
ZombiU
Beim Entwickler Ubisoft Motpellier hatte man sich von ZombiU offenbar mehr erhofft. Wie Producer Guillaume Brunier jetzt im Interview mit der englischsprachigen Website nintendolife verriet, sei das ganze Team von den ersten Wertungen für ZombiU ziemlich enttäuscht gewesen. Die Entwickler waren sich über die Stärken und vor allem auch Schwächen des Spieles bewusst, doch hatten sie nicht mit den teilweise so niederschmetternden Wertungen gerechnet. Diese reichen in US-Reviews von schlechten 45% bis hin zu Topwertungen über 90%. Inzwischen sei man mit den Wertungen aber zufrieden, da diese schlechten Reviews zu einer Minderheit wurden.
Wie wir das Spiel fanden und ob sich ein Kauf lohnt könnt ihr in unserem Test zu ZombiU nachlesen.

ZombiU
WIIU
- Genre
- Ego-Shooter
- Entwickler
- Ubisoft
- Publisher
- Ubisoft
- Konsole
- WIIU
- Spieler
- 1–2 lokal
- Freigabe
USK ab 18
London versinkt im Chaos
Gleich ab der ersten Minute geht es um das pure Überleben. Nach dem Intro übernehmt ihr die Rolle eines Überlebenden des jüngsten Virenausbruchs in London. Ihr lauft durch die Straßen, um vor einer Herde von Zombies zu flüchten. Plötzlich meldet sich vor einem Supermarkt eine Stimme. Es handelt sich um einen anderen Überlebenden, der anscheinend schon länger etwas über die bevorstehende Zombie-Apokalypse wusste und die nötigen Vorbereitungen traf. Er leitet dich ins Safe-House, tief in einer Londoner U-Bahn Station, welches ab jetzt als deine Operationsbasis dient - vollgestopft mit CCTV-Kamera-Monitoren, um alles im Überblick zu haben. Es ist aber auch ein Ort um einmal ein Nickerchen zu machen (dient zum Speichern) oder um Gegenstände in Aufbewahrungsboxen zu lagern - was, wie ihr später erfahrt durchaus Sinn macht.
Ihr erfahrt zu Beginn wenig über die Hintergründe, aber im Laufe des Spiels meldet sich euer Helfer immer öfters per Funk und warnt beispielsweise vor ankommenden Zombiehorden oder wenn ihr euch zu viel Zeit lässt. Über das Gamepad wirken diese rauschenden Nachrichten sehr stimmungsvoll. Auch Verschwörungstheoretiker werden auf ihre Kosten kommen. So erfahrt ihr durch Zeitungsreste oder weitere Nebenfiguren immer mehr über das Geschehen, welche Rolle die Royals spielten und ob die Queen von den Vorgängen im Vorfeld etwas wusste.
So spektakulär die Geschichte durchaus klingt, desto leicht erzählt wirkt sie an manchen Stellen. Prinzipiell steckt ihr wie immer mitten in der Apokalypse und es gibt nur ein Ziel – zu überleben. Auch eine Identifikation mit eurem „Spielehelden“ wird wohl kaum möglich sein. Fans von Resident Evil kritisieren in den neuen Teilen den überwiegenden Actionpart und dass die Serie ihren Ursprung vergisst. Genau hier punktet ZombiU. Über die etwas seichte Erzählweise trösten die sehr gelungenen Survival-Horror-Momente hinweg. Es ist Spannung bis zum Schluss angesagt.

Du hast nur einen Versuch
Betretet ihr die Welt von ZombiU, so werdet ihr feststellen, dass sich euer Körper total anspannt. Ein Hauptgrund ist wohl der, dass ihr pro Charakter nur einen Versuch habt. Vermasselt ihr diesen so erwacht ihr im Safe-House als neuer Überlebender. Das blöde ist aber, dass auch eure ganze bis zu diesem Punkt gesammelte Ausrüstung genauso weg ist. Ihr habt zwar noch die Möglichkeit euer altes Zombie-Ich aufzusuchen - welches noch immer euren alten Rucksack trägt - um sich die Gadgets zurückzuholen. Sterbt ihr aber auf dem Weg dorthin, so wird nur noch euer letztes Ich als Untoter herumlaufen. Hier kommen die erwähnten Aufbewahrungsboxen ins Spiel. Was im Safe-Hous ist, bleibt auch dort. Diese Dinge können auch spätere Charaktere verwenden. Der Gameplay-Stil ist durchaus interessant und bringt die gewünschte Spannung mit sich. Vor allem zählt immer eine Uhr mit, wie lange ihr schon mit diesem Charakter überlebt habt. Etwas schlecht gelöst, wurde dieses Feature im Gameplay. Seid ihr tot, läuft alles weiter, als wäre nichts geschehen. Keine Rede vom Vorgänger, von Dingen die noch erledigt gehören, da andere es nicht schafften etc. Ihr bekommt die gleichen Dialoge zu hören wie zuletzt. So, als ob nichts gewesen wäre.
Sobald ihr euch mit dem Internet und Miiverse verbindet, finden sich auch in eurem Spiel immer wieder frühere Charaktere anderer Spieler ein – natürlich mit allen gesammelten Items im Gepäck. Außerdem könnt ihr immer wieder mit einem Spray Zeichen an der Wand hinterlassen, um andere zu warnen, die Richtung anzugeben oder um anderweitiges mitzuteilen. Diese neuartige Form eines Multiplayers macht durchaus Spaß und rundet das Spielerlebnis ab. Als doch nicht einzig Überlebender gibt es doch noch Hoffnung in dieser von Gott verlassenen Welt...

