
Game & Wario
Passend zum Release von Game & Wario an diesem Freitag gibt es einen Launch Trailer, welcher euch das Spiel schmackhaft machen soll.
Solltet ihr unseren Test dazu noch nicht gelesen haben oder noch nicht sicher sein ob sich ein Kauf lohnt, so könnt ihr dies in unserem Test zu Game & Wario in Erfahrung bringen.

Game & Wario
WIIU
- Genre
- Spaß-Spiel
- Entwickler
- Nintendo
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- WIIU
- Spieler
- 1–5 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Marios geldgieriger Erzfeind Wario ist im Videospielgeschäft schon lange kein Unbekannter mehr. Mit Wario Ware Inc. stieg der gelb-violette Halunke ins Minispielgeschäft ein, welches mittlerweile schon etliche Ableger feiert. Mit Game & Wario für Wii U gibt er sich nun erneut die Ehre – allerdings nicht in der Form, wie wir es bisher gewohnt waren. Warum das der Fall ist und ob das Spiel dennoch Hitpotential hat, erfahrt ihr in Folgendem.
Neue Spielkonsole – das riecht nach Kohle!
Wario-typisch wird der Spieler in der Einleitung mit einem schlichten Flash-Intro versorgt, welches den Plot in aller Kürze vermitteln soll. Der Hauptprotagonist hockt wieder einmal gemütlich in seinem Sofasessel und starrt stur auf den Fernsehschirm. Als ein neues Spielsystem vorgestellt wird, dessen Controller einen Touchscreen besitzt, sieht Wario darin natürlich sofort DIE Idee, wieder haufenweise Geld zu scheffeln und setzt sich daran, Software für die Konsole zu schreiben. Wer eine gut durchdachte, komplexe Story erwartet, wird selbstverständlich enttäuscht – das Fernbleiben einer solchen hat aber schon bei den Minispiel-Vorgängern wenig gestört.
Im Hauptmenü angelangt, darf man zwischen dem Ein- sowie dem Mehrspielermodus wählen; eine zusätzliche Funktion „Miiverse Artwork“ ist ebenfalls anwählbar, aber erst ab Release verfügbar, weshalb wir diesen Modus leider nicht genauer untersuchen können. Nach der Freischaltung werden Nutzer Wörter veröffentlichen können, welche andere Nutzer dann in visualisierter Form als Zeichnung online stellen.
Von Zombie-Müttern, ulkigen Kung Fu-Meistern und Kapselautomaten in Hühnerform
Wählt man den Einspielermodus aus, so muss sich der Spieler zu allererst ein Profil erstellen. Dafür nimmt die Person ein Foto vom eigenen Antlitz mit der im Gamepad integrierten Kamera auf und kann es dank Gesichtserkennung nach Belieben mit weiteren künstlerischen Effekten wie einem eingefügten Bart versehen. Mit 12 Profil-Speicherplätzen sind die Kapazitätsgrenzen auch großzügig ausgefallen. Beginnend mit dem Minispiel „Arrow“ macht sich der Spieler dann auf, Stück für Stück alle verfügbaren Minigames – es sind 12 an der Zahl – freizuschalten. Schon nach etwa einer Stunde bekommt man den Abspann zu Gesicht, was anfangs nicht gerade positiv für den Umfang spricht. Wie aber auch bei Nintendo Land sind die Minispiele nicht nur für einen einmaligen Durchlauf gedacht, sondern sollen den Spieler immer wieder auf ein neues Spaß bereiten. Zudem lassen sich innerhalb der Spiele weitere Modi freischalten und Highscores verbessern, was den Wiederspielwert um ein Vielfaches in die Höhe steigen lässt. Ganz so tiefgehend wie der genannte Vergleichstitel ist Game & Wario in diesem Sinne aber leider nicht.
