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Sophies Freunde: Unsere Tierarztpraxis

Sophies Freunde: Unsere Tierarztpraxis

OldMacMario

Sophies Freunde: Meine Tierarztpraxis, die Veterinärmedizinerinnen-Simulation aus Ubisofts "Spiele für mich"-Serie, verlässt heute unser Testlabor. Lest hier, ob Dr.Stiles ernsthafte Konkurrenz aus einer anderen Fachrichtung bekommt und ob es sich dabei um ein "Spiel für euch" handeln könnte.

Sophies Freunde: Unsere Tierarztpraxis

NDS

Entwickler
Ubisoft
Publisher
Ubisoft
Konsole
NDS
Spieler
1 lokal

Klischees sind doch was Tolles, oder? Nehmen wir etwa uns Österreicher: Selbstverständlich muss ich mich beim Verfassen von Reviews immer extrem überwinden, weder im Dialekt zu schreiben noch zumindest alle zwei Sätze einen kurzen Jodler einzufügen; auch weiß ich jetzt schon, dass ich für den Wii Fit-Test nicht in Frage kommen werde, da mich das Balance Board aufgrund meiner Nur-Schnitzel-und-Mozartkugeln-Diät sicher nicht aushalten wird. Oder gehen wir mal zu den Traumberufen von Kindern: Na, was wollt ihr denn mal werden, wenn ihr groß seid? Ganz klar – die männliche Fraktion brüllt natürlich „Lokführer!“, während die weibliche Teilmenge „Tierärztin!“ kreischt (gut, Friseurin wäre auch ein toller Tipp, aber dann wäre diese Einleitung eine Themaverfehlung, also vergessen wir das lieber ganz schnell). Und wisst ihr, was ich euch mitgebracht habe? Nein, kein Densha de Go! oder Railroad Tycoon (die Nachwuchs-Bahnbediensteten wenden sich enttäuscht ab) – es ist Sophies Freunde: Unsere Tierarztpraxis (Mädchen: „Jaaaa!“)! Jo, des is leiwand!

Dr. Stiles´ kleine Schwester?

Sophie wohnt samt Großeltern und Cousin auf dem Land und übernimmt die hiesige Tierarztpraxis – soviel zur Vorgeschichte; der Spieler (oder die Spielerin) landet allerdings zunächst mal im Wohnzimmer des großelterlichen Anwesens und bekommt von der guten Oma noch einen weisen Ratschlag mit auf den Weg: Sie erklärt uns, dass wir uns zum Kleiderschrank bewegen (geht mit Steuerkreuz oder Stylus) und uns dort ein schönes Outfit aussuchen sollen – ah ja. Es folgen weitere Rundgänge durch das polygonale Haus, während denen wir uns noch mit Opa und Vetter unterhalten dürfen; die Musik dudelt hier im Hintergrund ohne groß zu stören, aber auch ohne wirklich zu gefallen, während die grafische Gestaltung hingegen durchaus liebevoll ausfällt (freilich in schreiend bunten Farben gehalten). Doch dann wird es ernst: Unsere erste Kundin hat die Praxis betreten und hofft auf rasche Heilung ihrer armen kranken Katze. Auf geht´s! Dr. House, Dr. Brinkmann und der Bergdoktor können einpacken – denn hier kommt Sophie!

Nein – eher Cooking Mamas Tochter!

Es liegt wohl nahe, jetzt eine Art Trauma Center für angehende Veterinäre zu erwarten – das Gameplay erinnert allerdings überraschenderweise deutlich mehr an Cooking Mama! Nein, nicht falsch verstehen – wir kochen das süße Kätzchen natürlich nicht, sondern heilen es. Sieht man sich aber an, wie dies vonstatten geht, zeigen sich die Gemeinsamkeiten: Die Untersuchungen laufen nämlich so ab, dass ihr sehr kurze, aufeinander folgende Mini-“Eingriffe“ durchzuführen habt (je nach tierischem Patienten müsst ihr mal dieses, mal jenes tun; aber viele Aufgaben kehren immer wieder wieder), die immer für sich unter knappem Zeitlimit laufen, wobei euch jedes Mal zuvor respektive dazwischen einen kurze Erklärung zeigt, was denn nun eigentlich zu tun ist: Vielleicht muss die gute Sophie einfach per Stylus-Bewegungen ein Mikroskop scharf stellen, um das Fell unserer Katze näher zu untersuchen, vielleicht muss sie einfach das Stethoskop, ebenfalls mittels Touchpen, auf blinkende Symbole (welche mit der Zeit immer woanders auftauchen und verschwinden)am Katzenfell hin bewegen, um den Herzschlag optimal zu hören; oder sie hat sich gar der anspruchsvollen Jagd nach Parasiten verschrieben: Einfach kurz ins Mikrofon pusten, um die bösartigen kleinen Flöhe auf unserem Stubentiger aufzuscheuchen, und sie mittels Stylus entfernen, bevor sie sich wieder verstecken – solche und ähnliche Aufgaben erwarten die angehende Medizinerin.

