
Super Pokémon Rumble
Man nehme Unmengen an Spielzeugvarianten der allgegenwärtigen Pokémon, hauche ihnen Leben ein, lasse sie an mehr oder weniger idyllischen Orten in ihrer eigenen Welt ohne lästige Trainer gegeinander antreten und vermenge das Ganze mit einer Prise klassischen RPG-Feelings - guten Appetit!
Ob dieses Rezept für eine köstliche Mahlzeit oder eher für Bauchweh sorgt, lest ihr in unserem Testbericht zu Super Pokémon Rumble!

Super Pokémon Rumble
3DS
- Genre
- Action-Adventure
- Serie
- Pokémon
- Entwickler
- Nintendo
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- 3DS
- Spieler
- 1–2 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Nachdem die von Generation zu Generation zahlenmäßig immer weniger überschaubare Taschenmonsterchen-Horde vergangenen Frühling ihren großen Auftritt auf dem guten alten DS hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Pocket Monsters auch den neuen Handheld erobern würden: Erwartungsgemäß mit keiner neuen Episode der Haupt-RPG-Serie, sondern vielmehr dem Nachfolger des Wiiware-Hack&Slays Pokémon Rumble. Dem Sequel wird dabei lediglich ein „Super“ dem Titel vorangestellt: Eine Neuauflage ohne viel Aufwand oder ist der Name Programm?
Prügelei mit Kokowei
Wir erinnern uns: Das Downloadspielchen für Wii konnte mit dem nur rudimentären Vorhandensein einer Story kaum auftrumpfen und das Gameplay beeindruckte nicht unbedingt mit Komplexität, aber dennoch machte die Klopperei gerade mit zwei bis vier Spielern simultan eine Menge Spaß – der Gauntlet-Effekt eben.
Wie schlägt sich die 3DS-Variante im Vergleich dazu? Nun, um etwas vorweg zu nehmen – es hat sich überraschend viel getan, was manche Bereiche aufwertet, andere jedoch wurden eher ein bisschen verschlimmbessert. Aber alles schön der Reihe nach...
Toy Story?
Die größte Überraschung gleich zu Beginn: Das Spiel bietet nicht nur tatsächlich eine Story, sondern sogar durchaus ein nettes RPG-Drumherum – der eigentlich ziemlich seltsame Umstand, dass wir eigentlich ein Spielzeug-Pokémon steuern, wird anfangs thematisiert, aber tritt bereits in den Hintergrund, sobald wir nach dem Intro-Level in einem kleinen Städtchen der Plastiktierchen landen. Hier zeigt sich, dass auch diese ungewöhnliche Inkarnation der Taschenmonster ihren eigenen Reiz hat – sie sind lebendig, sprechen, lieben es zu kämpfen (nicht ungewöhnlich, wenn sie wohl als so etwas wie interaktive Actionfiguren erschaffen wurden) und streben, ganz ohne Trainer, selbst nach dem Ruhm, ihr Äquivalent der Pokémon-Liga zu gewinnen: Den Battle Royale.
Erfreulicherweise dient dieser Wettbewerb aber auch nur als storymäßige Einleitung – sobald er gewonnen wurde, geht es erst richtig los und die Verfolgung einer Gruppe von Bösewichtern, welche den armen Spielzeugwesen den „Lichttau“, das einzige Heilmittel ihrer Welt, rauben, rückt in den Mittelpunkt.
Der kleine Morlord-Laden
Auch wenn man hier keine allzu spektakuläre Geschichte erwarten sollte, ist es doch äußerst erfreulich, dass das Sequel einiges mehr an Abenteuer-Feeling vermittelt als der Vorgänger – von den Ortschaften, in denen neue Attacken gekauft werden können (leider kann jedes Pokémon nur zwei auf einmal im Gedächtnis behalten), über die begehbare Weltkarte, wo auch immer wieder kleine Scharmützel lauern, bis hin zu den linearen, aber durchaus schick gestalteten Dungeons: Präsentation und Drumherum wissen zu gefallen.
