
James Cameron`s Avatar: Das Spiel
Wenn heutzutage ein Kinofilm anläuft, ist klar die Lizenzmaschinerie läuft kurz darauf an, und alles was nicht bei drei auf den Bäumen ist wird vermarktet.
Das dabei im Sektor Videospiele selten etwas gutes raus kommt, dürfte so ziemlich jeder von uns schon am eigenen Leib erfahren habe.Die anfängliche Euphorie, selber einen Teil der Geschichte spielerisch miterleben zu dürfen, wird meist sehr schnell durch lieblose bis haarstäubende Umsetzungen zu Nichte gemacht.
Ob das Spiel zum Film Avatar - Aufbruch nach Pandora wie die meisten seiner Art unspielbar ist, oder ob Ubisoft uns überraschen kann, haben wir für euch getestet.
Das die Wii eine eigens für die Konsole zugeschnittene Version spendiert bekommen hat, lässt zumindest hoffen.

James Cameron`s Avatar: Das Spiel
WII
- Genre
- Action-Adventure
- Entwickler
- Ubisoft
- Publisher
- Ubisoft
- Spieler
- 1–2 lokal
- Freigabe
USK ab 12
Wie der Name schon erahnen lässt, handelt es sich bei James Cameron`s Avatar Das Spiel um die Lizenzumsetzung zum neusten Mammut-Film des Titanic Regisseurs.
Viele leidgeprüfte Spieler dürften mit den Titel somit bereits jetzt abgeschlossen haben, da die meisten Adaptionen aus dem Filmbereich sich als lieblos bis unspielbar erwiesen haben.
In einem Punkt unterscheidet sich dieser Titel auf jeden Fall von anderen Umsetzungen. Er erschien hierzulande noch vor dem Kinostart des Films. Ob er sich noch in anderen Aspekten abhebt, oder auch in der bereits prall gefüllten Kiste Vorsicht! Spiel zum Film landet wird sich im folgenden Test zeigen.
Gleiches Thema, anderes Spiel
Das die Wii ihren direkten Konkurrenten technisch unterlegen ist, dürfte kein Geheimnis sein.
Wie also den gleichen Titel auf allen drei Konsolen veröffentlichen ? Richtig. Gar nicht.
Nintendos Heimkonsole bekam eine eigene Version des Spiels spendiert.
Für diejenigen die den Film (noch) nicht gesehen haben, ist der Einstieg ziemlich abrupt, da kaum etwas richtig erklärt wird. Prinzipiell geht es um die Auseinandersetzung zwischen den Ureinwohnern Pandoras, den Na`vi und der sogenannten RDA (Resources Development Administration). Diese erdstämmige Firma erntet die Ressourcen des Planeten ohne Rücksicht auf Flora und Fauna.
Während ihr in den anderen Versionen Na`vi oder RDA spielen könnt, beschränkt sich die Wii-Version auf die Eingeborenen.
Ihr seid Rai`uk, einer der letzten Überlebenden eines Stammes der auf Pandora wohnenden Ureinwohner.
Angetrieben vom Wunsch nach Rache macht ihr euch auf den Weg die Neuankömmlinge zu bekämpfen wo es möglich ist und die Totems und Relikte eures Stammes zurückzuholen.
Von einem der Auszog
Nach einer sehr knappen Einleitung begebt ihr euch auf eure erste Mission: Den Bogen des Clans zurück zu erobern.
Im Gegensatz zur RDA, die über moderne Schusswaffen,Laserbarrikaden und gepanzerte Anzüge verfügen, stehen euch nur die traditionellen Waffen eines Jägers zur Verfügung. Ausgestattet mit einem Kampfstab und später einem Bogen macht ihr euch also auf eure Suche.
Durch eure technische Unterlegenheit ist es meist nicht sinnvoll, sich im offenen Kampf zu stellen, sondern klüger, sich die Umgebung und die eigenen Fähigkeiten zu nutzen zu machen.
