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EarthBound

EarthBound

Lukas

Lange wurde darauf gehofft, vor einiger Zeit wurden die Hoffnungen erhört und nun haben wir es plötzlich um einiges früher als ursprünglich angekündigt: Die Rede ist von der Wii U-Version von EarthBound, welche seit kurzem für 9,99 Euro im hiesigen eShop heruntergeladen werden kann.


Warum sich diese Investition definitiv lohnt und wieso es sich bei besagtem Titel nicht nur definitiv um das ungewöhnlichste Rollenspiel für SNES, sondern auch um eines der extravagantesten RPGs der Videospielgeschichte überhaupt handelt, lest ihr in unserem Testbericht zu EarthBound!

E

EarthBound

SNES

Entwickler
HAL Laboratory
Konsole
SNES
Spieler
1 lokal

Langsam, aber sicher trudeln die Übersee-Hits aus der SNES-Ära, welche uns armen Europäern dereinst vorenthalten wurden, nach und nach auch in der Alten Welt ein: So sind Final Fantasy 4 bis 6, Chrono Trigger und Super Mario RPG etwa schon vor geraumer Zeit als Virtual Console-Download, Handheld-Remake oder sogar als beides in unseren Gefilden erschienen. Doch ein großer Name fehlte für lange Zeit: EarthBound. Als, bereits nach langer Unsicherheit über einen westlichen Re-Release selbst bezüglich Amerika, wo das Modul Mitte der Neunziger sogar mit einer Big Box samt Spieleberater veröffentlicht wurde, Nintendo-Chef Iwata unlängst einen Erscheinungstermin für Ende des Jahres ankündigte, war die Fangemeinde aus dem Häuschen – nun wohl umso mehr, da Ness´ Abenteuer (in der englischsprachigen US-Fassung) überraschenderweise jetzt schon für einen knappen Zehner aus dem Wii U-eShop heruntergeladen werden kann. Wer Protagonist Ness dagegen bislang nur aus der Smash Bros.-Serien kennt, wird sich an dieser Stelle dagegen wohl vor allem eines fragen: Was soll an diesem nun schon 18 Jahre alten RPG denn so besonders sein...?

Psycho-Trip mit PSI-Kräften

Nun, grafische Opulenz ist es definitiv nicht: Schon 1995 beeindruckten die spärlich animierten und vergleichsweise winzigen Figuren während ihrer Reisen durch die Oberwelt und düstere Dungeons niemanden mehr; die Gegnersprites im Rahmen des gesonderten Kampfbildschirms können sich zwar nach wie vor sehen lassen, bleiben jedoch wie so oft in SNES-RPGs völlig starr und selbiger wirkt durch den Verzicht auf Darstellungen der Heldengruppe (vergleichbar mit den früheren Dragon Quest-Episoden) und psychadelische, Kaleidoskop-artige Farbenspiele anstatt eines Hintergrundes ohnehin ziemlich minimalistisch. Zwischen der Pixel-Pracht eines Final Fantasy 6 und dem damaligen „coming soon“-Titel Super Mario RPG mit fast schon Donkey Kong Country-mäßigem Renderlook wirkte EarthBound auf viele dereinst grafisch wohl fast schon wie ein Rudiment aus NES-Zeiten.

Keine Random Encounters – Danke!

Ist es das Gameplay? Nun, ja und nein: Damals wie heute ist Ness´ Abenteuer spielerisch ein hervorragendes Rollenspiel der alten Schule, das hier und da kleinere frische Akzente setzt: Der RPG-Ballast wird entschlackt, aber keinesfalls simplifiziert; die Dungeons zeigen sich überwiegend als angenehm verwinkelt und kommen nahezu nie als „Schlauchlevels“ daher. An Chrono Trigger, Lufia 2 oder Super Mario RPG erinnert der – äußerst angenehme – Umstand, dass Monster stets sichtbar sind und erst bei Berührung angreifen, anstatt in Herzkasperl-Manie alle paar Schritte aus dem Nichts hervorzuspringen und die Dungeon-Erkundung bisweilen ein mühsames Unterfangen werden zu lassen. Eine Messerspitze Action-Adventure wird hier auch insofern hinzugefügt, als dass es sich lohnt, sich von hinten an ein Monster heranzuschleichen, um einen Angriffsvorteil zu bekommen – aber Achtung, die Biester machen das Gleiche mit euch, wenn ihr nicht aufpasst! Und ebenfalls überaus praktisch: Kehrt ihr später als aufgepowerte Partie in das Gebiet von Low-Level-Monstern zurück, erklärt euch das Spiel bei Gegner-Kontakt im Falle eines mehr als ungleichen Kampfes automatisch zum Sieger! Ein alles überstrahlender Design-Geistesblitz bleibt allerdings aus.

