
Harvest Moon: Magical Melody
Der erste Vertreter der Harvest-Moon-Reihe erschien vor fast genau zehn Jahren hierzulande. Seit dem hat sich auf dem Konsolenmarkt viel bewegt, das Spielprinzip von Harvest Moon ist aber eigentlich immer gleich geblieben: Säen, ernten, füttern, Freundschaften schließen, heiraten. Ein Traum für jeden Hobby-Landwirt.
Was das Spiel heute noch kann und ob sich der Kauf lohnt, erfahrt ihr bei uns im Test!

Harvest Moon: Magical Melody
WII
- Genre
- Simulation
- Entwickler
- Marvelous
- Publisher
- Rising Star
- Konsole
- WII
- Spieler
- 1–4 lokal
„Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigene Leistung.“, sagte einst Albert Einstein und trifft in Bezug auf Harvest Moon: Magical Melody den Nagel auf den Kopf. Denn geredet wird hier nicht, sondern täglich harte Arbeit auf dem Bauernhof verrichtet. Komischerweise macht die virtuelle Arbeit dann auch noch richtig Spaß. Warum das so ist, lest ihr hier.
Der Bauernhof, unendliche Weiten
Als Neuankömmling in einem Dorf bekommt ihr die Möglichkeit einen von drei leerstehenden Bauernhöfen zu übernehmen, die jeweils unterschiedliche Stärken und Schwächen haben und recht gut ausgewogen sind. Zum Beispiel besitzt ein Bauernhof ein großes Grundstück, dafür aber keinen guten Boden, ein anderer wiederum ein kleines Grundstück aber einen sehr guten Boden. Die Erntegöttin, wer auch immer das sein mag, erstarrt zu Stein. Was der Spieler damit zu tun hat ist eigentlich nebensächlich, doch nur ihr könnt das Ganze wieder rückgängig machen, indem ihr die namensgebenden Melodien sammelt. Diese erhaltet ihr immer dann, wenn ihr eine der dafür nötigen vorgaben erfüllt. Entweder ergattert ihr Melodien für den ersten gefangenen Fisch, 10000 gemachte Schritte oder wenn ihr mehrere Tage mit keinem anderen Dorfbewohner redet. Es verwundert also kaum, dass diese Melodien anscheinend für die absurdesten Dinge vergeben werden, aber das sollte den Spielspaß eigentlich nur geringfügig stören. Das Konzept ist einfach, aber wer die Vorgänder kennt, weiß, dass es sich bei Harvest Moon, sowieso um keine ernste Aufbaustrategie handelt.
Geld regiert die Welt
Geld ist der Motor eures Erfolgs, denn habt ihr genug erwirtschaftet, heißt es, eure Werkzeuge aufzurüsten, Saat zu kaufen usw. Die ersten Tage auf dem Bauernhof sind für den Einsteiger sehr verwirrend, denn ihr seid gezwungen erstmal etwas zu Geld machen, um wirklich erfolgreich zu arbeiten. Die ersten „Euros“ verdient ihr euch am besten durch angeln. Die gefangenen Fische könnt ihr dann gewinnbringend verkaufen, bis ihr euch dazu entschließt ein erstes Feld anzulegen. Die Aussaat von Blumen und Gemüse erfolgt auf vorher angelegten Feldern. Habt ihr den Samen Muttererde anvertraut, müsst ihr euch darum kümmern, das ganze auch gut zu bewässern, natürlich nur, wenn es nicht grade regnet. Habt ihr eure Feldfrüchte wieder zu Geld gemacht, könnt ihr euch irgendwann einen Hühnerstall leisten. Jetzt heißt es aber sich um die Hühner zu kümmern, d.h. füttern, lieb haben, raustragen, reintragen. Wenn ihr dies alles berücksichtigt legt das Federvieh Eier, die ihr entweder wieder verkaufen könnt, oder aber in den Brutkästen legen könnt, um eure Hühner zu vermehren, denn neue Hühner kosten bares Geld, von dem ihr anfangs sowieso nicht genug habt. Habt ihr genug Geld, um eure Angel aufzurüsten, fangt ihr gleich andere Fische, die dann mehr Geld bedeuten. Habt ihr genug Geld, um eine Vorrichtung zu kaufen, mit deren Hilfe man aus Eiern Mayonnaise machen kann, dann steigt euer Gewinn, denn Mayonnaise verkauft sich besser als ein rohes Ei. Wie gesagt, das Konzept ist einfach und gut und das ist nur ein kleiner Ausschnitt an Möglichkeiten.