So könnt ihr euch im hohen Gras unbemerkt an euren Feind heranschleichen oder über Felsen und Bäume von oben unbemerkt in ihre Nähe kommen. Ist euch dies gelungen, so habt ihr die Möglichkeit, einen Tarneinsatz durchzuführen. Hierbei schnellt Rai`uk aus seinem Versteck hervor und erledigt den Widersacher mit einem Schlag. Anders als z.B. bei Tenchu habt ihr keinen Einfluss darauf, welche Attacke euer Charakter durchführt. Das Ganze läuft als Quicktime-Event ab, in dem ihr die auf dem Bildschirm angezeigte Bewegung mit der Remote ausführen müsst.
Gelingt euch der Angriff steigt eure Weg des Jägers Anzeige. Ist diese gefüllt verbessern sich für einige Zeit eure Fähigkeiten
Misslingt sie allerdings, blockt der Gegner die Attacke ab, und ihr müsst ihn auf offenen Feld bekämpfen. Durch vertikale oder horizontale Bewegungen könnt ihr dabei mit eurem Stab austeilen.
Sobald ihr euren Bogen zurück habt, könnt ihr Gegner durch gezielte Schüsse aus der Distanz erledigen. Aber Vorsicht ! Im späteren Verlauf sind eure Gegner stärker gepanzert und ein einzelner Schuss verletzt sie nur. Damit lenkt ihr nicht nur seine Aufmerksamkeit auf euch, sondern im schlimmsten Fall ruft er auch um Hilfe. Ansonsten ist die KI der Gegner nicht sehr ausgefallen.
Versteckt ihr euch nach einem Angriff auf sie im hohen Gras direkt vor ihrer Nase, so verlieren sie schon nach kurzer Zeit das Interesse an euch.
In welcher Alarmbereitschaft sie sind, wird im Übrigen über den Köpfen der Soldaten angezeigt.
Solange die Anzeige weiß ist, sind sie ganz normal auf Patroullie. Gelb bedeutet, dass sie auf euch aufmerksam geworden sind und euch suchen. Sobald sie euch gesichtet haben, schaltet die Anzeige in den roten Bereich. Dies bedeutet nicht nur, dass sie euch angreifen sondern auch noch Verstärkung herbeirufen. Neben den menschlichen Gegnern stehen euch auch technische Hindernisse wie Laserschranken , Sonardetektoren und Elektrozäune im Weg.
Diese gilt es entweder zur vermeiden, oder aber durch das Zerstören des Kontrollpultes außer Betrieb zu nehmen. An manchen Stellen gibt es auch Höllenwespen von denen ihr Besitz ergreifen könnt. Diese lassen sich sogar mit Hilfe der Motion+ Steuerung lenken und können elektronische Geräte beschädigen.
Solltet ihr im Kampf unterliegen, so gibt es fair gesetzte Zwischenspeicherpunkte, von denen ihr wieder startet.
Alles in Allem läuft es also nach dem Metal Gear Solid Prinzip ab.
Schön unter dem Radar bleiben und die Gegner einen nach dem Anderen aus dem Hinterhalt erledigen. Um das Spiel aufzulockern wurden auch Flugmissionen eingebunden.
Hierbei sitzt euer Charakter auf einem Banshee genannten Flugwesen. Dieses könnt ihr Mithilfe des Nunchuks oder aber auch dem Balance Board steuern. In der Luft steht euch als Waffe nur euer Bogen zur Verfügung. Aber auch euer Reittier greift schon mal via Quicktime-Event mit in den Kampf gegen z.B. Helikopter ein.
Durch das Besiegen von Gegnern und durch Sammeln erhaltet ihr etwas, das sich Eywas Geist nennt. Dieser wird in Punkten angegeben und kann rollenspielähnlich dazu eingesetzt werden, eure Stab-, Bogen- oder Jäger- Fähigkeiten zu verbessern. So könnt ihr erlernen, Geschütze für kurze Zeit außer Gefecht zu setzen oder eure Tarnfähigkeiten zu optimieren.
