
Micky Epic
Momentan scheint es ja ziemlich im Trend zu liegen, etwas epic bzw episch zu nennen. Nachdem Disneys berühmter Mäuserich eine längere Videospielpause eingelegt hat, meldet er sich nun wieder zu Wort. Zusammen mit Warren Spector verspricht Disney eben so ein wahrhaft episches Abenteuer. Ob dieses vollmundige Versprechen zutrifft könnt ihr in unserem Test zu Micky Epic nachlesen

Micky Epic
WII
- Genre
- Action-Adventure
- Entwickler
- Junction Point
- Publisher
- Disney Interactive
- Konsole
- WII
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Den wenigsten dürfte der Name Ub Iwerks ein Begriff sein. Dabei ist er derjenige, dessen Feder die heutzutage berühmteste Maus der Welt entsprang. Er war der erste Angestellte von Walt Disney und für die Zeichnungen zuständig. Eigentlich wurde Micky, dessen eigentlich angedachter Name Mortimer war, nur aus der Not heraus geboren. Disney konnte seine bislang beliebteste Figur, Oswald den glücklichen Hasen, nicht weiterverwenden, da er nach einem Streit mit seinen damaligen Finanziers die Rechte daran verloren hatte.
Man muss nicht mal all zu genau hinsehen um die Ähnlichkeiten, die die beiden Figuren miteinander haben, zu erkennen. Aber diese Änderungen reichten aus, dass die beiden zusammen mit dem Bruder von Walt, den eigenen Zeichentrickcharakter vermarkten konnten.
Nach einem Auftritt in dem Stummfilm Crazy Planes erzielte die anthropomorphe Maus mit dem Streifen Steamboat Willie den durchschlagenden Erfolg. Dies lag nicht zuletzt daran, dass der Film komplett vertont war. Disney selbst verlieh Micky lange Zeit seine Stimme.
Mit der Zeit entwickelte sich der beliebte Nager weiter. Durch den großen Erfolg konnte auch mehr Geld in die Produktion gesteckt werden, wodurch natürlich auch mehr Zeit und Arbeit in die Zeichnungen gesteckt wurde. Und auch die Technik entwickelte sich rasch weiter, so das die Figur immer detaillierter wurde und allmählich die Gestalt annahm, die wir heute kennen.
Aber nicht jeder schaffte den Sprung auf die Weltbühne. Mickys Vorgänger Oswald konnte nicht an seine anfänglichen Erfolge anknüpfen und verschwand als Bald von den Bildschirmen. So wie ihm ging es dutzenden Figuren, die entweder nicht beim Publikum ankamen oder aber nur kurze Komparsenauftritte hatten.
Mickys letzter Auftritt in einem Videospiel ist ebenfalls schon eine Weile her,
was vielleicht darauf zurückzuführen war, dass man nicht noch ein Jump and Run produzieren wollte.
Trotzdem handelt es sich beim Wii Debüt des Mäuserichs primär um ein eben solches.
Nur das diesmal niemand geringeres als Warren Spector seine Finger mit ihm Spiel hatte.
Sein Ziel war es, eine Welt zu erschaffen in der die Konsequenzen des eigenen Handelns stets greifbar waren und sich direkt auswirken.
Die Geschichte
Es beginnt alles vor dem endgültigen Durchbruch des großohrigen Nagers. Das Intro-Video zeigt, wie ein Zauberer mit Hilfe eines magischen Pinsels eine Welt für all jene Kreaturen erschafft, die in Vergessenheit geraten sind. Die Führung in diesem Reich obliegt, wie könnte es anders sein, Oswald dem glücklichen Hasen.
Eines Abends lockt ein magischer Spiegel, der zeitgleich auch als Portal dient, Micky in die Gemächer des Magiers. Und neugierig wie er nun mal ist, kann dieser nicht die Finger vom Pinsel lassen. Nicht wissend, dass er durch seinen unbedachten Einsatz von Verdünner und Farbe Chaos in diesem Refugium stiftet. Als ob das nicht genug wäre, erschafft er aus Versehen auch noch ein Phantom, welches die Bewohner des vormals so idyllischen Ortes terrorisiert.
Im Spielverlauf werden die Charaktere, auf die der Held trifft, das Ereignis als die Verdünnerkatastrophe bezeichnen. Nicht wissend, dass ihr der Auslöser des Durcheinander wart.
Erschrocken vom Phantom und seinem angerichteten Unheil flieht Micky zurück in seine Welt.
Erst Jahre später zieht ihn der Dunkle Schatten der von ihm geschaffenen Kreatur zurück in diese Welt um ihn zu vernichten. Doch ihr schafft es seinen Klauen zu entkommen. Dabei verliert der Mäuserich aber das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kommt ist er auf einem Stuhl gefesselt und ein verrückter Professor versucht ihm das Herz herauszureißen, so geschieht es mit jedem Geschöpf, dass in diesem Reich landet. Zum Glück könnt ihr euch befreien und die Flucht ergreifen.
