
Heroes of Mana
Mit Heroes of Manaführt Square Enix mit der Hilfe des Entwicklungsstudios Brownie Brown die Seiken Densetsu/Secret of Mana-Serie in neue Genre-Gefilde: Es gilt, das Echtzeit-Strategiespiel für den Nintendo DS salonfähig zu machen - mit Pogopuscheln, Pilzköpfen und Moblins. Ob das gelungen ist, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test!
Kann das angekratzte Mana-Image nach schwächeren Spielen in den letzten Jahren wieder aufpoliert werden?

Heroes of Mana
NDS
- Genre
- Strategie
- Entwickler
- Square Enix
- Publisher
- Square Enix
- Konsole
- NDS
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Koichi Ishii ist der Produzent des großen „World of Mana“-Projekts von Square Enix. Was wohl als Frischzellenkur des „Seiken Densetsu/Secret of Mana“-Universums gedacht war, entpuppt sich mehr und mehr als Fehlzündung: Sword of Mana für den Game Boy Advance, Children of Mana für den Nintendo DS und insbesondere Dawn of Mana für die PlayStation 2 konnten weder Kritiker noch Serien-Fans vollends überzeugen. Mit Heroes of Mana wird nun mit Hilfe der Rollenspielexperten von Brownie Brown der Versuch unternommen, das schwächelnde Mana-Image wieder aufzupeppen. Aber nicht etwa mit einem weiteren Action-Adventure, sondern mit einem waschechten, in Echtzeit ablaufenden Aufbaustrategiespiel, das ganz in der Mana-Welt angesiedelt ist. Viele werden sich verdutzt Fragen: „Kann das denn funktionieren?“ Es kann...
Echte Helden braucht das Land!
Im Mittelpunkt der wahrlich epischen Geschichte steht der junge peddanische Soldat Roget, der sich zu Beginn des Abenteuers mit einer Handvoll Gefährten in geheimer Mission nach Feronia aufmacht, auch bekannt als die Heimat der Beastmen. Diese sollen nichts Besseres zu tun haben, als einen Krieg gegen die Menschen anzuzetteln. Kaum ist die Spezialeinheit vor Ort, nehmen verstörende Dinge ihren Lauf: Die Armee aus Pedda metzelt zur Entrüstung Rogets und seiner Freunde die Biestmenschen nieder und zerstört ihre Städte und Dörfer. Das kann der gerechtigkeitsliebende Roget nicht auf sich sitzen lassen und stellt sich mit seinen Kollegen seinen skrupellosen Volksleuten in den Weg. Und ihr seid nun als Feldherr gefragt, Rogets Geschicke in dieser sich ausweitenden Schlacht zu lenken.
Ressourcen > Basen > Einheiten
Heroes of Mana bringt dabei alles mit, was sich für ein Aufbaustrategiespiel gehört: Spielern von Command & Conker oder Warcraft dürften sich dank der isometrischen Vogelperspektive gleich zurecht finden. Ihr startet meist mit einer Gruppe Helden, die tatkräftige Unterstützung benötigt. Glücklicherweise begleitet euch euer Flugschiff „Nightswan“, das die Funktion eines reisenden Hauptquartiers übernimmt. Um eure Armee zu vergrößern, schickt ihr Sammlereinheiten wie zum Beispiel die kultigen Pogopuschel los, um zwei essenzielle Ressourcen abzubauen: Gaiasteine und Treantbeeren, die allerdings nur begrenzt vorzufinden sind. Das Gestein benötigt ihr zum Errichten von Basen, die wiederum Früchte brauchen, um Einheiten auszubilden. Die Stationen baut ihr aber nicht einfach ins Gelände, wie es bei den meisten Strategiespielen der Fall ist. Sie werden stattdessen auf einem separaten Bildschirm innerhalb des Nightswan auf acht möglichen Bauplätzen errichtet. Das Ausheben auch mehrerer Einheiten auf einmal geht einwandfrei und vor allem zügig von Statten, nicht zuletzt aufgrund der sehr sinnvoll eingesetzten Steuerung.
