
Cloudberry Kingdom
Dass es der Wii U noch stark an Software mangelt, ist längst kein Geheimnis mehr. Gerade im zweidimensionalen Jump ‚n‘ Run-Genre hat die Konsole aber mittlerweile schon einiges zu bieten. Indie-Entwickler Pwnee Studios entschied sich bei dessen Multiplattform-Titel "Cloudberry Kingdom" für selbiges Genre, verspricht aber ein völlig neuartiges Erlebnis dank computergenerierter (und damit unendlich vieler) Level.
Ob das eShop-Spiel seinen Preis von 10 Euronen gerecht wird, erfahrt ihr in unserem Test zu Cloudberry Kingdom!

Cloudberry Kingdom
WES
- Genre
- Jump ’n‘ Run
- Entwickler
- Pwnee Studios
- Publisher
- Ubisoft
- Konsole
- WES
- Spieler
- 1–4 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Mit New Super Mario Bros. U inkl. Mega DLC und dem bald erscheinenden Rayman Legends hat die Wii U schon ein vergleichsweise gutes Software-Angebot von den hochkarätigen Spieleschmieden im zweidimensionalen Jump n Run-Genre zu bieten. Unterdessen hat sich das Indie-Entwicklerteam Pwnee Studios dazu entschieden, einen ganz speziellen Plattformer auf den Markt zu bringen. Anfangs als Kickstarter-Projekt ins Leben gerufen, hat sich Ubisoft dem Spiel Cloudberry Kingdom schließlich als Publisher angenommen. Ob die 10 Euro teure eShop-Software einen Kauf wert ist und inwiefern sich der Titel von Mario & Co. unterscheidet, erfahrt ihr in folgendem Test.
Ein Held und seine Verwandlungen
Grundlegend bietet der Titel 3 verschiedene Modi: Abenteuer, freies Spiel und Arcade, was unerklärlicherweise mit „Minispiele“ übersetzt wurde. Sie alle folgen jedoch demselben Schema: Zuvor kann der eigene Held im Aussehen noch individuell angepasst werden, um ihm einen persönlichen Touch zu verleihen; gefolgt vom Hüpfen durch fallengespickte, etwa 20-sekündige Levels. Der Abenteuermodus lädt dazu ein, sich in das Spiel besser einzuleben und bietet 7 Kapitel mit je 40 Levels. Eine Besonderheit stellen die verschiedenen Formen eures Protagonisten dar – neben dem klassischen „Bob“ erwarten euch auch spezielle Inkarnationen des Helden. Mit dabei: Doppelsprung-Bob, Jetpack-Bob oder auch ausgefallenere Varianten wie „Bob in the Box“. Diese Beispiele stellen aber nur einen Bruchteil des Kontigents dar, welches ich euch natürlich nicht vorwegnehmen will. Soviel sei aber gesagt: Die „Verwandlungen“ – manchmal übrigens auch interessante Kombinationen – tragen wesentlich zur Abwechslung bei und haben entsprechend angepasste Level. Im Abenteuermodus wechselt euer Zustand etwa alle 5-10 Level.
In der Rahmenhandlung müsst ihr die Festung des Oberfieslings König Kobbler stürmen, welcher Macht sowie die Prinzessin an sich gerissen hat. Dafür, dass die Story ungefähr so viel Tiefgang wie die eines Mario-Titels hat, warten immerhin ein paar witzige, nett gestaltete Zwischensequenzen nach jedem Kapitel auf den Spieler. Der Schwierigkeitsgrad nimmt übrigens rasch zu – spätestens ab Level 200 dürften auch erfahrene Spieler viele Leben lassen. Aufgrund der recht kurzen Stages tritt nur wenig Frustration auf; man kommt mit jedem Versuch ein kleines Stück weiter und lernt die Fallen und ihre Bewegungsmuster schnell auswendig. Ein Leben- oder Zeitlimit gibt es im Abenteuermodus nicht.
Der Leveleditor-Bot
Cloudberry Kingdom prangt mit einer ganz besonderen Eigenschaft: Vollkommen individuell auf den Benutzer angepasste Level. Eine künstliche Intelligenz im Programmcode nimmt hierfür diverse Kennzahlen wie die Anzahl der Tode oder die Komplettierungszeit der abgeschlossenen Levels, passt den Schwierigkeitsgrad auf euer Können an und platziert dementsprechend die Fallen und Gegner in darauffolgenden Stages. Das Entwicklerteam verspricht mit diesem Algorithmus, dem Spieler einen ideal angepassten Schwierigkeitsgrad zu liefern und dabei die Levels – wie viele Hindernisse auch vorhanden sein mögen – immer komplettierbar zu machen. Das ist sicherlich keine einfache Aufgabe, aber eine, die hervorragend von der KI erledigt wird. Das System wird den Erwartungen vollkommen gerecht und funktioniert ohne jegliche Komplikationen.
