
Pokémon: Diamant-Edition
Sie tragen keine Ketten um den Hals oder glitzernde Ringe. Nintendo scheinen nur die Namen auszugehen... Wie dem auch sei, Pokémon Diamant und Perl - Editionen eröffnen die Jagdsaison auf NintendoDS. Dank WiFi sogar weltweit! Wo dabei der Haken ist, lest ihr in unserem Review!

Pokémon: Diamant-Edition
NDS
- Genre
- Rollenspiel
- Serie
- Pokémon
- Entwickler
- Game Freak
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- NDS
- Spieler
- 1–8 lokal
Ehrlich gesagt, ich glaube ein wenig den Überblick verloren zu haben. Blau, Gelb, Smaragd, Ranger, Snap, Stadium, Gold, Link, Trading Card, Pinball, Mystery Dungeon und das lustige „Ich sage Pikachu was er machen soll“ – Hey You, Pikachu! Am 5. Oktober 1999 erschien der erste Pokémon-Titel auf dem deutschen Markt. In nur acht Jahren schaffte es die Serie auf noch viel mehr Titel, die ich zugegebenermaßen nicht alle auflisten kann. Zugegeben, bei den meisten Spielen handelt es sich um Spin-Offs, die lediglich auf das Pokémon-Universium zugreifen. Dennoch ist es verwunderlich, dass die Leute – insbesondere wenn es sich um das neue Rollenspiel im Original-Konzept handelt – den Läden auch nach eigentlich vollkommen übersättigten Jahren immer noch die Türen einrennen. Gewissermaße ein…
…Phänomon
Die Diamant und Perl Editionen sind die ersten wirklichen Pokémon-Spiele für NintendoDS. Doch auch mit einem zweiten Bildschirm bleibt das Meiste beim Alten. Kurz, im Kern ist es immer noch das Adventure/RPG, in dem man an erster Stelle seine Monster trainieren und Kampf für Kampf andere Trainer besiegen muss und zweitens dem Sammelwahn (107 neue „Opfer“) verfallen soll – Punkt 1 und 2 können dabei je nach Suchtverhalten des Spielers variieren. Zu Beginn des Spiels wählt man (entweder als Junge oder als Mädchen) eines der drei PocketMonster Panflam, Chelast oder Plinfa und zieht los um an die Spitze der Pokémonliga zu gelangen. Auf dem Weg dorthin liegen nicht nur viele kleine Trainer, die einem das Leben schwer machen wollen, sondern auch das Team Galaktika, das ein legendäres Monster erwecken möchte. Neue Namen, alte Geschichte.
Mit jedem Kampf, der erfolgreich verläuft, erhalten die kleinen Kreaturen Rollenspiel-typisch Erfahrungspunkte und werden stärker und stärker. Erreichen sie einen bestimmten Level entwickeln sich Pokémon weiter: Sie können neue Attacken lernen (es sind jedoch immer nur vier Attacken pro Monster im Repertoire möglich – bei Neuerlernen steht man somit vor der Wahl, welche man später nutzen möchte) oder sie entwickeln sich gar weiter in eine neue Kreatur.
Ich glaube, man muss nicht mehr sagen. Gerade im Einspieler-Modus fällt auf, dass das Konzept sich nicht im Geringsten geändert hat. Selbst wer nur die alten Game Boy-Teile (ja, die Rede ist noch von diesem großen grauen Kasten) gespielt hat, wird das Gefühl nicht los, das alles schon einmal gesehen zu haben. Doch, wenn man die Nase nicht schon voll hat, funktioniert das Prinzip auch heute noch genauso gut wie früher. Pokémon Diamant und Perl bieten die bisher größte Spielkarte. Alleine das Erkunden im Einspieler-Modus fesselt für Stunden.
Noch ein kurzer Einschub für Sammelwütige: Gefangene Pokémon aus den GBA-Versionen lassen sich in die DS-Version ziehen. Doch erst muss man die Diamant/Perl-Edition bezwingen.
Pokémon verbindet!
Nein, ich rede nicht von einem Kuschel-Pikachu um das sich zwei Kleinkinder lautstark streiten, sondern von einem Feature, das ein Pokémon-RPG bisher nicht bieten konnte: WiFi-Unterstützung. Um sein Können gegenüber Freunden unter Beweis zu stellen, muss man sich nun nicht mehr mit Kabelsalat quälen, sondern kann theoretisch am anderen Ende der Welt sitzen. Problematisch dabei ist jedoch die Tatsache, dass ihr nur eine Verbindung zu einem anderen Spieler aufbauen könnt, wenn ihr bereits dessen Freundescode im Spiel gespeichert habt. Alles muss überlegt und abgesprochen sein, leider. Dann kann gekämpft und getauscht werden, so viel das Spielerherz begehrt.