Der Spielablauf
Wie man an dieser Stelle schon merkt ist der Titel, trotz des Aufdrucks Disney, nicht für kleine Kinder geeignet. Vielmehr sehen wir eine Zeichentrickwelt die stark an die Realität angelehnt ist. Und diese ist nun mal oft nicht freundlich und bunt, sondern hart und trist.
Aber Micky ist zum Glück nicht alleine. Euch steht von Anfang an ein Kobold zur Seite der euch die Welt, seine Bewohner und das Spiel selber erklärt. Im Laufe des Abenteuer trifft man immer wieder auf diese Kreaturen die sozusagen die Hausmeister des Ganzen sind. Helft ihr ihnen, so helfen sie euch. Vor allem im Bereich der Mechanik sind sie ungeschlagen und können euch so oftmals Arbeit ersparen.
Schnell wird dem Protagonisten klar, dass er für die Katastrophe verantwortlich ist. Nichts desto trotz ist sein oberstes Ziel diese Welt zu verlassen und in die eigene zurückzukehren.
So macht ihr euch also zunächst auf den Weg zu Oswald, um mit ihm über die Angelegenheit zu sprechen. Da dieser natürlich bestrebt ist seinen Erzrivalen los zu werden, gibt er sich überglücklich euch helfen zu können, sein Reich wieder zu verlassen.
Die Welt in der sich der Spieler bewegt ist in viele verschiedene Abschnitte unterteilt. Es gibt Orte die sehen aus wie normale Zeichentrickstädte, andere wiederum wirken wie Kopien aus Vergnügungsparks.
Nach einer gewissen Spieldauer gelangt ihr zur Mean Street, welche einen zentralen Knotenpunkt zu den anderen Abschnitten bildet. Bürgermeister dieses Flecks ist einer von Kater Karlos älteren Ausgaben. Ihn und auch viele andere Figuren werdet ihr mehrfach im Spiel antreffen, da sie ja auch in verschiedenen Versionen und Formen in den vergangenen Geschichten mit Micky vorkamen.
Da leider ein absolutes Durcheinander in der Welt herrscht, gestaltet es sich alles andere als einfach, wieder aus ihr heraus zu kommen. Nichts funktioniert mehr so wie es soll.
Dementsprechend liegt es an euch, die Welt wieder in Gang zu setzen um die Chance zu erhalten, wieder nach Hause zu gelangen.
Im Spiel selber wird dies durch Aufgaben die erledigt werden müssen wiedergegeben.
Leider läuft es meist auf das Prinzip hinaus, dass ein Charakter etwas hat, was Micky benötigt, er es euch aber nur gibt, wenn ihr etwas anderes besorgt oder repariert.
Innerhalb der Welt gibt es viele versteckte Objekte zu entdecken, wie Filmrollen, Konzeptzeichnungen, Puzzleteile und Anstecker.
Um von einem Abschnitt in den nächsten zu gelangen springt die Maus kurzerhand in eine Filmleinwand. Dort muss der Spieler einen 2D Abschnitt absolvieren. Das Besondere daran sind die Hintergründe. Jeder dieser Intermezzos hat einen anderen Zeichentrickklassiker als Hintergrund.
Später im Spielverlauf lernt Micky dann auch mit Skizzen Objekte zu Zeichnen. So könnt ihr zum Beispiel Fernseher plazieren und damit kleinere Gegner anlocken und ablenken.
Leider ist das Spiel oftmals inkonsequent. Auf der einen Seite richtet es sich vom Setting her sicher an ein älteres Publikum, nimmt den Spieler auf der anderen Seite aber ständig an der Hand und erklärt ihm was er wie/wo zu tun hat.
Auch das von Spector angedachte Prinzip der Konsequenz greift innerhalb des Spiels nicht wirklich. Zwar haben eure Entscheidungen akute Auswirkungen auf das momentane Geschehen, aber im Großen und Ganzen ändert sich nicht viel. Vielmehr wird das Spiel oft nur leichter dadurch, dass ein Charakter dem ihr geholfen habt euch an anderer Stelle ebenfalls hilft.
Konzept & Technik
Im Prinzip handelt es sich bei Micky Epic um ein 3D Jump and Run. Das besondere ist die Mechanik die der Pinsel ins Spiel bringt. Dadurch habt ihr direkten Einfluss auf Teile eurer Umgebung und der darin befindlichen Gegenstände. So könnt ihr zum Beispiel Wände die euch im Weg sind auslöschen, oder den Boden unter euren Gegner verschwinden lassen.
Im Gegenzug kann mit Hilfe der Farbe zum Beispiel eine zerstörte Brücken repariert werden, oder ein defekter Mechanismus wieder in Gang gesetzt werden.
