Zum Inhalt springen
Dragon Quest IX: Hüter des Himmels

Dragon Quest IX: Hüter des Himmels

Bensei

Auch wenn die letzten Episoden für uns Europäer völlig neu waren, bisher gab es für den DS nur Remakes von Dragon Quest. Auch wenn sie heute noch als gute RPGs gelten, das Alter sah man ihnen doch an.

Wie sieht es mit der DS-exklusiven Episode Hüter des Himmels aus? Bringt es frischen Wind in die Dragon Quests, oder erleben wir wieder die gleiche Engine mit neuer Story? Ihr könnt es in unserem ausführlichen Dragon Quest IX Review nachlesen.

Dragon Quest IX: Hüter des Himmels

NDS

Entwickler
Square Enix
Publisher
Square Enix
Konsole
NDS
Spieler
1–4 lokal
Freigabe
USK ab 6

Dragon Quest stand schon immer für faires und harmonisches Gameplay, das alte Rollenspieltraditionen bewahrt. Andere interessiert hingegen der Einfluss des Dragonball-Erfinders Akira Toriyama oder der erzählerische Umgang mit einem stummen Helden. Nach etlichen Remakes dürfen wir Europäer endlich mal ein nagelneues Dragon Quest unser Eigen nennen. Aber kann es genug neues bieten, ohne die Retro-Fans zu enttäuschen?

Die Hüter des Himmels

Ihr übernehmt die Rolle eines von euch selbst erstellten Himmlischen, einem engelsgleichen Wesen. Die Himmlischen achten unsichtbar im Auftrag des Allmächtigen auf die Menschen und erhalten dafür Dankbarkeit in Form von Benefizit, welches sie dem Weltenbaum Yggdrasil darbieten. Denn sobald dieser Früchte trägt gilt die Aufgabe der Himmlischen als erledigt und sie fahren auf in das Reich des Allmächtigen. Doch gerade als die sogenannten Fyggen zu sprießen beginnen geschieht ein Unglück und die Früchte des Baumes stürzen mitsamt eures Charakters auf die Erde.

Ihr erwacht in Engelsfälle, die Stadt die ihr behüten sollt. Allerdings seid ihr für Menschen sichtbar, habt keine Flügel mehr und erst recht keinen. Sterblich seid ihr aber auch nicht, denn ihr könnt immer noch himmlische Wesen und Geister sehen. Doch wie kommt ihr zurück in die Welt der Himmlischen? Und was ist mit den Fyggen passiert? Immerhin könnten sie in den Händen von Sterblichen unermessliches Unheil anrichten.

Untermalung der Tradition

Rollenspieltypisch zieht ihr auf einer Oberweltkarte durch die Länder, besucht Städte und handelt mit euren gesammelten Gegenständen um gegen die Monster der Dungeons und der Oberwelt gewappnet zu sein. Dieses Mal sind diese Gegenstände auch direkt an eurem Körper sichtbar. Dies ist aber nicht nur für Sammler wichtig, die ihre Charaktere weiter nach ihren Vorstellungen formen wollen. Denn die Aufmachung hat auch Auswirkungen auf das Kampfgeschehen. Passen die Klamotten zusammen, könnte es passieren, dass eure Gegner verliebt stehen bleiben oder sogar für mehrere Züge gelähmt bleiben.

Auch in anderen Bereichen wurde die Grafik aufgebessert. Die Statisten sind zwar immer noch zweidimensionale Sprites, die sich mit der Umgebung mitbewegen, aber die Hauptdarsteller so wie eure Truppe sind dreidimensional. Auch. Bei der musikalischen Untermalung verhält es sich wie beim restliche Gameplay: Es bietet altbekannte Melodien für die Veteranen, aber auch genug Neue Orchesterwerke, die frischen Wind in die Klangkulisse bringen.

Ein neues Abenteuer?

Die DS-Features wurden nur marginal genutzt. Auf dem Top-Screen gibt es eine Karte mit eurem aktuellen Standort. Diese Funktion ist recht praktisch, aber die Touch-Screen Features wurden weniger intuitiv umgesetzt, als man es von Nintendos Action-RPGs kennt. Man muss den Stift beispielsweise ziehen, um in eine Richtung zu laufen, anstatt dass man einfach auf das Ziel tippt. Schatzkisten werden nicht durch antippen der Box, sondern durch berühren eines Rufzeichens über dem Kopf des Charakters. Im Kampf kann man Befehle durch Berührung eingeben, doch sind diese nur sechs Pixel groß, ohne farblichen Button drum herum. Gott sei Dank kann man wie gewohnt die Tasten verwenden, wodurch Touch-Steuerung kein Muss sondern nur eine Option ist.

Dieses Mal gibt es außerdem keine Zufallskämpfe mehr, denn ein symbolischer Gegner muss erst berührt werden, bevor es losgeht. Lediglich auf dem Schiff muss man sich noch vor unerwartet „auftauchenden“ Monstern fürchten. Manche bleiben einfach stehen, andere jagen euch, es sei denn sie sind zu schwach, dann schleimen sie davon. Allerdings erscheinen die Gegner zufällig, egal wie viele ihr schon vernichtet habt. Besonders lästig: Die Monster watscheln auch bei aktivem Menü noch weiter, wenn ihr es also beendet könnte ein unerwünschter Kampf direkt folgen.

