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Kyôto Daigaku Sugino Kyôju Suishô no Mett Maker

Kyôto Daigaku Sugino Kyôju Suishô no Mett Maker

Shiek Katzenwald, Mana Drache

Das Sommerloch hat voll zugeschlagen: Das Fernsehprogramm dümpelt mit Wiederholungen vor sich hin und auch die großen Videospiele des Jahres sind bereits erschienen oder werden bis zum Herbst zurückgehalten. Der beste Zeitpunkt also, um einmal den Blick ins Land der aufgehenden Sonne zu wenden und euch ein Japan-exklusives Spiel vorzustellen. Obwohl wir schon einige wirklich seltsame Spielideen kennen gelernt haben, waren wir doch erstaunt, als wir letztlich unseren Japan-Import auspackten, den wir euch in unserem Review vorstellen möchten. Die Rede ist vom "Mett Maker", einer Software-gestützten Hardware, die den Nintendo DS in ein mobiles Kochstudio verwandelt. Eins können wir euch schon jetzt sagen: Der kürzlich erschienene Kochkurs wirkt dagegen im wahrsten Sinne des Wortes halbgar. Selbst ansonsten dem Fleisch abgewandte Naturen, sollten unseren Bericht lesen - und eine weitere Lektion über irre Spielkonzepte lernen!

Kyôto Daigaku Sugino Kyôju Suishô no Mett Maker

NDS

Entwickler
Daigaku Sugino
Konsole
NDS
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 12

Es gibt in Japan Spiele, die gibt es gar nicht. Seien es Simulationen von realen U-Bahn-Strecken oder Gesichtsmuskulatur-Trainer: Das Land der aufgehenden Sonne bietet für jeden Geschmack die richtige Software. Wir möchten euch an dieser Stelle einen Import vorstellen, der in den hiesigen Gefilden für Stirnrunzeln sorgen dürfte: "Kyôto Daigaku Sugino Kyôju Suishô no Mett Maker: Mainichi furesshu Mett wo otanoshimi itadakemasu". Ihr habt richtig gelesen: Ab und an neigen die Japaner bekanntlich dazu, Wörter aus dem Deutschen für ihre Spieltitel zu verwenden. Der Name spielt auf die deutsche Hackfleisch-Zubereitung "Mett" an. Dabei handelt es sich um eine spezielle Variante von Hackfleisch oder Hackepeter mit einem besonderen Fettgehalt - ja sogar Fleisch ist in Deutschland genormt. Der Nintendo DS wird durch Software und Peripherie kurzerhand zu einem handlichen Fleischwolf umfunktioniert. Was zunächst nach einem schlechten Scherz klingt, wird schnell Realität, wenn man den unscheinbaren Karton öffnet und einiges an ungewohntem DS-Zubehör vorfindet: den trichterförmigen Aufsatz samt integriertem Mahlwerk und einer Kurbel, eine kleine Auffangschale, ein Paar Plastikhandschuhe, ein Reinigungsstäbchen mit Desinfizierungsmittel sowie verschiedene (aber schwer zu öffnende) Gewürztütchen. Ein weiterer Satz Hackmesser rundet das Paket ab.

Technik - wie funktioniert's?

Technisch wird der zur Haushaltshilfe umfunktionierte Handheld durch die bisher noch ungenutzte, direkte Verbindung zwischen dem Nintendo DS- und dem GBA-Slot realisiert. Der Mett-Maker-Aufsatz samt Kurbel rastet in dem schmalen DS-Schacht ein. Für zusätzlichen Halt sorgen die beiden Stifte an der Peripherie, die sich in die zwei viereckigen Ösen links vom Slot einführen lassen. Auf der rechten Seite wird das Ganze noch durch einen Pin stabilisiert, der einfach in den Eingang des Ladegeräts einzuschieben ist. Gleichzeitig werden die empfindlichen Anschlüsse des Nintendo DS so vor Speiseresten geschützt. Bei unseren Tests saß der Mett Maker fest und wackelte nicht. Selbst bei etwas stärkerem Krafteinsatz, der uns bei arg knorpeligen oder flachsigen Stücken abverlangt wurde, wirkt der Fleischwolf-Adapter wie mit dem DS verschweißt. Auch die kleine Auffangschale ist gut verarbeitet und fügt sich ohne größere Probleme in den GBA-Schacht ein. Einen klaren Kritikpunkt stellen aber die Gewürzfächer dar, die das Mett-Machen aufgrund ihres viel zu geringen Volumens immer wieder unterbrechen. Die kleinen Mengen an Salz oder gemahlenen Kräutern reichen gerade einmal für etwa 55 Gramm Standard-Mett: Deshalb muss das Gerät schon nach kurzer Bedienzeit wieder mit den Grundgewürzmitteln nachgefüllt werden. Über das Display des DS dosiert man die Gewürzmischungen, stellt die Gröbung des Metts (oder Zwiebeln etc.) ein, oder lässt das Fleisch auf Temperatur, Fettanteil (Kalorienzahl) und Verwendungszweck untersuchen.

