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Professor Layton und die Maske der Wunder

Professor Layton und die Maske der Wunder

Lukas

Es gibt die unterschiedlichsten Anzeichen dafür, dass sich das Jahr dem Ende zuneigt: Verfrühte Weihnachtslieder, für den Geschmack vieler verfrühter Sonnenuntergang - und der traditionelle Besuch eines immer pünktlichen, alten Freundes: Im fünften Jahr in Folge hat Professor Layton wieder einen großen Auftritt auf Nintendos Mobilkonsole - bei jener handelt es sich nach vier Episoden für den Ur-DS nun aber erstmals um dessen Nachfolger!

Ob Hershels 3DS-Debut, in welchem er es mit dem mysteriösen "Maskierten Gentleman" zu tun bekommt, an bisherige zweidimensionale Erfolge anknüpfen kann, lest ihr in unserem Testbericht zu Professor Layton und die Maske der Wunder!

Auch wenn seine Spieleserie vergleichsweise noch sehr jung ist, sind Professor Layton und sein Assistent Luke bereits feste und insbesondere pünktliche Größen im Videospielbereich: Seit 2008 erschien buchstäblich jedes Jahr ein neues Abenteuer des rätsellösenden Gentleman für Nintendos Mobilkonsolen – nachdem der gute alte DS bereits mit sage und schreibe vier Episoden bedacht wurde, ist nun die nächste Generation an der Reihe. Schlägt sich der Sympathieträger mit Zylinder auf dem 3DS ebenso wacker wie gehabt oder stellen sich bei Folge 5 bereits langsam Ermüdungserscheinungen ein?

Ein Faschingsnarr und Gentleman

Doch bevor wir dieser Frage nachgehen, kurz zur Story: Nachdem die Layton-Reihe in puncto Episodenreichtum bereits Star Wars-hafte Ausmaße angenommen hat, ist es zunächst erwähnenswert, dass es sich bei der Maske der Wunder um das zweite Spiel der Prequel-Trilogie handelt, welche vor den 2008er-, 2009er- und 2010er-Folgen spielt; chronologisch läuft die Handlung des 3DS-Erstlings also nach dem DS-Titel Der Ruf des Phantoms und dem Anime Die ewige Diva ab: Dem um Unterstützung bei einer mysteriösen Bedrohung bittenden Brief einer alten Freundin folgend, reisen Lehrling Luke, Assistentin Emmy und der Herr Professor höchstpersönlich in die blühende Wüstenmetropole Monte d´Or, einer Art britischem Las Vegas (es gibt also Wüsten im Vereinigten Königreich – wieder was gelernt!) und treffen bei einem örtlichen Karnevalsumzug prompt auf den Unruhestifter, welcher sich selbst "maskierter Gentleman" nennt und, wie es aussieht, als kleine Showeinlage mal eben ein paar Schaulustige zu Stein erstarren lässt...

Viel mehr soll zur Story, die auch in der jüngsten Layton-Episode eine große Rolle einnimmt, auch gar nicht verraten werden – wie seit Die Schatulle der Pandora (DS, 2009) üblich startet das Geschehen mit einem übersinnlich anmutenden Ereignis, im Zuge dessen Erforschung man sich nie so recht sicher sein kann, ob hier tatsächliche Wunder dahinterstecken oder nicht. Auch wenn die überragende Storyqualität des finalen Kapitels der ursprünglichen Trilogie – Professor Layton und die verlorene Zukunft nicht erreicht wird und die eine oder andere Storywendung recht vorhersehbar daherkommt, ist der Plot das ganze Spiel über spannend und motiviert stets zum Weiterspielen. Dass der Vorgänger Der Ruf des Phantoms erzählerisch übertroffen wird, liegt nicht zuletzt an einem einfachen, aber effektiven Kniff: Manche Kapitel des umfangreichen Spiels (wer alle Rätsel lösen will, kann leicht 25 Stunden einplanen) spielen 18 Jahre in der Vergangenheit und drehen sich um einen 17jährigen Hershel Layton, der mit Archäologie noch nichts am Hut hat (pun intended), und seinen Freund Randall, einen Möchtegern-Indiana Jones. Diese Zeit- und damit auch Schauplatzwechsel sorgen nicht nur für willkommene Abwechslung, sondern verleihen dem ohnehin schon sympathischen Protagonisten auch noch mehr Profil.

