
Augen-Training
"Trainieren und entspannen Sie Ihre Augen!" lautet der Untertitel zu jenem Touch Generations-Spiel, über welches wir damals auf der Games Convention als "Flash Focus" berichteten. Lest hier, wie sich Nintendos und Namcos "Gehirnjogging für die Augen" schlägt!
Konsole
Nintendo DS
NDS
Gehen wir doch mal die gängigen Vorurteile bezüglich Videospielen durch: Sie sind Kinderkram, brutal, hemmen die Kreativität, machen dumm – und sind schlecht für die Augen. Nun, Nintendo scheint in letzter Zeit im Rahmen der Touch Generations-Serie jene Thesen entkräften zu wollen – die vorletzte Behauptung wurde mit Dr. Kawashima sowie Big Brain Academy unter Beschuss genommen, und nun ist letztere dran: Augen-Training, auch bekannt als Flash Focus und seines Zeichens neuester DS-Vertreter besagter Serie, soll Kritiker eines Besseren belehren; als wissenschaftlicher Pate fungiert hier Dr.Hisao Ishigaki, laut Verpackung “einer der führenden Augentrainer für Athleten”. Eine Software, mit der man die eigene Sehkraft verbessern kann? Heißt das, ich muss nur ein paar Highscores erreichen, um Kontaktlinsen und Brille auf ewig Lebewohl sagen zu können? Nun – das spielt es leider doch nicht.
Schade...
Also bleiben wir mal realistisch: Meine fünf Dioptrien werden durch das Spielen jenes Programmes natürlich nicht gesenkt – was profitiere ich also genau davon? Unser namenloser Freund, welcher den Trainingswilligen gleich nach dem Einschalten der Konsole begrüßt, scheint es ganz genau zu wissen – er ist zwar nur ein eckiges, aus geschätzt handtellergroßen Pixeln zusammengesetztes Männchen, aber man soll ja niemanden nach dem Äußeren beurteilen. Also: Wer regelmäßig Augen-Training in den DS-Slot legt, levelt sich sozusagen folgende Charakterwerte auf: „Dynamische Sehschärfe“, „Sofortiges Erkennen“, „Augenbewegung“, „Peripheres Sehen“ sowie „Hand-Augen-Koordination“. Erreicht werden soll dies durch das Absolvieren kurzer, schneller Disziplinen (respektive Minispiele) hintereinander – ob das Training wirklich von Erfolg gekrönt war, stellt sich danach heraus: Denn dann verrät euch das Programm euer „Augen-Alter“ - wer hier auf „20 Jahre“ kommt, darf sich besonders glücklich schätzen, denn dies ist das beste zu erreichende Ergebnis - hm, das kommt mir irgendwie verdammt bekannt vor....weiters zeigt euch zum selben Zeitpunkt ein Pentagon-Diagramm, wie gut ihr in jenen fünf Kategorien im Einzelnen abgeschnitten hat – ich weiß nicht, irgendwie habe ich jetzt schon wieder ein Deja Vu...
Dr.Kawashimas Big Eye Academy?
Was euch nun sicher auch schon aufgefallen ist: Das Spielkonzept erinnert extrem an einen Mix aus Dr. Kawashima´s Gehirnjogging und Big Brain Academy. Stilistisch liegt Augen-Training übrigens mehr oder weniger zwischen diesen beiden Gehirn-Trainern: Die Menüs sind nicht so bunt gehalten wie in letztgenanntem Titel, aber auch nicht so klinisch weiß wie die Wände von Kawashimas Praxis; und anstatt dem ebenso überzeichneten wie in einem Strich gezeichneten Lehrer (BBA) oder dem kantigen Polygonkopf des real existierenden Wissenschaftlers (DKG) führt euch besagtes minimalistisches Männchen durch das Spiel. Die mehr oder weniger wissenschaftlichen Disziplinen unterscheiden sich allerdings naturgemäß stark von jenen beiden offensichtlichen Vorbildern: Schließlich geht es diesmal nicht um das Gehirn, sondern um die Augen (hm, irgendwie muss ich gerade an den Lylat Wars-Endgegner denken...). Von jenen Spielchen sind übrigens, ähnlich Dr. Kawashimas Werk, nur wenige verfügbar; alle weiteren werden mit der Zeit freigespielt. Aber genug der Vorrede; was können wir denn nun eigentlich tun, nachdem uns Herr Pixel seine Lebensgeschichte erzählt hat? Drei Möglichkeiten: Entweder wir versuchen uns an einer an jedem Tag individuell für uns zusammengestellten Übung (welche Disziplinen sie beinhaltet, entscheiden unsere vorherigen Leistungen), machen besagten Alterstest oder aber wählen die Spielchen einzeln an. Jedes dieser Minigames fällt übrigens in eine oder mehrere der besagten fünf Kategorien; da es gewiss keinen Sinn machen würde, jetzt alle dieser Herausforderungen einzeln durchzugehen, will ich nun fünf von jenen herausgreifen – je ein Spiel beispielhaft für eine Kategorie.
