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Messebericht: Game City 2013

Messebericht: Game City 2013

Benjamin F.

Wie wir bereits berichteten, findet seit Freitag die Game City im Wiener Rathaus statt. Wir waren als Normalo-Besucher vor Ort und möchten euch einen Eindruck vermitteln, wie sich die österreichische Videospielmesse im Vergleich zur gamescom schlägt, was es genau zu sehen gibt und ob sich ein Besuch überhaupt lohnt.

Unsere Eindrücke haben wir im Messebericht zur Game City 2013 zusammengefasst, der sicherlich nicht nur für unsere österreichischen Leser sehenswert ist.

Außerdem haben wir eine kleine Fotogalerie angelegt, die Impressionen von der Cosplay-Parade und der Location enthält.

Viel Spaß beim Lesen!

Als Europas größte Videospielmesse ist die gamescom nicht nur deutschen Gamern ein Begriff – immerhin ist auch der Anteil an internationalen Besuchern Jahr für Jahr alles andere als gering. Dennoch können oder möchten sich viele Leute die längere Reise nicht leisten – für jenes Publikum bieten einige Länder aber immerhin kleinere (Video-)Spielmessen, damit auch die eigene Bevölkerung in den Genuss der kommenden Hits kommen kann. Bereits zum 7. Mal findet dieses Wochenende die „Game City“ statt, die österreichischen Bürgern eine solche Möglichkeit bietet. Wo genau sie stattfindet? Ich gebe einen kleinen Hinweis:

Mittlerweile ist ja bekannt, dass dieses Gericht ursprünglich aus Mailand stammt – das ändert aber nicht die Tatsache, dass das panierte Schnitzel weiterhin Österreichs Hauptstadt im Namen trägt und mit einem Schöpfer Erdäpfelsalat auch noch vorzüglich schmeckt!

Richtig; wie jedes Jahr findet sie in Wien – genauer gesagt im Wiener Rathaus – statt. Kollege Lukas und ich waren als Normalo-Besucher auch wieder vor Ort – nicht zuletzt, weil wir nur einen Katzensprung entfernt weit wohnen. Doch während meine Kollegen, darunter auch Lukas, bereits die gamescom besuchten und die neuen Hits bereits dort ausgiebig testeten, durfte ich erstmals die kommenden Highlights unter die Lupe nehmen. Doch um die soll es in diesem subjektiv angehauchten Artikel heute nicht gehen; vielmehr möchte ich euch die Veranstaltung näher vorstellen, unseren österreichischen Lesern etwas schmackhaft machen und ein auch klein wenig mit der gamescom vergleichen.

Dieses Jahr hatte ich die Möglichkeit, direkt zur Eröffnung am Freitag anwesend zu sein – doch gehen wir noch etwas weiter zurück: Bereits am Vortag konnte man die nur allzu bekannten Altersbändchen ohne Warteschlange beim hiesigen Elektronikgeschäft ergattern und bekam sogar Eis am Stiel gratis dazu – nette und vor allem notwendige Aktion, wenn man sich die Warterei vor der offiziellen Ausgabe beim Rathaus ersparen will.

Ticketkassen gibt es bei der Game City keine – der Eintritt ist nämlich zur Gänze kostenlos! Überteuerte, wenn auch nicht übertrieben hohe Preise bei Speisen und Getränken lassen aber auch wieder grüßen. Dass die Reihe an Fast Food-Buden direkt (und ausschließlich) beim Eingang angesiedelt ist, erscheint mir aus Marketingsicht aber sehr unklug; kann man das Gelände doch jederzeit verlassen und seine Mahlzeiten in nahe gelegenen, preiswerteren Restaurants konsumieren. An Kunden mangelt es den Verkäufern offenbar trotzdem nicht.