Immer mit der Ruhe
„Wer sichere Schritte tun will, muß sie langsam tun“ erkannte Goethe schon 200 Jahre vor dem Harvest Moon Release. Dies ist aber genau das Patentrezept des Spiels. Anhand einer Energieleiste könnt ihr sehen, wie viel Arbeit ihr noch verrichten könnt. Die Energieleiste sinkt, wenn ihr Arbeit verrichtet, dass heißt so ziemlich bei jeder Tätigkeit. Ihr könnt einen Teil der Energieleiste wieder auffüllen, wenn ihr etwas esst, was aber wiederum bedeutet, dass ihr eure hart erarbeiteten Früchte nicht verkaufen könnt. Wahlweise könnt ihr euch auch schlafen legen. Dadurch geht zwar ein ganzer Tag flöten aber ihr spart Geld für Neuanschaffungen. Außerdem ist es eigentlich egal, denn ihr habt Zeit, euch hetzt keiner! Also geht ruhig mal schlafen, anstatt zu essen. Arbeitet ihr aber zu hart, wacht ihr im Krankenhaus auf und der Doktor vor Ort erklärt euch in goethischer Manier, dass ihr gefälligst kürzer treten sollt.
Konkurrenz? Höhö!
Die einzige Konkurrenz in Harvest Moon ist Jamie, der Vorzeigelandwirt. Er will nämlich die Erntegöttin wieder zum Leben erwecken, aber eigentlich gibt es wohl keinen Spielmechanismus, wodurch ihr gegen ihn verlieren könnt. Es geht einfach nicht, ihr könnt nur gewinnen, deshalb kann man diesen „Druckfaktor“ auch einfach beiseite lassen.
Bauer + Frau = Kleiner Bauer
Auch die soziale Komponente kommt nicht zu kurz. Ihr müsst die Feste feiern wie sie fallen und das heißt so viel wie: Lege ein Ei in den Korb, damit das jährliche Eierfest stattfinden kann und so weiter. Befolgt ihr diese und andere Bitten, werden es die anderen Dorfbewohner gut mit euch meinen. Steigt eure Popularität, kommen euch die Dorfbewohner mit Dienstleistungen und Geschenken entgegen. Macht ihr zudem euren Nachbarinnen schöne Augen, kleine Geschenke und nette Komplimente, dann werdet ihr eure Angebetete bald heiraten können. Kurz darauf gebärt sie im Sinne von „Die Sims“ ein Kind. Ende gut, alles gut.
Ein Bauer muss arbeiten, nicht gut aussehen
Harvest Moon sieht nicht gut aus, jedenfalls, wenn man kritisch hinschaut. Meine Freundin meinte, dass einfach alles süß sei. Ich als männlicher Vertreter der Spielergilde kann dazu nur sagen: Es sieht aus, wie ein Game Cube Spiel, nur irgendwie schlechter. Es ist altbacken, was wahrscheinlich daher rührt, dass es sich eigentlich um ein Game Cube Spiel im Wii Gewand handelt. Ja, Harvest Moon: Magical Melody ist in Fernost und Fernwest für den Spielewürfel erschienen und das finde ich irgendwie frech.
Steuerkrampf
Die Steuerung hält was sie verspricht, nämlich nichts. Die Bewegungssensoren wurden lieblos in das Spiel integriert, um wenigstens den Anschein zu wahren, dass es sich hier um ein Wii Spiel handelt. So kann es schon mal passieren, dass ihr bei Tätigkeiten, wie gießen, einfach daneben gießt. Holzhacken wird zur Geduldsprobe und Steine hämmern zur frustigen Angelegenheit. Außerdem verdient die Tastenbelegung einen Preis für Umständlichkeit, diese ist nämlich alles andere als intuitiv angelegt.
Fazit
Harvest Moon: Magical Melody macht süchtig. Dieses einfache Spielprinzip fesselt lange an die Wii, vorausgesetzt man hat die Zeit. Für viele mag die Optik verständlicherweise abschreckend sein. Auch, dass es sich hier nur um ein Game Cube Spiel handelt ist eigentlich gar nicht so lustig. Doch das Konzept geht auf. Seid ihr einmal an den Ablauf des Spiels gefesselt, kann es schon sein, dass ihr einige Stunden am Stück vor der Glotze hängt, ohne zu merken wie die Zeit vergeht. Trotzdem ist dieses Spiel nur etwas für Leute, die sich von der kindlichen Aufmachung und der Einfachheit nicht abschrecken lassen.
- Fesselnd
- Entspannend
- und das beides in einem Spiel!
- "nur" ein GC-Spiel
- alte Grafik
- Steuerung verkorkst
Vielen Dank an die Firma Rising Star Games für die Bereitstellung des Testmusters.