Dynamische Sehschärfe
Um zu erahnen, was sich hinter dem schlichten Titel “Hütchen” verbirgt, muss man kein Hellseher sein – und wirklich: Drei Boxen – na gut, einfarbige Quadrate. Und ein – grüner Ring. Keine Überraschung: Besagter Ring wird in eine der drei Schachteln gesteckt, jene kreisen umeinander, um letztendlich stehen zu bleiben und darauf zu warten, dass der Spieler mittels Stylus jene Box antippt, in der der Ring verborgen ist. Wer dies schafft, wird gleich noch einmal vor die gleiche Aufgabe gestellt, welche nun noch etwas schneller abläuft – und so weiter und so fort, bis die vorgegebene Rundenzahl absolviert ist. Schafft ihr eine dieser Aufgaben allerdings nicht, geht es nichtsdestotrotz weiter; allerdings sinkt dann der Schwierigkeitsgrad, anstatt zu steigen. Dazu als Beispiel die fünf Runden dieser Disziplin, wie sie sein könnten: Ihr startet bei Level 1, schafft es, kommt zu Level 2, schafft natürlich auch dieses, aber an Level 3 scheitert ihr – somit folgt nun nicht Level 4, sondern ihr fallt zurück auf Level 2, was ihr aber natürlich erneut schafft, und als ihr wieder auf euren alten Nemesis Level 3 trefft, besiegt ihr ihn, aber hier endet euer Weg, da nun Runde 5 von 5 absolviert wurde. Dieselben Prinzipien kommen übrigens auch bei allen anderen hier besprochenen Minispielen zur Anwendung, weshalb ich sie ab jetzt nicht mehr gesondert erwähnen will.
Sofortiges Erkennen
In eine andere Kerbe schlägt “Blitzzahlen”: Für eine sehr kurze Zeit erscheint am Topscreen eine mehr oder weniger große Gruppe an Zahlen, die wir nach ihrem raschen Verschwinden rekonstruieren müssen. Im Klartext blitzt beispielsweise “164” auf, und wir müssen daraufhin auf dem Ziffernblock am Touchscreen 1-6-4 in der Reihenfolge antippen (wie ihr schon am vorherigen “Hütchen”-Spiel gesehen habt: Wie bei Dr.Kawashima macht ihr im Wesentlichen alles per Touchpen) – für jene Eingabe haben wir dann auch alle Zeit der Welt. Grundsätzlich gut gelungen, aber ein Problem kann es hier durchaus geben: Wenn man die gesuchte Zahlengruppe ganz genau im Kopf hat, aber versehentlich eine falsche Ziffer berührt (etwa 2 statt der benachbarten 3), so gibt es keine Möglichkeit, diesen Fauxpas wieder rückgängig zu machen; ein “Del”-Button fehlt.