Monster und Waffen

Auch in den Kämpfen findet man viel Vertrautes wie die Kommandos Angriff, Zauber, Items und Abwehr. Neu ist hingegen, dass der Kampf nicht mehr in der Ego-Perspektive sondern auf einem dreidimensionalen Kampffeld stattfindet, bei dem sich die Helden und Monster auch dynamisch hin und her bewegen. Die einzelnen Monster wurden mit vielen unterschiedlichen Animationen bestückt, die dem Spiel zusätzlich Leben einhauchen

Im Verlauf des Spiels könnt ihr noch drei weitere Gruppenmitglieder erstellen und in euer Team holen, dafür kann man aber keine Monster mehr rekrutieren. Diese können durch Befehle wie „Gnadenlos sein“ auch auf Auto-Kampf gestellt werden. Dabei handelt eure Mitglieder selbstständig und reagieren auch auf das aktuelle Kampfgeschehen. So heilt ein Mitglied auch jene Wunden, die erst nach der Befehlsphase entstanden sind.

Neu sind die Fähigkeiten und der Todesstoß. Fähigkeiten können durch Talentpunkte ausgebaut werden und unterscheiden sich je nach Berufung und getragener Waffe. Im Gegensatz zu Zaubern und eurem Level behaltet ihr aber die Fähigkeiten auch dann, wenn ihr die Berufung wechselt. Außerdem benötigen diese manchmal gar keine Magiepunkte. Ein „Drachenhieb“, der gegenüber den geflügelten Echsen sehr effektiv wirkt, kostet beispielsweise nichts. Der Todesstoß hingegen ist eine ebenfalls klassenspezifische Spezial-Aktion, die euch einen entscheidenden Vorteil bringen kann. Beispielsweise leitet der Krieger einen starken Angriff ein, der Dieb hingegen verschafft euch eine sichere Schatztruhe nach dem Kampf.

Erforsch deine Gefühle

Nach einigen guten Taten eures Teams bemerken himmlische Wesen, dass ihr noch am Leben seid. In weiterer Folge sucht ihr nach den verlorenen Fyggen, dessen Kräfte allerlei Schäden anrichten. Diese könnt ihr größtenteils unabhängig von einander einsammeln. Dadurch sind diese Mini-Geschichten nur durch eure Suche miteinander verknüpft. Wiederkehrende Charaktere gibt es kaum.

Wie kann man in so einem Fall Emotionen erzeugen, die auch ein wesentlicher Bestandteil eines Fantasy-Rollenspiels sind? Der Held könnte eine feste Persönlichkeit haben und wie in einem Film reden, hassen, weinen und sich verlieben. Wenn ein gutes Drehbuch vorliegt, empfindet der Zuseher diese Person als seinen Spiegel und fühlt dessen Schmerzen und Freuden mit. Ist das aber nicht der Fall, könnte man die Handlung nur schlecht nachvollziehen, oder sogar lächerlich finden.

In Videospielen wählt man aber meistens den stummen Helden, um den Spieler mit seinen individuellen Bedürfnissen noch tiefer in die Spielwelt eintauchen zu lassen. Damit jener aber nicht ganz alleine auf seine Gefühle gestellt ist, werden dem Helden meistens sprechende Gefährten oder magische Wesen zur Seite gestellt, die euer Sprachrohr werden oder an dessen Veränderungen ihr euren eigenen Fortschritt feststellen könnt. Dragon Quest: Die Hand der Himmelsbraut konnte durch diese Erzähltechnik eine innige Beziehung zu euch, eurer Braut, euren Kindern und sogar eurem „Haustier“ aufbauen. Hierbei handelt es sich aber eigentlich nur um eine passivere Version der Film-Variante.

Auch das letzte Modell trifft auf Dragon Quest IX nicht wirklich zu. Euer Charakter steht den meisten Ereignissen, besonders den Ereignissen der Fyggen-Jagd, nur passiv gegenüber. Die Anzahl eurer Gruppenmitglieder ist theoretisch optional, daher werden jene in die Handlung erst gar nicht miteinbezogen, und eure „feenomenale“ Begleiterin Stella scheint eher ihre eigenen Absichten zu verfolgen und fungiert somit nicht als Ersatz für eure eigenen Emotionen. Es obliegt also ganz eurer Vorstellung, ob ihr in dieser Szene euren Gefühlen freien Lauf lassen würdet, oder ob ihr genauso stumm da stehen würdet.

Heutzutage ist man epische Fantasie-Spektakel gewohnt, die man schon fast als Interaktive Filme bezeichnen könnte. Für manche mag es daher ein Problem darstellen, dass einem wie zu 16-Bit-Zeiten weder von der Hauptperson, noch von einem ständigen Begleiter suggeriert wird, welche Gefühle man bei großen Themen wie Verrat, Liebe oder Tod fühlen sollte wie stark man sie ausleben darf oder soll. Dafür sind die erzeugten Emotionen auch eure eigenen, und nicht nur nachgeahmte Stimmungslagen von einem eingespielten Publikum.