"Der Rätselknacker!" ((c) die alte Batman-Serie)

Apropos Profil: Wer sich damals angesichts der ersten Screenshots, welche die Protagonisten als 3D-Modelle anstatt der gewohnten, im Stile von Phoenix Wright oder Fire Emblem spärlich animierten 2D-Gestalten zeigten, gewundert oder aufgrund des ungewohnten, anfangs vielleicht etwas seltsam wirkenden Anblicks sogar geärgert hat, dem sei gesagt, dass ich ebenfalls diesbezüglich skeptisch war, aber mir schon nach wenigen Augenblicken der "räumlichen" Figuren in Bewegung keineswegs den alten Stil zurückwünschte: Tollpatschige Clowns, sympathisch-trottelige Streifenpolizisten, stets gefasste Butler, großspurig gestikulierende Neureiche, skurrile Buchhalter – nie hat die Belegschaft einer Layton-Episode lebendiger gewirkt und auch dem Titelhelden und seinen Freunden tut dieses Update tatsächlich spürbar gut! So ist es auch ein Unterschied wie Tag und Nacht, wenn die Helden in der aktuellen Episode nach der Lösung eines Rätsels noch einige Momente grübeln, sich ihre Miene dann aufhellt und sie strahlend den Zeigefinger gleichsam "aus dem Bildschirm heraus" strecken (toller 3D-Effekt!): Diese Sequenz gab es bereits in den vorherigen vier Teilen, doch war sie dort nichts anderes als eine Aneinanderreihung weniger Standbilder, während sie hier voll animiert ist.

Auch die Schauplätze erstrahlen in neuem Glanz, nicht nur aufgrund der neugewonnenen räumlichen Tiefe, welche ihnen gut zu Gesicht stehen: Anstatt der starren, bildschirmgroßen Locations der Prequels kann in der aktuellen Episode mittels Stylus stets in begrenztem Rahmen das Sichtfeld bewegt, teils sogar gezoomt werden. Dass die Umgebungen auf dem 3D-Topscreen dargestellt werden, die Navigation aber wie gehabt via Touchscreen erfolgt, hat allerdings seine Licht- und Schattenseiten: Einerseits ist es etwa sehr komfortabel, dass Hotspots für "klickbare" Objekte nun angezeigt werden, indem sich die Lupe, welche anstelle des gewohnten direkten Antippens per Stylus über den oberen Bildschirm bewegt wird, verfärbt; hektisches Getippe über den ganzen Screen, um die überall versteckten, bei schwierigen Rätseln unterstüztenden Hinweismünzen zu finden, gehört damit der Vergangenheit an, da man hier genau weiß, ob hier eventuell ein Gegenstand oder zumindest ein amüsanter Kommentar des Professors zu finden sind. Auf der anderen Seite gestaltet sich diese indirekte Steuerung etwas umständlicher: Wer die Umgebung untersuchen oder Leute ansprechen will (und dies ist sehr, sehr häufig vonnöten), muss stets zunächst in den Lupenmodus wechseln, indem das entsprechende Symbol angetippt wird, die Lupe per Stylus zum entsprechenden Objekt bzw. Subjekt ziehen und danach mittels Tippbewegung die Aktion ausführen – auf dem "alten" DS musste einfach nur einmal getippt werden und das war´s.

Von Robotern und Hasen

Dieser kleine "Verschlimmbesserung" fällt jedoch nicht weiter ins Gewicht, da das Spiel gelinde gesagt einfach irrsinnigen Spaß macht: Dass es mich nicht nur gnadenlos gefesselt, sondern auch die gesamte Spielzeit über gänzlich von Pokémon Schwarz 2 und Batman: Arkham Asylum abgehalten hat, spricht für seine Qualität. Die 135 Rätsel der Hauptstory rekrutieren sich wieder aus den verschiedensten Bereichen – mathematische Probleme, Scherzfragen mit rückwirkendem "Trololo!"-Faktor, Kopfnüsse aus dem Bereich der Logik, Verschiebe- und Drehpuzzles: Nach bereits vier Layton-Episoden kann zwar nur mehr schwer gänzlich Neues kommen, dennoch wirken die Knobeleien insgesamt frischer als im Vorgänger und während immer noch an den Haaren herbeigezogene Assoziationen der Marke "Oh, eine Bambuspflanze! Das erinnert mich an ein Rätsel, das mir neulich im Chinarestaurant eingefallen ist, als ich Bambussprossen gegessen und gleichzeitig das Muster der Serviette betrachtet habe!", wenn die Umgebung untersucht oder NPCs angesprochen werden, keineswegs ausbleiben, ist es respektabel, wie viele Denkaufgaben sinnvoll in die Hauptstory eingebettet wurden und durchaus Sinn machen.