Alles beim Alten?

Ähnliche Situation bei den Kämpfen: Das System ist gut und praktikabel designed, die Scharmützel sind spaßig, die „PSI-Kräfte“ genannten De-Facto-Zaubersprüche cool und nützlich (Nein, Gangnam Style steht leider nicht zur Auswahl – den Kollegen schreibt man mit „Y“!) und als kleiner Echtzeit-Twist der eigentlich rundenbasierten Gefechte lassen eingesteckte Gegner-Angriffe eure Lebenspunkte allmählich in Countdown-Manier abnehmen, anstatt den Schaden sofort komplett abzuziehen: So können sogar eigentlich tödliche Treffer abgemildert werden, indem der Team-Heiler den unglücklichen Kollegen verarztet, bevor seine HP Null erreichen, oder der Kampf einfach schnell genug gewonnen wird. Ansonsten wird sich jeder Freund von Japano-RPGs sofort heimisch fühlen: Ein tolles System nach bewährtem Strickmuster, aber nicht rasend innovativ – macht wirklich Spaß und rechtfertigt gemeinsam mit dem gelungenen Dungeon- und Stadt-Design klar auch heute noch eine gute Gameplay-Note, aber auch dieses nach wie vor flotte, flockige und fesselnde Spielprinzip ist – so wichtig es für das Gesamtpaket freilich auch sein mag – wohl nicht jener Aspekt, aufgrund dessen sich EarthBound so großer Beliebheit erfreut.

Nein – ganz und gar nicht!

Denn die wahre Einzigartigkeit dieses Klassikers liegt anderswo: Darin, dass er, vom Gameplay abgesehen, genüsslich auf sämtliche Konventionen des RPG-Genres preift und selbige noch genüsslicher durch den Kakao zieht. Darin, dass die Entwickler wunderbar ihr eigenes Ding durchgezogen haben, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ob das höchst wunderliche und technisch wenig beeindruckende Design die Verkäufe außerhalb Japans schmälern könnte. Darin, dass EarthBound eine völlig skurrile, bizarre bis absurde Welt erschafft, welche gleichzeitig glaubwürdiger daherkommt als zahlreiche andere Genre-Kollegen, ob nun damals oder heute!

WHAT A HORRIBLE NIGHT TO HAVE A...NEIGHBOUR?!

Aber eines nach dem anderen: Unsere Geschichte startet im beschaulichen Onett, einer US-Vorstadtsiedlung wie aus dem (kitschigen) Bilderbuch mit starker Tendenz zur Karikatur. Der junge Hauptcharakter Ness wird zu später Stunde von dem Nachbarsjungen Pokey (alias Porky – Super Smash Bros. Brawl-Spielern ist der Gute kein Unbekannter) aus dem Schlaf gerissen, um nach dessen vermissten kleinen Bruder zu suchen. Im Zuge dieser Rettungsaktion stoßen die Kinder auf einige seltsame Kreaturen und einen von schwerem Polizeiaufgebot bewachten Meteor, dem Buzz Buzz, ein intergalaktischer Held in Insektengestalt, entsteigt, der prompt in dem PSI-begabten Ness einen Auserwählten erkennt und ihm aufträgt, zu acht mystischen Stätten zu pilgern, auf dass er genug Kraft sammle, um eine schreckliche Zukunft abzuwenden, in welcher das fiese Alien Gygas Erde und Universum terrorisiert. So machen sich Ness und Buzz auf den Weg, die Welt zu retten – bis Porkys hysterische Mutter letzteren bei Anblick dieser „Schmeißfliege“ prompt erschlägt...