Ressourcen effektiv genutzt

Die Größe der Game City kann man natürlich nur schwer mit einem Hochkaräter wie der gamescom vergleichen – das scheitert vor allem an der Besucherzahl, die nicht nur durch die geografische Lage, sondern auch durch das angesprochene Publikum auf einen kleinen Bruchteil der gamescom-Besucher sinkt. Statt einem richtigen Messegelände muss also das Rathaus herhalten, was sich in den Vorjahren aber als durchaus nette Location etablieren konnte. Der für Gamer interessanteste Teil der Messe befindet sich ein weiteres Mal im Obergeschoss des Gebäudes: Dort sind u.a. die Videospielgiganten Sony, Microsoft und Nintendo vor Ort und stellen ihre Neuheiten vor.

So sieht der 2. Stock von oben aus – wer denkt, dass die Räumlichkeiten hier bereits das Limit an Personen fassen, täuscht. Tags darauf drängelten sich fast doppelt so viele Menschen durch die Gänge. Aufgenommen wurde dieses Foto übrigens aus dem höher gelegenen Nintendo-„Pressebereich“, der auch ohne jegliche Presse-Akkreditierung problemlos besucht werden konnte – mehr dazu unten!

Das Erdgeschoss bleibt den PC-Spielern vorbehalten – dort stellen sich Verkäufer und Hersteller von Computer-Zubehör vor, verteilen ihre Flyer und Tüten voller Reklamematerial in den Mengen und verlosen ab und an Prozessoren, Kühler, Mäuse, Tastaturen und ähnliches auf der Hauptbühne, die sich ebenfalls im selben Stockwerk befindet. Publisher und Entwickler bieten auf der Game City diesmal keine Bühnenshow, Goodies gibt es bei den jeweiligen Ständen aber wieder abzustauben. Eine Ausnahme stellt nur Nintendo dar; sie scheinen heuer aus unerfindlichen Gründen keine Werbegeschenke für die Besucher übrig zu haben, wo die Firma in den letzten Jahren doch immer so spendabel mit Merchandising um sich warf. Wesentlich nerviger ist aber die Tatsache, dass den Auftritten auf der Hauptbühne im Gegensatz zu den letzten Jahren nur eine marginale Verbesserung anzusehen ist. Immer noch fordert der teilweise arrogante Moderator in regelmäßigen Abständen das Publikum lautstark dazu auf, den Namen des Sponsors wiederholt zu grölen. Natürlich macht die Menge mit, da zur Belohnung Goodies – wie etwa die Testversion einer Antivirus-Software – in das Menschenmeer geworfen werden, für die sich gewisse Leute dann auch noch Arme und Beine ausreißen. Die Gewinnspiele laufen hingegen nicht mehr so unfair ab, wie es früher der Fall war – wieder einmal werden ein knappes Dutzend Lose gezogen und die vorgelesenen Personen auf die Bühne gebeten. Statt irgendwelche sportlichen Wettbewerbe zu veranstalten, wo muskelbepackte Protze gegen zarte Leiber – etwa im Kniebeugen – antreten (und ja, meistens gab es genau dann eine solche Ausscheidung), beschränkt sich das Reglement nun auf Disziplinen wie Tanzen, wo jeder improvisieren kann und so den Jubel des Publikums auf sich ziehen kann, welches letztendlich auch die Platzierung bestimmt. Besonders fragwürdig ist die Software-Auswahl bei Videospiel-Duellen, die auf der großen Leinwand ausgetragen werden: So wird beispielsweise das Facebook-Minispiel des Wiener Fußballclubs Rapid für den Wettbewerb gewählt; für tiefergehende Austragungen wird auch gerne Wii Sports zur Hand genommen. Einen Vorentscheid gibt es teilweise durch ein Quiz, welches manchmal sehr knackige, aber auch viele einfache Fragen beherbergt – wer Pech hat und falsch antwortet, fliegt raus. Interessanterweise ist die Bühne bei solchen Aktionen oft stärker frequentiert als die Demostationen der Publisher.

ZUM GLÜCK findet der Just Dance-Flashmob, der mittlerweile zum allgemeinen Game City-Programm gehört, dieses Jahr nicht im Obergeschoss, sondern im Innenhof statt. In den letzten Jahren war es schon schwierig, bei der absolut übertrieben hohen Lautstärke seine eigenen Worte zu verstehen.

