Zum Inhalt springen
Tenchu: Shadow Assassins

Tenchu: Shadow Assassins

Shiek Katzenwald

In den letzten Wochen sind einige Titel für die volljährigen Spieler der Wii erschienen. Einer davon ist der mittlerweile vierte Teil der Tenchu-Serie, die auf der PlayStation debütierte und zuletzt auf dem Nintendo DS erschienen ist. Shadow Assassins ist ein Stealth-Titel und kann entfernt mit Splinter Cell verglichen werden. Allerdings ist das Setting ein vollkommen anderes: Man spielt nämlich einen Ninja im alten Japan. Unser aktueller Test sagt euch, wie gut Ubisofts Veröffentlichung ist und ob sich das Warten auf die beiden bereits geplanten Nachfolger lohnt.

Tenchu: Shadow Assassins

WII

Entwickler
From Software
Publisher
Ubisoft
Konsole
WII
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 18

Ganz leise hat sich mit Tenchu eine neue Stealth-Serie auf der Wii eingefunden, die zunächst auf der PlayStation startete. Shadow Assassins ist der vierte Teil und wurde wieder vom originalen Entwicklerteam Acquire kreiert, nachdem Tenchu Z (Entwickler K2) weder Fans noch Kritiker überzeugen konnte.
Im Japan der Edo-Zeit wahrt ihr als Ninja die Sicherheit eurer Lords und führt dessen Aufträge aus. Zur Wahl stehen der düstere Rikimaru, der den ersten Teil und den letzten Level des Spiels bestreitet, und seine Partnerin Ayame, die im Mittelteil einige Missionen erfüllt. Ein Vergleich mit Splinter Cell oder auch Metal Gear Solid fällt nicht nur wegen dem gänzlich anderen Setting schwer, schließlich spielt die Geschichte weit entfernt vom Hightech der genannten Serien. Auch das Gameplay fühlt sich anders an, da bei der Entdeckung durch einen Feind in der Regel keine Actionsequenz folgt, in der der Gegner getötet werden kann. Stattdessen „verpufft“ der Ninja in einer großen Wolke aus Staub und Federn und man wird an den Anfang des jeweiligen Abschnitts versetzt, bereits ausgeschaltete Gegner bleiben aber gespeichert. Dies bedeutet im Endeffekt, dass nahezu jeder Kill auch wirklich lautlos und ohne Beobachtung geschehen muss. Einige wenige Auseinandersetzungen müssen aber dennoch mit dem Schwert ausgetragen werden. Hier werden verschiedene Winkel vorgegeben, wie die Wii-Fernbedienung zu halten ist. Blockt man einige gegnerische Schwerthiebe, darf man selbst austeilen. Kleinere Kombos richten verheerenden Schaden an, stumpfes Fuchteln hingegen wirkt fast aussichtslos. Generell wurde aber der Actionanteil bewusst gegen ein sehr aufmerksames, geplantes Vorgehen eingetauscht. Die Schatten sind ähnlich wie bei Splinter Cell die wichtigste Hilfe um von A nach B zu kommen. Ein Mond, der sich je nach Helligkeit in Schatten hüllt oder strahlt, symbolisiert den aktuellen Status der Spielfigur. Gegner erscheinen als Sterne, eine ebenso stilisierte wie auch hilfreiche Anzeige. Sobald man nahe genug an einen Gegner herangekommen ist, kann man ihn lautlos töten. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich unter, über, neben oder hinter ihm befindet. Für praktisch jede Lage gibt es einen anderen Angriff, die aber allesamt über die A-Taste ausgelöst werden. Erst dann benötigt es etwas Geschick um den Angriff zu einem erfolgreichen zu machen. Neben diesen direkten Attacken gibt es eine Vielzahl an Items, die auch auf große Distanzen funktionieren. Ninjasterne können beispielsweise selten direkt töten, bringen die Gegner aber ins Wanken. Sollte sich ein Brunnen, Feuer oder eine andere Gefahrenquelle in der Nähe befinden war es das. Die Angel kann Gegner ebenfalls in Richtung Tod ziehen, während ein mit Wasser gefülltes Bambusrohr größere Fackeln löscht; Kerzen lassen sich natürlich einfach auspusten. Ein wenig irre ist das Item „Katze“. Mit ihr lassen sich die Level nicht nur prima erkunden, ihr Blick ist auch für die heimtückisch versteckten anderen Ninjas geschärft. Und mehr noch: Sie kann in kleine Löcher kriechen und weitere Items apportieren. Rauchbomben lassen ein schnelles Durchqueren von kleineren Abschnitten zu, aber der Höhepunkt sind sicherlich die rar verteilten „Ghostmaker“, die einen sofortigen Tod zur Folge haben. Diese Items sollten allerdings weise eingesetzt und nicht bei einem normalen Gegner verbraten werden.

