
Star Fox 64 3D
Das Star Fox-Team ist zurück! Und dieses Mal nicht als Abenteurer, als Hobby-Strategen oder Fußsoldaten, nein! Star Fox ist wieder genau wie damals. Oder besser gesagt: Es ist genau dasselbe!
Doch wie schlägt sich das Remake eines mehr als zehn Jahre alten Titels auf dem 3DS? Kann es die neue Generation überzeugen? Oder ist es doch eher etwas für „alte Hasen“, die in alten Zeiten schwelgen wollen?
Das und vieles mehr erfährt ihr in unserem Star Fox 64 3D Review. Do a Barrel Roll!

Star Fox 64 3D
3DS
- Genre
- Shoot ‘em Up
- Serie
- Star Fox
- Entwickler
- Nintendo
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- 3DS
- Spieler
- 1–4 lokal
- Freigabe
USK ab 12
Die Star Fox Crew hatte es nicht leicht. Seit ihrem Sieg über Andross konnten sie keine vergleichbaren Erfolge mehr einholen. In Star Fox Adventures standen sie kurz vor dem Bankrott, in Star Fox Assault fiel die Great Fox den Aparoiden zum Opfer und in Star Fox Command ist das ganze Team im Lylat System verstreut. Auch spielerisch konnten sie den Erfolg von Lylat Wars nicht wiederholen. Das Abenteuer am Dinosaur Planet sollte ursprünglich keine Star Fox-Episode sein, Assault bot nur drei klassische „On-Rail-Shoot’em Up“-Level und Command brachte zwar Strategie-Elemente, viele Charaktere und Story-Elemente ins Spiel, doch die Himmelsgefechte waren allesamt offene Areale, denen es auf Dauer an Abwechslung fehlte…
Do a Barrel Roll!
Nach den ganzen Spielereien war es einfach an der Zeit, eine Kehrtwende zu machen und zu den Wurzeln zurückzukehren. So startet das Star Fox-Team erneut in Corneria City im Kampf gegen Andross und wiederholt die grandiose Schlacht um das Lylat-System. Doch dieses Mal ohne Bodenmissionen oder Strategiekarten. Es geht wieder rein darum in den Flieger zu steigen und die gegnerischen Truppen vom Himmel zu jagen! Wie in den guten alten Zeiten!
Dadurch wird das Spiel jedoch keineswegs monoton! Jedes Level ist gerade so lang, dass man genug vom jeweiligen Planeten mitbekommt, aber kurz genug, dass man es auch gerne beendet. Neben verschiedenen Landschaften - die mit ihren eigenen Flugbedingungen als „On-Rail-Shooter“ mit steuerbarem Arwing gespielt werden - und offenen Arealen gibt es auch noch drei besondere Missionen: Zwei werden im Landmaster (ein Panzer, der an den Boden gebunden ist) und eine weitere Mission im U-Boot Unterwasser ausgeführt.
Follow me, Fox!
Manchmal kann man auch spezielle Missionsziele erfüllen, wodurch man alternative Spielverläufe bestreiten kann. Zum Durchspielen muss man daher nur 7 Level bestehen, insgesamt gibt es aber 16 verschiedene Missionen zu erkunden. Hat man eine Mission nicht nur "beendet", sondern auch - mit allen Sekundärzielen - "erfüllt", kann man vor Beginn des nächsten Abschnitts frei wählen, welchen Pfad man nehmen möchte. Somit muss der kurze Hauptmodus mehrmals durchgespielt werden, wenn man auch wirklich alles sehen will. Allerdings dauert ein Spiel auch nur 45-80 Minuten.
Hat man alle Level einmal gespielt, können Komplettisten auch noch versuchen, sich auf jedem Planeten einen Orden zu verdienen. Im Hauptmodus muss man dafür eine bestimmte Punktzahl erreichen, ohne dass dabei einer eurer Kameraden zur Reparatur gehen muss. Im freischaltbaren Arcade-Modus müssen die Level einzeln gespielt werden. Hier gibt es je nach Anzahl der getroffenen Ziele eine Medaille. Jede dieser Belohnungen muss jeweils für den 3DS-Modus und den schwereren N64-Modus extra freigeschalten werden. Als Belohnung winkt dann der altbekannte Experten-Schwierigkeitsgrad, der auch hier für jede Version extra freigeschaltet werden muss.
I see you have new ships!
Was hat sich nun gegenüber dem Original am N64 geändert? Gleich zu Beginn werdet ihr gefragt, ob ihr den 3DS- oder den N64-Modus spielen wollt. Der 3DS-Modus ist leichter und erlaubt es euch die Bewegungssteuerung einzusetzen (diese kann jedoch abgeschaltet werden). Diese mag für Veteranen anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein, aber den Dreh hat man schnell raus. Spieler, die mit den vielen Knöpfen überfordert sind, sollten mal den Gyro-Sensor des 3DS ausprobieren. Allerdings kann es bei offenen Arealen dann auch passieren, dass der 3D-Effekt nicht mehr so gut erkannt wird. Der Touchscreen hingegen wird nur für Menüs und Notrufe an R.O.B. 64 genützt. Die sprechenden Köpfe von Funknachrichten werden ebenfalls am Touchscreen angezeigt. Im N64-Modus ist der klassische Schwierigkeitsgrad wiederhergestellt. Außerdem kann man hier die Bewegungssteuerung nicht nutzen. Ansonsten sind die Modi ident.