Augenbewegung
Folgendes Spiel – namens “Optikdreh” - nützt zunächst beide Bildschirme gleichermaßen: In 12 Kästchen (6 pro Screen) tauchen drei verschiedene, C-artige Symbole (genauer Kreise, die oben, unten, links oder rechts offen sind) auf und verschwinden rasch wieder – man weiß allerdings nicht, wo sie erscheinen, weshalb man alle Quadrate im Blick haben sollte. Nach diesen “Erscheinungen” muss dann auf einer Touchscreen-Schaltfläche eingegeben werden, in welcher Reihenfolge und Form jene Cs in unser Blickfeld kamen. Anhand dieses Minigames kann man auch sehr gut den überwiegenden optischen Minimalismus in Augen-Training erkennen: Hier haben wir etwa weiße Kästchen auf tiefschwarzem Grund, in denen orange Cs erscheinen – that´s it. Und abgesehen von den Sport-Spielen – dazu kommen wir noch später – ist derartige “Grafikpracht” eher die Regel als die Ausnahme.
Peripheres Sehen
Wieder geht es um C-Symbole und das Szenario erinnert erneut sehr an Optikdreh: In “Mittendrin” betrachten wir ein solches Icon in der Touchscreen-Mitte, welches von 10 Kreisen umrahmt wird – kurz erscheinen mehrere dieser unterbrochenen “O”s in ihnen, und eines davon stimmt mit besagtem Mittelpunkt der Aufmerksamkeit genau überein. Nun dürfte klar sein, was zu tun ist – nachdem die Cs verschwunden sind, müssen wir auf jenen Kreis tippen, in dem zuvor das richtige Symbol zu sehen war. Ebenso leicht zu erraten: Mit der Zeit erscheinen immer mehr dieser Icons, sodass es immer schwieriger wird, das einzig wahre C zu finden. Außer ein paar Soundeffekten hört ihr während dieser Disziplin übrigens gar nichts, und diese Information kann man auch global auf die anderen Spiele ausdehnen: In den Menüs kommen unauffällige, ganz angenehme Melodien aus den DS-Lautsprechern, während den Spielen herrscht hingegen überwiegend das Schweigen im Walde.
Hand-Augen-Koordination
Vielleicht am Simpelsten von den hier vorgestellten Spielen, aber dennoch unterhaltsam und fordernd ist der “Kastenfang”: Insgesamt 40 rote Kästchen erscheinen und verschwinden nach und nach am Touchscreen, und alles was wir zu tun haben ist, möglichst alle anzutippen, bevor sie wieder weg sind (am besten natürlich in der Reihenfolge in der sie auch erschienen sind, da es sonst nur schwer möglich ist, alle Quadrate rechtzeitig zu erwischen). Schlagen wir uns in diesem Spiel – oder auch anderen – besonders gut, werden eventuell neue Disziplinen und zusätzliche Schwierigkeitsgrade freigeschaltet.
Relax!
Was gibt es nun noch zu sagen, nachdem ich in den vorherigen Absätzen schon extrem raffiniert Informationen zu Grafik, Sound und Steuerung verborgen habe? Nun, wie schon kurz erwähnt, kann man neben dem Alterstest (der ein Teil der Rubrik “Freies Training” ist) noch einmal pro Tag am “Empfohlenen Training” teilnehmen, das immer neu zusammengestellt wird – nach dem Abschluss der dort enthaltenen Disziplinen dürfen wir noch an Entspannungsübungen teilnehmen, in denen wir genötigt werden, abseits von Highscores z.B. langsam mit den Augen zu rollen, in regelmäßigen Abständen zu blinzeln et cetera. Diese Anweisungen werden übrigens laut vorgelesen (“Für drei Sekunden nach rechts schauen...eins...zwei...drei.”) - meine Reaktion in der ersten Sekunde: “Endlich mal deutsche Sprachausgabe am DS, das gab es bisher ja noch kaum!” Und in der zweiten Sekunde: “Um Gottes Willen – es ist meine alte esoterische Schulärztin!” Zumindest klang die so. Ich will jetzt natürlich nichts Gemeines schreiben, aber Stimmlage und Tonfall der virtuellen Augentrainerin wirken ein wenig, nun ja, dezent gruselig. Aber breiten wir einmal den Mantel des Schweigens darüber und kommen langsam zum Ende: Im “Freien Training” darf man neben dem Alterstest ebenfalls alle Disziplinen einzeln anwählen; und jene sind in zwei Kategorien eingeteilt: “Grundtraining” und “Sportraining”. Alle bisher besprochenen Spielchen sind Angehörige ersteren Typs, also kommen wir nun noch kurz zu zweiterem.