Ansonsten bietet das Rathaus-Gelände mit zahlreichen Nebenräumen, Vorplatz und Innenhof auch Platz für weitere Stände, Zelte und Trucks. Sony und Microsoft nutzten die Gelegenheit, um die zusätzlichen Quadratmeter für bestimmte Spiele bzw. Ab-18-Bereiche auszukosten. Übrigens gibt es trotz 16er-Bändchen keinerlei Bereiche, die darauf zugeschnitten sind – mir persönlich brachte auch das blutrote 18er-Band nichts, da alle jugendgefährdenden Titel kein Interesse in mir erweckten; Watch_Dogs hätte mich zwar prinzipiell gereizt, musste in letzter Sekunde aber offenbar zurückgezogen werden. Nostalgiker haben auch die Möglichkeit, den durchaus geräumigen Retrobereich aufzusuchen, um u.a. auf sehr exotischen Exponaten wie einem uralten Touchscreen-Fernseher ihr Können unter Beweis zu stellen. Alle anderen Firmen vor Ort sind Sponsoren, die teilweise mit kostenlosem Eistee oder Keksen werben, teilweise aber auch unterhaltsame Vorrichtungen wie einen Baseball-Käfig bieten, um sportlich aktiv zu werden.

Nicht vollkommen unbeliebt wie das neue Layton-Abenteuer, aber alles andere als überrannt überraschte die Demoversion des neue 3DS-Zeldas A Link Between Worlds, bei dem bisher selten länger als 5-15 Minuten gewartet werden musste. Mario Kart 8 ist nach Pokémon X/Y der zweitbeliebteste Titel; die neuen Wii U-Abenteuer von Super Mario, Donkey Kong und Link halten sich vom Andrang her die Waage.

Der Nintendostand bietet zwar keine Goodies, aber trotz der geringen Größe viele interessante Demos von Spielen, die wir in Zukunft erwarten können. Bis auf Wii Karaoke U wird alles gezeigt, was auch schon bei der gamescom präsentiert wurde; das allerdings auf weitaus weniger Demostationen. Vor allem die Mitarbeiter, die ich zum Teil schon seit Jahren kenne, sind allesamt sehr freundlich und hilfsbereit – wer gebettelt hat, durfte sogar ohne Presseausweis in den schwach besuchten „Pressebereich“ (er umfasste genau 2 Wii U-Demostationen, die später in den Besucherbereich gestellt wurden), wo Mario Kart 8 am Freitag vorerst exklusiv (warum auch immer) angespielt werden durfte. Die Dame bei A Link Between Worlds war für meine Begriffe allerdings etwas zu freundlich – sie ignorierte die dankende Ablehnung von Dungeon-Hinweisen meinerseits vollkommen und hatte sichtlich Freude daran, mir die gesamte Demo zu spoilern…

Zufällig lief ich dem netten Herrn von Nintendo über den Weg, der uns anno 2011 bei der gamescom als Berater diente und kam mit ihm ins Gespräch – doch nicht nur das: Er hatte schon den Nintendo 2DS mit im Gepäck und gab mir die Möglichkeit, das Gerät selbst auszutesten. Was ich darüber sagen kann: Wenn man über das stumpfe Design, den fehlenden 3D-Effekt und die eingeschränkte Mobilität hinwegsehen kann, bekommt man ein robust wirkendes, sehr handliches Gerät (große Schultertasten!) zu einem vernünftigen Preis von 129 Euro.

Cosplay-Parade

Komplett neu ist in diesem Jahr die Cosplay-Parade gewesen, die laut Zeitplan eine Stunde dauern sollte – der 10-Minuten-Fußweg vom Museumsquartier bis zum Rathaus konnte mit einigen Fotopunkten aber immerhin auf eine halbe Stunde ausgedehnt werden. Unter den paar Dutzend CosplayerInnen kannte ich persönlich aber nur wenige Figuren, die mit den teilweise sehr auffällig detaillierten und – ohne Frage – grandiosen Kostümen dargestellt werden sollten. Alle Fotos der Parade haben wir in einer separaten Bildergalerie hochgeladen.