Herzergreifende Momente

Ja, wirklich. Und spätestens bei der allzu dramatisch inszenierten Sterbeszene des heldenhaften Insekts bricht die Selbstironie dieser enorm weit hergeholten Hintergrundgeschichte spürbar durch: Der schablonenhafte Auftrag, eine Anzahl x von den Objekten y zu sammeln (bzw. in diesem Fall zu besuchen), welcher von einem sterbenden Freund/Mentor an den Helden herangetragen wird, gehört ebenso wie besagter NPC selbst zu den absoluten RPG-Versatzstücken, wofür schon alleine bei Square Unmengen an Beispielen zu finden sind (Wie singt brentalfloss doch so passend über die Final Fantasy-Serie: „We must save the crystals, or orbs, or the moon – whatever!“), und karikiert gleichzeitig durch die bizarre Verzerrung der ins Alltäglich-Belanglose gedrängten Tragödie sein eigenes Genre.

Berufswunsch Dungeon-Designer

Überwiegend weniger makabere, aber keineswegs weniger deutliche und bissige Selbstironie als besagtes Beispiel zieht sich durchs gesamte Spiel: Ob nun die Städte, welche offen zugeben, einfach nach der Reihenfolge des Besuchs der Protagonisten benannt zu sein (Wer sich wie der Schreiber dieser Zeilen in der Vergangenheit beim Smash Bros.-Spielen schon öfters gefragt hat, wie die Orte Onett und Fourside zu ihren seltsamen Namen gekommen sind, wird klarer sehen, wenn Ness und Konsorten zwischen besagten beiden Siedlungen noch Twoson und Threed bereisen), oder besonders skurrile Nebenfiguren wie ein ambitionierter Dungeon-Designer, welcher davon träumt, eines Tages zu „Dungeon Man“ zu werden, einem Hybriden aus Mensch und Dungeon – Rollenspieler werden ein Dauergrinsen aufsetzen.

Das ruhmreiche Starmen-Team

Und nicht nur die – auch Nicht-Genre-Vernarrte können definitiv einen Blick riskieren: Einerseits aufgrund des unkomplizierten Einstiegs und auch heute noch äußerst komfortablen Gameplays, andererseits, da Earthbound generell mit – man möge die abgedrosche Phrase verzeihen, doch passt sie hier ausnahmsweise wirklich gut – Popkultur-Referenzen nur so gespickt ist! In diesem Pseudo-Amerika mit seinen Drug Stores, Pizzalieferdiensten, Spielhöllen, Konzerthallen und Wolkenkratzern trifft Japano-Slapstick auf unzählige Verweise und Seitenhiebe auf das Science Fiction- und Zombiefilm-Genre, die Beatles, die Blues Brothers, dubiose Sekten (Unvergessen die Lehre des „Happy-Happyism“, deren Anhänger die Farbe Blau anbeten), moderne Kunst und vieles mehr; Insider-Gags treffen auf puren Nonsens. Wenn dann auch noch völlig zusammenhangslos immer wieder an wichtigen Stellen der Story ein bärtiger Fotograf vom Himmel fällt, ein Foto macht und unmittelbar danach wieder davonschwebt und neben diversen fiesen Außerirdischen wie Gygas´ „Starmen“-Armee unzählige skurrile Gestalten der Marke „New Age Retro Hippie“ oder „Smelly Ghost“ bekämpft werden müssen, fühlt man sich bisweilen fast wie im Beatles-Musikfilm-Klassiker Yellow Submarine – verdammt, das namensgebende U-Boot hat sogar ein Cameo! Und apropos Musik: Im Gegensatz zur Grafik gibt es an dieser auch heute noch kaum etwas auszusetzen – manchmal episch, ab und an gruselig, meistens RPG-untypisch äußerst beschwingt und verdammt ohrwurmträchtig!

Bitte eine Pizza mit Butter, Bohnen, Sardellen, einige Schweinebeine...