Der Schwierigkeitsgrad ist durchaus angemessen und aufgrund so mancher Munitionsknappheit ist Taktieren immer von Vorteil. Als Grundwaffe dient ein Kricketschläger. Mit diesem lassen sich Gegner abwehren oder erschlagen. Bei einer Horde von Zombies kommt ihr hier leicht ins Schwitzen, also seid immer leise unterwegs. Im späteren Verlauf findet ihr immer bessere Waffen, wie Schrotflinten oder die lautlose Armbrust.
Wirkliche Veteranen dürfen sich auch am „Überlebens-Modus“ probieren. Seid ihr tot, so bleibt ihr das auch. Das Spiel endet an dieser Stelle.
Das Pad - die einzige Verbindung
Steuern könnt ihr euren Charakter natürlich über das Wii U-Pad. Die Steuerung ähnelt den klassischen Ego-Shootern. So bewegt ihr euch via Stick und mittels Schultertasten könnt ihr eure Waffe vorbereiten bzw. anvisieren (LZ) und mit RZ abfeuern. Der große Unterschied ist eben der eigene Screen eures Controllers. Über diesen habt ihr Zugriff auf euer gesamtes Inventar und auch auf eine Leiste für den Schnellzugriff von Items. Weiters seht ihr den Kartenbildschirm und könnt euch Infos zu euren Missionen holen. Eine Wichtige Funktion ist auch das Scanner-Tool, welches mit L aktiviert wird. Scannt mit dem Pad eure Umgebung nach Items und Feinden, indem ihr den Controller durch den Raum bewegt oder ihr einfach den rechten Stick benutzt. Gefundene Gegenstände könnt ihr markieren und werden somit auf eurer Map angezeigt.
Die Zeitpunkte, an denen ihr im Inventar kramt oder eure Umgebung durchsucht solltet ihr immer ganz genau planen, denn das Spiel unterbricht dabei nicht. So kann es schon einmal vorkommen, dass ihr plötzlich von einem Untoten gepackt werdet.
Der Screen des Wii U Pads dient aber auch noch anderen Zwecken. So müsst ihr beispielsweise über den Touch-Screen Schlösser knacken, Barrikaden aufheben und Tastencodes eingeben. Aber VORSICHT, auch hier seid ihr wie im wirklichen Leben vor keinerlei Gefahr geschützt.
Die Steuerung funktioniert einwandfrei – einerseits vertraut, aber doch innovativ.
Schönes London?
Die Szenerie, in der ihr euch bewegt ist wirklich toll und gruselig zugleich. So ziemlich jedes klassische Genreelement wird eingesetzt, um dem Spieler das Fürchten zu lehren. Ob es die mangelnde Beleuchtung ist, plötzliche Schreie und Zombieschlurfen oder doch die begrenzte Gesundheit und Munition. Übrigens seid ihr in Besitz einer Taschenlampe, welche ca. 99 Sekunden leuchtet, sich aber wieder von selbst ziemlich schnell auflädt wenn ihr sie ausschaltet. Die Zombies reagieren auf euer Verhalten. Laute Geräusche oder sonstige Unachtsamkeiten können den ein oder anderen Verfolger anlocken. Das Game setzt daher wie erwähnt auf Taktik und nicht auf Herumgeballere.

So manche Situation erfordert das Werfen einer Leuchtfackel, um eine Horde Untoter abzulenken – wollt ihr doch auf die andere Straßenseite. ZombiU lebt von seiner einzigartigen Stimmung. So läuft lauft ihr oft minutenlang ohne Probleme herum, bis plötzlich euer Radar erlischt und es ans Ganze geht. Nur selten kommt bei diesem Game ein "Superhelden-Gefühl" auf, wie es viele Titel aus US-Spieleschmieden erzeugen. In ZombiU spielt ihr normale Menschen in Extremsituationen. Alleine mit dem Kricketschläger benötigt es so einige Hiebe, bis der Feind am Boden liegt und ihr endlich den Finisher einsetzen könnt. Ihr werdet begleitet von eurem eigenen angsterfüllten Schnaufen. Beim Testen kam es mir auch so vor, als ob Männer härter zuschlagen, als wenn euer Charakter eine Frau ist. An dieser Stelle muss ich aber zugeben nicht zu wissen, ob das eine Einbildungssache ist/war.