Dafür bietet der Titel ein Sammelsystem, das die bereits bekannten Spielmünzen alt aussehen lässt. Hier sammelt ihr nämlich Marken, die ihr durch verschiedenste Aktionen bekommt – ein Level das erste Mal zu absolvieren, einen gewissen Status durch eine vorgegebene Punkteanzahl zu erreichen oder einfach nach einer Spielpause wiederzukehren können euch solche Marken einbringen. Sie stellen das Futter für den Kapselautomat, der einem Huhn nachempfunden ist, dar. Jede Marke lässt die Maschine durch das metallene Huhn-Hinterteil eine Kapsel „ausscheiden“, in der sich etwas Nettes für eure Sammlung verbirgt. Ob das ein kleines Minispiel oder eine Telefonnummer, die euch ein kurioses Gespräch zum Zusehen beschert ist – die interaktive Sammlung sorgt mit dem Wario-typischen Humor von einer Sache zur nächsten für Schmunzeln und fällt mit den 240 zu holenden Kapseln auch alles andere als gering aus.
Zu den Minispielen selbst gibt es natürlich auch noch einiges zu sagen – gleich vorweg sollte eingeräumt werden, dass der vorhin erwähnte Vergleich mit Nintendo Land keinesfalls rein recycelte Spielchen in Game & Wario zur Bedeutung hat. In typischer Wario-Manier spielen auch die Kollegen aus den Minispiel-Vorgängern wieder Rollen: Protagnisten wie Ashley, 9-Volt oder Dr. Crygor sind wieder mit von der Partie und bieten jeweils ihre eigenen Minispiele inklusive Flash-Intro. Die Geschichten rund um sie sind natürlich weder komplex noch in irgendeiner Weise sinnvoll, bringen den Spieler aufgrund des absurden Humors immer wieder zum Lachen und sind in der Regel nett gestaltet. Das eigentliche Highlight eines Minispiels stellt dann der Titelscreen dar, in welchem die Charaktere als reale Personen dargestellt werden. Das passt absolut nicht in den in Flash-Grafik gehalten Titel und wirkt gerade aufgrund des völlig überzogenen Stils einfach nur genial.
Die Minispiele selbst sind sehr abwechslungsreich gestaltet und bieten im Durchschnitt zwei Modi mit je 3 Schwierigkeitsstufen/Level, die es zu absolvieren gilt. Dabei werden selbstverständlich alle möglichen Steuerungsmethoden des Wii U Gamepads – Wii-FB und anderes Controller-Zubehör wird nicht unterstützt – genutzt. Um euch eine kleine Einsicht in das gebotene Material zu geben, stellen wir euch nachfolgend drei der zwölf verfügbaren Spielchen vor.
Ski
Jimmy T., der Discokönig mit dem gigantischen blauen Afro, macht einen Ausflug ins Schigebiet. Auf 5 verschiedenen Pisten könnt ihr euer Können unter Beweis stellen und Rekordzeiten brechen, in dem ihr die Schanzen und Beschleunigungsstreifen auf dem Weg zu eurem Vorteil nutzt. Ist das zu stressig, kann auch der Modus „Skihasenpiste“ gewählt werden – hier wedelt ihr euch durch eine endlos lange Abfahrt und gabelt, wo ihr schon dabei seid, gleich ein paar hübsche Mädels auf, die am Ende eines Abschnitts Extra-Punkte bringen. Natürlich werden mit der zurückgelegten Distanz die Kurven immer enger und die gefährlichen Schluchten, die bei Unachtsamkeit euren Trip beenden, immer breiter.
Der Ablauf ist in beiden Modi gleich. Ihr haltet das Gamepad senkrecht kippt es in die Richtung, die Jimmy T. einschlagen soll. Während ihr dabei pausenlos auf das Gamepad, wo das Spielgeschehen aus der Vogelperspektive gezeigt wird, achten müsst, wird am Fernsehschirm die Abfahrt so präsentiert, wie man es typischerweise aus dem TV von echten Skirennen kennt. So wirkt die Sache natürlich lukrativer, was dem Spieler in diesem Moment aber leider nichts nützt, da er sich auf seinen Controller konzentrieren muss. Lediglich Zuschauer können so in den Genuss der schöneren Präsentation kommen, was den ein oder anderen doch sehr stören könnte. Ansonsten funktioniert die Steuerung einwandfrei, das Spiel selbst macht durchaus Bock und der Schwierigkeitsgrad ist angemessen.