Die fotogenen Cosplayer haben sich hier bequemerweise allesamt gemeinsam auf die Treppe vor dem Parlament gesellt. Apropos Parlament – während die Bundestagswahlen in Deutschland bereits vergangenen Sonntag stattfanden, dürfen österreichische Staatsbürgen morgen für den Nationalrat abstimmen und so entscheiden, welche Partei wie viele der insgesamt 183 Sitze im Parlament für sich gewinnen kann. Der Wahlkampf zeigt sich wieder von allen Seiten – mit nervigen, zumeist beschmierten Plakaten, abgrundtiefen Fernsehwerbungen und unnötigen TV-Duellen unserer Politiker, von denen einer unsympathischer als der andere ist. Immerhin kann man von dem älteren Herren, der bei einer heutigen Busfahrt lautstark seinen Favoriten bekundete und die Abkürzungen sämtlicher Parteien mit stark obszönen Begriffen verunstaltete, behaupten, dass er felsenfest auf seiner Meinung beharrt, „weil er und seine Vorfahren schon immer das gleiche gewählt haben“…Aber ich schweife ab!

Auch wenn ich mit diesem Bericht einen allgemeinen Eindruck über die Game City vermitteln möchte, so hatte ich doch auf einen Cosplayer bzw. eine Cosplayerin gehofft, welche(r) eine Nintendo-Figur verkörpert. Tatsächlich soll es eine bezaubernde Midna aus Zelda: Twilight Princess gegeben haben, die nicht an der Parade teilgenommen hat; die hab ich wohl leider verpasst. Doch als alle Hoffnung verloren schien, tauchte heute ein noch viel bezaubernderer Cosplayer vor meiner Nase auf, der DAS Gesicht von Nintendo schlechthin stilecht darstellte:

Leider stand mir zum Zeitpunkt dieses Fotos nur noch meine Handykamera zur Verfügung – die miese Foto-Qualität hält mich aber nicht davon ab, euch diese Truppe vorzustellen. Immerhin bekommt man Super Mario, Superman, den Joker und Wonder Woman nur selten gemeinsam zu Gesicht!

Conclusio

Ich hoffe, dass euch der vorliegende Bericht einen kleinen Einblick davon geben konnte, wie wir Österreicher eine Videospielmesse aufbereiten. Die Game City kann als stark komprimierte Version der gamescom angesehen werden, die um viele Aussteller, Demo-Stationen und Quadratmeter reduziert wurde. Sponsoren spielen – nicht zuletzt wegen dem freien Eintritt – eine weitaus größere Rolle, wodurch Entwickler bzw. Publisher höchstens die Hälfte der gebotenen Fläche ausreizen können. Diese Fläche wird aber äußerst clever genutzt und bietet DIE essentiellen Aussteller und Spiele, die es auch auf der gamescom gab. Positiv sticht aber auch der Vergleich der Wartezeiten ins Auge – Pokémon X/Y ist mit seinen zwei 3DS-Stationen der zweifellos beliebteste Nintendo-Titel, für den man sich zu den absoluten Stoßzeiten eine gute Stunde gedulden musste – übrigens werden für jedes Spiel maximal je zwei Demostationen genutzt. Die Schlangen bei Konkurrenz-Hits wie Beyond: Two Souls ließen immerhin „nur“ maximal 2 Stunden Wartezeit vermuten, welche im Vergleich zur gamescom meines Wissens auch recht gut abschneiden.

Für Gamer aus Wien und Umgebung ist die Game City also eine superbe Möglichkeit, ohne lange Reise und mit freiem Eintritt die gamescom-Hits einen Monat verspätet anzutesten. Steckt man keine zu großen Erwartungen in Umfang, Möglichkeiten und Gewinnspiele, kann man genau das genießen, worauf es ankommt: Die Spiele. Wer Zeit hat, sollte auch nächstes Jahr schon am schwächer besuchten Freitag antanzen, wo die Warteschlagen erst gar nicht entstehen – denn für unsere Ungeduld und Raunzerei werden wir Wiener ja immer wieder gerne aufgezogen.

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