Und auch die 3DS-Features werden gar nicht übel genutzt: Einerseits kann sich der räumliche Effekt wirklich durchaus sehen lassen und stört auch auf voll aufgedrehten 3D-Regler nicht, andererseits fällt das Street Pass-Feature clever aus – Super Pokémon Rumble-Spieler, auf die wir treffen, kaufen einerseits in unserem Spielzeugladen ein (und füllen damit die Reisekasse – nicht übel bei den happigen Attackenpreisen!), andererseits darf ein kleines Duell gegen die Sammlung des Opponenten ausgetragen werden, welcher danach eventuell so nett ist, uns eines seiner Taschenmonster zu leihen, das unser Team während des nächsten Dungeons als NPC unterstützen wird: Keine üble Idee!
Deformiert und kantig, aber süß
Und während die Grafik sich stilistisch nach wie vor an den kantigen, teils relativ abstrakten Charaktermodellen aus Pokémon Rumble und damit auch My Pokémon Farm orientiert, schafft sie es irgendwie, dies kaum störend wirken zu lassen: Schwer zu sagen, ob es nur am gelungenen 3D-Effekt liegt, ob die Figuren im Vergleich zu früher wirklich etwas runder und natürlicher designt wurden oder sie ganz einfach einen simplen Charme entwickeln, der irgendwie zum Spiel passt – in jedem Fall kommen die Viecher niedlich und witzig rüber, von daher passt das schon. Die Kulissen wie herrliche Sandstrände oder düstere Höhlen sind bisweilen sogar richtig hübsch. Aber dennoch: Super Pokémon Rumble ist definitiv die falsche Wahl, wenn ihr Freunden die Grafikpower des 3DS präsentieren wollt.
Der Sound wiederum fällt durchwegs solide aus und bietet den einen oder anderen „Fast-Ohrwurm“ wie z.B. das Boss-Thema; für den Bronze Award-Bereich fehlen dann aber doch die richtigen Highlights. Trotzdem nervt er nie und unterstützt die Atmosphäre gut.
Des Pudox´ Kern
Ihr merkt bestimmt, dass ich bisher vorrangig über das (gelungene) Drumherum geschrieben habe – wie sieht es denn nun mit dem Gameplay aus? Nun...einerseits wäre es eine Lüge zu behaupten, dass es keinen Spaß macht; andererseits trifft es aber ebenso wenig zu, dass sich seit dem Wiiware-Vorgänger diesbezüglich viel getan hätte: Es gibt noch mehr Pokémon als zuvor zu finden (sprich, so ziemlich alle) und die eine oder andere eingestreute Gameplay-Variation wie Teamkämpfe, aber sonst blieb mehr oder minder alles beim Alten.
Im Klartext: Ihr pendelt (in der Regel in einer ziemlich flexiblen Reihenfolge) von Dungeon zu Dungeon, kämpft beim Durchqueren dieser schlauchartigen Schauplätze gegen Unmengen von gegnerischen Minibiestern und habt ab und an das Glück, dass sich eines derselben euch nach seiner Niederlage anschließt - kann sogar bei Bossen funktionieren, die eine jede Stage abschließen. Spezialkämpfe wie die Battle Royale-Runden haben dagegen wieder ihre eigenen Regeln – hier müsst ihr unter Zeitdruck alle Gegner in der Arena und die danach erscheinenden Obermotze bekämpfen, ohne euer aktives Pokémon auswechseln zu dürfen.
Du bist raus!
Apropos aktives Pokémon auswechseln: Dies könnt ihr jederzeit tun – grundsätzlich wäre es nämlich kein Problem, mit jedem Tierchen eurer schnell anwachsenden Sammlung bis kurz vor der Erschöpfung zu kämpfen und es einzutauschen, bevor die KP Null erreichen (in diesem Fall verlört ihr nämlich eines eurer drei Leben). Doch sollte dies aus der Deckung heraus getan werden, da eure Kämpfer während des fliegenden Wechsels für einen kurzen Moment unkontrollierbar, aber verwundbar sind – so kommt etwas Taktik in die Massenrauferei.
Überhaupt ist das Gameplay wie schon im Vorgänger simpel und beschränkt sich, abgesehen vom Auswechseln der Protagonisten, neben dem Slidepad zur Bewegung auf zwei Knöpfe, sprich zwei Attacken, bietet aber dennoch mehr kleine Gameplay-Finessen, als man anfangs glaubt: Denn wenn zunächst mit bloßem Button-Mashing viel ausgerichtet werden kann, lohnt es sich dann bald doch, euer kleinen Kampfkreaturen jeweils nach ihrer Elementklasse (Feuer schlägt Pflanze, Pflanze schlägt Wasser und so weiter und so fort – ihr wisst schon) und ihren Attacken (es gibt Nah- und Fernkampfattacken, statusverändernde Maßnahmen et cetera) auszusuchen, um in jeder Situation Vorteile genießen zu können.