Samba mit Mett-Man

Die Aufmachung der Software ähnelt durch ihren bunten, aber dennoch übersichtlichen Aufbau an die "Kochkurs"-Software von Nintendo. Durch kleinere Videoschnipsel wird anschaulich in die Zusammensetzung der Einzelteile und die Bedienung und das Mischen von Gewürzen eingeführt. Die Bedienung des recht übersichtlichen Menüs ist sehr intuitiv. Alle Einstellungen werden entweder mit dem Touchpen oder den Fingern vorgenommen - die fleischfarbenen Schaltflächen heben sich deutlich vom Hintergrund ab und fallen relativ groß aus. Wie bei Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging oder Big Brain Academy begleitet euch ein charismatischer Charakter durch die Menüs und Modi und steht euch mit Erklärungen und Tipps zur Seite. Im Falle von Mett Maker ist das Mett-Man, der euch mit seinem schrägen Humor und seiner merkwürdigen Gestalt ein aufs andere Mal zum Schmunzeln bringt: Bei ihm trifft ein humanoider Unterkörper auf einen klobigen, Frikadellen-artigen Kopf mit großen Animé-Augen und einer Kochmütze. Die Entwickler haben augenscheinlich viel Zeit in die Animation von Mett-Man investiert: Bei seinen Hilfestellungen zur Zubereitung und den häufig eingeworfenen Sicherheitshinweisen turnt Mett-Man über beiden Schirme des Nintendo DS. Neben seinen Hilfestellungen zur Zubereitung und den Sicherheitshinweisen, greift Mett-Man auch in den Herstellungsprozess sein, sollte etwa ein Stück Knochen oder ähnliches in den Schacht geraten sein. In diesem Fall blinken die beiden Bildschirme des DS wild und Mett-Man turnt wie von der Tarantel gestochen herum und ist einem Kollaps nah. Öfter wird man ihn aber hoffentlich bei den eigentlichen Aufgaben der kombinierten Hardware- und Software-Lösung zu Gesicht bekommen: Etwa beim Dosieren der Gewürze, die Mett-Man durch kleine Animationen anschaulich macht. Beispielsweise läuft beim Einsatz von Chili zunächst sein Kopf rot an, bis er letztlich Feuer spuckt. Trotz dieser kindsgerechten Aufmachung ist trotzdem Vorsicht geboten, aber dazu gleich mehr!
Einige kleinere Minispiele dürften natürlich auch beim Mett Maker nicht fehlen: So fordert Mett-Man zum Burger-Wettessen heraus. Dabei tauchen die Frikadellen blitzschnell auf dem Touchscreen auf und müssen berührt werden. Wird aus Versehen eine lebendige Kuh berührt, gibt es Minuspunkte. Ein aus unserer Sicht etwas makaberes Spiel beweist die leicht veränderte Einstellung der Japaner zu Tieren: Beim Kurbel-Spiel steht Mett-Man an der Kurbel und es dürfen nur essbare Tiere angeklickt werden, die dann zu Mett verarbeitet werden. Glücklicherweise wurde aber auf allzu exotische Wesen verzichtet, sonst hätte man als Europäer wahrscheinlich seine Probleme bekommen.

