
Guitar Hero III: Legends of Rock
Will sagen: Jetzt wird hier mal der Test zu Guitar Hero III: Legends of Rock gelesen, aber zack zack. Und dann ab in den Laden. Danach Plastik - Gitarre zusammenbauen, Lautstärke aufdrehen und dann ordentlich vor dem Fernseher blamieren.

Guitar Hero III: Legends of Rock
WII
- Genre
- Musikspiel
- Serie
- Guitar Hero
- Entwickler
- Neversoft
- Publisher
- Activision
- Konsole
- WII
- Spieler
- 1–2 lokal
Vor geraumer Zeit erzählte mir ein amerikanischer Austausch-Student, wie er in einem Wohnheim durch eine offene Zimmertür spähte. Dort befand sich ein passionierter Tanzmatten-Spieler, der die Welt um sich herum wohl ganz vergessen hatte und bald noch mehr Schaulustige anzog. Wenn erwachsene Menschen vor dem Fernseher rumhoppeln, sieht es leider einfach affig aus. Nicht besser geht es jenen, die mit einem Plastik-Gitarrencontroller aus der Ferne gesehen werden. Bei beiden Problemlagen hilft deshalb nur eines: Alle Beobachter schnell vor den Fernseher rufen, zum Mitmachen animieren und den Sound laut aufdrehen. Letzteres geht bei Guitar Hero III glücklicherweise besonders gut...! Turn it up to 11!!!
Wilde Plastik-Gitarren-Action!
Gibt es wirklich noch Videospieler, die von diesem Spiel noch nichts gehört haben? Bei uns Nintendo-Fans vielleicht. Die ersten beiden Teile der Guitar Hero – Serie sowie Spin-Offs sind nur auf der PS2 und der XBOX 360 erschienen.
Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Es geht darum mit einem mit dem Spiel gelieferten Gitarren-Controller über 70 bekannte Rock-Songs nachzuspielen. Der Gitarren-Controller verfügt über 5 Tasten, die eine vereinfachte Variante des Griffbretts einer echten Gitarre nachstellen. Angeschlagen wird mit einem Kippschalter. Zudem verfügt der Controller über einen Tremolo-Hebel, wie er sich an den meisten E-Gitarren befindet, und der dazu dient schnelle Tonhöhen-Veränderungen durchzuführen. Weitere Tasten an dem Controller dienen zur sonstigen Bedienung der Wii-Konsole.
Eine Besonderheit des einer Gibson Les Paul E-Gitarre nachgebildeten Controllers in der Wii-Version ist es, dass die Wii-Fernbedienung in den Controller eingefügt werden kann und muss. Dies ist zum einen etwas umständlich, vor allem wenn man nicht über mehrere Wiimotes verfügt. Auf der anderen Seite nimmt der Umbau aber nur kurze Zeit in Anspruch. Ein Vorteil ist es, dass die Wii-Version von Guitar Hero III durch den Rückgriff auf bereits in der Wiimote vorhandene Technologien im Handel für ca. 10 EUR weniger angeboten wird, als die korrespondierenden XBOX 360 und PS3-Varianten.
Neben dem Gitarren-Controller liegt dem Spiel auch noch ein Gurt zum Umhängen der Gitarre bei. Mittels mitgelieferter Aufkleber, kann die Gitarre außerdem an die eigenen Designvorstellungen angepasst werden. Außerdem gibt es (seperat erhältlich) weitere Faceplates zum Aufpeppen des Controllers.
Das Nachspielen der Songs funktioniert wie folgt: Auf dem Bildschirm laufen, während ein Musiktitel abgespielt wird, auf einem virtuellen Gitarrenhals die zu drückenden Tastenfolgen von oben nach unten. Nun gilt es im richtigen Moment die Tasten zu drücken oder zu halten und dabei zudem den Anschlagsschalter zu betätigen. Was sich sehr leicht anhört, wird spätestens im zweiten der vier Schwierigkeitsmodi jeden Guitar Hero – Neuling herausfordern. Die Umsetzung der Songs in Tastenfolgen ist wie bereits bei den Vorgänger-Titeln sehr gut gelungen. Es kommt ein authentisches Spiel-Gefühl auf – und das nicht nur wenn man den Gitarrencontroller zur „Star Power“ hochreißen muss.
Eine Einführung und Erklärung erweiterter Spieltechniken (z.B. Hammer-On und Pull-Off – Spielweise) bietet der sehr gute und amüsant umgesetzte Tutorial-Modus. Im Practise-Modus können darüber hinaus alle Songs auch abschnittsweise und in Zeitlupe geübt werden – genauso muss es sein!
Deine eigene virtuelle Band auf großer Tour
Im Karriere-Modus des Spiels legt Ihr Euch eine eigene virtuelle Band an und verfolgt der Karriere von der Dorf-Kombo bis zur Welttournee. Jeweils 4-5 Songs müssen gemeistert werden, um zur nächsten Karrierestation zu gelangen. Die Schwierigkeit der Songs steigt von Station zu Station an. Des Weiteren ändert sich so auch das Spielszenario. Während im Vordergrund die Noten herunterlaufen, seht ihr im Hintergrund nämlich stets ein dreidimensional animiertes Konzert Eurer Band. Diese spielt an den unterschiedlichsten Orten: Auf einer Waldbühne in den USA, in Japan – ja sogar im Gefängnis dürft ihr auftreten. Die Grafik des Hintergrundgeschehens ist gut und die Kameraführung ist sehr schön umgesetzt. Nur die Animationen, insbesondere des Publikums, könnten noch etwas besser geraten sein.