Merklich haben die Entwickler sehr viel Zeit in die Entwicklung des postapokalyptischen Londons gesteckt. Das Setting überzeugt an jeder Stelle, egal ob es das U-Bahn-System oder die bekannten Touristenstätten sind. Einzig und allein bei den Zombies wäre mehr Abwechslung wünschenswert gewesen. So eine große Garde hat die Queen auch wieder nicht...
Ein Horror,...
... wie einige Stimmen etwas überzogen bezüglich der Grafik laut wurden, ist diese nicht. Zwar bewegt sich der Titel grafisch sicherlich unter PS3 und Xbox 360 Niveau, aber auch jene Konsolen hatten zum Launch ihre Startschwierigkeiten. Immerhin steht die Entwicklung noch ganz am Anfang. Da ZombiU die meiste Zeit von Dunkelheit lebt, lässt sich dieser Punkt durch das wirklich spannende Gameplay sehr leicht aufwiegen. Immerhin wisst ihr oft nicht, was da vor euch lauert oder lauern könnte. Vor allem wirkt es, wie wenn eben der Großteil der Entwicklung ins Crafting des Settings ging. Für einen nächsten Teil ist aber noch sehr viel Luft nach oben.
Auch verfügt ZombiU über die beste Soundkulisse für ein solches Spiel – nämlich Stille gepaart mit gruseligen Umgebungsgeräuschen. Schockmomente sind vorprogrammiert. Über UPlay könnt ihr euch übrigens die ein- oder andere Belohnung abholen - solltet ihr über die nötigen Units verfügen.
Je nach Taktik wird euch das Spiel ca. 15 bis 20 Stunden beschäftigen, aber immerhin gibt es noch den...
Multiplayer
Zwar hat ZombiU keinen wirklichen Online-Multiplayer-Modus, doch gibt es nach dem Ende des Hauptspiels noch die ein oder andere sinnfreie Funktion zu entdecken. So könnt ihr wie schon beim IPhone-App des Spiels Fotos von euch als Untoten schießen und hochladen.

Im lokalen Mehrspielermodus könnt ihr gemeinsam mit Freunden (ausgerüstet mit Pro Controller oder Wiimote + Nunchuck) den Kampf zwischen dem König der Zombies und den menschlichen Kontrahenten austragen. Ihr habt dazu drei Möglichkeiten: Im Assault-Modus müsst ihr Gebiete sichern. Pro Flagge gibt es einen Punkt. Das Spiel endet, wenn eine bestimmte Punkteanzahl erreicht wurde. In Killing Box geht es klassisch ums Kämpfen und die Anzahl der Kills. Im Survival Modus des Multiplayers heißt es am längsten zu überleben– egal ob auf Zombie- oder Menschenseite.
Fazit
Nintendo darf sich glücklich schätzen, eine solche „Softwareperle“ als Exklusivtitel zu besitzen. Zwar ist ZombiU im Vergleich zu aktuellen Titeln auf den Konkurrenz-Konsolen keine Grafikbombe, was als Starttitel doch etwas ernüchternd ist. Doch überzeugt es mit dem mehr als gelungenen Setting und Gameplay. Im Gegensatz zu Resident Evil 6 ist hier wirklich wieder guter, alter und vor allem atemraubender Survival-Horror angesagt. Immerhin geht es ab der ersten Minute ums pure Überleben. Seid ihr tot, so ist es auch schon vorbei mit eurem Charakter und all den gesammelten Items. Die Mischung aus altbewährter und innovativer Steuerung mag zu gefallen. Wer Herumgeballere sucht, ist hier fehl am Platz. Das Spiel zielt aufs Taktieren und Herumschleichen. Das Wii U Gamepad, aber auch die Online-Unterstützung via Miiverse wird sinnvoll eingesetzt. Trotz kleinen Schwächen in der Präsentation macht die perfekte Mischung aus Action und einer wirklich eindringlichen Atmosphäre, ZombiU zu einem echten Highlight. Das erfrischende Gameplay, gepackt in Überlebenskampf und überzeugendes Setting, bringt viele tolle Spielestunden mit sich.
- tolle Atmosphäre
- originelles Online-Nachrichtensystem
- klassischer Survival-Horror
- innovatives Gameplay
- kein Online-Multiplayer
- etwas schwache Technik
- seichte Storyelemente
Vielen Dank an die Firma Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.