Erweiterungen versus Einschränkungen
Klingt eigentlich alles nach Übernahme von Bewährtem und leichten Verbesserungen gegenüber dem Original? Ja, durchaus – aber ein Aspekt wurde, wie eingangs angekündigt, doch relativ massiv verschlimmbessert: Der Multiplayermodus. Nicht, dass er keinen Spaß machen würde – er ist nur leider mit einigen unverständlichen Einschränkungen verbunden: Erstens fallen Dreier- und Viererteams weg, ein Duo ist das Höchste der Gefühle. Zweitens brauchen beide Spieler in diesem Fall ihre eigene 3DS-Karte – wenn selbst das technisch wesentlich aufwändigere Mario Kart 7 einen abgespeckten Download-Modus anbietet, hätte dies bei Super Pokémon Rumble wohl durchaus ebenfalls möglich sein können.
Und drittens, was besonders schwer wiegt: Es dürfen gemeinsam nur Levels erkundet werden, welche beide Mitspieler bereits abgeschlossen haben und Spezalkämpfe wie der Battle Royale sind gänzlich tabu – wie im Vorgänger das Spiel von Anfang bis zum Ende im Team durchzuzocken fällt von daher flach. Umso bedauerlicher, weil gerade die Story hier einen Extra-Anreiz geboten hätte.
“Ich bin die Hauptfigur!“ - „Nein, ich!“ - „Nein, ich!“
Kurz: Abgesehen von dem mageren Mehrspielermodus – funktioniert das Konzept? Genauso wie der Vorgänger, könnte man antworten – das Prinzip ist simpel, aber macht Spaß. Man kommandiert eine immer größer werdende Truppe Tierchen – aber es fehlt ein wenig, nun ja, der Kommandeur: Nicht dass ich einen Trainer oder dergleichen vermisse, vielmehr den Hauch eines Hauptcharakters – das Monster, mit welchem ihr euer Spiel beginnt, versinkt sehr bald in Bedeutungslosigkeit, da später aufgesammelte Wesen viel höhere Angriffswerte besitzen, die in späteren Stages unerlässlich sind. In vielen RPGs führen die NPCs eigentlich Monologe, da die Protagonisten wohl implizit sprechen, deren Äußerungen aber nie in Form von Worten gezeigt werden – in Super Pokémon Rumble ist es genauso, nur dass ihr nun nicht einmal mehr wisst, wer jetzt eigentlich für euren riesigen Haufen Monster spricht und wessen imaginäre Aussagen eigentlich von den Nebenfiguren nachgeplappert werden.
Weiters können die Pocket Monsters nicht aufgelevelt werden, sondern es ist nur möglich, ihnen neue Attacken zu kaufen – die sind jedoch ziemlich teuer und da man ja schon weiß, dass unser aktuelles Lieblinsmonster bald wieder ersetzt werden muss, ist die Motivation für den Kauf nicht unbedingt gegeben. Klar, es kann auch die Attacke eines alten Monsters auf ein neues übertragen werden – dann verschwindet ersteres aber, und wer will das schon? Wäre ja wirklich schade – denn welches Genre und welcher Ableger auch immer: Die Sammelleidenschaft wird in Pokémon nach wie vor besonders großgeschrieben!
Fazit
Kein sonderlich spektakulärer, aber ein wirklich gelungener Einstand der Taschenmonster auf dem 3DS und eine spaßige Überbrückung zur nächsten großen Serienepisode. Der Einspielermodus von Super Pokémon Rumble übertrifft jenen aus dem Vorgänger ganz klar und überrascht mit seinen netten RPG-Elementen – Multiplayer-Freunde dagegen sind mit dem Wiiware-Vorgänger wohl besser bedient.
- nettes RPG-Feeling, schöne Präsentation
- simples, aber unterhaltsames Spielprinzip
- spaßiger Singleplayer...
- ...und leider ziemlich eingeschränkter Multiplayer
- wenig detaillierte Charaktermodelle
- für manch einen wohl zu simples Gameplay
- fehlender Hauptcharakter
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