Zwischen den einzelnen Stationen erwarten Euch zudem lustige Comic-Clips mit den „Abenteuern“ eurer Band.
Für jeden Auftritt gibt es, in der Höhe abhängig von Eurer Wertung, außerdem eine Gage. Diese darf im Gitarren-Shop ausgegeben werden – eine Neuerung in Guitar Hero III. Man merkt hier deutlich, dass dieses Spiel nicht mehr von Harmonix Music Systems entwickelt wurde wie die ersten beiden Teile (und jetzt Rock Band), sondern von den Tony Hawk – Machern von Vicarious Visions. Viele werden sich hier sicher an die Skate Shops aus den THPS-Spielen erinnern. Im Shop könnt Ihr neue Gitaristen für die Hintergrund-Animationen anheuern und deren Kleidung und Equipment nach Belieben verändern. Außerdem können Bonus-Songs eingekauft werden und auch Videos (u.a. zu der Beteiligung von Slash und den The Sex Pistols an der Entstehung des Spiels).
Dreimal im Spiel kommt es zudem zu Boss-Duellen. Ihr tretet dort unter anderem gegen Slash (Guns N’ Roses, Velvet Revolver) und Tom Morello (Rage Against The Machine, Audioslave) an. Beide Star-Gitarristen wurden für das Spiel digitalisiert und beide stellten einen exklusiven Battle-Song zur Verfügung. Bei dem Spiel gegen die Bosse müsst Ihr spezielle Items sammeln, die sich unter manchen Noten verbergen. Damit könnt Ihr den Gegner „lähmen“ oder sonst seine Spielweise verhunzen. Ebenso kann es natürlich auch euch gehen. Dann muss schnell auf eine Taste gehämmert oder der Tremolo-Heben betätigt werden.
Guitar Hero Worldwide
Kernbestandteil des Spiels sind auch diverse Multiplayer-Modi. Der Koop-Karriere-Modus profitiert dabei davon, dass neben dem Gitarrencontroller auch eine normale Wiimote zur (etwas unkomfortableren) Klampfe umfunktioniert werden kann. Ein Spiel zu zweit ist so auch ohne weitere teure Zubehörkäufe möglich. Zudem gibt es einen Online-Modus dessen Features für Wii-Verhältnisse schon fast als spektakulär zu bezeichnen sind: Auf der Guitar Hero – Webseite könnt Ihr eine eigene Statistik-Seite anlegen und Euren Freunden zeigen. Außerdem könnt Ihr schnell und unkompliziert im Koop-Modus oder im Duell gegen Zufallsgegner spielen. Für das Spielen gegen Freunde bedarf es hingegen leider wieder des altbekannten Freundes-Code-Systems.
Ärgerlich ist, dass die erste Wii-Version des Spiels auf Grund eines Bugs bei den meisten Spielern nur zweimal denselben Sound-Kanal ausgibt und somit keinen echten Stereo-Sound bietet (Mono-Bug). Fairerweise muss jedoch gesagt werden, dass dies den Spielspaß im Single-Player-Modus bei den normalen Fernseh-Lautsprechern nicht beeinträchtigt. Dennoch ist der Fehler gerade bei einem Musikspiel inakzeptabel. Activision hat zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Testberichts bereits angedeutet, es werde Austausch-Discs geben.
Viele wird nun noch interessieren, welche Songs genau im Spiel enthalten sind. Eine vollständige Song-Liste findet Ihr unter diesem Link. Wer sich diese etwas genauer anschaut, wird schnell feststellen, das Guitar Hero III sehr viele Original-Songs enthält und weniger (wenn auch sehr gute) Cover-Versionen. Die Song-Auswahl ist breit gefächert und bildet das gesamte Spektrum des Rock von den 60ern bis heute gut ab. Deutsche Bands sind in der internationalen Song-Liste naturgemäß wenig vertreten. Mit den Scorpions und den Toten Hosen hat man aber auch hier hochkarätige Acts vorzuweisen. Im Gegensatz zu PS3- und XBOX 360° - Besitzern ist es Wii-Usern bisher leider noch verwehrt zusätzliche Song-Packs über das Internet nachzukaufen.
Fazit
Tanzmattenspiele, Bongos und Gitarrencontroller: Wer dieses Zusatz-Zubehör verachtet, ist bei Guitar Hero natürlich falsch. Ansonsten kommt an diesem Top-Spiel kein Wii-Besitzer vorbei. Luftgitarre war gestern. Let’s rock!
- Cooler Gitarren-Controller
- Tolle Trackauswahl
- Viele gute Ideen
- Keine nachrüstbaren Song-Packs in der Wii-Version
- "Mono-Bug"
Vielen Dank an die Firma Activision für die Bereitstellung des Testmusters.