Gamer
Definitiv einer der besten Vertreter. Schon der Titelscreen mit einer Zombie-Dame und Sound-Geräuschen, die aus den ärgsten Horror-Filmen stammen könnten, macht auf sich aufmerksam. Die Hauptrolle übernimmt 9-Volt, der unbedingt nach der von seiner Mutter auferteilten Bettruhe auf dem Gamepad weiterzocken möchte. Ihr schlüpft dann quasi in seinem Körper und spielt 5-sekündige „Mikrospiele“ inklusive Bossgegner, wie man sie von den Wario Ware-Spielen her kennt. Allerdings solltet ihr schon längst schlafen, was eure Mutter von Zeit zu Zeit überprüfen will – hier kommt das Geschehen auf dem Fernsehschirm zum Einsatz. Ihr seht euch im dunklen Zimmer, wo ihr schon gemütlich im Bett liegend Minispiele spielt. Da Mama Verdacht schöpft, wirft sie immer wieder mal einen Blick ins Zimmer, der durch einige zuvor auftretende Geräusche angekündigt wird. So sind immer lauter werdende Schritte beispielsweise ein Indiz dafür, dass sie im nächsten Augenblick durch den Türspalt lugt. Oder es beginnt ein hochfrequenter Ton zu pfeifen, wenn sie im Garten vor den Fenstern vorbeimarschiert. Natürlich werdet ihr durch die Geräusche auch öfter auf falsche Fährten gebracht. So kann die Person hinter der Tür in Wirklichkeit eine Katze sein und die hinter den Fenstern schleichende Silhouette ein seltsamer alter Mann mit Perücke. Wird man erwischt, so ist das Spiel zu Ende. Deshalb muss eure Zocker-Sitzung am Gamepad immer rechtzeitig durch das Drücken vom ZL und ZR pausiert werden; macht ihr das allerdings zu lange, werdet ihr so müde, dass ihr einfach einnickt, was ebenfalls das Ende des Spielchens bedeutet.
Dieses Minispiel macht richtig Laune! Die typischen Mikrogames unterhalten wieder mit neuen, abgedrehten Ideen sowie auch Klassikern wie dem Nasenbohrer (aufgepasst – diesmal könnt ihr euren Finger in die VERROTZTE Nase stecken!) und die zusätzliche Konzentration auf die Geschehnisse im Zimmer verleiht dem Spiel tatsächlich einen ziemlichen Thrill. Besonders die erste Begegnung mit der verärgerten Mutter, wie sie euch erwischt und im Zombie-Look grölt, kann einem wirklich Schrecken einjagen. Die vom Spiel vorgeschrieben Ziele lassen sich mit etwas Übung jedoch leicht erreichen. Zur Auswahl stehen 3 Level (jeweils mit 1, 2 und 3 Endbossen) sowie einen Endlos-Modus; wollt ihr die Mikrospiele in Ruhe genießen, könnt ihr sie auch mit 18-Volt ohne die „düsteren“ Begebenheiten spielen. Bei ihm gibt es den Normalo-, den Ultratempo- und den Hardcore-Modus, die je nach Spieltempo und Anzahl der Leben variieren.
Design
Dr. Crygor steckt in der Toilette fest, spült sich selbst hinab und landet als Tango-Tänzer in seinem Labor – das Intro zu diesem Spiel ist einfach nur noch fragwürdig. Im Labor angekommen, will er Roboter entwerfen und braucht dazu eure Hilfe. Diesmal kommt der Touchscreen des Gamepads zum Einsatz und ihr bekommt vorgegeben, was ihr zeichnen müsst. In einer Runde müsst ihr diverse Formen mit zufälligen Werten – zum Beispiel eine 3cm lange Gerade, ein Kreis mit 4cm Radius oder einen 60°-Winkel – möglichst genau konstruieren. Sowohl die Form als auch die zusätzlichen Maße werden dann bewertet, um nach einer 5-teiligen Runde ein Endergebnis von maximal 500 Punkten zu erreichen.
Mit ein bisschen Übung hat man’s zwar schnell im Blut; dennoch ist es ziemlich interessant, wie man selbst Proportionen einschätzt und wie sie tatsächlich sind. Anfangs unterlaufen doch einige, teils grobe Fehler wenn man sonst nicht viel damit zu tun hat. Das Spiel kann normal ohne Zeitbeschränkung sowie in einem gesonderten Modus gespielt werden, wo die Formen jeweils in 5 Sekunden und in einem Zug gezeichnet werden müssen. Ein 2-Spieler-Modus (Direkter Vergleich zweier Zeichnungen) mit derselben Sub-Auswahl ist ebenfalls enthalten, obwohl sich das Minispiel in der Singleplayer-Kategorie befindet. Am Ende wird der finale Roboter präsentiert, dessen Design auf euren Zeichenkünsten basiert.