Wo es bei Mario Münzen gibt, können hier Kristalle eingesammelt werden. Sie werden nach dem Vervollständigen eines Levels auf ein Gesamtkonto übertragen und bringen zusätzlich Punkte ein. Steht ihr kurz vorm Aufgeben, weil der Frust den Ehrgeiz nach unzähligen Toden herausfordert, dann wird es Zeit, jene Kristalle auszugeben. Ihr dürft damit verschiedene Hilfestellungen erwerben, die euch das Weiterkommen erleichtern sollen: Einerseits könnt ihr euch entweder nur die vorgesehene Komplettierungslinie anzeigen lassen oder euch direkt die angedachten Bewegungen des Helden ansehen; andererseits kann die Zeit verlangsamt werden, wodurch das Timing von Sprüngen vereinfacht wird. Eine Art Super-Assistent hat das Spiel aber keinen – hier muss sich jeder wohl oder übel auf eigene Faust durchbeißen. Je nach Art der Hilfe müssen verschiedene, mit steigendem Einsatz inflationäre Mengen an Kristallen geblecht werden. Zudem hat man die Möglichkeit, ein Level bei Gefallen abzuspeichern, um es später wieder aufzurufen – diese Option kostet euch natürlich nichts.
Man muss sich natürlich im Klaren darüber sein, dass bei einer Stage, wo man den Helden vor lauter Hindernissen kaum noch sieht, oft sofort den vorgesehen Weg erkennt – wirklich einfacher wird es dadurch glücklicherweise aber auch nicht. Blutigen Jump ‚n‘ Run-Anfängern sei der Titel trotz des einzigartiges Systems aber nicht angeraten, da er sich einfach merkbar auf die hartgesottenen Genre-Veteranen spezialisiert; denn auch der individuelle Schwierigkeitsgrad steigt von Level zu Level sehr rasch und wird bei Neueinsteigern sicherlich bald für eine große Portion Frust sorgen.
Arcade, soweit das Auge reicht
Arcadetechnisch bietet der Titel ebenfalls ein umfangreiches Potpourri an Kombinationen und Modi. So wird etwa gegen die Zeit gelaufen und gesprungen oder ein strenges Limit an Toden festgelegt. Je nach Wunsch geschieht das in einer beliebigen Verwandlungsform oder sogar in irrsinnig schneller Aufeinanderfolgung diverser Bob-Inkarnationen. Die Auswahlmöglichkeiten werden nacheinander freigeschalten und geben im Gesamtbild eine ordentlichen Umfang ab, der eigentlich alles abdeckt, was mit den vorhandenen Mittel eben möglich ist.
Wünsch dir was!
Im „freien Spiel“ kann hat der Spieler vollkommene Freiheit bei der Gestaltung der Level. Umgebung (rein optische Sache), Verwandlungsform sowie Schwierigkeitsgrad können problemlos angepasst werden. Bei letzterem gibt es neben vorkonfigurierten Variationen wie „Missbräuchlich“ oder „Hardcore“ auch die vollkommen eigene Definition, wo ihr mit zahlreichen Schiebereglern die Häufigkeit einer jeden einzelnen Art von Fallen und Gegnern und sonstigen Levelelementen wie Aufzügen bestimmen könnt. Sogar das Sprungverhalten des Helden lässt sich umkonfigurieren und passt sich schließlich ebenso wie die anderen Einstellungen ideal auf die resultierenden Stages an.
Bob mal vier
Alle Modi können alleine sowie mit bis zu 3 Freunden gespielt werden. Im (kooperativen) Mehrspielermodus laufen alle Helden gleichzeitig durch den Level. Der Spielbildschirm zoomt hierbei nicht heraus, langsamere Spieler werden wohl oder übel hinter den linken Rand des Bildschirms verbannt. Stirbt ein Spieler, kann er bis zum Tod aller Kollegen bzw. bis ein Kollege den Level abgeschlossen hat nicht weitermachen.
Der Mehrspielermodus mag zwar ganz witzig klingen, erweist sich bei näherer Untersuchung aber eher als redundante Ergänzung zu einem Einzelspielermodus. Die KI erstellt auch hier Levels, die oft nur mit einem Protagonisten schaffbar sind – etwa das Nutzen von fliegenden Feinden als Sprungbrett. Wer zuerst kommt, mahlt also auch zuerst; da nur ein Spieler das Ziel erreichen muss, ist dieser Aspekt für das Voranschreiten zwar eher unwesentlich, aber auch alles andere als schön.
