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Crash of the Titans

Crash of the Titans

OldMacMario

Habt ihr verstanden! Crash-Test! So wie "Crashtest" mit so Autos und so, gleichzeitig aber auch ein Test zu einem Spiel mit Crash! Ahahahaha, ich kann nicht mehr...was? Darüber könnt ihr nicht lachen? Tja, dann geht es euch wohl ähnlich wie mir angesichts Crash of the Titans: Das Spiel setzt voll auf Humor und versucht an allen Ecken und Enden lustig zu sein, scheitert aber daran. Warum das Programm aber dennoch eine ganze Menge Spaß macht, könnt ihr hier nachlesen.

Crash of the Titans

WII

Publisher
Vivendi
Konsole
WIINDSGBA
Spieler
1–2 lokal
Freigabe
USK ab 12

Erinnert ihr euch noch an die Blütezeit der Jump&Runs? Damals, als NES, SNES und das N64 noch mit Software-Nachschub gefüttert wurden, durften wir Unmengen davon spielen und vielen von ihnen zu Recht bis heute huldigen; in der Ära GameCube und dem anbrechenden Wii-Zeitalter scheint das einst omnipräsente Genre stark an Bedeutung verloren haben: Marios erster Auftritt auf jener schlanken weißen Konsole ist genial ausgefalen – aber es gibt erschreckend wenig Konkurrenz dazu, sei es aktuell, sei es, wenn man den Releaselisten folgt. Aber sehen wir uns doch einmal einen dieser Herausforderer an und sagen begrüßen Sonys ehemaligen Haus- und Hof-Nasenbeutler Crash Bandicoot, der in der letzten Konsolengeneration ja bereits den Cube beehrt hat. Wie schlägt er sich diesmal, in Crash of the Titans?

Originalität!

Nach der Wahl eines der drei Schwierigkeitsgrade werden wir von einem etwas arg halblustigen Intro begrüßt, das so ziemlich alle Cartoon-Versatzstücke auf einmal verbrät: Eine nervige Streberin (Crashs Schwester Coco) bastelt an einem Apparat zum Recyceln von Butter und erwähnt dabei „wissenschaftliche“ Terme („Positronen-Dingsinator“ oder so...na ja...da haben wir wieder gelacht...), während das Erste, was wir von Crash zu hören bekommen, ein lautes Rülpsen ist (auch sonst gibt er nie etwas Gescheites von sich; im Gegensatz zur deutschen Sprachausgabe der NPCs brabbelt er nur unverständliches Zeugs, das seine Gesprächspartner aber offenbar verstehen). Da erscheint ein Luftschiff am Himmel, und der böse Dr. Neo Cortex meldet sich per Lautsprecher zu Wort („Ist das Ding schon an...?“ - harharhar, wie innovativ...) und entführt kurzerhand Coco (hurra...äh...furchtbar!) und Crashs Mentor, die ebenso schwebende wie lebendige Voodo-Maske Aku Aku, bevor er Co-Held Crunch mal eben einfriert. So bleibt nur Crash für die Rettung seiner Freunde und der ganzen Welt – der ganzen Welt? Natürlich, denn bald erfahren wir, dass Cortex mit seiner Nichte Nina und der aliierten Maske Uka Uka (Aku Akus böser Bruder, wie unschwer zu erraten) harmlose Tiere in furchterregende Mutanten verwandelt, Crashs Heimat ihre magische Mojo-Energie entzieht und (mehr oder weniger) heimlich an einer riesigen Vernichtungsmaschine bastelt. Das Ziel dieser ganzen Aktionen. Die Weltherrschaft, was sonst! Und so muss mal wieder ein unerschrockener Held einem Wahnsinnigem Einhalt gebieten...

Wuhahahahaha!