Der Großteil des Spiels erfordert ausdauernden Touchscreen-Einsatz, der besonders glänzt, wenn es sich um das Auswählen eurer Spielfiguren dreht. Entweder tippt ihr eine einzelne Einheit an, wählt über eine Schaltfläche alle Einheiten eines Typs aus oder, und das ist ausgesprochen praktisch, umkreist eine Gruppe mit dem Touchpen. Dann berührt ihr einfach eine Stelle, zu der eure Mannen vorrücken oder einen Gegner, den sie attackieren sollen. Den Überblick bewahrt ihr mit den Schultertasten, um die Kamera zu rotieren, und durch das digitale Steuerkreuz zum Scrollen. Wenn euch das zu langsam ist, tauscht ihr einfach die Bildschirme, sodass die sonst oben eingeblendete Missionskarte unten erscheint und ihr so Einheiten ohne viel Scrollen zu entfernten Positionen bewegen könnt. Vorausgesetzt, die Kerle spielen auch mit!
Umwege, Blockaden, Orientierungslosigkeit. Oder: Eine Geschichte von der maschinellen Dummheit.
Denn die Fehler in der künstlichen Intelligenz können den Spielspaß manchmal doch sehr trüben. Die Figuren laufen nicht nur sehr langsam durch die Spielwelt, sondern oftmals auch orientierungslos oder gar draufgängerisch. Sie bleiben an Vorsprüngen hängen, laufen nicht den kürzesten Weg oder so unvorteilhaft, dass sie in noch nicht sichtbare Gebiete vordringen, in denen Gegnerhorden und damit der sichere Tod lauert. Wollt ihr einen Feind attackieren, dauert es erst eine Zeit, bis sich wirklich alle Einheiten so positioniert haben, dass sie auch treffen – selbst bei Distanzschützen! Dann sehen die Kämpfe meist so aus, dass einer eurer Kameraden Gegenwehr leistet und auch angegriffen wird, obwohl eure Überzahl, würde sie denn effektiv zuschlagen, den Widersacher in null Komma nichts aus dem Weg räumen könnte – ohne dass ein Soldat größeren Schaden nehmen müsste. Für Frustration sorgen auch die Situationen, in denen sich eure eigene Truppe auf den Füßen steht und Passagen blockiert. Besonders häufig kommt dieses Problem in der Nähe des Nightswan vor. Wenn ihr Kämpfer aushebt, stellen sich diese unterhalb des Fliegers auf und blockieren stur die Arbeitswege der Sammler. In vielen Fällen hilft da nur, einzelne Einheiten herauszupicken und wegzuführen. Das zehrt einfach nur an euren Nerven, gerade dann, wenn ihr unter Zeitdruck steht.
Heroes of Mana ist aber in jedem Fall gut zu halten, dass die Kraft-Balance der verschiedenen Einheitstypen sehr gut abgestimmt ist und gedankenloses Prügeln mit irgendwelchen Einheiten so gut wie nie zum Erfolg führt. Das Prinzip dieses Gleichgewichts lässt sich rasch einprägen: Flugeinheiten fügen schweren Einheiten doppelten Schaden zu, schwere Einheiten sind Bodentruppen überlegen, diese machen den Scharfschützen arg zu schaffen, die wiederum den Flugeinheiten zeigen, wo der Hammer hängt. Neben den oben erwähnten Sammlern stehen noch Spezialeinheiten zur Wahl, die sich durch besonders kraftvolle Angriffe oder Spionagearbeit auszeichnen. Die eigentlichen „Helden“, zu denen auch Roget zählt, schauen sich das Schlachtengemenge lieber aus der Distanz an – schließlich schlagen die Missionen beim Ableben bestimmter Teile des Führungspersonals fehl.
Viel zu sehen, viel zu hören.