Aber wenn man diese Zeilen lesen kann, dürfte das kein allzu großes Problem sein – im Internet findet sich sicherlich der ein oder andere spielwütige Pokémon-Fan. Spieler, die diese Problematik in Kauf nehmen, werden mit einem Voice-over-IP-Chat belohnt. Kurz: Es lohnt sich! Natürlich hätte es trotzdem für den Spieler so viel einfacher sein können…
Wer nicht online spielen möchte, hat natürlich auch die Möglichkeit drahtlos mit bis zu 8 Spielern gegeneinander anzutreten (Multi-Karten-Spiel).
Drück mich!
Dank Touchscreen lassen sich die Diamant/Perl-Editionen weitaus besser spielen als ihre Vorgänger. Ist man auf der Weltkarte unterwegs lassen sich verschiedene (zum Großteil unwichtige) Informationen ununterbochen darauf darstellen. So weiß man stets über den Gesundheitsstatus seiner mitgeführten Pokémons Bescheid, hat immer einen Taschenrechner zur Hand, bekommt mitgeteil wie spät es ist oder kann zuschauen wie sich die Schrittanzahl des Spielcharakters von Sekunde zu Sekunde erhöht (weitere mehr oder weniger nützliche Funktionen kommen im Spielverlauf hinzu). Wirkliche Steuerungserleichterungen werden erst im Kampfbildschirm sichtbar: Bessere Übersichtlichkeit durch mehr Platz auf dem zweiten Bildschirm und ein schnellerer Kampfablauf – ein Druck auf die gewünschte Angriffs-Schaltfläche und schon geht´s weiter.
Nerviges Menü-Durchklicken gehört damit der Vergangenheit an.
Im generellen Spielablauf wird der Touchscreen nur als neue Möglichkeit für Schaltflächen verwendet, die bequem mit dem Daumen benutzt werden. Lediglich in Minispielen wird der druckempfindliche Bildschirm zu mehr genutzt. Über einige kurzweilige Spielereien kommt er jedoch nicht hinaus – nichts was der DS-Version einen wirklichen Kaufgrund neben dem eigentlichen Spiel liefert.
Komischerweise hat Pokémon Diamant/Perl kleinere Steuerungsprobleme anderer Art: Das Steuerkreuz reagiert relativ spät. So kommt es regelmäßig vor, dass man zwei oder drei Anläufe braucht um in eine Tür zu laufen. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran und reagiert eben selbst ein wenig früher, und nimmt dem Steuerkreuz diese Aufgabe ganz dreist ab.
Halb platt
Wiedererkennungswert, den kann man dem Spiel nicht nur spielerisch zusprechen. Auch grafisch weiß das Spiel an vergangene Episoden zu erinnern. Doch wenn es um Technik geht, ist das nicht unbedingt ein Kompliment. Pokémon Diamant/Perl kommt mit einer Mischung aus den Dimensionen daher: Auf der Weltkarte sind Häuser, Bäume etc. als Polygongebilde dargestellt, während Charaktere und die PocketMonser sowohl im Kampfbildschirm, als auch auf der Weltkarte aus Sprites bestehen. Keine Frage, die neuen Editionen sind die bisher schönsten (was bei Pokémon-Spielen jedoch nicht allzu viel bedeutet), aber mit dieser 2D/3D-Mixtur kratzt man nicht annähernd an der möglichen DS-Leistung. Umso verwunderlicher ist das leichte Ruckeln bei schnellem Laufen.
Kennst du Easy-Listening? Fahrstuhlmusik nennt man sie auch ein wenig abwertend. Was sie ausmacht ist, dass man sie gewissermaßen nicht wirklich wahrnimmt, obwohl sie die ganze Zeit im Hintergrund vor sich hin dudelt. Auch wenn die Spielmusik sicherlich nicht in dieses Genre gesteckt werden kann, kann man sie mit dieser Definition ganz gut beschreiben. Sie kurbelt weder zu Höchstleistungen noch zu Adrenalinstößen an, ist es aber auch nicht „wert“ den Lautstärkeregler als Mute-Taste zu missbrauchen.
Fazit
Keine Innovationen, aber Pokémon bleibt Pokémon. Wer das Konzept der Spielereihe auch nur annähernd interessant findet, kann ohne zu überlegen zugreifen. Nur kleinere Mankos, die leicht hätten behoben werden können, dämpfen den Spielspaß ein wenig. Neu: Die WiFi-Untertstützung ermöglicht weltweite Duelle.
- gutes, altes Gameplay
- Touchscreen gut genutzt
- WiFi-Duelle (mit VoiP-Chat)
- WiFi-Duelle nur mit bekanntem Freundescode
- Steuerkreuz reagiert verspätet
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