Tut mir Leid, wenn der vorherige Absatz etwas ungnädig klingt, aber der Humor...ja, der Humor – hm, wie soll ich es am besten beschreiben? Vielleicht so: Den personifizierten Humor in Crash of the Titans würde ich mit einem Comedian vergleichen, der sich auf der Bühne über seine eigenen Witze vortrefflich amüsiert, aber auch schon der einzige im Saal ist, der dies tut. Zumindest kann man nicht behaupten, dass sich das Programm selbst zu ernst nimmt – eher das Gegenteil ist der Fall; es übertreibt vielmehr einfach ziemlich extrem und die Figuren haben immer wieder Holzhammerhumor-Sprüche auf den Lippen: Wenn der Bösewicht nach seinem obligatorischen Bösewicht-Lachen hinzufügt „Ach, ich lache so gerne!“ oder bei Konversationen wie der hier in Klammer gesetzten (Uka-Uka: „Ich werde dich feuern!“ Cortex: „Du kannst mich nicht feuern! Mein Name steht auf dem Briefpapier!“) habe zumindest ich mich nicht gerade „very amused“ gefühlt (letzterer Joke wird dann noch mehrere Sekunden unnötigerweise breitgetreten). Und wenn während des Spiels dann noch die Gegner Sprüche wie „Zielt auf seine unteren Regionen!“ vom Stapel lassen, denke ich doch ein bisschen nostalgisch an NES-Zeiten zurück, in denen es maximal in Gauntlet 2 Sprachausgabe gab...

Bitte diese Zeile durch Lachen aus dem Off ersetzen!

Versteht mich nicht falsch: Humor ist natürlich extreme Geschmackssache und kann niemals wirklich objektiv bewertet werden – ich versuche es jetzt aber einmal zumindest: Ausnahmslos jede Stimme klingt einfach extrem outrierend und überzogen; mit ein bisschen Sarkasmus, Ironie oder einfach einer Prise etwas trockeneren Humors würden manche Gags wohl sogar zünden. Aber so fehlt vor allem ganz einfach die Fallhöhe: Ist es nicht einfach viel lustiger, wenn der Bösewicht zumindest ein bisschen bedrohlich wirkt und sich dann etwa als unfähig oder Tolpatsch/Dummkopf/Angsthase entpuppt? Cortex präsentiert sich hingegen wie so ziemlich die gesamte Besetzung von Anfang an einfach albern, und zwar nicht lustig-albern, sondern einfach albern-albern, und insgesamt fehlt allen Charakteren – ich kann jetzt nur für Crash of the Titans, nicht für die gesamte Serie sprechen - einfach die Eigenständigkeit (siehe „Cartoon-Versatzstücke“). Aber gut, jetzt habe ich mich lange genug mit dem Thema aufgehalten und sollte langsam zum wirklich Wesentlichen – dem Gameplay – kommen. Nur eines noch: Die ständigen Sprüche der sprechenden Gegner während der Stages sind in der Regel einfach wirklich, wirklich nervig.

Jump&Run in Reinkultur

Also stürzen wir uns ins Geschehen: Oberwelt oder dergleichen gibt es keine; die Abschnitte werden einfach nacheinander per Menü ausgewählt. Und jene Levels präsentieren sich in Serientradition wirklich geradlinig, jeweils designt wie ein langer Gang, in dem man nach links und rechts nur relativ wenig Bewegungsfreiheit hat : Im Wesentlichen läuft (mittels Analog-Stick, wie sonst) unser Beuteltier immer geradeaus („in den Bildschirm hinein“), springt über Gruben und Abgründe (A für einen Sprung, noch einmal die gleiche Taste in der Luft für einen Doppelsprung, und wer danach noch wieder den identischen Button triggert, rotiert wie ein Rotorblatt und fällt so langsamer) und verprügelt Gegner, da diese - anders als Marios Widersacher - nicht nach einem Kopfsprung klein beigeben (mit B wird der Standardangriff, mit Z ein aufladbarer härterer Schlag ausgelöst, und wer nach einem kurzen Schüttler B drückt, führt einen Dreh-Angriff aus), während er, um sich mit der Zeit die Offensiv-Moves aufzuwerten, gar neue Attacken zu lernen und das eine oder andere Extraleben zu bekommen, mittels eines vom Wiimote-Pointer gesteuerten Cursors, fleißig magische Mojo-Kugeln sammelt (eindeutig inspiriert von Super Mario Galaxy). Soviel zu den wichtigsten anfänglichen Aktionen – doch schon sehr bald kommt etwas Neues hinzu, das ein zentrales Element des Spiels darstellt.

Nicht ohne meinen Mutanten!

