auch von euren Fähigkeiten ab, wie ihr ans Ziel gelangt. So muss für das Hacken mancher Türmechanismen ein gewisser Level erreicht werden, oder aber ihr müsst eure Arme genügend aufgelevelt haben um besonders schwere Gegenstände zu bewegen. Je nachdem, wie ihr euren Charakter also ausrichtet, könnt ihr gewisse Fähigkeiten auch verstärkt zum Lösen eurer Missionen einsetzen.
Fitnessstudio war gestern
Mit Hilfe von sogenannten Praxis-Kits kann Jensen weiter optimiert werden. Auf eurem Gamepad seht ihr im Menü Augmentierungen euren aktuellen Stand und könnt via Klick bestimmte Bereiche upgraden. Im Schädel werden vor allem eure Fähigkeiten im Hacken verbessert.
Euer Rumpf beheimatet unter anderem eure Gesundheits- und Energieversorgung.
Die Arme können verstärkt werden, um auch schwere Gegenstände zu bewegen, außerdem können sie stabilisiert werden um genaueres Zielen zu ermöglichen.
Zusätzliche Wahrnehmung erhaltet ihr durch Upgrades in den Augen.
Der Rücken kann verstärkt werden um effektiver im Nahkampf und gefeiter gegen Stürze aus größeren Höhen zu sein.
Optimierung an der Haut reduziert den Schaden, den man erleidet und erlaubt es auch, zeitweise unsichtbar zu werden.
Zu guter Letzt können die Beine noch verbessert werden, um schneller zu laufen, leiser zu schleichen und weiter zu springen.
Je nachdem, wie ihr das Spiel spielen wollte, empfiehlt es sich, die jeweiligen Gebiete verstärkt aufzuwerten. Wer also lieber hackt und schleicht, der sollte seine Punkte hier investieren. Ein Kämpfer hingegen sollte auf Kraft, Geschwindigkeit und Resistenz setzen.
Lebendige Geisterstadt
An diesem Punkt ist das Spiel absolut zwiegespalten. Die Welt, in der das Spiel angesiedelt ist, wirkt absolut real und authentisch. Die Einrichtungsgegenstände, Geschäfte, Fahrzeuge – einfach alles wurde bedacht. Der Titel vermittelt einem wirklich, sich in einer nicht allzu fernen Zukunft durch eine Stadt zu bewegen. Zudem kann man überall Nachrichten, eBooks und Mails lesen. Diese liefern zusätzliche Hintergrundinformationen zu Personen, aktuellen und vergangenen Geschehnissen.
Durch die Vielzahl an Informationen spürt man förmlich die Spannungen, die sich durch die Kontroverse um Biomechanik auftun. Von dieser Warte aus gesehen ist die Welt absolut lebendig.
Leider sind die Bewohner selbst aber sehr steif, in den Straßen herrscht kaum Bewegung. Meist stehen die Personen nur einzeln oder in Gruppen herum und reagieren nur, wenn sie angesprochen werden. Lediglich Bewohner nicht so feiner Viertel lassen euch deutlich spüren, was sie von Augmentierungen halten.
Leider fällt es einem auch nicht so einfach, sich mit dem Helden zu identifizieren. was für ein Rollenspiel allerdings sehr wichtig ist. Zu Beginn merkt man Jensen an, dass er mit seinem Schicksal hadert; in seinem Apartment findet man sogar Spuren in Form eines zerschlagenen Spiegels. Wirklich tiefer geht es aber leider nicht.
Ob er nun von Selbstmitleid zerfressen oder von Rachedurst getrieben wird – es ist einfach essentiell, dass die Spieler mit ihrem Helden mitfühlen können und das ist bei Jensen leider nicht so einfach.
Technik
Optisch kann sich Deus Ex: Human Revolution durchaus sehen lassen. Die Städte wirken durch ihr Detailreichtum sehr real. Seien es die Geschäfte oder die Reklame, es gibt immer Neues zu entdecken; lediglich die Bewohner könnten etwas aktiver sein.
Zudem wirken die Gesichtszüge aller Personen, trotz Verbesserungen im DC, oftmals noch hölzern und starr.
Generell schwankt die KI stark: Während manche Gegner euch zielgerichtet suchen und auf verdächtige Veränderungen in ihrer Umgebung reagieren, laufen andere direkt an eurer Nase vorbei, ohne euch zu bemerken.
Im Kampf lassen sich die Widersacher leicht manipulieren und in Fallen locken. Auf der einen Seite ist dies sicherlich Teil des Gameplays, auf der anderen Seite wohl einfach mangelnde Gegnerintelligenz.
Jensen selbst wirkt in Auseinandersetzungen leider etwas schwerfällig. Dadurch verlangsamt sich das Geschehen in Feuergefechten ziemlich und nimmt dem Spiel etwas an Geschwindigkeit; hier wäre es wünschenswert gewesen, wenn unser Held etwas agiler wäre.
Die Sprachausgabe ist exzellent und auch die musikalische Untermalung ist stimmig und passt ins Konzept.
Die Steuerung funktioniert sehr gut und das GamePad wird sinnvoll eingebunden.
So seht ihr dort im Normalfall die Umgebungskarte, könnt aber auch nahtlos in sämtliche Menüs umschalten, um euch auf- oder umzurüsten. Auch die Aktion des Hackens wird auf dem Pad in Form eines Minigames dargestellt.
Die Ladezeiten wurden zwar optimiert, fallen stellenweise aber doch etwas länger aus.
Fazit
Der Director`s Cut von Deus Ex: Human Revolution ist natürlich kein neues Spiel. Er hat aber definitiv einige Schwachstellen des ursprünglichen Spiels ausgebügelt und erhält durch Tongs Rettung und The Missing Link auch die kompletten Zusatzinhalte.
Zusammen mit den zusätzlichen Features wie zum Beispiel den Nachrichtenoption für das Miiverse und den Entwicklerkommentaren erhalten Besitzer der Wii U das volle Deux Ex-Programm. Leider aber auch das teuerste.
Obwohl der Held Jensen etwas blass bleibt und das Spiel technisch nicht auf dem allerneusten Stand ist, so kann es dennoch in seinen Bann ziehen. Die Handlung findet in einer nicht allzu fernen Zukunft statt und das Hauptthema ist alles andere als abwegig.
Die Animosität zwischen den beiden Gruppen ist jederzeit zum Greifen nahe. Durch die vielen Informationen, die dem Spieler via Nachrichten, Mails etc. zur Verfügungen stehen, erhält der Titel enormen Tiefgang. Die Atmosphäre ist genauso dicht wie packend und durch die Freiheiten, die einem das Spiel im großen Maße bietet, hat man fast jede Möglichkeit diese voll zu genießen.
Wer Deus Ex Human Revolution bisher noch nicht gespielt hat, dem sei das Spiel also wärmstens ans Herz gelegt.
- viele Lösungswege
- tolles Setting
- starke Verbesserungen im DC
- viel Freiheiten für den Spieler
- unbelebte Städte
- Kämpfe sehr statisch
- optisch nicht ganz up2date
Vielen Dank an die Firma Square Enix GmbH für die Bereitstellung des Testmusters.