Unbedingt erwähnt werden muss neben dem groß geschriebenen Humor auch die Detailverliebtheit: An Telefonen wird im Gespräch mit Ness´ Vater gespeichert – münzbetriebene Varianten erfordern freilich einen Dollar! Es existiert dezidiert die Statusveränderung „Heimweh“ – erwischt es Ness, so schafft erst ein Anruf oder Besuch bei Mama Abhilfe! Wer Items zwischen Inventar und Lager bewegen will, ruft einfach den Paketdienst an (coole Idee, aber leider etwas überkompliziert umgesetzt, da die Inventare arg begrenzt sind und nach dem Anruf tatsächlich vor dem Haus auf den Boten gewartet werden muss – da wäre eine unspektakuläre Lagerkiste im Shop leider wesentlich praktischer gewesen) und wer Heilmittel braucht, aber zu faul ist, sich im Laden mit schmerzlindernden Hotdogs oder Sandwiches einzudecken, bestellt einfach mal eben eine Pizza. Ja, selbst das Drumherum der Kämpfe ist auf den zweiten Blick wesentlich liebevoller geraten als auf den ersten: Nicht nur, dass die Gegner gerne mit abgedrehten Attacken angreifen, auch hat jeder von ihnen eine eigene Textmeldung, wenn er besiegt wurde; so endet nicht gleich jeder Fight mit Mord und Totschlag, sondern ein aggressiver Hund „becomes tame“, wenn ihm Manieren beigebracht wurden oder ein verrückte alte Frau, die mit ihrer Handtasche auf die Kinder losgeht, „turns back to normal“, nachdem der Kampf gegen sie gewonnen wurde – schön!

Das Fundament von New Pork City

Ist EarthBound somit eine reine Gagparade, quasi das Earthworm Jim des RPG-Genres? Erstaunlicherweise nein. Ja, es gibt Unmengen zu schmunzeln und zu lachen, aber nein, das Spiel stellt keine reine Blödel-Hitparade dar, sondern ist, um es etwas überspitzt zu formulieren, bisweilen weniger harmlos als es aussieht und teilweise nahezu erschreckend realitätsnah: Schon allein eine Gestalt wie Nachbarsjunge Pokey ist den meisten von uns wohl bereits im „Real Life“ begegnet – ein unsympathischer Fiesling Ness gegenüber, der aber natürlich gleich ein falsches Lächeln aufsetzt, wenn dessen Mutter das Zimmer betritt. Kein überzeichneter Bösewicht, sondern glaubwürdig, wenn er sich um seinen kleinen Bruder sorgt, und bemitleidenswert, wenn man seine fürchterlichen Eltern betrachtet (Die Missetat der Mutter, Buzz einfach zu töten, weil er sie nervt, steht programmatisch für ihren Charakter und den ihres Gatten). Wenn Pokey im Laufe der Geschichte immer mehr zum Superschurken wird – und zwar zu keinem sympathischen Schurken der Marke Jessie/James/Mauzi oder Bowser, denen man hinter vorgehaltener Hand dann doch gerne die Daumen drückt, sondern zu einem richtig bösartigen Exemplar – dann mag dies skurril und abgehoben sein, aber behält einen richtig beunruhigenden Unterton und regt fast schon im Herr der Fliegen-Stil zum Nachdenken an, wie sehr kindliche Rivalität ohne elterliche Aufsicht eskalieren kann.

Hey, Dad!

Auch das Lachen über den Running Gag des Telefongesprächs mit Ness´ Vater, welcher stets die „Fourth Wall“ bezüglich der Speicherfunktion durchbricht, bleibt ein klein wenig im Hals stecken, wenn man bedenkt, dass der junge Held ihn das ganze Spiel über nie zu Gesicht bekommt; sein obligatorischer Kommentar „We are a great team, aren´t we?“ wirkt da fast schon höhnisch. Und gewisse Story-Entwicklungen, auf welche an dieser Stelle natürlich nicht näher eingegangen werden soll, sind auch nicht gerade ohne – Abdrifter ins geradezu Psychologische oder gar Verstörende sind durchaus enthalten.