Solide Technik
Grafisch macht das Spiel einen guten Eindruck, reißt mit seiner typischen Flash-Optik jedoch keine Wurzeln aus. Der Look wirkt aber auch auf dem HD-Bildschirm wertig und erfüllt seinen Zweck vollkommen. Trotz zahlreicher verschiedener Umgebungen im Spiel verändern sich die Hindernisse und Witterungsbedingungen nie. So gibt’s in der Winterwelt Eisfontänen, die mit den Lavafontänen des Schlosses ident sind und der Schnee ist beispielsweise nicht rutschig, wie man es von Mario-Spielen her kennt. Wahlweise kann Cloudberry Kingdom auch mit dem Gamepad alleine gespielt werden, da jeglicher Bildschirminhalt gespiegelt wird.
Musikalisch ist der Titel „stark gewöhnungsbedürftig“. Es werden ein paar Techno- und Rock-Melodien geboten, deren allgemeine Qualität einerseits zu wünschen übrig lässt und andererseits nicht unbedingt zum Genre des Spiels passt. Abgesehen davon sind es verhältnismäßig wenige Lieder (etwa 5-7), die vollkommen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden und somit nicht die verschiedenen Umgebungen individuell untermalen. Ist ein Track zu Ende, folgt eine unangenehm lange Pause, bis der nächste Titel ausgewählt wird und das weitere Spiel untermalt.
Ein äußerst wichtiger Aspekt ist – besonders bei Kursen mit hoher Schwierigkeit – natürlich auch die Steuerung, bei der es absolut nichts zu beanstanden gibt: Sie ist simpel, sehr schnell erlernt und arbeitet schön präzise. Wahlweise können Wii U Gamepad, Pro Controller oder auch die Wii-Fernbedienung verwendet werden, wodurch es auch im Mehrspielermodus nicht zur Controllerknappheit kommen sollte. Alle Eingabeelemente funktionieren gleichermaßen gut; die Wii-FB bietet allerdings weniger Komfort, da sie nur ein kleines Steuerkreuz und keinen Analog-Stick bietet, weiterführend besteht hier die Möglichkeit eines schnellen Level-Neustarts nicht.
Mario vs. Bob
Cloudberry Kingdom ist eigentlich kein Spiel, das man mit Mario & Co. vergleichen kann. Als Plattformer mit kurzen aufeinanderfolgenden Levels, die sich optisch kaum voneinander unterscheiden, könnte man den Titel von Pwnee Studios durchaus als Arcade-Spiel bezeichnen. Trotzdem verbirgt sich viel mehr dahinter: Die für die Schwierigkeit zuständige KI ist etwas völlig einzigartiges und die Verwandlungsformen von Bob sorgen für die nötige Abwechslung. Im Vergleich dazu ist New Super Mario Bros. U im Leveldesign viel abwechslungsreicher und bietet immer wieder neue Überraschungen. Aus diesem Grund kann es oft auch mehrere Stunden am Stück gezockt werden, was bei Bobs Abenteuer trotz dem Noch-1-Level-Gefühl schnell mal eintönig werden kann. Ganz abgesehen davon merkt man auch an Grafik und Sound, dass es sich um einen hochkarätigen First Party-Vollpreistitel handelt. So haben beide Franchise ihre Vorzüge, weshalb das jeweils andere Spiel keine wirkliche Alternative, sondern eher eine – in beiden Fällen gelungene – Ergänzung darstellt.
Fazit
Cloudberry Kingdom ist ein solider 2D-Plattformer. Der automatische Levelgenerator erledigt seine Aufgabe mit Bravour und sorgt so für individuell auf die Spieler abgestimmte Schwierigkeitsgrade. Die mangelnde Abwechslung an Hindernissen und Fallen wird durch die verschiedenen Verwandlungsformen und das daraus resultierende variierende Gameplay ausgeglichen. Jump ‚n‘ Run-Fans können bedenkenlos zugreifen, vor allem hartgesottene Genre-Veteranen kommen voll auf ihre Kosten. Bei Neulingen könnte der stark zunehmende Schwierigkeitsgrad (trotz der KI) aber schnell für Frust sorgen.
- Toller Levelgenerator
- Abwechslungsreiches Gameplay...
- ...dafür eintöniges Leveldesign
- Mieser Soundtrack
- Zäher Mehrspielermodus
Vielen Dank an die Firma Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.