Geteilter Spaß, doppelter Spaß!
Wie bei den älteren Wario-Titeln wurde die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf den Einzelspielermodus gerichtet, was die geringe Anzahl von 4 Multiplayer-Minispielen etwas arm aussehen lässt. Hier könnt ihr im Guitar Hero-Stil Rhythmusduelle veranstalten, Zeichnungen eines Mitstreiters – wie man es vom beliebten Gesellschaftsspiel „Activity“ kennt – erraten, Fronks auf eine Zielplattform schleudern oder Früchte klauen bzw. den Dieb ausfindig machen. Um euch auch hier einen kleinen Einblick zu geben, haben wir „Fruit“ genauer unter die Lupe genommen.
Während ein Spieler den Dieb spielt, nehmen die Kontrahenten die Rolle von Agenten ein, die den Halunken erkennen und bloßstellen müssen. Dabei muss der Gauner (der Spieler mit dem Gamepad) in einem von drei gut besuchten Arealen eine gewisse Anzahl an Früchten stibitzen und sich dabei so unauffällig wie möglich verhalten. Dies kann etwa durch die Deckung eines vorbeifahrenden Autos oder dem Untertauchen in einem Haufen Leute geschehen. Wurde die gesunde Nahrung dann komplett entwendet, endet das Spiel und die Agenten können aus einer vorgegebenen Masse an Protagonisten dann jeweils jene Figur auswählen, die ihnen am verdächtigsten erschien. Wird der Dieb enttarnt, so gewinnen in jedem Fall alle Agenten.
Das Spielkonzept ist wirklich nett und kann in größeren Runden durchaus Spaß bereiten. Vor allem der überraschend ausgewogene Schwierigkeitsgrad zwischen Dieb und Agenten ist recht gut gelungen. Mit 3 Arealen bietet das Spiel aber leider kaum Umfang und kann so schnell langweilig werden.
Diese Kritik kann sich eigentlich auch auf die anderen vorhandenen Spielchen beziehen – insgesamt bietet der Multispielermodus tolle Spielideen, die aufgrund fehlender Tiefe aber schnell eintönig werden und so sicherlich keine kompletten Spielabende ausfüllen können. Übrigens kann der Einzelspielermodus mit Freunden genauso viel Spaß machen – gerade bei den flinken und witzigen Wario-Spielen eignet sich das Spiel auch prima zum Zusehen und Abwechseln.
Technisch einwandfrei
Von der technischen Seite gibt es nur wenig zu bemängeln. Grafik-Freaks werden mit der schönen, aber eben sehr simpel gehaltenen Flash-Grafik nicht so viel anfangen können; ihren Zweck erfüllt sie aber allemal. Auch die (ebenfalls sehr simple) Steuerung ist sehr gut gelungen. Soundmäßig erfreuen stimmige, passende Melodien das Ohr und lassen nur wenig Wünsche übrig. Interessant ist, dass man Wario für ein Minispiel tatsächlich eine deutsche Stimme verpasst hat. Leider klingt sie sehr künstlich und überhaupt nicht nach den bisher bekannten Aussagen des „Anti-Klempners“. Auch an anderen Stellen findet sich teilweise Sprachausgabe, deren Sätze sich wie die des Google-Übersetzers anhören – da hätte man sich durchaus viel mehr Mühe geben können, Nintendo!
Fazit
Game & Wario ist definitiv anders als das, was man bisher von Marios Erzfeind kannte. Diesmal ist er mit einer Sammlung von größeren Minispielen am Start, die zusammen mit den Sammlungsboni akzeptablen Umfang erreicht – nicht mehr und nicht weniger. Wer auf den Wario-typischen (Fäkal- und Sinnlos-)Humor steht und dem Spielprinzip etwas abgewinnen kann, macht mit einem Kauf des Titels – welcher als Low-Budget-Software übrigens nur ca. 40 Euro kostet – definitiv nichts falsch.
- Wario-typischer Humor
- Nette Bonus-Sammlung
- Kostet nur ca. 40 Euro
- Minispiel-Umfang lässt zu wünschen übrig
- Miese Sprachausgabe
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmuster-Downloads.