“Darf’s auch etwas mehr sein?“

Bei unserem Test haben wir besonderes Augenmerk auf die Sicherheitsaspekte der Haushaltssoftware gelegt. Bevor man sich der Herstellung von Mett widmen darf, ist ein recht zeitaufwändiges Sicherheitstutorial zu bestehen. Dabei werden die wichtigsten Anweisungen von Mett-Man in klarer Sprachausgabe vorgetragen, seine sehr hohe Stimme sorgt für die nötige Auflockerung und verleiht der Einführung in die grundlegenden Funktionen einen Comic-Charakter. Falls aber doch einmal etwas nicht wie geplant verläuft, schreitet Mett-Man ein und blockiert das Mahlwerk. Wir wollten uns allerdings nicht auf die Warnungen in der Bedienungsanleitung verlassen und haben für euch den Ernstfall simuliert. Zuerst versuchten wir dem Mett Maker ein Stück Bastelpappe unterzujubeln, dicht gefolgt von einer Olive samt Kern. In beiden Fällen reagierte der Mett Maker sofort, die Kurbel rastete augenblicklich ein und ließ sich nicht mehr bewegen. Dabei blinkte der Bildschirm in einem grellen Gelb und Mett-Man tobte nahezu cholerisch auf beiden Schirmen. Ein zusätzlich eingeblendeter Fehlercode ermöglichte die Identifizierung des Funktionsfehlers im Handbuch. Und tatsächlich: Unter der Nummer "05" bestätigte das Programm wortwörtlich: "Den Fehler betreffend: Gegenstand dem Mahlwerk zu hart". Aber auch der Nutzer hat jederzeit die Möglichkeit mit dem Programm über das integrierte Mikrofon des Nintendo DS zu kommunizieren, um zwei essenzielle Befehle einzusprechen. Mit "tomare!" (zu deutsch: "Stop!") lässt sich der Mett Maker anhalten, sollte euch beispielsweise einmal ein anderer weicher Stoff, den der Mett Maker nicht selbstständig erkennt, in den Maltrichter geraten. Über die Order "modoru!" (zu deutsch: "Zurück!") wird der Malvorgang umgekehrt und das versehentlich eingeführte Objekt kann wieder entnommen werden. Wir können nur bestätigen: Bei der Entwicklung wurde die Sicherheit groß geschrieben. Dennoch musste sich FuriFuri Soft aufgrund der durchaus scharfen Messer des Mahlwerks und den komplex ausgefallenen Hackfleisch-Rezepten mit einer B-Wertung (entspricht PEGIs "12+"-Alterskennzeichnung) zufrieden geben.

Da rohes Fleisch im wahrsten Sinne des Wortes im Spiel ist, wird der Hygiene in Mett Maker natürlich eine besondere Bedeutung beigemessen. Eine häufige und gründliche Reinigung ist immens wichtig, bedenkt man doch die Risiken einer möglichen Lebensmittelvergiftung durch verdorbenes Fleisch. Daher ist dem Set ein Reinigungsstab in Form eines Wattestäbchens beigelegt, den ihr in die ebenfalls mitgelieferte Plastikampulle mit Desinfizierungsmittel taucht und damit anschließend kleinere Fleischreste aus dem schmalen Schacht entfernt. Dabei schiebt ihr den Stab einfach langsam vor und zurück - Wasser benötigt ihr nicht. Uns ist jedoch aufgefallen, dass das Fläschchen Desinfizierungsflüssigkeit sehr klein ausgefallen ist. Daher empfehlen wir, wenn ihr an einen Import denkt, gleich einige Zusatzampullen mitzubestellen.

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Obwohl uns der Mett Maker schon sehr gewagt erschien, hat der Praxistest uns weitestgehend überzeugt. Der konkrete Nutzen ohne viel Aufwand Mett herzustellen, dürfte frischen Wind in viele Single- und Studentenküchen bringen. Endlich kann man auch ohne größere Kocherfahrung leckere Speisen für die Lieben zubereiten. Das Mett schmeckt - sofern man sich an die Rezepte hält - ausgezeichnet und durch die zahlreichen mitgelieferten Rezepte ist auch der längerfristige Nutzen der Hardware gesichert. Die Verarbeitung scheint stabil und hochwertig und ein Satz Hackmesser soll bis zu 100 Kilo Hackepeter herstellen können. Die Kritik der zu kleinen Gewürzfächer hinterlässt einen Makel auf dem sonst so guten Eindruck. Besonders grob gemahlene Gewürze passen kaum in die beiden Schächte, hier ist wirklich Fingerspitzengefühl gefragt.

8.0Wertung

Fazit

Der DS hat bereits schon recht wilde Kreationen hervorgebracht, die sich nicht einfach als Videospiel bezeichnen ließen. Gegen den Mett Maker war das aber sicher nur die Spitze des Eisbergs. Die abstruse Idee mit einer Konsole Essen zuzubereiten wurde allerdings technisch überzeugend umgesetzt. Auch die Software wurde mit einigen irren Ideen abwechslungsreich und ambitioniert programmiert. Das wird dem Mett Maker aber leider für den Rest der Welt wenig nützen: Ein Release außerhalb Japans gilt als ausgeschlossen.

Design
7.0
Sound
6.5
  • neuartiges, irres Konzept
  • viel Wert auf Sicherheit und Hygiene gelegt
  • übersichtliche Menüs
  • viele Rezepte
  • kleine Gewürzfächer
  • wenig Reinigungsflüssigkeit

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