Der Spielablauf gestaltet sich ein wenig wie der bei Mirror’s Edge. Alles funktioniert über das Erlernen, wie man einzelne Gegner eliminiert und letztlich am Levelausgang anlangt. Klassisches Trial & Error. Trotz einiger dadurch bedingter Frustmomente vermag das Spiel trotzdem gut zu unterhalten. Dies liegt vor allem an der einfachen aber dennoch guten Geschichte, die in durchgestylten Zwischensequenzen der Post-Matrix-Ära erzählt wird. Nach den ersten Missionen wird die Tochter des Lords, Kiku, entführt. Nun versuchen beide Ninjas sie zurückzubringen. Durch Misstrauen zwischen den beiden wird mal der eine, dann der andere verdächtigt, die Entführung der Prinzessin mitverantwortet zu haben. So sucht Rikimaru sie in einem Level und im nächsten Abschnitt muss der Spieler Kiku mit Ayame vor ihm beschützen. So entstehen zwei verschiedene Blickwinkel und auch verschiedene Zeitebenen müssen entworren werden. Dieser narrative Kniff führt allerdings auch zum mehrmaligen Besuch einzelner Level, so dass es letztlich zwar 10 Kapitel, aber keine 10 Level gibt. Ohne zuviel zu verraten: Die Geschichte geht erstaunlich aus. Ein zusätzliches erweitertes Ende verstärkt das dramatische Finale noch.
Da es sich bei Shadow Assassins nur um den Auftakt einer Trilogie handelt, die kommenden beiden Spiele wurden bereits für die Wii angekündigt, dürfte die Zukunft der beiden Ninjas noch einige Wendungen bis zum großen Ende durchlaufen.

Trampeltier mit tödlicher Gesinnung

Die Steuerung ist leider ein zweischneidiges Schwert geworden. So lassen sich die beiden Ninjas weit weniger galant durch die Gegend steuern als man es bei diesen lautlosen Meistern erwarten sollte. Das träge Gerenne erinnert so eher an den berühmten Elefanten im Porzellanladen – in Gegner gespickten Abschnitten oftmals eine fatale Erscheinung. Hat man sich dann aber erfolgreich durch die Schatten bewegt, folgen die eingangs erwähnten Angriffe. Nicht nur die Animationen verändern sich je nach Angriffsort, auch die verschiedenen Gesten und Tasten sind anders verteilt. Mal müssen einzelne Knöpfe betätigt und mal Nunchuk und Wii-FB korrekt bewegt werden. Somit bleiben die kurzen aber letalen Begegnungen immer spannend, die meisten Kills sind hart erarbeitet und geplant. Dementsprechend befriedigend ist es dann, wenn wieder ein Gegner unter Wasser gezogen wurde, in einen Brunnen versenkt oder sein Genick einem groben Chiropraktiker zum Opfer gefallen ist. Die Bewegungserkennung funktioniert in den meisten Fällen tadellos. Leider aber nicht in allen, so dass bei manchen Aktionen lieber sehr deutliche Bewegungen gemacht werden sollten. Das kürzlich erschienene Deadly Creatures bietet hier definitiv die besseren Motion-Kills.
Aufgrund der zielgerichteten Thematik hat Shadow Assassins zu Recht keine Jugendfreigabe erhalten, es soll aber betont sein, dass auf eine explizite Gewaltdarstellung verzichtet wurde, alles geht schnell und ohne derbe Effekte über die Bühne.

Grafisch starke Zeitreise mit musikalischen Déjà-vu-Erlebnissen

Grafisch gehört Tenchu auf der Wii sicher zu den schönsten Spielen. Das feudale Japan wird sehr atmosphärisch dargestellt. Auch kleine Details wie etwa Buddhastatuen oder feine Kaligrafien an den Wänden hinterlassen einen guten Eindruck. Die Charaktermodelle sind realistisch animiert, was besonders bei den verschiedenen Angriffsformen auffällt. Hier hat sich das Motion Capturing definitiv gelohnt. Lediglich die Anzahl verschiedener Feinde ist einfach zu gering. Neben den immer gleichen Ninja- und Samuraikriegern gibt es noch einfache Wachen; letztere bestehen vielleicht aus drei verschiedenen Gesichtstypen. Auch bei den Licht- und Schatteneffekten wäre sicherlich noch einiges möglich gewesen. Hier hat eindeutig die Splinter Cell-Reihe noch heute gültige Maßstäbe gesetzt. Die Zwischensequenzen werden in Ingame-Grafik präsentiert, diese sind aber wie erwähnt gut choreographiert und interessant anzuschauen.

Die Musik ist erstaunlich gut und wurde mit echten Instrumenten eingespielt. Alle Melodien passen zu der nächtlichen Stimmung und bringen im richtigen Moment auch die Gefahr gut herüber. Leider gibt es aber einfach zu wenige verschiedene Stücke, so dass in vielen Leveln bereits bekanntes zu hören ist. Das ist schade, denn gegen Ende können selbst die schönsten Arrangements einfach nur noch nerven. Auch die Sprachausgabe bietet Anlass zur Kritik. Generell machen die englischen Sprecher einen guten Job, wenn aber bei einer Suche fünfmal in Folge „Where are you?“ und ähnliches gesagt wird, geht selbst die beste Atmosphäre ein wenig verloren.

8.0Wertung

Fazit

Tenchu ist ein überraschend gutes Spiel geworden, das großes Können der Entwickler erkennen lässt. Leider fehlen aber überall die entscheidenden Punkte um es zu einem Toptitel zu machen. Hoffentlich wird die Luft nach oben bei den folgenden beiden Spielen genutzt, dann kommt selbst ein Ninja nicht mehr an ihnen vorbei.

Design
8.0
Sound
7.5
  • Interessante Geschichte
  • Feine Grafik
  • Belohnendes Gameplay
  • Zu wenig Musikstücke
  • Steuerung mit kleinen Macken

Vielen Dank an die Firma Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.

Reactions

👍
❤️
😂
😮
🔥
👀
🤔
🎮
🎉

0 Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!