Der Umfang des Spiels kann sich wirklich sehen lassen. Neben dem großen Hauptabenteuer, das euch sicherlich über zwanzig Stunden bei Laune hält, haben die Entwickler noch vierzig unabhängige Missionen integriert, die so genannten „Bonus Maps“. Hier spielt ihr Schauplätze aus der Solo-Kampagne unter anderen Bedingungen nach. In vielen Fällen gilt es, unter Zeitdruck alle Feinde auf der Karte zu eliminieren. Hierbei kommt auch der mit Verlaub klägliche Einsatz der Wi-Fi Connection zum Einsatz. Über den Online-Service könnt ihr nicht etwa gegen Strategen aus der ganzen Welt antreten. (Ironie bitte mitlesen) Wer käme denn auf die Idee? Ihr dürft lediglich die Ergebnisse, die ihr bei den Zusatzmissionen erhaltet, online veröffentlichen und euch damit an einer Rangliste beteiligen. Wow (Ironie endet hier). Wenigstens im lokalen, kabellosen Netzwerk bietet sich die Möglichkeit, einen menschlichen Mitspieler herauszufordern, wenn dieser das Spiel ebenfalls besitzt. Der Umfang bezieht sich aber nicht nur auf die Anzahl der Missionen: Heroes of Mana ist auch so voll gepackt mit „Literatur“ zu Gegnern, einem Stichwortverzeichnis und Aufzeichnungen über bisherige Leistungen, dass euch die ganze Leserei vielleicht etwas zu viel werden könnte. Vor, während und nach jeder Mission werdet ihr mit haufenweise Dialogen konfrontiert, die mit nervtötenden Kratzgeräuschen vorgetragen werden. Besonders die ersten Spielrunden verlaufen durch zig eingeblendete Hilfefenster, detaillierte Einführungen und ellenlange Konversationen nur sehr zähflüssig. Erst nach etwa zwei Spielstunden nimmt das Game so richtig Fahrt auf. Das Schlimmste ist aber: Das gesamte Spiel ist auf Englisch, nur die Anleitung ist deutsch. Das ist für so einen Text-lastigen, umfangreichen Titel schlichtweg inakzeptabel. Somit werden viele Spieler um die tief gehende Geschichte gebracht, die gute Englischkenntnisse voraussetzt. Der Hinweis über die fehlende Synchronisation ist darüber hinaus viel zu klein auf der Rückseite der Spielverpackung angebracht. Also: Warnung!
Entwarnung ist aber für die technische Seite auszusprechen: Es gibt nur wenig Anlass zum Meckern. Die Landschaften sind nicht immer hübsch, dafür aber übersichtlich gestaltet. Bei den Spielfiguren lässt sich trotz weniger Animationsstufen viel Liebe zum Detail erkennen. Löblich: Selbst bei „Massenschlachten“ wird das Spiel nicht langsamer und die Kamera lässt sich auch weiterhin flüssig rotieren. Die großen Charakterabbildungen während der Gespräche sind wirklich wunderschön gezeichnet, genauso wie die sich manchmal über zwei Schirme erstreckenden Zwischensequenzen. Überboten wird die grafische Präsentation noch von der wuchtigen Musikuntermalung: Orchestral klingende und eingängige Melodien unterstreichen die Stimmungen während des Spiels vorzüglich: Mal sorgen sie für ein majestätisches Ambiente, mal treiben sie euch in der Schlacht an. Hier sind Kopfhörer für intensiven Hörgenuss sehr zu empfehlen.
Epilog
Zum Schluss ist Brownie Brown und Square Enix großen Respekt zu zollen: Heroes of Mana ist ein gutes Beispiel dafür, dass Echtzeit-Strategiespiele auch auf dem Nintendo DS funktionieren. Zwar kränkelt das Gameplay an der dümmlichen Intelligenz eurer Truppen, der Charme, den das Spiel durch die Einbettung ins Mana-Universum versprüht, lässt aber so manchen Patzer vergessen. Zwar ist uns immer noch kein waschechter „Secret of Mana“-Nachfolger für den DS vergönnt, dafür darf Heroes of Mana als durchaus erfolgreicher Vertreter des Echtzeit-Strategie-Genres bezeichnet werden.
Fazit
Heroes of Mana beweist erneut, das in Echtzeit ablaufende Aufbaustrategiespiele auch auf dem Nintendo DS möglich sind. Die Steuerung funktioniert nach etwas Eingewöhnungszeit wunderbar, die Einheiten sind gut balanciert und der Umfang beachtlich. Abzüge gibt es für die schwache Gegner-Intelligenz und die fehlende deutsche Synchronisation.
- tolle Steuerung
- gute Balance der Einheiten
- Mana-Charme und toller Sound
- großer Umfang
- Mängel in der K.I.
- zäher Einstieg
- Spiel komplett englisch
Vielen Dank an die Firma Koch Media für die Bereitstellung des Testmusters.