Denn schon im ersten Level retten wir Aku Aku, und dieser lässt sich fortan nicht nur als Schild missbrauchen (C dazu gedrückt halten), sondern beherrscht noch ganz andere Tricks: Wenn unser Beuteldachs gegen einen der massigen Mutanten aus Cortex´ Armee antritt und ihm so viel Schaden zufügt, dass sich eine beim Angriff erscheinende Anzeige füllt, so müsst ihr lediglich „Unten“ auf dem Steuerkreuz drücken, damit die Voodo-Maske sich über das Antlitz des Biestes stülpt, Crash auf dessen Rücken springt und jenes fortan als Reittier fungiert! Die Steuerung ändert sich nun je nach unfreiwilligem „Ross“ und kann jederzeit per Minus-Taste eingesehen werden; grundsätzlich kann aber gesagt werden, dass mit Tasten und Controller-Bewegungen verschiedene Angriffe ausgeführt werden können, wobei immer einer sehr mächtig ausfällt, aber nur begrenzt eingesetzt werden kann (bei Benutzung leert sich eine Leiste komplett und füllt sich langsam wieder auf – erst, wenn sie wieder ganz voll ist, kann diese furchterregende Attacke wieder verwendet werden): Wenn etwa unser mit Säbelzähnen bestücktes Biest seine Kontrahenten anbrüllt und vor Schreck erstarren lässt oder eine andere aliierte Kreatur prompt Stacheln aus dem Boden schießen und dadurch alle Gegner im Umkreis die unangenehmen Seiten von Akupunktur spüren lässt, kommt wirklich Freude auf!

Schnurstracks geradeaus

Nachdem wir dieses Element einmal kurz angeschnitten haben, kommen wir nun zu der Gestaltung der Abschnitte: Wie sieht es in den Levels aus? Nun, grafisch und soundtechnisch würde ich schlicht „gut“ sagen, aber auch nicht mehr: Die Cartoon-Optik und die netten Rhytmen im Hintergrund gefallen durchaus, aber mit der optischen Pracht und dem zumeist klanglichen Bombast eines Super Mario Galaxy kann Crashs Technik nicht konkurrieren. Aber wie sind sie designt? Nun, abgesehen von der optionalen Suche nach Bonusräumen, Items oder verdächtig nach Toiletten aussehenden Überwachungsrobotern, die man zu betreten (Räume), einzusammeln (Gegenstände) oder zu zerstören (WCs, äh, Roboter) hat, um unter anderem Boni wie Konzeptzeichnungen oder alternative Kostüme freizuschalten, lauft ihr, vereinfacht gesagt, einfach vom Anfang bis zum Ziel, ganz im Stile der guten alten 2D-Jumper.

Agiles Pelztier

Und das macht durchaus eine Menge Spaß: Die zahlreichen, springend und rennend zu überwindenden Hindernisse sind unterhaltsam ausgefallen; etwa von einer drehenden Plattform zur anderen zu springen oder zwischenzeitlich den armen Aku Aku als Art Snowboard zu missbrauchen ist lustig, wenn auch nicht gerade innovativ. Auch eher selten fordernd, denn Doppelsprung und das erwähnte Rotieren in der Luft entschärfen so manche Passage, die ohne diese Moves knackig wäre (wenn wir schon bei Sprüngen sind: Auch Wandsprung und Rückwärtssalto wurden ziemlich eindeutig Marios 3D-Auftritten entlehnt). Rätsel hingegen treten nur sporadisch auf, erfordern meist die Kräfte bestimmter Kreaturen (die aber ohnehin immer ganz in der Nähe anwesend sind) und haben diese Bezeichnung kaum verdient: Rissige Wände zerstören, Schalter aktivieren oder den Meisterschützen unter den Kreaturen auf Zielscheiben zielen lassen, um neue Wege zu ebnen. Ganz und gar nicht sporadisch hingegen treten die kleineren Gegner auf, welche in der Regel außer nervigen Sprüchen nicht viel drauf haben – hingehen und auf den B-Knopf hämmern reicht leider in der Regel, schade.