Anders als beim Erforschen der Settings sorgen die Eigenheiten des 3DS für keinerlei Probleme während der Rätsel: Manchmal ist die Problemstellung auf dem dreidimensionalen Topscreen sichtbar und der Touchscreen stellt lediglich mögliche Lösungen dar, von denen eine ausgewählt werden muss bzw. fungiert als leeres Blatt, das per Schrifterkennung "beschrieben" werden soll; ein andermal wird via Stylus das Geschehen am oberen Bildschirm manipuliert (etwa im grafisch netten Maiskolben-Labyrinth, aus dem ein Marienkäfer entkommen muss). Oder aber – wie in der Roboter-Disziplin, welche gemeinsam mit dem "Laden der Verlockung" (platziert Waren im Regal so, dass möglichst alles leergekauft wird) und dem "Hasentheater" (bringt einem Fellknäuel Tricks bei und wählt bei der Aufführung die zum Skript passenden aus) die drei großen Minispiele darstellt, welche über das Pausenmenü zugänglich sind und im Laufe des Spiels immer neue Levels erhalten – es bilden beide Bildschirme im Wesentlichen dasselbe ab, nur einmal schicker und in 3D und einmal zweckmäßig und direkt manipulierbar: Wenn etwa der immer drei Felder in eine Richtung wackelnde Aufziehroboter in Richtung Ziel gelotst wird, reicht der Touchscreen mit seinem Simpel-Look zur Interaktion und dem Bezug aller relevanter Informationen völlig aus; die nette Polygongrafik am oberen Screen dient nur zur Illustration. Übrigens kommt selten auch das 3DS-interne Gyroskop zum Einsatz – wenn, dann macht es aber Sinn und wirkt nie deplatziert.

Und Action!

Dass es wieder eine passwortbasierte Überraschung für Besitzer von Der Ruf des Phantoms gibt, mit dem Erfüllen aller Aufgaben des Hauptspiels nach und nach noch insgesamt 15 besonders harte Rätsel zugänglich werden und vom Releasetag bis genau ein Jahr danach sage und schreibe 365 zusätzliche Denksportaufgaben gratis heruntergeladen werden können, bedarf für Serienveteranen ja keiner Erwähnung mehr, ist aber nach wie vor äußerst erfreulich. Auch der Sound, welcher immer wieder zwischen "ein bisschen dudelig" und "absolute Ohrwurmqualität!" pendelt, überrascht nicht und die zahlreichen Zeichentricksequenzen sind nicht nur dank des neuen 3D-Effekts ein Genuss (auch wenn manche der deutschen Sprecher nicht ganz perfekt sind, bügelt dies der optimal besetzte Layton wieder aus). Die Maske der Wunder ist also ein wirklich würdiger Vertreter der Professor Layton-Reihe, 3DS-gerecht auf Hochglanz poliert und möglicherweise nach Dier verlorene Zukunft die beste Serienepisode. Nur, und das ist nun wirklich Jammern auf sehr hohem Niveau: Layton 5 hätte noch mehr sein können!

Denn auch, wenn der Herr Professor für Knobeleien steht: Dass es in der Serienhistorie schon des Öfteren zu actionreichen Situationen kam, die dann aber lediglich im Zuge von (zugegebenermaßen gelungenen) Cut-Scenes miterlebt werden durften – Kenner erinnern sich etwa an jene Szene, in der sich Layton uns als geübter Fechter offenbart – dürfte manchen Gamern schon ein etwas wehmütiges "Awesome, aber ich will das nicht anschauen, sondern mitspielen!" entlockt haben. Offensichtlich ein Wunsch, den auch die Entwickler von Level-5 nachvollziehen können, startet Die Maske der Wunder doch überraschenderweise, aber dramaturgisch wunderbar mit einer temporeichen, mit wunderschöner Musik unterlegter Reit-Sequenz, in welcher Layton hoch zu Ross per rascher Touchscreen-Wischbewegungen Hindernissen ausweicht und den fliehenden Maskierten Gentleman verfolgt.

