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Mein Fohlen 3D

Mein Fohlen 3D

Lukas

Wie geht der alte Bauer durch das Dorf, wenn er seine Fohlen ausführt? "Immer langsam mit den jungen Pferden", höhö. Warum bringt der Weihnachtsmann Pferden so ungern Geschenke? Weil er die Päckchen nie in die Hufeisen bekommt, harhar. Und wie schlägt sich dtps Pferdesimulation? Wesentlich besser als meine schlechten Witze: Näheres ist im Testbericht zu Mein Fohlen 3D zu lesen.

Mein Fohlen 3D

3DS

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Wusstet ihr, wie schwierig es ist, ein Fohlen per Milchflasche zu füttern? Nein? Ich auch nicht, bevor ich Mein Fohlen 3D einlegte und mehrmals daran scheiterte, das gesamte Getränk in das Tierchen hineinzuschütten: Mal hielt ich das Fläschen zu hoch, mal zu niedrig, mal rann ihm die Milch aus den Mundwinkeln, mal scheute es und spuckte die Flasche wieder aus – und dann tat jeweils das gar nicht mal so großzügige Zeitlimit sein Übriges.

Epona

Zeitlimit? Ja, tatsächlich – keine Ahnung, warum unser virtuelles Alter Ego das flauschige Jung(reit)tier dermaßen unter Stress füttern muss; steht etwa der Bauer hinter uns und droht „Wenn das Pferd nicht ganz schnell satt ist, bekommst du die Heugabel in den Rücken!“, oder was geht hier vor? Und auch etwas eigenartig, dass das Tierchen mit jedem Misserfolg zwar immer schmutziger wird (klar, wenn es schon überall Molkereiprodukte im Fell hat...), aber sich dessen Sättigungs-Leiste kein bisschen füllt, obwohl wir, auch wenn jeweils immer knapp keine komplette Flasche auf einmal, schon Liter um Liter in des Rosses Magen gekippt haben...

Doch nach einiger Zeit habe ich den Dreh raus und füttere das Tier, welches gleichsam als lebendiges Tutorial fungiert, souverän: Danach muss es noch gewaschen und gestreichelt werden, bis es zufrieden ist und das eigene Pferd erstellt werden kann – natürlich erfülle ich alle Österreicher-Klischees und wähle aus den 26 (teils freizuschaltenden) Rassen einen Lippizaner aus; Oswald, benannt nach einem geschätzten Kollegen. Und bei der Wahl des Stalls wird selbstverständlich die „Gentlemen Farmer“-Box gewählt – denn wie wir alle wissen, löst ein Gentleman nun mal jedes Rätsel.

Jolly Jumper

Doch bevor ich mich näher mit dem Guten beschäftigen kann, kommt...Stinkepiet aus Toy Story...oder sein Zwillingsbruder...zur Tür herein, bringt einen weiteren Paarhufer mit und murmelt etwas davon, dass er diesem gerne einen Trick beibringen würde. Soso – habe zunächst keine Ahnung, was das in der Praxis bedeutet (nach dem anfänglichen Tutorial treten Erklärungen nur noch sporadisch auf), also sehen wir uns Piets Pferd doch mal an.

An dieser Stelle unterbreche ich einmal per Cliffhanger die packenden Geschehnisse auf dem Bauernhof, um eine wichtigen Punkt anzusprechen: Mein Fohlen 3D erinnert auf der einen Seite sehr stark an Nintendogs + cats, welches ich ja letztes Jahr als allerersten 3DS-Titel testen durfte – um mit den 3D-Tieren und -Gegenständen auf dem oberen Screen zu interagieren, müssen zweidimensionale Schattenrisse derselben auf dem Touchscreen per Stylus angetippt oder verschoben werden, was wesentlich komfortabler funktioniert als es sich anhört.

Horse Head

Während die Flaschenfütterung, wo der Touchpen die Neigung derselben regelt, durchaus Eigenständigkeit besitzt, hatte ich bei der Pferdewaschung wiederum ein sehr starkes Deja-Vu: Der Vorgang, das Tierchen zuerst abzubürsten, dann mittels Schwamm und Shampoo einzuweichen und zuletzt per Gartenschlauch abzuspritzen, ist im Kern genau derselbe wie bei Nintendos Heimtieren – nur, das dass entsprechende Fellknäuel eben einmal bellt und einmal wiehert. Auch die anfangs geringe Auswahl an Futter-, Pflege- und Spielzeugartikeln, welche im Spielverlauf immer größer wird, ist nichts Neues. Aber...