Ein Nerd und sein Affe

Das Kunststück an der ganzen Geschichte: Es passt zusammen! Nichts von dem Gesamtkunstwerk EarthBound wirkt aufgesetzt, Pathos ist den Entwicklern völlig fremd. Wo andere Rollenspiele ihre Problematiken mit schwülstigen Mono- und Dialogen in Theater- oder Opernmanier thematisieren, fühlt sich Ness´ Welt wie eine fantastische Version unserer eigenen an; Leute reden, als würden sie sich wirklich unterhalten und wenn über große Themen gesprochen wird, verleiht ihnen die alltagsmäßige Nüchternheit der Konversationen im Gegenteil große Authentizität und Dramatik. Wenn nach einer solchen Szene wieder einer der unzähligen Gags um die Ecke kommt, wirkt er dann umso mehr, anstatt deplatziert zu wirken. Zu dieser Geschlossenheit des Szenarios trägt auch die Party um Ness stark bei, welche mit ihren kindlichen und jugendlichen Protagonisten viel eher wie eine Clique als eine hard-boiled-Heldengruppe wirkt und damit ein wenig an Quintets ebenfalls famoses Illusion of Time erinnert (wo die Grundstimmung allerdings wesentlich melancholischer ist) – Babysitterin Paula, Ober-Nerd Jeff und der fernöstliche Prinz Poo (gut, den Namen hätten sie ruhig ändern können...glücklicherweise dürft ihr sämtliche Helden zu Spielbeginn umbenennen), welche sich alle nach und nach dem Haupthelden anschließen, haben neben ihren spielerischen Stärken, Schwächen und Spezialitäten (so kann etwa nur Jeff kaputte Apparaturen reparieren) alle ihre eigenen glaubwürdigen Persönlichkeiten, letztere beiden sogar ausgezeichnet gelungene, eigene Einführungskapitel, in welchen sie eine ganze Weile solo gespielt werden, bis sie sich schließlich der Gruppe anschließen. Wenn etwa besagter Geek aus einem klischeehaften Internat ausbricht und mit einem kaugummiliebenden Affen die verrücktesten Abenteuer zwischen Loch Ness und Stonehenge erlebt, um schließlich seinen Vater – einen typischen „Mad Scientist“ – zu treffen, der sich als dermaßen abgehoben entpuppt, dass er seinen eigenen Sohn nicht einmal erkennt, dann ist das irgendwie genau die Gagparade mit einer Prise Drama, die funktioniert.

Hit mit 18 Jahren Verspätung

Und genau dieser Umstand kann EarthBound gar nicht hoch genug angerechnet werden: Der Versuch, Anarcho-Komik mit ernsthaften Untertönen oder gar Messages zu kombinieren, geht nur allzu oft schief, in welchem Medium auch immer – man denke nur an diverse fürchterliche Adam Sandler-Filme. EarthBound gelingt es dagegen, viel facettenreicher zu sein, als es auf den ersten Blick wirken mag, und dabei dennoch stets wie aus einem Guss zu wirken. Mit Unmengen von tollen Ideen – auch spielerisch gibt immer wieder die eine oder andere unerwartete Überraschung – stellt dieser viel zu spät in good old Europe erschienene Klassiker ein wahres Gute-Laune-RPG dar, was gleichzeitig viel erzählerische Tiefe besitzt, ohne dies an die große Glocke zu hängen oder gar damit zu protzen. Was man auch von Nintendos Preisgestaltung der Virtual Console-Titeln halten mag – dieses Spiel ist jeden Cent wert. Wer eine Wii U, einen Internetzugang und 10 Euro besitzt, sollte sich EarthBound nicht entgehen lassen!

8.5Wertung

Fazit

Super Mario RPG oder Chrono Trigger: Manche ein bis zwei Dekaden alten Rollenspiele scheinen einfach nicht altern zu wollen und fühlen sich immer noch frisch wie zum Release an! Auch EarthBound gehört dieser elitären Gruppe an: Neben ein paar Kleinigkeiten stellt damals wie heute die bisweilen doch etwas 8-bittige Grafik den einzigen wirklich auffälligen Kritikpunkt dar, und vermutlich fällt jener heute, wenn auf das SNES als Retro-Gerät zurückgeblickt wird, sogar weniger ins Gewicht als zu den Super Nintendo-Hochzeiten. Mit ans Herz wachsenden Helden, weitläufigen Städten, viel Witz und Atmosphäre und auch heute noch sehr unterhaltsamen Gameplay (nicht zuletzt auch Dank des angenehmen Verzichts auf Zufallskämpfe) damals wie heute ein Muss für jeden Rollenspieler – und vielleicht sogar für welche, die es eigentlich gar nicht werden wollen!

Design
6.0
Sound
8.5
  • einzigartige Atmosphäre, viele Gags
  • tolle Musik
  • einsteigerfreundlich und doch komplex
  • spielt sich wirklich gut...
  • ...wenn auch nicht besonders innovativ
  • grafisch schon 1995 etwas anachronistisch
  • Inventar/Item-Lagerung etwas unpraktisch
  • Stil für manche sicher gewöhnungsbedürftig

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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