
Alien Syndrome
Eigentlich sind doch viele Spiele, in denen Frauen allein im Weltraum gegen Aliens kämpfen, auch gute Spiele. Natürlich denke ich gerade an die Metroid-Saga. Ein bisschen anders sieht es da bei SEGAs Alien Syndrome aus, das eine Umsetzung eines PSP-Spiels auf die Wii ist. Hier kämpft der Spieler nicht nur gegen Aliens, sondern auch gegen die Langeweile. Lest mehr dazu im Review zu Alien Syndrome!

Alien Syndrome
WII
- Genre
- Action-Adventure
- Entwickler
- Totally Games
- Publisher
- Sega
- Konsole
- WII
- Spieler
- 1–4 lokal
- Freigabe
USK ab 12
Frauen allein im Weltall: Gerade bei Metroid mit der hübschen Kopfgeldjägerin Samus Aran geht den meisten Videospielern das Herz auf. SEGA schickt jetzt eine eigene Weltraumamazone namens Aileen Harding ins Wii-Universum, nachdem sie im PSP-Original (!) schon für Recht und Ordnung gesorgt hat.
Zur Story: In ferner Zukunft gründet die Menschheit mittels der Terraforming-Technologie Kolonien auf vorher unwirtlichen Planeten. Seti-Alpha 5 (SAT 5), eine Terraforming-Station, sendet jedoch seit Längerem keine Signale mehr an die Erde. Aileen macht sich mit der USS Logos auf, die Probleme von SAT 5 zu ergründen. Was sie rasch herausfinden wird: Das Alien-Syndrom, außerirdische Mutanten, die Mensch und Maschine befallen, sind für das Chaos verantwortlich…
Das Konzept von Alien Syndrome ist ambitioniert: Man wagt einen Spagat zwischen Ballerorgie und Rollenspiel. Damit setzt ihr euch auch schon ganz zu Beginn des Spiels bei der Charakterwahl auseinander: Ihr bestimmt das Fachgebiet von Aileen und somit auch ihre starken und schwachen Attribute wie Stärke, Geschick, Präzision und Ausdauer. Als Abbruchexpertin werdet ihr mit einem Bombenwerfer als Primärwaffe ausgestattet; eure Stärke ist vergleichsweise hoch, die Präzision hingegen schwach ausgebildet. Als Scharfschütze ist es nahezu andersherum. Daneben stehen noch die Domänen Brandexperte, Überlebenskünstler (besonders geschützt vor Umweltgefahren wie Elektrizität, Feuer etc.) und Nahkampfkünstler zu Wahl. Ein ganz typisches Rollenspielelement, die Erfahrungspunkte, sind auch in Alien Syndrome von Bedeutung: Steigt ihr einen Level auf, dürft ihr euren grundlegenden Attributen Punkte zuteilen. Auch besondere Fähigkeiten können ausgeprägt werden. Hier geht es etwa um eine Verstärkung der Fernschuss-Waffen, automatische Regeneration von Energieanzeigen oder das Tragen besonders effektiver Rüstungen. Diese findet ihr wie eine Vielzahl anderer Items wie Gesundheitspacks oder Geschossmunition, wenn besiegte Gegner sie fallen fallen lassen oder ganz einfach in Kisten, die in den Levels verstreut sind. Alternativ könnt ihr auch auf euren euch stets begleitenden Shop-Roboter SCARAB zurückgreifen: Er stellt gegen Reservepunkte neue Munition, Waffen und Rüstungen her und gibt euch zudem noch Feuerschutz. Die Menüs, in denen ihr diese Einstellungen vornehmt, sind aber alles andere als intuitiv. Auch die Schrift fällt im ganzen Spiel viel zu klein aus und ist auf zierlicheren Bildschirmen kaum lesbar.
Ballerorgie und Rollenspiel – das Konzept liest sich jedenfalls gut.