Diagnose: Wir haben es hier mit einer Katze zu tun! Glaube ich...

Was euch sicher aufgefallen ist, falls ihr Trauma Center kennt, ist folgender Unterschied: Während Dr.Stiles dort immer lange Briefings über sich ergehen lassen muss und somit jedes Mal gleich ziemlich genau erfährt, was für Probleme sein Patient hat und wie er ihn behandeln muss, weiß Sophie hier lediglich, dass die zu untersuchenden Tiere krank sind – mit mehr rücken die unsere Praxis besuchenden Besitzerinnen auch nicht raus (in der Regel sagen sie auch immer das selbe). Somit muss zunächst einmal die Diagnose gestellt werden – eigentlich eine schöne Idee: Hätte sich sicher auch in Trauma Center gut gemacht, herausbekommen zu müssen, was dem Patienten fehlt, bevor es Zeit für die Behandlung ist. Schade nur: In Sophies Praxis wird die Behandlung einfach ausgeklammert! Denn haben wir ein Tierchen mehr oder weniger erfolgreich untersucht (ein Balken zeigt nach jeder „OP“ an, wie gut wir insgesamt gearbeitet haben), spricht Sophie lediglich ein paar Zeilen Monolog, in dem sie uns ihre Diagnose verrät und meint, sie würde den domestizierten Patienten nun behandeln – das dürfen wir allerdings weder sehen noch spielen; in Bezug auf die Behandlung sind wir, die Spieler, also handlungsunfähig. Sehr schade, denn gerade ein solches Element hätte sicher wirklich interessant werden können!

Sophie Party

Aber kommen wir wieder zurück zu besagten „Minispielen“, wie ich sie jetzt nennen will: Teils netten Ideen entsprungen, teils nicht sonderlich einfallsreich, machen sie insgesamt aber durchaus Spaß, trotz oder wegen ihrer Einfachheit; es motiviert durchaus, diese kurzen Reaktionstests so gut wie möglich zu absolvieren. Aber was doch ein bisschen stört, ist eben dieser Umstand, dass sich die Untersuchungen aus klar abgetrennten, kleinen Aufgaben zusammensetzen. Denn wäre folgendes beispielsweise nicht wirklich nett gewesen: Das Kätzchen liegt auf unserem OP-Tisch und wir können per Stylus einmal bestimmen, wo wir es näher untersuchen wollen. Danach stellen wir das Binocular scharf, sehen durch und schauen uns nach eventuellen Flöhen um: Gefunden! Jetzt noch ins Mikro pusten und die Viecher einsammeln – fertig! So laufen die Untersuchungen aber eben leider nicht ab, es fehlt ganz einfach ein bisschen der Zusammenhang: Beim Scharfstellen des Mikroskops haben wir etwa eben schon „gewonnen“, wenn es, ja, scharf gestellt ist; danach dürfen wir nicht selbst durchblicken und nach Parasiten suchen, sondern diese Mini-Disziplin ist dann vielmehr vorbei und die nächste wartet. Und genau das ist jener Umstand, den ich mit dem Cooking Mama-Vergleich zeigen wollte: Ihr vollzieht hier keine durchgehende Untersuchung oder Operation wie in Trauma Center, sondern absolviert einfach eine Reihe von Minispielen.