Massenschlachten

Und diese Mangel fällt besonders bei jenen Intermezzi auf, in denen unzählige Gegner auf Crash einströmen und der tierische Held ihnen zwingend eine Abreibung verpassen muss, damit es weitergehen kann: Klopfen wir schnell ein großes Viech weich (was leider meist auch nicht sonderlich anspruchsvoll ist) und hämmern dann auf die Angriffs-Buttons, um das niedere Volk aus dem Weg zu räumen; wirklich taktisches Vorgehen ist kaum möglich (auch kann Crash sein Reittier nicht springen lassen, wodurch wieder Dynamik verlustig geht). Nett wird es allerdings, wenn gleich mehrere, unterschiedlich starke Mutanten auf einem Fleck vorhanden sind und sich Crash, wie im Spiel bezeichnet, quasi „die Nahrungskette hoch arbeiten“ muss – zuerst das schwächste Wesen übernehmen und mit seinen Kräften das nächst höhere Biest verprügeln, dann auf dieses wechseln (jener Wechsel erfolgt ganz einfach ebenfalls mit „Unten“ auf dem Steuerkreuz – das von uns zuvor kontrollierte Wesen verschwindet dann übrigens sofort, auch wenn seine Lebensleiste noch voll war, seltsam) und so weiter. Insgesamt muss ich aber doch sagen, dass hier schon ein bisschen die „Quantität statt Qualität“-Formel angewandt wurde: Eine zahlenmäßige Reduzierung der Feinde, welche dafür dann aber anspruchsvoller zu bezwingen wären, hätte dem Programm eventuell eine 8er-Wertung beschert.

Tag Team

Ein großer Pluspunkt von Crash of the Titans - auch gegenüber Super Mario Galaxy ein solcher – wurde aber noch nicht genannt: Es gibt einen waschechten Zweispielermodus! Einfach die Plus-Taste auf dem zweiten Controller drücken und unkompliziert ins laufende Spiel einsteigen! Hier gibt es mehrere Möglichkeiten, im Team zu spielen: Der „Bockspringen“-Modus mutet etwas exotisch an, denn hier steuert immer nur einer der beiden Spieler das Beuteltier, und zwar genau so lange, bis er einmal springt – dann hat nämlich der andere Spieler die volle Kontrolle über Crash, welche er aber wieder an seinem Kompagnon abgibt, sobald er A drückt und wieder am Boden aufkommt. Weitaus weniger gewöhnungsbedürftig ist der „Huckepack“-Modus (netterweise darf man jederzeit im Pausenmenü zwischen diesen beiden Modi wechseln): Entweder es steuert nur einer von euch beiden und die andere Spielfigur – das gleiche Crash-Modell, nur anders gefärbt – bleibt Banjo-Kazooie-like im Rucksack des Kollegen, oder letztere springt per einfachem Tastendruck aus jener Tasche und beide Spieler können ihren eigenen Helden individuell steuern: Dies macht natürlich am meisten Spaß, und da die Levels wie gesagt alle sehr geradlinig sind, ergeben sich durch die „Doppelbelastung“ auch keine großartigen Kameraprobleme. Eine wirklich tolle Sache, die man in dieser Form nur selten findet!

Der übermächtige Konkurrent

Letztendlich kann sich jeder Jump&Run-Fan Crash of the Titans ruhig zulegen – wenn er Super Mario Galaxy schon hat! Denn Nintendos Klempner schlägt die gute Beutelratte in so gut wie jeder Beziehung um Längen. Nur einen richtigen Multiplayer, den bietet Marios Reise durch den Weltraum nicht. Wer also gerne mal wieder ein Jump&Run simultan zu zweit spielen will, sollte sich Crash of the Titans mal ansehen; und wer Miyamotos Meisterwerk schon durch hat und Genre-Nachschub braucht, ist hier auch sicher nicht an der falschen Adresse.

7.5Wertung

Fazit

Jump&Runnern, die über nervige Sprüche, halblustigen Humor und überwiegend uninspirierte Keilereien hinwegsehen können, kann ich sicherlich eine Kaufempfehlung aussprechen, auch dank der netten Mutanten-Idee und des tollen Multiplayers. Erwartet aber keinen echten Super Mario Galaxy-Konkurrenten – in puncto Originalität, Gameplay, Umfang und Technik ist der Installateur weit überlegen.

Design
7.0
Sound
7.0
Online Multiplayer
7.5
  • wenig originelles, aber spaßiges Gameplay
  • nette Monster-Idee
  • toller Multiplayer
  • Gegner haben zu wenig drauf
  • eher halblustiger Humor, nervige Sprüche

Vielen Dank an die Firma Vivendi für die Bereitstellung des Testmusters.

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