...und jetzt kommt das große „Aber“: Was an Mein Fohlen 3D wirklich überrascht ist der spielerische Gehalt. Ja, diese Aussage klingt nun vielleicht zu groß – das Spiel ist jetzt weder komplex noch besonders innovativ. Was ich meine, ist folgendes: Andere Haustiersimulationen wie eben Nintendogs fühlen sich weniger wie ein traditionelles Spiel an – als ich damals mein Hündchen (ebenfalls „Oswald“, höhö) trainierte, ihn an Sprachbefehle gewöhnte und mich freute, wenn er etwas lernte (oder auch fütterte oder wusch), war der Realismusgrad sicherlich höher als bei den Fohlen: Es gab relativ wenig Statusanzeigen, es fühlte sich an, als habe das Tier auch einen eigenen Kopf, man durfte es nicht überfordern und deswegen nur eine begrenzte Anzahl anstrengender Aktivitäten wie das Lernen von Tricks pro Tag unternehmen – fühlte sich alles auch ziemlich „echt“ an, aber entfernte sich teils ziemlich von einem traditionellen Spiel.

Pferdle (und Äffle)

Mein Fohlen 3D dagegen ist überraschenderweise wesentlich „arcadiger“: Fast alle Aktivitäten außer Streicheln und dem Aushändigen von Leckereien kommen im Gewand von Minispielen daher. Und auch, wenn es nicht wirklich logisch erscheint, dass man das Pferd theoretisch stundenlang streicheln oder auch nur betrachten könnte, sich aber beim Füttern plötzlich an ein strenges Zeitlimit halten muss: Es macht Spaß!

Ja, es macht Spaß, den Vierbeiner möglichst gründlich einzuschäumen und zu waschen und am Ende einen Rang zugeteilt zu bekommen, während das gute Tier tatsächlich so etwas wie Erfahrungspunkte erhält; es macht Spaß, mit Piets Gaul in den Garten zu gehen und selbigem mittels geklautem, aber dennoch spaßigem Elite Beat Agents-Prinzip (ein Kreis muss angetippt werden, sobald ihn ein anderer überlagert) Tricks beizubringen. Auch die Spielchen, welche das 3DS-interne Gyroskop verwenden (etwa bei der Fütterung älterer Fohlen mit Hafer und Wasser), wirken nicht erzwungen, sondern steuern sich komfortabel und sind ebenfalls unterhaltsam.

Ganondorfs Pferd

Klar, alle diese Spiele sind simpel und (abgesehen von dem erwähnten Anfang mit der Trinkflasche – der Umgang mit derselben ist aber bald kein Problem mehr, wenn man den Dreh raus hat) nicht gerade schwierig; es muss auch berücksichtigt werden, dass es sich um ein (um einen wirklich überstrapazierten Ausdruck zu verwenden) Causual Game für eine spezielle Zielgruppe – junge Pferdefreunde – handelt. Aber erstens sind sie wie erwähnt durchaus gut spielbar und zweitens ist es besonders erfrischend, dass gerade dieses auf Kinder zugeschnittene Casual Game gegen den Strom des in der aktuellen Spielelandschaft zweifellos (und schon viel zu lange) vorhandenen Tutorial- und Hinweis-Overlflows schwimmt!

Das heißt natürlich nicht, dass Mein Pony 3D gänzlich auf eine solche Hilfe verzichtet – das Entwicklerteam hat diese nur meines Erachtens nach sehr gut dosiert: Beim „Tricks lernen“ heißt es nur, man solle die erscheinenden Kreise im richtigen Moment antippen – ich glaube zunächst, dies bedeutet, sie sofort zu berühren, wenn sie erscheinen, mache dies bei allen...und habe verloren. Nächster Versuch: Ich warte etwas länger und sehe die zusätzlichen grünen, immer kleiner werdenden Kreise: Aaahh, das Elite Beat Agents-Prinzip!