Sporttraining
Besagte Sportspiele haben grafisch (nicht jedoch soundtechnisch) in der Regel deutlich mehr zu bieten als die andere Kategorie; zum Teil kann man gar von fotorealistischen (wenn auch recht grob aufgelösten) Figuren sprechen, die allerdings meist sparsam animiert oder gar de facto als Standbilder daherkommen. Kurze Beispiele dazu: Beim Boxen habt ihr die leuchtenden Fäuste respektive Handschuhe eures Opponenten zu treffen (je näher ihr dabei der Mitte des angedeuteten Kreises kommt, desto besser) und gegebenenfalls per rascher Stylus-Bewegung auszuweichen, beim Volleyball müsst ihr den Ball annehmen und auf die andere Seite des Netzes bewegen, indem ihr ihn einfach antippt – allerdings erst, wenn er sich innerhalb des orangen Rahmen bewegt, welcher sich über dem Netz befindet (auch hier ist es zu Empfehlen, möglichst den Mittelpunkt jener Sphäre zu treffen), und beim Tischtennis bewegt ihr in der Tat einfach mittels Touchpen euren Schläger, wobei aber eure einzige Sorge ist, den Ball zurückzuschlagen; über Punkte müsst ihr euch hier keine Gedanken machen, da euer Gegner hier unschlagbar ist.
Kurz und bündig
Gehirn-Jogging plus ein bisschen Big Brain Academy minus Gehirn plus Augen – das ist im Wesentlichen, wie eingangs angedeutet, Augen-Training: Trainieren und entspannen Sie Ihre Augen! Ach ja, was hier allerdings fehlt, ist ein Multiplayermodus, welcher bei beiden der genannten Vorbilder vorhanden war – Flash Focus-Besitzer können lediglich eine Demoversion des Titels an Freunde versenden, aber nicht gegeneinander spielen; schade, denn so einige der Disziplinen hätten vom Konzept her durchaus auch in ein Mario Party oder Wario Ware gepasst und erinnern bisweilen ziemlich stark an klassische Minispiele – nur grafisch ist der Großteil jener Übungen auf NES-Niveau; nur die Sportspiele retten die Grafikwertung von dem totalen Absturz. Nicht, dass schönere Optik für dieses Spiel unbedingt vonnöten gewesen wäre, auch stört die fast komplette Absenz von Hintergrundmusik weniger als erwartet (vielleicht hätte ihre Anwesenheit manchmal auch eher gestört), aber etwas seltsam ist es doch. Aber wie auch immer: Augen-Training ist, wie man deutlich sieht, ein Teil der Touch Generations-Serie, ist aber vom Design der Spiele her auch nicht unbedingt komplett uninteressant für “Hardcore-Gamer” (mein Gott, wie ich diesen Ausdruck hasse). Aber bitte folgendes noch bedenken: Wer nur schnelle Minispiele spielen will und sich keine Gedanken über die eigenen Augen macht, ist mit der Wario Ware-Serie ganz sicher besser beraten (viel liebevollere Aufmachung und noch viel mehr Minigames), und – stärker noch als bei Dr.Kawashima – ist es wirklich kein Titel, den man stundenlang am Stück spielen kann, und zwar aus dem simplen Grund, dass er die Augen wirklich anstrengt.
Fazit
DS-Software, die die Augen trainiert (zu urteilen, inwiefern dies tatsächlich der Fall ist, überlasse ich allerdings lieber den Experten ) und gleichzeitig Spaß macht – das Konzept, welches schon bei den Hirn-Trainern zum Tragen kam, geht erneut auf; diesmal eben mit anderen Organen als Gegenstand. Auch wenn für die grafische Seite, abgesehen von den Sportspielen, wohl Fred Feuerstein oder Joe&Mac zuständig waren.
- Konzept funktioniert
- Minispiele machen Spaß
- kein Multiplayer
- technisch überwiegend tiefste Steinzeit
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