Zoologischer Garten

Doch nach der Behandlung, auch wenn wir davon nichts mitbekommen, ist der tierische Patient noch nicht gleich wieder auf der Höhe, und wir müssen ihn für eine Weile in Pflege nehmen – glücklicherweise verfügt das großelterliche Grundstück auch noch über ein Katzen-, Hunde-, Schweine-, Hasen- und Pferde-Gehege (genau, das sind die weiteren Tierarten, um die ihr euch später noch kümmern dürft), praktisch, praktisch. Und hier findet quasi die zweite Hälfte des Spiels statt: Besucht die Tierchen in ihren Gehegen, kauft ihnen Futter und Spielzeug (Bares vorausgesetzt), bereitet ihnen ihr Mal, werft ihnen das Bällchen zu oder streichelt sie (alles per Touchscreen), damit sie sich bald erholen und wieder von ihren Besitzerinnen abgeholt werden können (Anzeigen geben Auskunft über ihre Vitalität). Ab und zu solltet ihr auch euren Cousin einschalten und ihm zur Putzkraft degradieren, um euren Gästen einen schönen (und sauberen) Aufenthalt zu garantieren oder euren Großvater bitten, den Tierchen mittels Vergrößerung der Gehege mehr Auslauf zu verschaffen. Alle tierischen Patienten sind wirklich herzig modelliert und animiert und werden Tierfreunde sicher begeistern, aber der Gipfel des spielerischen Gehaltes wird hier nicht unbedingt erreicht.

Dingdong!

Sollte während dieser Streicheleinheiten einmal die Türglocke läuten, tippt ihr einfach auf das entsprechende Symbol und ihr findet euch sofort in der Praxis wieder, wo ein weiteres Tierchen auf Hilfe wartet – und nachdem es diese bekommen hat, aber dennoch noch Erholung benötigt, fühlt sich euer erster kätzischer Patient auch nicht mehr so allein. Auf diese Weise wechselt das Spiel immer wieder zwischen Untersuchungen und Pflege der Tiere; hier werden euch auch Missionen vorgegeben, die zu erfüllen sind, bevor es weitergeht (etwa „Pflege vier Katzen gesund“). Erfolgreiche Tierärztinnen müssen ihr Geld übrigens nicht komplett für die Patienten ausgeben, sondern können es durchaus auch in Einrichtungsgegenstände investieren, um die Praxis optisch attraktiver zu machen – oder gleich, ganz egoistisch, für neue Outfits verprassen.

Wiedersehn (sic!)

Ein Multiplayer-Modus existiert übrigens nicht, die drahtlose Datenübertragung wird allerdings dennoch genutzt: Sollte im eine ähnliche Zielgruppe ansprechenden Titel Abenteuer auf dem Reiterhof: Wiedersehn im Tal ein Pferd erkranken, darf es Pokémon-like in Unsere Tierarztpraxis transferiert, dort behandelt und nach der Genesung wieder auf ein Wiedersehn ins Tal (harhar) geschickt werden – hübsche Idee.

Wuff, Miau, Wieher, Grunz – verdammt, und wie macht ein Hase...?

Letztendlich handelt es sich bei Sophies Freunde: Unsere Tierarztpraxis um ein wirklich nettes Spielchen für junge Tierfreundinnen (durchaus auch für -Freunde, sofern jene den klischeehaft „mädchenhaften“ Stil verschmerzen können), zumal die plüschige Fauna auch wirklich goldig rüberkommt, und jene dürfen durchaus zugreifen; wären die Untersuchungen nicht nur Ansammlungen einzelner Minispiele, sondern jede für sich individueller (und zusammenhängender) designt worden und dürften wir Katze und Konsorten tatsächlich auch behandeln, wäre aber auf alle Fälle eine deutlich höhere Wertung drin gewesen.

6.5Wertung

Fazit

Ein netter Einblick in den Alltag einer ländlichen Tierarztpraxis, der jüngeren Spielerinnen gut gefallen dürfte; jeder andere sollte sich allerdings überlegen, ob ihm der Stil zusagt, da das Programm wirklich sehr auf jene Zielgruppe zugeschnitten ist. Erwartet aber bitte kein veterinärmedizinisches Trauma Center – das Gameplay erinnert eher an Cooking Mama und das Tamagotchi-Prinzip. Aber mit sehr süßen Tieren!

Design
7.5
Sound
6.0
  • herzige und grafisch ansprechende Tiere
  • nette Minispiele
  • etwas zusammenhanglose Untersuchungen
  • wenig Spieltiefe
  • Warum dürfen wir die Tiere nicht behandeln?

Vielen Dank an die Firma Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.

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