Phantom Ganons Pferd...jaja, mir gehen langsam die Pferde aus...

Wenn dann neue Icons wie eine Grünlandschaft erscheinen, einfach mal draufdrücken – man landet im Garten, wo es wieder neue Symbole gibt, die für weitere Minispiele stehen: Einfach antippen und sehen, was passiert. Oder, um wieder zum Anfang zurück zu kommen: Bei der Fohlenfütterung wird nur verraten, dass man die Flasche im richtigen Winkel halten soll, damit das Pferd bequem trinken kann.

Und, wie zuvor ausführlich thematisiert, gelang mir das bei weitem nicht beim ersten Mal – ich musste evaluieren, wie zaghaft oder stark die Stylus-Aktionen sein sollten, wie sehr ich mich an die Bewegungen und Reaktionen des Tieres anpassen musste et cetera: Ich scheiterte mehrmals, es wurde gar ein bisschen frustig, aber als es mir dann gelang, war es einerseits ein Erfolgserlebnis – und andererseits hatte ich den Dreh tatsächlich raus und errang auf die nächsten Fütterungen die „1+“-Note.

Ach ja: Da steht ein Pferd auf dem Flur, ein echtes Pferd auf dem Flur...

Und, auf die Gefahr hin, mich ein wenig vom eigentlichen Thema zu entfernen: Genau so soll es sein! Im „Super Mario Power“-Spieleberater vom Anfang der Neunziger antwortete Shigeru Miyamoto auf die Frage des Interviewers, was für ihn ein Videospiel ausmache, mit „Ganz wichtig: Es muss eine Herausforderung für den Spieler sein!“ - heute überflutet man uns mit Hilfestellungen; wer in Mario ein paar Leben in Folge verliert, dem wird ein „Super-Assistent“ (sprich Autopilot) vorgeschlagen und die aktuelle Zelda-Episode bietet wirklich clevere Rätsel, von denen manche (glücklicherweise eher wenige, aber dennoch) durch ungefragte, viel zu genaue Hilfestellungen erleichtert werden.

Und während es insbesondere den Anschein hat, als würden heutige Entwickler gerade Kindern kaum mehr etwas zutrauen – [Opa-Stimme] Verdammt, wir haben damals im Kindergarten Mario 1, Castlevania 1 und Faxanadu gespielt und da hat uns auch kein Mensch gefragt, ob es uns zu schwer ist! [/Opa-Stimme] – weshalb es wie gesagt umso erfrischender ist, wenn man in einem Spiel für die junge Zielgruppe nicht ständig mit Erklärungsscreens und Demoplays bombardiert wird. Eine kurze Erklärung, was zu tun ist, ist völlig ausreichend – das Videospiel ist ein exploratives Medium und das Herausfinden eines möglichst perfekten Weges zur Lösung eben dieser knapp erklärten Aufgabe ist doch genau das, was der User tun soll und will, anstatt besagten Lösungsweg auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. Großes Kompliment an die Entwickler zu dieser Entscheidung!

Das Pferd des kopflosen Reiters

Aber genug des Exkurses und zuletzt noch ein paar Informationen zum Spiel an sich: Sobald Stinkepiets Pferd einen Trick gelernt hat, holt es der Besitzer erfreut ab und eine neue Kundin erscheint mit ihrer traurigen Mähre, die sie wieder mitnimmt, nachdem wir selbige etwas aufgeheitert haben. Danach kommt ein weiterer Pferdefreak daher, dessen flauschiger Gefährte ein wahrer Sturkopf ist et cetera: Eine der vier Koppeln ist also stets mit einem Kurzzeit-Gast besetzt, der nach dem Lösen eines Problems wieder auszieht, während die verbleibenden drei Slots mit Oswald und Co., also selbst erstellten Kleppern, belegt werden können.

Wobei aber auch diese treuen Gefährten nicht ewig bleiben – schließlich heißt es Mein Fohlen 3D, nicht „Mein Pferd 3D“, und sobald das Tierchen zu einem Jährling (=einjähriges Huftier – wieder was gelernt!) heranwächst, verabschiedet es sich; schade, eigentlich. Wobei es im Menüpunkt „Album“ aber immer noch begutachtet werden und mittels AR-Karte auch in die reale Welt transferiert und gestreichelt werden kann, wenn es bereits „flügge“ geworden ist.