Der Name ist Programm
Wie auch in der erzählten Geschichte selber, treffen im Spiel einige Gegensätze aufeinander.
Auf der einen Seite haben wir die wirklich sehr gelungene Grafik und Atmosphäre
Durch das Grün der Umgebung und der blauen Hautfarbe eures Charakters wirkt das Spiel zwar im ersten Moment optisch etwas seltsam, aber hat man sich an diesen Kontrast gewöhnt, wird man schnell feststellen, dass der Titel wirklich sehr ansehnlich ist.
Die Vegetation ist üppig, abwechslungsreich und macht den Eindruck, also könnte genau so etwas auf einem anderen Planeten existieren.
Die Steuerung ist im Prinzip durchdacht und von der Belegung der Remote und des Nunchuck auch sinnvoll gestaltet. Auch wenn sie manchmal an Aussetzern leidet und der Charakter etwas anderes tut als er soll. Es ist schon sehr ärgerlich, wenn dieser, anstatt eines Tarneinsatzes durchzuführen, auf einmal direkt vor dem Gegner aufsteht und seinen Bogen zückt.
Auf der anderen Seite haben wir da die Kamera, die einem das Spiel an manchen Stellen so richtig vermiest. Es kann zwar manuell nachgeregelt werden, aber auch das funktioniert nicht immer.
So kann es schon mal vorkommen, dass man auf einmal einen schwarzen Bildschirm sieht weil sich die Kamera hinter dem Charakter positioniert, dort aber blöderweise eine Wand ist.
Solche Fehler kennen wir aus Tomb Raider 1, aber doch bitte nicht mehr heutzutage in diesem Maße. Vor allem nicht bei einem Spiel, das so linear abläuft.
Durch solche Kamerapositionierungen kommt man teilweise in wirklich unmögliche Situationen und stirbt schneller, als man bis drei zählen kann.
Auf Sprachausgabe wurde fast vollständig verzichtet. Die Zwischensequenzen bestehen aus Text der sich auf dem Bildschirm aufbaut. Da fragt man sich dann schon, ob die Zeit einfach nicht mehr gereicht hat. Im Spiel selber gibt es auch nur wenig Sprachausgabe und dann meist nur seltsames Gemurmel der RDA -Soldaten. Dadurch geht wirklich einiges der Atmosphäre, die durch die Grafik so schön eingefangen wurde verloren. Die Hintergrundmusik hingegen ist stimmig und passt sich gut ein.
Bleibt noch zu erwähnen, dass es einen Coop-Modus gibt, bei dem der zweite Spieler zu jeder Zeit ein und aussteigen kann. Dieser übernimmt dabei die Rolle von Rai`uks Schwester. Aufgrund der seltsamen Kameraführung ist dieser allerdings nicht weiter zu empfehlen.
Fazit
Es ist sehr erfreulich, dass die Wii eine eigene Fassung bekommen hat, die sogar das Balance Board und Motion+ unterstützt. Dies kann allerdings nicht über einige gravierende Unzulänglichkeiten hinwegtäuschen. Die durch Grafik und Sound gut aufgebaute Atmosphäre wird dadurch zerstört, dass kein richtiger Spannungsbogen aufgebaut wird und man nie so genau weiß um was es geht. Die Kamera und die Steuerung nehmen einem stellenweise wirklich jegliche Motivation. Gepaart mit dem wenig abwechslungsreichen Leveldesign, bleibt trotz Bemühungen doch nur ein durchschnittlicher Titel übrig. Auch wenn dieser für ein Lizenzspiel nicht schlecht ist ;)
- schöne Grafik
- eigene Wii-Version
- schlechte Kameraführung
- kein Spannungsbogen
Vielen Dank an die Firma Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.