Dragon Side Quest

Dragon Quest IX bietet im Hauptspiel zwar schon genug Material für ein vollwertiges Konsolen-Rollenspiel, doch das hinderte die Entwickler nicht daran noch massig Sidequests zu integrieren. Es gibt „Missionen“ die man durch „Select“ jederzeit wieder in Erinnerung rufen kann. Manchmal will eine junge Dame einfach nur ein Paar Fledermausflügel als Mode-Accessoire, andere fordern wiederum, dass ihr 10 Schleime mit einem Drachenhieb in voll konzentriertem Zustand ins Jenseits befördert. Manche sind sogar so umfangreich, dass man sie fast als Story-Element bezeichnen könnte. Als Belohnung gibt es Ausrüstung, geheime Fähigkeiten und Zutaten für die Alchemisierung.

Dieses „Alchemisieren“ kann ebenfalls viel eurer Zeit totschlagen. Durch geschicktes Jagen und Sammeln kann man mit Hilfe von Zutaten, die man von Monstern oder aus der Natur gewonnenen hat, einerseits Geld für Waffen sparen, andererseits auch Waffen schmieden, die sonst nur sehr schwer zu ergattern sind. Dadurch wagt man es kaum noch Waffen zu verkaufen, immerhin könnte man die alte Wäschestange immer noch zu einem Langbogen machen.

Außerdem kann jeder eurer Charaktere ab einem gewissen Zeitpunkt seine Berufung wechseln. Dabei behält man zwar seine Fähigkeiten, Zauber und Level werden jedoch zurückgesetzt. Aber der Level eures alten Berufs bleibt erhalten. Habt ihr die Rüstung noch nicht verkauft oder „weitervererbt“ lädt das Spiel sogar die alte Ausstattung. Und das funktioniert für jeden der über 10 Berufe. Dafür gibt es eben nur einen einzigen Speicherstand pro Spielkarte…

Sollte man damit noch nicht genug haben, so kann man immer noch Grotten aufsuchen. Diese unterirdischen Höhlen müssen erst mit Hilfe von Schatzkarten aufgesucht werden. Hat man sie gefunden kann man in diesen Dungeons nicht nur gegen exklusive Bossgegner antreten sondern natürlich auch Schätze und weitere Karten abgreifen.

In fremde Welten eintauchen

Ihr habt in eurem Spiel zu wenig zu tun? Dann taucht in jenes eurer Freunde ein. Ihr könnt zwar nur die Story des Gastgebers vorantreiben, aber ihr könnt zumindest die Erfahrungspunkte und Items die ihr findet behalten. Die Entwickler haben natürlich dafür gesorgt, dass sich Krüge, Schränke und blaue Schatzkisten nach einiger Zeit wieder befüllen, um Schatzkeilereien zu vermeiden. Leider kann man nur mit einer weiteren Spielkarte und auch nur lokal miteinander spielen. Denn die Wifi-Inhalte beziehen sich nur auf Tinnef-Tina.

Tinnef-Tina bietet euch jede Woche neue Artikel an, beispielsweise alchemisierbare Gegenstände, die man sonst lange suchen müsste. Außerdem schaltet man durch eine Verbindung mit dem Internet auch Sondermissionen und prominente Gäste aus anderen Dragon Quests frei.

Außerdem unterstützt der Titel auch den neuen Zufallsbegegnungsmodus. Schaltet man diese Funktion ein und klappt den DS zusammen, so kann man zufällig die Daten eines anderen Mitspielers empfangen. Dadurch bekommt die Herberge „Rastender Recke“ einen weiteren Gast und ihr könnt eine neue Schatzkarte erhalten. Bei der letzten Gamescom konnte Nintendo durch eine exklusive Schatzkarte viele Spieler dazu bewegen diesen Modus gut auszunützen.

9.0Wertung
Highlight

Fazit

Die Handlung legt sehr viel wert auf die individuelle Wahrnehmung des Spielers, daher bleiben epische und höchst emotionale Filmsequenzen größtenteils aus. Es revolutioniert auch nicht das Genre, aber Dragon Quest schafft es erneut genug Neuerungen einzubauen, ohne dabei mit Traditionen zu brechen. Neben der Haupthandlung erhöhen außerdem jede Menge Sidequests und der Multiplayer-Modus den Wiederspielwert. Ihr wollt wissen, welche Merkmale ein klassisches JRPG besitzen sollte? Die Antwort Dragon Quest IX wäre reif fürs Lexikon.

Design
9.0
Sound
8.5
Online Multiplayer
8.5
  • faires und harmonisches Gameplay
  • Ausrüstung am Charakter sichtbar
  • jede Menge Sidequests
  • Multiplayer...
  • ...jedoch nur lokal
  • nur ein Speicherstand verfügbar

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

Reactions

👍
❤️
😂
😮
🔥
👀
🤔
🎮
🎉

0 Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!