Das Schaukelpferd aus Mario Party 3

Dieses Ereignis tritt ein, sobald, ihr ahnt es schon, die „Erfahrungspunkte“-Leiste gefüllt ist: Je besser man in einem Spiel (Füttern, Tricks beibringen, Springreiten, Ball apportieren etc.) abschneidet, umso mehr EP werden ergattert – ist der Balken auf ein Viertel der Leiste angewachsen, so verweigert das Tier von nun an Milch und will Wasser sowie feste Nahrung; wurde das Maximum erreicht, so heißt das „Goodbye!“ und der frei gewordene Slot kann wieder neu belegt werden.

Auch hier nicht gerade realistisch, dass man ein Pferd ein paar Mal füttert, wäscht und ausführt und – Schwupps! – es ist ein Jahr vergangen, aber dies stört nicht weiter; das Spiel ist eben arcadelastig. Außerdem nutzt es die Features des 3DS gar nicht mal so übel aus: Abgesehen vom Gyroskop und Mikrofon (optional zum Rufen des Pferdes) wird auch Streetpass unterstützt (für Wettbewerbe mit Freunden), Spielmünzen können gegen Items getauscht werden und 3D-Effekt und Grafik fallen beide nicht unbedingt spektakulär, aber durchaus ansehlich aus.

So, nur noch ein Pferd...ach, dass ich da vorher nicht draufgekommen bin: Rudi Ross!

Und ein weiteres Kompliment an die Entwickler, dass auf übertriebenen Kitsch und extreme Farben verzichtet wurde: Ja, die (nur am Rande auftretenden) Menschen wirken bisweilen wie eine Mischung aus Barbie oder Ken und klischeehaften Anime-Figuren, aber die Umgebungen fallen schick aus und die Pferde wirken mit ihrem Erscheinungsbild irgendwo zwischen Realismus und Comichaftigkeit authentisch und niedlich (wobei aber, tut mir Leid, kein Tier jemals so süß wie eine Katze sein kann – das ist rein physikalisch unmöglich).

Ja, nicht einmal am Sound gibt es großartig etwas zu meckern – er plätschert unaufgeregt im Hintergrund und weiß zu gefallen, während die SFX mit Gewieher und Hufgeklapper authentisch ausfallen. Was bleibt also noch zu sagen? Mein Fohlen 3D ist eine gute Haustiersimulation, die, wie so manche Genre-Kollegen, mit der Zeit etwas repetitiv werden kann, aber Spaß macht und (jungen) Pferdefreunden und -Freundinnen mit 3DS sicherlich viel Freude bereiten wird.

7.5Wertung

Fazit

Ganz klar – würde mich eine besorgte Mutter, der selbst das Auf-den-Kopf-Springen in Super Mario 3D Land und die Kart-Battles in Mario Kart 7 zu heftig sind, nach völlig gewalt- und konfliktfreien sowie nett gestalteten 3DS-Titeln fragen, würde ich Pilotwings Resort und, je nach Lieblingstier, Nintendogs + cats oder Mein Fohlen 3D empfehlen. Bei letzterem handelt es sich um ein Spiel, das man Kindern aus zweierlei Gründen völlig bedenkenlos in die Hand drücken kann: Einerseits aufgrund der Harmlosigkeit, andererseits, weil es schlicht und einfach wirklich nicht übel gestaltet wurde. Mein Fohlen 3D ist keine billige Shovelware, wie man als von der Casual-Flut vorbelasteter Spieler vermuten könnte, sondern ein schönes Spiel – wer mit Haustiersimulationen im Allgemeinen und Pferden im Besonderen aber so gar nichts anfangen kann, ist hier an der falschen Adresse.

Design
7.5
Sound
7.5
  • liebevoll gestaltet
  • Minispiele machen Spaß
  • 3DS-Features gut ausgenutzt
  • Verzicht auf extreme Hilfestellungen
  • sicherlich nicht Jedermanns Sache
  • leicht und wenig komplex
  • mit der Zeit etwas repetitiv

Vielen Dank an die Firma dtp entertainment AG für die Bereitstellung des Testmusters.

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