Indiana Layton

Ist dies noch nur eine kleine Einlage (später können noch als optionales Minigame schwierige Reitparcourse absolviert werden, das war es aber auch leider schon), bei welcher man wenig falsch machen kann (irgendwann kommt man so oder so ans Ziel), ist ein Rückblende-Kapitel aus Laytons Jugendzeit da ein ganz anderes Kaliber: In Top-Down-Perspektive im besten Zelda-Stil erkunden hier Randall und Hershel (der nun sogar bei Bedarf auch mittels Circle Pad und Tasten gesteuert werden kann) zahlreiche unterirdische Etagen altertümlicher Ruinen und Lösen dort Rätsel, die viel mehr in Richtung von Links Abenteuern oder auch Lufia (2) gehen als der Großteil des Spiels: Steine umherrollen, Schalterrätsel, per Schaufel andern eine Grube graben oder selbige wieder zuschütten, um nicht selbst hineinzufallen: Dieser gar nicht mal so kurze Abschnitt erfindet das Rad zwar nicht neu, aber kommt für Layton-Verhältnisse äußerst erfrischend daher; auch die Schleich-Abschnitte, in welchen Robo-Mumien unerkannt überwunden oder in gegrabene Löcher geschubst werden müssen, wissen zu gefallen.

So gut dieses "Zelda-Kapitel" aber auch ist, insgesamt fehlte diesbezüglich dann doch die Konsequenz: An einer Stelle des Abenteuers dachte ich mir wirklich "Ja, Leute, ein cooler Film, aber warum darf ich diese tolle Actionsequenz bitte nicht spielen?!" – Näheres will ich zugunsten der Spoilerfreiheit nicht sagen, aber ich denke, dass ihr sehen werdet, was ich meine. Doch bezieht sich dieser Einwand auch nicht nur auf Action: Ein andermal beratschlagt sich Layton mit der Polizei, um einige der zentralen Mysterien der Geschichte zu lösen. Dies ist durchaus spannend inszeniert und es kommen schöne Aha-Erlebnisse zum Vorschein – doch spielerisch wird dieses Unterfangen deutlich zu leicht gemacht: Es gibt immer wieder einfach drei mögliche Antworten auf eine Frage, von der eine korrekt ist – wer aber die falsche wählt, hat keinerlei Konsequenzen zu befürchten; es ist also kein Problem, wahllos alles durchzuklicken. Hier hätte Level-5 ruhig ein wenig von Phoenix Wright abkupfern (bliebe ja eh quasi "in der Familie", nachdem dieser Tage bereits in Japan das 3DS-Crossover zwischen anwalt und Professor erscheint) und vielleicht ein paar Beweisstücke und Berichte bereitstellen können, auf Basis deren man etwas langsamer zur Lösung der Fälle käme anstatt selbige fast schon ins Gesicht geknallt zu bekommen – so wäre das Spielerlebnis an dieser Stelle zufriedenstellender und "runder" gewesen während es in der aktuellen Form ein wenig den Anschein hat, als hätte Layton diese Rätsel selbst und ohne großartige Hilfe des menschlichen Users gelöst.

Like a Sir!

Aber wie gesagt, dies ist Jammern auf hohem Niveau – insgesamt gehört Professor Layton und die Maske der Wunder gleichermaßen zu den besten Teilen der Serie und den besten 3DS-Spielen überhaupt! Da lässt es sich auch leicht verschmerzen, dass das Ende im Vergleich zu den Vorgängern ein klein wenig abrupt erscheint; dennoch bringt es die Geschichte um den Maskierten Gentleman zu einem zufriedenstellenden Abschluss. Toll und fies gleichzeitig ist jedoch die abschließende Filmsequenz, welche das Finale der Prequel-Trilogie teasert: Diese ist ziemlich genial anzusehen, macht einen aber nur noch ungeduldiger und gespannter auf den sechsten Teil der Serie, welcher noch nicht einmal in Japan erschienen ist – wer weiß, wann wir ihn hierzulande erwarten dürfen. Aber was soll´s, da hilft nur abwarten und Tee trinken...wie ein wahrer Gentleman!

9.0Wertung
Highlight

Fazit

Professor Layton und die Maske der Wunder ist ein Must-Have für alle 3DS-Besitzer ohne Rätsel-Antipathie und fesselt gnadenlos an die Konsole. Die gelungenen Rätsel und die spannende Story wären für sich schon ein Kaufgrund, das gelungene optische Update und die unkonventionelle Ruinenexpedition im Zelda-Stil sind da nur der Zuckerguss auf dem Kuchen. Minimale Mängel an der Steuerung und wenige verschenkte Chancen in Bezug auf Interaktion können den Spielgenuss da kaum trüben.

Design
8.5
Sound
8.5
  • über 135 tolle Rätsel
  • äußerst lebendig wirkende Charaktere
  • spannende Story
  • coole Gameplay-Experimente...
  • ...aber nicht ganz konsequent eingebaut
  • Steuerung teils ein wenig verkompliziert

Vielen Dank an die Firma Nintendofans für die Bereitstellung des Testmusters.

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