Aber auch gegen die Schergen des Phantoms kann die Magie des Pinsels helfen.
Wie sehr oft im Spiel steht man vor der Wahl, ob erschaffen oder ausgelöscht werden soll.
So kann man die Gegner mit Hilfe der Verdünnung auslöschen, oder aber durch den Einsatz von Farbe auf die eigene Seite ziehen. Aber Achtung, nicht bei allen Kreaturen funktioniert das so einfach.
Neben den beiden Fähigkeiten des Pinseln kann Micky zum Angriff auch auf eine Wirbelattacke zurückgreifen. Nicht nur das, sondern auch der Doppelsprung des Helden sind Eigenschaften, die wir auch aus anderen Spielen kennen.
Gesteuert wird die Maus mit Hilfe von Remote und Nunchuck. Die Tastenbelegung ist sehr gut gewählt und so bleiben unnötige Fingerakrobatikeinlagen aus. Manchmal erweckt die Steuerung aber den Eindruck, als würde sie etwas träge reagieren, vor allem beim Einsatz der Wirbelattacke.
Während die Kamera in der Preview auf der GamesCom noch überzeugen konnte, so zeigt sie im finalen Spiel doch einige Schwächen. Sie positioniert sich oftmals so schlecht, dass man gar nicht erkennen kann wie oder wo es weiter geht. Auch ein manuelles nachjustieren ist dann nicht immer möglich, oder erzeugt Clipping-Fehler. Gerade die Sprungpassagen werden dadurch unnötig erschwert, da es schwer einzuschätzen ist, wo genau man sich in Relation zum Raum befindet.
So etwas kennt man eigentlich eher von PS1-Titeln und muss in der heutigen Zeit mit Sicherheit nicht sein.
Auch der Einsatz des Pinsel stellt sich oftmals als kniffelig heraus. Da unser Held nicht gerade ein Hüne ist, fällt das Zielen auf nahegelegene Ziele sehr schwer und ist stellenweise sogar unmöglich.
Hier hätte wohl der „Abschusspunkt“ der Farbe und des Verdünner etwas weiter oben angesetzt werden müssen.
Die meisten von uns dürften Disney mit farbenfrohen und freundlichen Welten in Verbindung bringen. Das es auch anders geht, zeigt uns Micky Epic eindrucksvoll. Man bewegt sich in einer Umgebung die zwar erahnen lässt, dass es sich einmal um eine der so vertrauten Zeichentrickwelten gehandelt hat, deren Farbe aber längst verblichen ist und etwas Dunkles Einzug gehalten hat. Man könnte es mit einem Vergnügungspark vergleichen der schon vor Jahren verlassen wurde und langsam zerfällt. Teilweise geht es sogar etwas ins Skurrile über und man meint, Tim Burton hätte den Studios einen Besuch abgestattet.
Die Akustik ist kurz gesprochen einfach fabelhaft. Die Musik passt sich in jedem Moment perfekt an die Umgebung an. Ob geheimnisvoll, rasant oder bedrückend, es stimmt einfach. Dass das Spiel über keine Sprachausgabe verfügt stört nicht wirklich, da es der Sache einen zusätzlichen Retro-Flair verleiht. Ob allerdings das ständige Hmm eures Koboldfreundes aus der Remote nötig gewesen ist, steht auf einem anderen Blatt. Besonders seltsam fällt die Geräuschwahl beim Aufsammeln gewisser Items aus. Wer einen Windows-Rechner besitzt, dem dürfte dieser Sound von Fehlermeldungen her sehr bekannt vor kommen.
Fazit
Optisch, akustisch und in Sachen Atmosphäre macht das Spiel alles richtig. Man fühlt sich geradezu wie Micky in die Welt mit hinein gezogen. Während ältere Spieler immer wieder ein „Hei das kenne ich doch Erlebnis“ haben, wird der jüngeren Generation ein Stück von Disneys Geschichte vermittelt. Leider gelingt es dem Spiel nicht, über längere Zeit den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten und auch der Einstieg ist sehr langwierig. Die Kameraführung gibt Anlass zur Kritik. Diese kann einem leider den Spielspaß mancherorts stark verderben. Auch die von Warren Spector groß angekündigte Konsequenz im Spiel bleibt hinter den Erwartungen zurück. So bleibt Micky Epic “nur“ ein gutes Jump and Run, welches durch den Einsatz des Pinsels ein sehr interessantes Feature beherbergt.
- fantastisches Ambiente
- ausgefeiltes Farbe/Verdünner- Prinzip
- wunderschöne Disney-Geschichte
- mangelnde Konsequenz
- langwieriger Einstieg
- schlechte Kameraführung
Vielen Dank an die Firma Disney Interactive für die Bereitstellung des Testmusters.