Die Entwickler bei SEGA haben sich definitiv viel vorgenommen. Zu viel, wie sich mit einem Blick auf das Gameplay herausstellt. Die guten Ansätze einer Synthese zwischen Shoot’em Up aus der schrägen Vogelperspektive und Rollenspiel wirken sich kaum auf das eigentliche Spielgeschehen aus. Die Idee ist gut, die Umsetzung bescheiden. Sicher: Mit jedem Levelanstieg werdet ihr stärker, flinker oder tragt mächtigere Waffen und Rüstungen, aber wirklich spürbare Veränderungen sind nicht auszumachen. Die vergleichbare X-Men Legends-Reihe und Marvel Ultimate Alliance überzeugen eben dadurch, dass ihr über das Spiel verteilt neue Moves lernt und wirklich das Gefühl übermittelt wird, dass auch ihr etwas Neues „lernen“ müsst. Auch das Missionsdesign ist bei Alien Syndrome weit unterlegen und an Eintönigkeit kaum zu unterbieten. Ihr marschiert durch recht lineare, sehr ähnlich wirkende Trakte und Hallen und werdet immer wieder mit neuen Riesenwürmern und organisch-maschinellen Mutationen konfrontiert. Und wieder heißt es: Waffe auspacken, feuern oder schlagen, durch die nächste Passage und wieder meucheln, Türen öffnen, Items aufsammeln. Das Leveldesign und die Aufgaben fallen trotz kleinerer Veränderungen („Töte eine gewisse Anzahl von Aliens in diesem Bereich!“) insgesamt sehr monoton aus. An den Nerven zerrt darüber hinaus die häufig ungünstige Kameraeinstellung, welche die anrückenden Aliens meist nicht früh genug einfängt. Ihr könnt die Kamera durch eine 90°-Neigung des Nunchuks zwar selbst drehen, das kostet aber Zeit und ist umständlich.
Was rettet die Steuerung?
Selbst die durchaus solide Steuerung kann die Unlust nach über zehn Minuten Spiel kaum aufhalten. Ihr steuert eure Weltraum-Amazone mit dem Analog-Stick des Nunchuks durch die Levels und bewegt das Zielkreuz euer Fernkampfwaffen mit der Wiimote über den Schirm. Freunden von Wii Play dürfte diese Methode aus dem Panzerkisten-Spiel bekannt vorkommen. Für den Nahkampf nutzt ihr einen energetisch aufgeladenen Kampfstock; mit B werden leichte Angriff ausgeführt, während verschiedene Gesten mit der Wiimote für schwerere Attacken wie Stoß- oder Niederschlagsangriff sorgen. Das Highlight stellt der „Erlediger“ dar: Manche Gegner signalisieren mit einem rosafarbenen Ring um sich herum, dass sie sich in einer Art Todeskampf befinden. Schwingt ihr nun Wiimote und Nunchuk gleichzeitig nach unten, springt Aileen mit voller Wucht auf euren Widersacher und zerfetzt die glibbrigen Alien-Zellhaufen. Das sieht nicht nur hübsch aus, sondern führt obendrein noch zu mehr Erfahrungspunkten oder einer aufgefüllten Energieanzeige.
Gelegentlich werden Minispiele eingestreut, bei denen es etwa darum geht, kontaminierte Kisten zu öffnen, eure DNA zu verbessern (um Attribute zu verstärken) oder verseuchte Waffen zu reparieren. Um beispielsweise befallene Boxen zu öffnen müsst ihr so genannte Säuberungsnaniten vor gefräßigen Alien-Syndrom-Naniten schützen. Dabei wuseln die kleinen Tierchen über den Bildschirm: Die guten lotst ihr mit dem A-Knopf zur Kontamination, worauf sie mit B aufgeladen werden, um ihr Werk zu verrichten. Die bösen Naniten visiert ihr mit der Pointer-Funktion der Wiimote an und schlagt sie heftig nach unten: Der ausgelöste Energiestrahl macht den Räubern in Windeseile den Garaus. Die Erklärung dieser Minispiele fällt in Alien Syndrome äußerst verkürzt und eigentlich kaum verständlich aus. Und für „learning by doing“ bleibt einfach zu wenig Zeit. Erst ein Blick in die ganz ordentliche Spielanleitung lässt bei euch ein Licht aufgehen.
Zu viert wird´s besser, oder?
Nicht wesentlich heller erscheint einem da der Mehrspieler-Modus. Auf dem Papier klingt simultane Vier-Spieler-Kooperation erst einmal hervorragend. Doch ein verkorkstes Spiel kann das einfach nicht retten. Sicherlich wird das Gameplay zu mehreren noch einmal dynamischer, aber spätestens nach den ersten zwei Levels ist jede anfängliche Motivation am Boden. Grafisch und musikalisch versinkt Alien Syndrome ebenfalls in der Mittelmäßigkeit. Schade, SEGA hätte aus dem interessanten Konzept wirklich mehr machen können.
Fazit
Alien Syndrom ist eine Enttäuschung und ist ein Paradebeispiel für eine tolle Idee (Shoot´em-Up mit Rollenspielelementen), die schwach umgesetzt wurde. Der Spielverlauf ist schon nach kurzer Zeit einschläfernd, die Menüs verwirrend und die Kamera problematisch. Lediglich die Wii-Steuerung weiß zu gefallen.
- gutes Konzept
- solide Steuerung
- sehr monotones Gameplay
- schlechte Kameraführung
- unübersichtliches Menü mit zu kleiner Schrift
Vielen Dank an die Firma Sega für die Bereitstellung des Testmusters.