Der 3D-Effekt wurde sehr subtil eingesetzt. Er verleiht dem Spiel mehr Tiefe, wirkt aber genau so stark, dass man während der Action nicht Flugkrank wird. Lobenswert ist hierbei, dass man trotzdem eine flüssige Framerate beibehalten konnte - immerhin braucht der 3D-Effekt ja doppelt so viele Frames. Außerdem wurde die Grafik auf den neusten Stand gebracht. Die Texturen sind wesentlich sauberer und sämtliche Spielobjekte haben neue Glanzlichter und Strukturen (3D-Texturen) bekommen. Allerdings haben spielentscheidende Elemente immer noch die gleiche Anzahl an Polygonen. Sogar die Ringe sind noch genau so sechseckig wie damals. Lediglich die Piloten haben zusätzliche Polygone bekommen, um weniger kantig auszusehen. Allerdings haben sie (vermutlich aus nostalgischen Gründen) alle das gleiche, reduzierte Design wie in den 90ern. Sogar Wolf trägt noch seine schwarze Augenklappe.
Was zum Henker?
Überraschenderweise hat sich Nintendo nach all den Jahren endlich dazu breit schlagen lassen der Star Fox-Crew auch deutsche Stimmen zu bescheren. Fans des Originals dürften aufs Erste zwar geschockt sein – immerhin haben flache Sprüche wie „Do a Barrel Roll!“ und „Can’t let you do that, Star Fox!“ ganze Internetmythen geprägt – doch bis auf eine äußerst schwache Darbietung von General Pepper im Introvideo ist die Sprachausgabe zwar nicht überragend, aber akzeptabel. Fans der ikonischen Originalausdrücke können ihr System auf Englisch stellen. Allerdings wurden auch diese Samples neu aufgenommen und haben teilweise neue Betonungen.
I ain’t your buddy, go away!
Neben dem Hauptspiel und dem Trainingsmodus gibt es noch den Arenakampf. Hier treten bis zu vier Piloten in einem von vier offenen Arealen gegeneinander an und versuchen die Mitspieler so oft wie möglich zum Absturz zu bringen. Man kann dies mit Computergegner oder menschlichen Mitstreitern spielen. In diesem Fall werden die Gesichter des Star Fox-Teams durch Aufnahmen der 3DS Innenkamera ersetzt, welche eure Reaktionen filmt. Ein nettes Extra, doch leider gibt es keinen Online-Modus, wo dieses Feature besser zur Geltung gekommen wäre. Dabei hätte hier das Internet die Spielzeit des Titels um einiges verlängern können.
Möchte man Freunde zu einer lokalen Partie einladen, braucht man dazu lediglich ein Exemplar von Star Fox 64 3D, Multikartenspiele sind gar nicht erst möglich. Die Spieler übernehmen automatisch ein Mitglied des Star Fox Teams, freispielbare Chraktere oder Arenen gibt es nicht. Nachdem die Daten auf die 3DS-Systeme übertragen wurden sind keine weiteren Ladezeiten mehr vorhanden.
Je nach Variante gewinnt man, wenn man der letzte Überlebende ist, als Erster eine gewisse Anzahl von Gegnern erledigt hat oder wenn man nach einer gewissen Zeit die meisten Mitstreiter ausgeschaltet hat. Man kann hier auch zwischen „Normalen Items“ und „Spezial-Items“ wählen, um das Geschehen weiter aufzuheizen. Während man bei Ersterem nur Bomben wählen kann, findet man bei Letzterem Mario-Kart-artige ?-Blöcke, die euch zufällig ein Item zuteilen, beispielsweise Lenkraketen oder ein Schutzschild.
Can’t let you do that, Star Fox!
Star Fox 64 3D erinnert wieder an die alten Zeiten, als Star Fox noch zum größten Teil ein abwechslungsreicher „Rail-Shooter“ war und noch keine große Story benötigte. Natürlich haben die neuen Elemente interessante Änderungen mit sich gebracht, doch leider haben diese jedes Mal die klassischen Elemente ins Abseits gedrängt. Ein neues Star Fox sollte wieder mehr versuchen, wie Lylat Wars zu sein. Bodenmissionen und Strategie-Elemente kann man ja gerne einbinden, aber diese sollten das ursprüngliche Konzept lediglich erweitern, und nicht gleich ersetzen.
Auch die Story hat sich stark verändert, vielleicht sogar zu stark. Charaktere bekamen mehr Tiefe, aber jetzt haben wir vor Allem Dank Star Fox: Command ein Szenario, an welches man nur schwer anknüpfen kann, ohne das ganze Lylat System auf den Kopf zu stellen. Erwartet Fox und Co. das gleiche Schicksal, wie ihr Science-Fiction-Schwester Samus Aran? Werden weitere Sequels zu Lückenfüllern, weil niemand die Änderungen des chronologisch letzten Teils fortführen möchte? Immerhin gäbe es genug Anknüpfpunkte: Die Geschehnisse zwischen Lylat Wars und Star Fox Adventures bzw. zwischen Assault und Command ließen noch einige Fragen offen. Oder sollte Star Fox wie die Crew der Enterprise einen kompletten Neustart wagen? Immerhin war ja schon Lylat Wars ein „Reboot“ von Starwing. Doch wie Nintendo schlussendlich weitermachen wird, steht noch in den Sternen…
Fazit
Star Fox 64 3D ist ein kurzweiliger Spaß, der durch alternative Routen, Medaillen und abwechslungsreiches Gameplay immer wieder eingelegt werden kann. Die Grafik wurde erneuert und ein paar 3DS-Extras wurden implementiert, darüber hinaus wurde aber nicht viel hinzugefügt. Aber wieso sollte man das Glanzstück der Serie auch groß verändern? Allerdings hätte man den Klassiker mit Online-Funktionen aufwerten können.
- Fesselndes Arcade-Gameplay
- Hoher Wiederspielwert
- Deutsche Sprachausgabe
- Einzelkarten-Multiplayer
- Kurzer Spaß
- Keine Online-Funktionen
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


